Nisargadatta: Liebe und Weisheit


Hand
Schauen Sie her, mein Daumen berührt den Zeigefinger. Beide berühren den anderen Finger und werden von ihm berührt. Wenn meine Aufmerksamkeit auf dem Daumen ist, ist der Daumen der Fühlende und der Zeigefinger das Selbst. Richten Sie die Aufmerksamkeit auf den Zeigefinger, und die Verhältnisse stellen sich auf den Kopf. Irgendwie habe ich festgestellt, dass ich durch die Veränderung meiner Aufmerksamkeit die Sache geworden bin, die ich anschaue und deren Bewusstheit erfahre. Ich werde zum inneren Beobachter dieser Sache. Ich nenne diese Fähigkeit, andere Hüllen des Bewusstseins zu betreten, Liebe. Sie können es nennen, wie Sie wollen. Die Liebe sagt, ‚Ich bin alles‘, die Weisheit sagt, ‚Ich bin nichts‘. Zwischen diesen beiden fließt mein Leben. Da ich zu jeder Zeit und an jedem Ort das Subjekt so wie das Objekt der Erfahrung sein kann, drücke ich es dadurch aus, dass ich sage, Ich bin beides und keines von beiden und jenseits von beiden.

aus: Sri Nisargadatta Maharaj, „ICH BIN“, Band I

„Die Liebe sagt, ‚Ich bin alles‘, die Weisheit sagt, ‚Ich bin nichts‘. Zwischen diesen beiden fließt mein Leben.“ Das wird immer wieder gern zitiert und wird oder wurde sicher schon in eine Nisargadatta-Zitate-Sammlung aufgenommen. (Ich hab nicht nachgeguckt.) Aber was meint Nisargadatta mit „Liebe“, was mit „Weisheit“? Nisargadatta drückt sich da sehr klar aus: „Ich nenne diese Fähigkeit, andere Hüllen des Bewusstseins zu betreten, Liebe.“ Und Weisheit?Da ich zu jeder Zeit und an jedem Ort das Subjekt so wie das Objekt der Erfahrung sein kann, drücke ich es dadurch aus, dass ich sage, Ich bin beides und keines von beiden und jenseits von beiden.“ Na wenn da nicht ganz laut das Tetralemma klingelt!

tetra-klein
Ich bin das Subjekt und nur das Subjekt.
Ich bin das Objekt und nur das Objekt.
Ich bin das Subjekt und das Objekt zugleich.
Weder bin ich das Subjekt noch bin ich das Objekt.

Dazwischen fließt mein Leben. So, und jetzt wird aus dem netten Nisargadatta-Zitat ein Schuh draus.
                           SchuhMaus

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24 Antworten zu Nisargadatta: Liebe und Weisheit

  1. inrayma schreibt:

    wie hast du das gemacht, dass an der Hand im eingefügten Bildchen das Lichtpünktchen zwischen Daumen und Zeigefinger wechselt?………ich habe das beim Lesen nur nebenbei aus dem Augenwinkel bemerkt und dachte grad…….huuuuuch……mir geht ein Licht auf😉

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  2. doro schreibt:

    Geht es nur mir so? Manchmal lese ich solche weisen Zeilen, und nichts passiert. Ich lese, und denke mir: Na, das hört sich ganz nett an, aber -wiese so schön heißt- es holt mich nicht ab. Aber heute hat es mich beim zweiten Lesen so richtig gepackt, plötzlich hat mich der kleine Text gepackt und umgehauen. Danke, Nitya!

    Weise Liebe und liebende Weisheit- das schließt sich nicht aus, wenn man vom eigenen Körper, von der eigenen Existenz absieht und in die Unendlichkeit denkt, dann wird Liebe Weisheit und Weisheit wird Liebe. Und bei der Zeichnung des Tetralemmas ist der Kreuzungspunkt in der Mitte, das Zentrum der Ursprung und einfach ALLES. Einen richtigen Urknall hatte ich gerade, da ist aus nichts alles geworden…

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    • Nitya schreibt:

      Nein, liebe Doro, das geht ganz sicher nicht nur dir so. Ich erinnere mich beispielsweise an meine Jugendzeit, in der ich mich eine Zeit lang mit der Bibel herumgeschlagen habe. Manchmal beschäftigte ich mich immer wieder mit einer Aussage und konnte nichts mit ihr anfangen. Plötzlich ging mir ein Licht auf. Dann dachte ich:Jetzt hab ich’s! Wenig später ging mir ein ganz anderes Licht auf. Und später wieder ein anderes. Das hörte eigentlich nie auf. Irgendwann dachte ich, das kann jetzt noch ewig so weiter gehen. Netter Zeitvertreib. Aber das ist es alles nicht. Alles für den Papierkorb.

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  3. fredo0 schreibt:

    wenn du glaubst etwas verstanden zu haben von dem was ich sage,
    habe ich es nicht gründlich genug formuliert ….

    so oder ähnlich sagte/schrieb mal einer von denen, die öfters mal davorne sitzen .

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  4. Marianne schreibt:

    das, was doro verstanden hat, ist ihre ur-eigene einsicht und insofern natürlich subjektiv wahr und nicht für den papierkorb … dieser werden weitere einsichten folgen …
    sie hat natürlich rein gar nichts mit nityas erklärungen zu tun außer … dass sie vielleicht der auslöser waren, oder auch nicht …

    Apropos: Ich finde es ein echtes Nisargadatta-Licht-Zitat und die Photoshop-Illustrierung super!
    🙂
    Marianne

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Marianne, mein Papierkorbhinweis sollte nicht Doros „ur-eigene-Einsicht“ abwerten, sondern alle „ur-eigenen-Einsichten“ als etwas bezeichnen, das nach dem Erscheinen reif für den Papierkorb ist. Im übrigen habe ich Doro mit keinem Wort erwähnt, sondern den Papierkorb auf meine ur-eigenen Einsichten bezogen. Und darüberhinaus würde ich sagen: Jede Erscheinung ist für den Papierkorb. Das hamstermäßige Sammeln von Einsichten ist einfach – verrückt.

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      • fredo0 schreibt:

        Es ist ja die „letzte“ Einsicht ( und die hat durchaus einen bitteren Beigeschmack … zumindest anfangs ) , dass es so etwas wie Einsicht gar nicht gibt . nicht geben kann.

        der Tanz auf den Wogen des Lebens kennt keine feste Basis von Erkenntnissen.
        Da ist weder Saal noch Parkett noch passende Schuhe.
        Da ist einfach nur … Tanz .

        meint fredo, dem die Knochen vom Wochenendtänzchen diesmal doch sehr lange knirschen.

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      • Marianne schreibt:

        … womit wir wieder bei den verschiedenen perspektiven wären … wie schön, dass es sie gibt!🙂

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      • Nitya schreibt:

        Auch diese ur-eigene Marianne-Einsicht:
        Ab in den Papierkorb!

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      • Ronny schreibt:

        …schön mal diese „esoterische“ Aussage von Nisargadatta als ganzes zu lesen und deinen Kommentar dazu, …so und schon wieder was für den Papierkorb.
        Besten Dank;-)

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  5. inrayma schreibt:

    „Auch diese ur-eigene Marianne-Einsicht:
    Ab in den Papierkorb!“

    Man stelle sich vor alle Weisen und Schriftsteller wären diesem Rat gefolgt…….wie traurig……nicht auszudenken, was der Welt verloren gegangen wäre……und, was würden wir hier jeden Tag zu lesen bekommen? Keine „fremden“ Ur-einsichten und keine „eigenen“ Ur-einsichten………
    Also wohin jetzt mit dieser Ur-einsicht?
    (Mal abgesehen davon, dass sich sämtliche Papierkörbe dort befinden, wo Ur-einsicht, Fremd-Einsicht oder ausgelöschte Sichten erscheinen😉 )

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    • Nitya schreibt:

      Der Papierkorb ist für mich einfach ein Symbol für Nicht-Festhalten.

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      • inrayma schreibt:

        Festhalten ist doch was Schönes!
        Ein Gedicht auf dem Papier festhalten, eine komponierte Melodie in Noten festhalten, einen geliebten Menschen ganz ganz dolle festhalten, wenn man ihn über die Straße führt mitten in einer wilden Großstadt, die Weisheit des Lebens – festgehalten in der Architektur eines Hause (Hundertwasser)

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  6. fredo0 schreibt:

    es gibt ein festhalten, was im halten bereits wieder loslässt.
    dies geschieht im falle von kreativem „festhalten“ .
    was ohnehin eher ein ins (anscheinend) feste begleiten ist.

    es gibt aber auch ein „sich“ festhalten .
    und was genau damit versucht, einen tatsächlich vorhandenen festhaltenden zu definieren.

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  7. Elwood schreibt:

    Mein Glaube an die Notwendigkeit des Sammeln von Ur-einsichten, läßt doch manchmal ein wenig Ästhetik in „meinem“ Tanz vermissen. So werde ich diese Einsicht nutzen um meine Ego-aufblähung von einer anderen Perspektive zu betrachten(vieleicht aus der Hängematte?). Auch wenn dafür keine Notwendigkeit besteht.
    Dat mutt doch
    ahoi
    Elwood

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  8. fredo0 schreibt:

    festhalten will sich oft vorallem (der wunsch nach) bedeutsamkeit.

    so gab es einen überaus begnadeten maler als freund in meiner jugendgeschichte , zu der zeit als ich auch einst malerei und bildhauerei studierte…. besser zu studieren versuchte.
    ( welch witz , derartiges zu studieren, vor allem wenn man so talentfrei ist, wie ich es war ) .
    ich lebte mit diesem maler zusammen in einer wg.
    fast jede nacht stand er auf , und zeichnete mehrere stunden mit der „automatischen“ hand.
    da ich bereits damals eine rechte eule war, und als dj oft bis in die morgenstunden arbeitete, um mein studium zu finanzieren , saß ich dann nach dem nachhausekommen noch oft schweigend neben ihm, und genoß diese seltsame stille „direktheit“ , die von ihm ausging.
    genau diese stillen beisammenkünfte haben uns dann auch zu freunden gemacht.
    am ende der nacht nahm er seine zeichnungen, betrachtete sie kurz, und begann sie zu zerstören, durch zerreißen oder manchmal gar mit verbrennen.
    ich fragte ihn natürlich warum , denn seine zeichnungen waren wunderbar, geradezu magisch faszinierend, eine suggestive, fast magnetisch „einziehende“ bilderwelt, die sich nicht hinter einem fuchs oder gar dali zu verstecken hatte. ( meiner begeisterung nach🙂 )
    er sagte nur : „ich habe sie dem moment entrissen, und dem muss ich sie zurückgeben“ .

    ich bin stolz darauf , einige dieser zeichnungen dann doch für mich „gerettet“ zu haben.
    dies war aber nur möglich, weil er bei diesen die perfektion des momentes verfehlt sah.

    dies ist für mich beispiel des loslassenden festhaltens eines momentes in kreativer arbeit.

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    • doro schreibt:

      Meine „Vision“, die ich heute Morgen hatte, hat sich natürlich wie erwartet verflüchtigt, es war mehr ein Bild, ein Gefühl, ein mir die Beine wegziehen und frei fallen lassen. Danach setzte der Kopf ein und suchte Erklärungen und da kam dann so allerhand. Und ich bin Nityas Meinung, dass es vielleicht ganz interessant ist, was da kam bezüglich Einheit und Liebe etc., dass es aber nicht wert ist, damit Zeit und Papier zu verschwenden. Ich bin total daccord mit Deinem Papierkorb. Aber dieser – ich sage mal – Flash, das war schon ziemlich umhauend. Daran könnte man sich nun natürlich festhalten, aber da gäbe es dann nur noch eine tote Hülle in den Händen zu halten.
      Irgendjemand schrieb neulich, dass Erinnerungen und die eigene Geschichte immer unwichtiger und bedeutungsloser werden, auch hier wird Losgelassen und Freigegeben.

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  9. Jens Gantzel schreibt:

    Das Tetralemma🙂 Wie schön, eine solche Einbettung für eines meiner liebsten Coaching-Werkzeuge geboten zu bekommen! Danke🙂
    Und: schönes Wochenende!

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    • Nitya schreibt:

      Hallo Jens,

      dein Wochenende könnte sein:
      schön und nur schön,
      gruselig und nur gruselig,
      sowohl schön wie auch gruselig,
      weder schön noch gruselig.

      Jetzt hast du einen Wunsch frei.

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      • Blümchen schreibt:

        Schöne Gedanken, so eben in einem anderen BLOG Teil hier gelesen.
        Passt gut zu einem schön gruseliges oder gruselig schönes Wochenende (frei nach Nitya).
        Morgen werde ich endlich mal „I AM THAT“ von Maharaj weiterlesen, inspiriert durch dieses BLOG von „Meister Nitya“. *lache“ Vor Jahren schon in meiner eigene Sprache (Holländisch) gelesen. Die Englische Ausgabe scheint am Besten zu sein, habe ich gehört.
        Ich habe es bei Amazon bestellt und dann aus Indien bekommen, schöne „Umweg“.
        Hier die oben versprochene Worte von Willigis Jäger.
        Ich habe zwar nichts spezifisches mit ZEN oder mit Advaita, ich habe einfach mit alles etwas…. Besser gesagt, mit alles das mein Herz berührt habe ich etwas und das Herz berühren tut diese Text:

        Gott und Mensch … Gold und Ring
        Veröffentlicht am 25. November 2011 von Nitya

        „Gott und Mensch verhalten sich zueinander wie Gold und Ring. Sie sind zwei ganz verschiedene Realitäten. Gold ist nicht Ring und Ring ist nicht Gold. Aber in einem goldenen Ring können sie nur zusammen auftreten. Sie sind koexistent. Das Gold braucht eine Form, um zu erscheinen, und der Ring braucht ein Material, um sichtbar zu werden. Sie sind Nicht-Zwei. Das Gold offenbart sich als Ring. So offenbart sich Gott als Mensch. Sie können nur zusammen erscheinen. Das ist für mich der Sinn der Inkarnation Jesu. Es soll darin sichtbar gemacht werden, dass alles eine Inkarnation Gottes darstellt, von den Quarks und Leptonen bis hin zu den rein geistigen Formen, von denen wir keine Ahnung haben. Wir sind “Gottmenschen”. Ich kann auch sagen: Gott hat sich als Mensch manifestiert.“

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      • Jens Gantzel schreibt:

        Hallo Nitya,
        🙂
        Wünschen tue ich ’schön und nur schön‘
        Wollen ist gerade absichtslos
        Und Tun wird ‚weder schön noch gruselig‘ sein
        Höre gerade den Tauben und fahrenden Autos zu…

        LG nach Hamburch🙂

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