Yusuf Hamadani: eine innewohnende Gerechtigkeit

 


YH
Höhere Erfahrung und Wissen werden einem Mann oder einer Frau nur nach Wert, geistiger Fähigkeit und Verdienst zuteil. Wenn also ein Esel eine Melone sieht, wird er ihre Schale essen; Ameisen werden alles fressen, was sie kriegen können; ein Mensch isst, ohne darüber nachzudenken.

Unser Ziel ist es, durch Verstehen des Ursprungs Wissen zu erlangen, das durch Erfahrung kommt. Das vollzieht sich als eine Reise, die mit jenen unternommen wird, die den Weg schon kennen.

In der Rechtmäßigkeit dieser Stufe liegt die allergrößte Gerechtigkeit, denn dieses Wissen kann niemandem vorenthalten werden, der es verdient, und es kann auch niemandem zuteilwerden, der es nicht verdient.

Es ist die einzige Substanz, die fähig ist, von sich aus zu unterscheiden, es ist eine ihr innewohnende Gerechtigkeit.

Yusuf Hamadani in Idries Shahs „Meistergeschichten der Sufis“
fressenDer Verstand hat die vergnügliche Angewohnheit, sich immer zuerst oder sogar ausschließlich auf die Haare in der Suppe zu stürzen. Weil gestern Marianne mal wieder die Bissgurkn ins Gespräch gebracht hat: Ja, die haben eine ganz besondere Vorliebe für diesen Sport. Die hocken dann bei Facebook oder in ihrem Blog oder was weiß ich wo und geben von dort aus ihren Senf zu einzelnen Beiträgen oder Kommentaren in diesem Blog hier ab. Nun, auch in der Geschichte von Yusuf Hamadani gäbe es das eine oder andere Haar zu finden. Das ist wirklich kein Kunststück. Man könnte sich aber auch auf die Suche machen nach der Kernbotschaft des Autors. Vielleicht ist ja etwas dabei, das einem ein Licht aufstecken kann.

Ich fasse mal zusammen: Es geht um Verständnis. Und die Aussage ist: Jeder bekommt genau so viel Einsicht, wie er es verdient. Jetzt zieht sich sicher bei dem einen oder anderen der Magen zusammen: Verdienen! Was soll denn der Quatsch? Das klingt ja fast schon wieder wie Guido Westerwelles „Leistung muss sich wieder lohnen!“ I gitt! „Ohne Mühe hat der Bauer keine Kühe.“ Der Teufel soll diese Sprücheklopfer holen!

Es gibt Menschen, die rackern sich ihr ganzes Leben ab, quälen sich mit allen möglichen Übungen ab, studieren alle relevanten Texte – und der Groschen will und will nicht fallen. Was soll das mit Verdienen zu tun haben? Und anderen, irgendwelchen Faulpelzen und Hallodris, scheint es der Herr im Schlafe zu geben. Yusuf Hamadani sagt: „In der Rechtmäßigkeit dieser Stufe liegt die allergrößte Gerechtigkeit, denn dieses Wissen kann niemandem vorenthalten werden, der es verdient, und es kann auch niemandem zuteilwerden, der es nicht verdient.“ Was soll denn bitteschön daran gerecht sein? Soll mir jetzt keiner mit vergangenen Leben kommen, in denen die Faulpelze nicht faul und die Halodris ernsthafte Arbeiter im Weingarten des Herrn waren!

Wenn ich das recht erinnere, schrieb Martin Luther im kleinen Katechismus etwas von „ohn all Verdienst und Schuldigkeit“. Man könnte es auch Gnade nennen. Oder jenseits von jeder Vorstellung von Gerechtigkeit. Der eine hat’s, den anderen hat’s bloß. Es ist halt einfach, wie es ist. Mehr ist im Grunde nicht dazu zu sagen. Höchstens, dass der, der glaubt, was auch immer zu haben, nicht mehr oder weniger hat als der, auf den er da mitleidig herunterblickt. Denn letztlich hat niemand was, nicht einmal sich selbst. Wenn das nicht gerecht ist!
                                                    Meloneesel

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20 Antworten zu Yusuf Hamadani: eine innewohnende Gerechtigkeit

  1. fredo0 schreibt:

    yep ……
    in dem sinne ist sogar der „wissende“ der gearschte und keinesfalls der bevorzugte ….

    der ewige suche ist ja immer mit der hoffnung auf ein finden getröstet , und im gewissen sinne sogar genährt ..

    der , der zuim finden verdammt wurde, hat sogar noch diese trostschimäre verloren.

    ich arme sau , weiß nie so recht , ob ich mich bedauern soll,
    oder zufrieden(gekommen) durch den verlust dieser schimäre ..
    doch was bleibt stattdessen ?

    gut ….. ein ankommen im nieverlassenen… hmmm … hört sich auch irgendwie nach secondhandklamotten an … so richtig frisch ist das ja auch nicht …

    man merkt wohl ….. beim fredo ist heute ein wenig grauschleier auf dem speisezettel …

    warum auch nicht ….
    😀

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  2. Marianne schreibt:

    ein Mensch isst, ohne darüber nachzudenken

    Was soll das nun wieder für ein „Mensch“ sein?

    Bei mir wird die Wassermelone erst beklopft (beim Einkaufen), dann gut gekühlt, dann in Stücke geschnitten und entkernt … So mag ich sie am liebsten!🙂

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  3. Elwood schreibt:

    Und im Verborgenen schmiedet der Nitya eine Blümchenhochzeit!
    https://www.tumblr.com/search/bl%C3%BCmchen

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  4. punitozen schreibt:

    Lieber Nitya ,
    Punito murmelt HIER „ohn Verdienst : „Mushotoku ! “
    L.G
    PUNITO

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  5. Prem Kasina schreibt:

    Maria saß zu Jesu Füßen und hörte ihm zu, während Martha die ganze Arbeit als Gastgeberin erledigte. Martha ärgerte sich über Marias „Faulheit“ und bat Jesus, Maria zur Mithilfe aufzufordern. Jesus aber meinte, Maria habe den besseren Teil erwählt…
    Als Kind ärgerte ich mich sehr über diese Geschichte. Mein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn stand Kopf. Dann aber, eines Tages fing, ich an zu verstehen… Maria hatte wirklich den besseren Teil erwählt…

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  6. fredo0 schreibt:

    „““Jesus aber meinte, Maria habe den besseren Teil erwählt“““

    eine der viele typischen Verzerrungen der Texte .
    um die Bedeutsamkeit der Unterweisung zu betonen .
    ( und damit die Bedeutsamkeit der nachfolgenden Priester )…

    Jesus dürfte gesagt haben „Maria hat ihren (richtigen) Teil erwählt“
    (weil sie gar nicht anders könnte , denn es war nie „ihre“ Wahl)

    nun ja … auch nur so ein Text-Spekulatius des heute graulichen fredo …

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    • Prem Kasina schreibt:

      ich fand meine Bibel nicht und schrieb aus dem Gedächtnis. Sorry, wenn ich da etwas verwechselt habe. (im übrigen bin ich so frei und finde das Bessere auch richtig). Maria hätte meiner Ansicht nach ihrer Schwester schon helfen können, aber dann hätte sie Jesu Geschichten verpasst…
      Wenn der Himmel bei dir so grau ist wie hier, wundert mich nichts…

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  7. doro schreibt:

    Man kann nicht aus seiner Haut, einige ackern und ackern, vielleicht verpassen sie durch lauter Anstrengung das Vertrauen dazu zu haben, dass geschehen wird, was geschehen soll. Wissen wir’s, wozu es gut ist, dass einige etwas zu haben scheinen, was es gar nicht gibt und andere suchen, was es gar nicht gibt… Ist das nicht zum Brüllen komisch, und zugleich tragisch, wenigstens für die, die alles aufgeben und ruinieren, was um sie ist auf der Suche, und auch für diejenigen, die anscheinend Finden und Ent-Täuscht sind, etwas ganz anderes finden wollten… Herrlich, dieses Durcheinander, als wenn jemand alle Wünsche und Hoffnungen und Erscheinungen durch den Mixer gedreht hätte und über alle verteilt hätte. Ich vermute, der, der sich das ausgedacht hat, hat etwas gutes geraucht🙂

    Und an Fredo, morgen scheint bei Dir wieder die Sonne!!

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    • Prem Kasina schreibt:

      meinst du mit dem Rauchen mich? Ich bin Nichtraucher. Ich verstehe hier noch nicht so ganz, was Antworten auf Antworten sind und was Kommentare bezüglich des Textes. Vertrauen ist sehr, sehr wichtig. Ohne Vertrauen kann man sich nicht fallen lassen. Vertrauen kann man aber nicht erzwingen. Vertrauen wächst…
      Meine Suche hat schon sehr früh aufgehört. Ich hatte das Gefühl, ich habe gefunden. Dann hätte ich mich auf den Weg machen sollen, ließ mich aber ablenken, verschob auf morgen…

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      • doro schreibt:

        Einen wunderschönen guten Tag Kasina, ich hatte das schon als Antwort auf Deinen Kommentar gemeint. Mit dem Rauchen meinte ich eigentlich halluzinogene Drogen. Denn hast Du Dir das ausgedacht? Das mit den Drogen sollte natürlich ein Witz sein, aber es ist alles so verrückt, dass man es sich kaum anders ausdenken könnte. Oder könntest Du Dir dieses System ausdenken, dass einige durch Nichts-Tun scheinbar alles erreichen, andere durch unendliche Arbeit scheinbar nichts erreichen, und jeder etwas findet, was er gar nicht finden will, der eine nichts, der andere das NICHTS … Muss ja wohl!🙂 Denn in Dir, in mir, in allem ist ja das komplette Leben enthalten, wir sind dieses System auch, es ist alles eins, wir können uns davon nicht lösen. Und warum auch, denn es hat sowieso keinerlei Bedeutung, lass die einen den ganzen Tag durch die Gegend rennen, die anderen im Liegestuhl liegen, was macht das für einen Unterschied… Jeder so, wie er kann. Und: warum hat Martha sich nicht dazu durchringen können, sich ebenfalls zu Jesus zu setzen? Es scheint, dass sie sich nicht traute, ihre angebliche Pflichten zu vernachlässigen, weil sie nicht darauf vertraute, dass nichts so wichtig ist wie das… Und Maria hat sich halt getraut, jegliche Konsequenzen in Kauf nehmend, sieht man ja, was sie davon hatte, noch 2000 Jahre später empört man sich über ihr Verhalten, wenn das mal nicht eine schwere Strafe ist. Aber ich würde wetten, dass es sich für Maria allemal gelohnt hat, nicht zu kochen und zu putzen.
        Und zu Deinem Paradies… Werden Löwe, Krokodil und Co. dann zu Veganern, dürfen Bäume gefällt werden? Dürfen Felsen geschlagen werden? Was passiert dann, was tut man gegen die Langeweile? Denn was bleibt zu tun, wenn für alles gesorgt ist, nur tanzen, schöne Musik und nette Worte? Ich würde verzichten. Kennst Du den Film Matrix Teil 1? Falls nicht: es geht ganz grob darum, dass die Maschinen die Menschheit unterworfen haben und ihre ohnmächtigen Körper als lebendige Energiequellen benutzten. Die Gehirne der Menschen sind an eine Art Traumcomputer angeschlossen. Die Maschinen haben es erst „gut“ gemeint mit den Menschen und haben ihnen 100%ig gute Illusionen vorgespielt, haben dann aber gemerkt, dass sich die Menschen wesentlich besser halten, wenn sie sämtliche Gefühle der Palette durchleben müssen… Gut, das ist natürlich nur ein Film, aber ich denke, dass tatsächlich das Paradies kein Paradies wäre und „man“ langfristig ziemlich unglücklich würde, und das wäre dann ja verboten, wo wir dann bei einer Diktatur wären… Was für ein Paradies…

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  8. schildkroetin schreibt:

    *eine innewohnende gerechtigkeit* – vorherbestimmt ist jeder kröte weg, sie können nicht schneller als sie nunmal können, das tempo obliegt ihnen nicht:

    https://schildkroetin.wordpress.com/skala-des-bewusstscheins-x/

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Schildkrötin,

      ist das die Tabelle von David Ramon Hawkins?

      Mir wird immer ganz gruselig, wenn ich solche Tabellen sehe. Und wenn ich dann an all die werten Zeitgenossen denke, die dir mittels Kinesiologie beweisen, dass sie ein paar Stufen dichter dran sind an der Erleuchtung, dann … dann … ach ich sag’s lieber nicht.

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      • schildkroetin schreibt:

        gott bewahre uns vor stufen😉

        diese tabelle kam aus dem schildkrötenuniversum und bei inniger schau erkennst du, dass es in dieser skala nur lebensbejahende erscheinungen gibt, ganz im gegensatz zu anderen erzählungen aus der wissenschaft oder sonstigen deutungen.
        jede erscheinung ist weder über noch unter zu bewerten😉

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      • Blümchen schreibt:

        Ich konnte der Link nicht öffnen. Denke aber, dass es sich nicht um der Bewusstseinstabelle von D. Hawkins handelt, denn oben heißt es „BewusstSCHEINS Skala“ . Eine lustige Abwandelung des Urspungswort. Ich bin neugierig, aber kann der Link nur öffnen wenn ich irgendein Programm installiere und das ist mir zu viel Getue.

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