Lin-chi: einen Pfahl in den leeren Himmel rammen?


Pfahl
Ein Mönch fragte: „Meister, woher stammt die Melodie, die du singst? Welcher Ch’an-Richtung folgst du?“

Der Meister sagte: „Als ich bei Huang-po war, fragte ich dreimal und wurde dreimal geschlagen.“ Der Mönch zögerte.

Der Meister stieß einen Schrei aus, schlug ihn und sagte: „Du kannst einen Pfahl nicht in den leeren Himmel rammen.“

aus den überlieferten Worten des Ch’an-Meisters Lich-chi Hui-chao

Ha, das waren noch Zeiten, wo man für jede blöde Frage verprügelt wurde! Da muss ich gleich an meine Volksschulzeit denken. Wir waren 60 Jungs in der Klasse und wenn der Lehrer einen von uns bei seinen Schleichgängen mit einem Rechtschreibfehler im Diktat erwischte – zack! – hatte der eine im Genick sitzen. Natürlich waren wir alle derart verängstigt, dass wir nur noch Rechtschreibfehler produzierten und unser Lehrer so immer gut zu tun hatte.

„Welcher Ch’an-Richtung folgst du?“ Ikkyû Sôjun zerriss seine Erleuchtungsurkunde. Was ist man in Deutschland ohne Urkunde oder gar ohne Pass? Der Hauptmann von Köpenick fällt mir gerade ein. Osho legte immer großen Wert darauf, dass er keinem Meister und keiner Richtung folgte. In solchen Fällen heißt es dann immer: Der selbsternannte Guru. Also ich bin auch so ein Selbsternannter. Morgens ein selbsternannter Liedchensinger (woher stammen wohl die Melodien, die ich da singe?), ein selbsternannter Zähneputzer, ein selbsternannter Blogschreiberling, ein selbsternannter Kaffeetrinker usw. usw. … ich ernenne mich eigentlich rund um die Uhr selbst bzw. ich ermächtige mich selbst zu allem möglichem Dies und Das. Also, was soll die blöde Frage: „Welcher Ch’an-Richtung folgst du?“ Ich würde mich sogar hüten für was auch immer ich treibe den Namen Dyan oder Ch’an oder Zen zu verwenden. Wer das tut gehört sofort der Katz und muss solche blöden Fragen beantworten. Kein Wunder, dass Huang-po oder Linch-chi die Leute wegen solcherlei Fragen verprügelt haben. Das nervt einfach.

„Du kannst einen Pfahl nicht in den leeren Himmel rammen.“ sagt Lin-chi. Genau das versucht ja der Mönch mit seiner Frage. Irgendwas zum Festhalten muss man schließlich doch haben! Ich bin evangelisch, ich bin katholisch, ich bin alt-katholisch, ich bin Muslim, ich bin Buddhist, … und schon steckt der arme Mensch im Sack und ist gefangen. Jetzt muss er sich regelkonform verhalten. Lin-chi ließ sich offensichtlich auch durch solche Fragen in keinen Sack stecken. Seine Botschaft war: „Ich biete dir nichts, an was du dich festklammern könntest. Was ich zu bieten habe, ist so leer wie der grenzenlose Himmel. Du kannst dich noch so anstrengen, irgendwo deinen Pfahl einrammen zu können, da ist nichts. Also hör einfach auf mit dem Quatsch! Und wenn du nicht aufhörst, setzt es noch mal Prügel. Du gehst mir nämlich mächtig auf den Geist!“

tm

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5 Antworten zu Lin-chi: einen Pfahl in den leeren Himmel rammen?

  1. punitozen schreibt:

    „Einige Fußnoten wagte ER ( Nitya ) noch hinzuzufügen was dem Aufsetzen eines Hutes
    auf einen anderen gleichkäme !“
    “ Grrrrrr !“ *
    PUNITO
    * „Nagel deinen Pudding in selbsternannter Manier doch selber an die Wand ! “🙂 .

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  2. Prem Kasina schreibt:

    vermutlich hat der Mönch sich diese Antwort gemerkt…
    Schlugen Zen-Meister auch zu, wenn man ihnen keine Fragen stellte?
    Zum Glück ist kein Arm so lang, dass er das Netz durchdringt…

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  3. Schöner Artikel, lieber Nitya. Danke dafür!

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  4. punitozen schreibt:

    Hebe nur einen Finger … dann geht`s ab , wie nachstehend geschrieben steht :
    Guteis Finger
    Gutei erhob seinen Finger, wann
    immer man ihm eine Frage über Zen stellte. Ein junger
    Diener begann ihn darin nachzuahmen. Wenn jemand den Jungen fragte, worüber sein
    Meister gepredigt habe, so erhob er seinen Finger.
    Gutei hörte von dem Unfug des Jungen. Er packte ihn und schnitt ihm d
    en Finger ab. Der
    Junge schrie und lief davon. Gutei rief ihm nach und hielt ihn zurück.
    Als der Junge seinen Kopf zu Gutei wandte, erhob Gutei seinen eigenen Finger. In diesem
    Augenblick wurde der Junge erleuchtet.
    Als Gutei dabei war, diese Welt zu verlassen,
    versammelte er seine Mönche um sich. »Ich
    erhielt mein FingerZen«

    , so sagte er, »von meinem Lehrer Tenryu, und in meinem ganzen
    Leben konnte ich es nicht ausschöpfen.«

    L.G
    PUNITO

    ,

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  5. Sunny T Oakwood schreibt:

    😀

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