Kodo Sawaki: die eigene Identität

EselDie Konfuzianisten sagten während der Tokugawa-Zeit (von 1600 bis 1868): „Der Shakyamuni war ein eingebildeter Kerl. Er redete von seiner Identität, die unübertrefflich sei im gesamten Kosmos.“ Missverständnis: Nicht nur Shakyamuni verfügt über eine Identität, die unübertrefflich im gesamten Kosmos ist. Jeder Einzelne verfügt über seine eigene unübertreffliche Identität. Wir beklagen uns über sie, während wir sie mit uns herumtragen. Die eigene Identität, die unübertrefflich im gesamten Universum ist, in sich selbst zur Erscheinung zu bringen, bedeutet den Buddhaweg zu praktizieren.

Hör auf zu heulen. Ganz kleinmütig klagst du darüber, was für ein langweiliger Kerl du seiest, während alle anderen so viel besser seien als du. Und kaum geht es dir dann ein bisschen besser, schlägst du schon wieder über die Stränge.

aus: Kodo Sawaki, „An dich, dem die Augen der anderen keine Ruhe lassen“

Ich fang mal mit dem zweiten Abschnitt an. Also, wer kennt das nicht – vorzugsweise bei einem bedauernswerten Mitmenschen natürlich – das nervtötende Gejammere und Wehklagen über das, wofür er sich zu halten scheint. Ob es nun ein „ich bin zu dick“ oder „zu hässlich“ oder ein „ich kann nix, ich bin nix, ich hab nix“ ist – irgendwas gibt es immer zu beanstanden. Und dann wieder taucht die Gegenseite, auf und plötzlich ist da einer, der angibt wie vier Pfund Rotz (ein Ausdruck, der aus meiner Kindheit hängengeblieben ist). „Na, der hat’s aber nötig!“ sagen dann die anderen und treffen damit natürlich den Nagel auf den Kopf. Wer sich für so ein mickriges Wesen hält, muss einfach immer wieder auf den Putz hauen, wenn er nicht Gefahr laufen will, sich irgendwann zu erhängen.

Buddha hatte da was Besseres anzubieten mit seinem „Liebe dich selbst und sei achtsam – heute, morgen, immer.“ Buddha und Kodo Sawaki sagen: „Jeder Einzelne verfügt über seine eigene unübertreffliche Identität.“ – „Wie, was, unübertreffliche Identität? Ich bin so ein Esel – und da faseln die von einer unübertrefflichen Identität?“ – „Du bist so ein Esel? Dieser Esel ist deine unübertreffliche Identität. Also feiere deine unübertreffliche Eselsnatur!“ Osho hat mal gesagt: „Feiere deine Neurose!“ Das ließe sich beliebig erweitern: Feiere deine Beschränktheit! Feiere deine Krankheit! Feiere deine Ängstlichkeit! Feiere dein ständiges Versagen! Feiere deinen Tod! Feiere deine Faulheit! Feiere natürlich auch deine Fähigkeiten und sog. Tugenden! … Feiere einfach alles!

Eseltanz

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25 Antworten zu Kodo Sawaki: die eigene Identität

  1. Prem Kasina schreibt:

    süß, diese tanzenden Esel…
    ich habe sie mir auf den Desktophintergrund gelegt, um mich zu erinnern. Schade, dass sie dort nicht tanzen…

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  2. Blümchen schreibt:

    Ich feiere, dass ich nie ein Fan von Ohso war. Smile. Spätestens nach dem Anschauen von der Film „Guru- Baghwan, his Secretary & his Bodyguard“ (der ganze Film ist bei Amazon zu kaufen) wusste ich wieso ich nie zu diese Orange Masse gehören wolle, die damals in meinem Ländchen aus den Boden sprosste. Meine Intuition hat mich damals schon nicht im Stich gelassen. Dabei gehört die Farbe Orange sehr wohl zu meinem Land, haha, aber das ist eine andere Geschichte. Ja, feiere das Leben und alles drin und drum herum, aber beware of some Gurus. https://www.youtube.com/watch?v=yd3x1GRgguY

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    • Nitya schreibt:

      Na siehste, ich bin ein Fan von Osho.

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      • Blümchen schreibt:

        Habe ich schon gedacht …………. schade.
        *lache*

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      • Nitya schreibt:

        Ich hatte das hier schon mal ausgebreitet. Mein erstes Buch von Osho war „Intelligenz des Herzens“. Darin erzählte er eine Geschichte von einem winselnden, frömmelnden, versoffenen Iren, der ständig Gott mit seinen kleinen Wünschen in den Ohren lag, und von einem unverschämten Neger, der mit seiner Braut vor Gottes Angesicht trat und voll Gottvertrauen seine Forderungen stellte. Natürlich erfüllte Gott die Forderungen des Negers und schleuderte dem Winsler entgegen: „Ich steh einfach nicht auf dich!“ ich wälzte mich vor Lachen auf dem Boden und wusste: Diese Art von Humor ist genau meine Kragenweite. Und als schwer Kirchengeschädigter fühlte sich diese amoralische Art für mich einfach hinreißend an.

        Ich hängte mir ein Bild von ihm an die Wand und bastelte mir einen Vogel oben drauf, der Osho auf den Kopf schiss.Das war meine Art, ihm meinen Respekt zu erweisen. Ich war noch nie in meinem Leben ein Jünger oder so was und mein erster „Guru“ (Heinz Butz) war alles andere als das, was sich Klein-Elfriede unter einem Guru vorstellen würde.

        “Guru- Bhagwan, his Secretary & his Bodyguard” basiert auf den Meinungsäußerungen von zwei enttäuschten Osho-Schülern. Offensichtlich hat ihnen Papa Osho nicht das gegeben, was sie sich erhofft haben. Er wäre auch ein miserabler Guru gewesen, hätte er ihre Erwartungen erfüllt. Der ganze Film hat für mich ausgesprochenes Bildzeitungs-Niveau.

        Du findest es schade, dass ich mich als Osho-Fan bezeichnet habe. Ich finde es schade, dass du nicht auch im Fall von Osho über die Aussagen Dritter hinwegsetzen konntest, bevor du „schade“ sagst, wenn ich mich als Osho-Fan oute. Ich bin nicht nur ein Osho-Fan, ich finde ihn absolut großartig und total hinreißend. Osho ist für mich ein einziges geradezu kosmisches Gelächter. ich verneige mich tief vor Osho, dem mein Vogel auf den Kopf geschissen hat.

        Warum sollte ich dich sperren? Ich find’s nur gnadenlos arrogant, wenn du schreibst: „Osho ist im Himmel und die damaligen Fans sind hoffentlich wieder aus ihrer spirituelle Pubertät heraus.“ Was mich betrifft, bleibe ich hoffentlich ein Leben lang ein Pubertierender.

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    • Prem Kasina schreibt:

      Blümchen, schön, dass du feierst…
      er sagte einmal: nicht wir würden uns ihn aussuchen…
      vielleicht hast du ihm ja auch nicht gefallen…

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  3. Ingeborg schreibt:

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  4. fredo0 schreibt:

    auch ich habe nix für Osho übrig gehabt … und doch habe ich ihn akzeptieren können , denn ich fand ihn stets witzig … und war mir sicher , dass er sich selbst nicht sehr ernst nimmt .
    mitlerweile finde ich vieles vom ihm gesagte doch recht passabel , damals erschien es mir … zusammengeklaubt.

    doch egal wie , er war fraglos nicht derjenige, dem ich mich zu füßen setzen sollte / wollte / konnte ….

    so einer kam später , und dem konnte man sich nicht „zu füßen setzen“ da er dann einen lachanfall bekam …

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    • Blümchen schreibt:

      Das scheint mir „eine gesunde Guru“…….. jemand der ein Lachanfall bekommt, wenn anderen sich „zu füßen setzen“ (Fredo‘ Worte). Herrlich. Trotz meine „gesunde Abneigung“ für das ganze Theater rund Osho damals und dieser Figur an sich, gebe ich zu, dass das Theater mit all diese „Guru Süchtigen“ lustig war anzuschauen. Und ja, ich habe früher einiges von ihm gelesen, und das war nicht schlecht. Aber es gibt mehreren die das Gleiche sagen/sagten. Mir sind diejenigen ohne Theater und Personenkult lieber. Aber was solls….Osho ist im Himmel und die damaligen Fans sind hoffentlich wieder aus ihrer spirituelle Pubertät heraus. O jee………was sage ich jetzt…..hoffentlich werde ich jetzt nicht von Nitya gesperrt. *lache*

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  5. Jens Gantzel schreibt:

    Yep, auch ich bin oft ein Esel… bin i a… und das Akzeptieren…, na ja, ich hab das Gefühl, dass einmal Akzeptieren nicht reicht, ich tue es halt immer wieder und so wirkt es langsam, merke ich🙂

    @ fredo0: Prima Kommentar, hab ich sehr gern gelesen!

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  6. Elwood schreibt:

    Ich habe Esel gern, auch den Esel Osho…

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  7. fredo0 schreibt:

    also … dann doch ein wenig aus dem „nähkästchen plaudern“ … allerdings nur nach hörensagen wieder erzählt … ich traf den besagten „der mit lachen auf devotion antwortete“ 1992 auf maui … per „zufall“ … was sonst🙂 … und war anfangs mehr als nur skeptisch , da ich ich diesem ganzen indischen gurugetue nix abgewinnen konnte … und „besagter“ war … dummerweise für mich … auch ein inder …
    was mich versöhnte war die tatsache , dass er , wenn er überhaupt zitierte , entweder Terence Gray erwähnte oder aber die ollen Tao oder Chan-Meister . Deshalb fühlt sie ja für mich Nityas Blog so gemütlich an🙂 …
    dann erzählte mir ein Amerikaner etwas , was sich wohl bei seinem ersten besuch in den usa ereignet hatte , und was mich geradezu in den kerl „verlieben“ ließ .
    er wurde eingeladen im süden von kalifornien mitten in der wüste in einem kargen haus zu sprechen. dort setzte er sich völlig linkisch auf diesen merkwürdigen hohen stuhl „davorne“ , denn die amis ihm in gewohnheit der indischen (guru)-attitüden da hingestellt hatten . er fing an zu sprechen , wohl sein erster öffentlicher talk vor einer handvoll interessierter , und strapazierte die zuhörerschaft mit nouminon und phänomon des WeiWuWei bis zum exzess … ( er hat später dann doch etwas einfacher zu verdauende vokabeln gefunden😀 )
    plötzlich betraten zwei rotgekleidete sanjassin-damen den raum , gingen nach vorne , und warfen sich in gut erlernter „devotee-manier“ lang ausgestreckt vor ihm auf den boden .
    er stand völlig spontan auf ( damals war er dazu körperlich wohl noch in der lage ) und warf sich gleichfalls flach vor den beiden damen auf den boden …
    diese erhoben sich , sichtlich irritiert , um dann , sicherheitshalber ihren niederwurf zu wiederholen . was ihn wiederum zur passenden antwort veranlasste .
    deurlichst erschrocken setzten sich die beiden rotgekleideten damen auf zwei stühle und er erhob sich , ging zu seinem stuhl , und sagte : “ oh … I like gymnastik !“
    dazu sollte man wissen, das er jahrelang begeisterter bodybuilder war ( mit seiner recht mickrigen größe auf den stets angebotenen „poser-bildern“ aus dieser zeit ein gar spassiger anblick ) .
    das sein „gymnastik“-beitrag mehr als nur eine botschaft hatte , sei nur nebenbei erwähnt .

    für mich führte seine art und auch diese geschichte , jedenfalls dazu , dass ich meine „guru-aversionen“ zumindest in diesem falle mal , vergessen konnte .

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  8. Blümchen schreibt:

    Sowohl das „schade“ hier oben, als auch das „“Osho ist im Himmel und die damaligen Fans sind hoffentlich wieder aus ihrer spirituelle Pubertät heraus” war humorvoll gemeint. Hier (sehe Link, der Film ist bei Amazon zu kaufen) kann man seine eigene Meinung bilden über der Film. Es handelt sich am meisten um Interviews mit seine damalige Sekretärin und sein Leibarzt, Menschen die sehr in seiner Nähe lebten. Meines Erachtens geht der Film viel weiter als das es sich nur um „zwei enttäuschte Schüler handelt“. Weiter findet jeder dasjenige dass zu ihm passt. http://www.amazon.de/Guru-Bhagwan-His-Secretary-Bodyguard/dp/B004F54PZC/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1408270260&sr=8-1&keywords=guru+secretary

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  9. Blümchen schreibt:

    Ja, da hast du recht. In meiner Erinnerung handelte es sich um ein Arzt, nun ja, immerhin ist das auch ein Art von Body Guard….

    Das Untenstehende hat jetzt nichts mit dem Thema zu tun, aber weil ich es so schön finde (sehe Link), leite ich es an mehreren weiter.
    Diese Woche ist der Dirigent Frans Brüggen, auch ein Holländer, gestorben.
    Früher war er ein bildhübscher Blockflötist, der die Blockflöte ein ganz anderes Anschein gegeben hat. Später hat er „das Orchester des 18. Jahrhunderts“ gegründet und war davon der Dirigent.
    Das Orchester wurde/ist weltberühmt.

    Hier, in dieser kurze Film ist er zu sehen, wie er dirigiert während sein Körper sichtlich schwach ist.
    Es berührt mich zutiefst. Ich habe noch nie so etwas gesehen.
    Jeder Bewegung dieser Mensch ist Musik. Von seine Augen, von seine Fingern und Hände.
    Er hat mal in einem Interview gesagt, dass er bis zum letzten Atemzug musizieren und dirigieren wird.

    Ich denke, im Moment berührt mich dieser Film umso tiefer, weil ich mich mit „Leben & Tod“ auseinandersetzen muss.
    Gerne würde ich so alt werden wie Frans Brüggen und auch noch so lange musizieren.
    Ich werde der Hoffnung nicht verlieren.
    Hoffentlich habe ich ein Guardian Angel.

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  10. fredo0 schreibt:

    es ist merkwürdig , gerade in der zeit dieser „extremitäten“ der oregonzeit mit den eskalierenden ego-monstrositäten des „inneren kreises“ ( die „große liebe meines jungen lebens“ gehörte zu meinem damaligen großen kummer leider auch dazu ) und seine gar wunderbar persiflierenden 99 rolls-roycen hatte ich damals dann doch eine art distanzierte zuneigung zu ihm gewonnen .
    das da groteske show auf höchstem niveau abging , war unverkennbar , und das breiteste grinsen darüber schien der herr mit mütze selber zu haben , sogar ( oder gerade ) als ihn die wie immer skrupellosen amis in den knast steckten.

    ( nur nebenbei , höchst spekulativ (!) , bemerkt . er ist damals ja in den fokus des fbi / nsa und konsorten geraten. und sobald ich von plötzlich auftauchenden waffen höre , duftet es für mich einfach sofort nach der „handschrift“ dieser herren . sei es in oregon , in chile , oder vor kurzem auf dem maydanplatz in kiew )

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    • Nitya schreibt:

      Das mit den Waffen haben zu meinem Entsetzen schon die Sannyasins selbst verbockt. Als ich mir das in Oregon anguckte, dachte ich zuerst: Hier sieht’s ja aus wie an der DDR-Grenze. Sheela mit dem Colt an der Hüfte, das war schon geil. Und überall Rotuniformierte mit Gewehren in der Hand – für einen alten Kriegsdienstverweigerer war das echt alles einfach zum Kotzen.

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  11. punitozen schreibt:

    Lieber Nitya ,
    Ohne Jammern
    noch ein wenig Sonnen- Reife

    dann mundet jene Köstlichkeit
    Pflaumen-Kuchen
    mmmh —

    …..Also, wer kennt das nicht – vorzugsweise bei einem bedauernswerten Mitmenschen natürlich – das nervtötende Gejammere und Wehklagen über das, wofür er sich zu halten scheint. Ob es nun ein “ich bin zu dick” oder “zu hässlich” oder ein “ich kann nix, ich bin nix, ich hab nix” ist – irgendwas gibt es immer zu beanstanden. Und dann wieder taucht die Gegenseite, auf und plötzlich ist da einer, der angibt wie vier Pfund Rotz (ein Ausdruck, der aus meiner Kindheit hängengeblieben ist). “Na, der hat’s aber nötig!” sagen dann die anderen und treffen damit natürlich den Nagel auf den Kopf. Wer sich für so ein mickriges Wesen hält, muss einfach immer wieder auf den Putz hauen, wenn er nicht Gefahr laufen will, sich irgendwann zu erhängen. ….

    mie-Pose
    wagoto-Stil
    aragoto-Stil –
    All-es Kabuki !
    🙂
    L.G. PUNITO

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