Wilhelm Reich: das Sitzen auf der Stelle


kleine NachtDie meisten Menschentiere töten die Führer nicht deshalb, oder ziehen sie nicht deshalb dahin zurück, wo sie selbst sitzen, weil sie bewusst böse sind oder vorsätzlich töten wollen. Mit wenigen Ausnahmen sind die Leute im Allgemeinen nicht sadistisch. Sie sind verdrossen, unbeweglich oder matt und schlaff, aber nicht sadistisch. Sie haben jedoch ihren entscheidenden Einfluss auf die menschliche Entwicklung dadurch ausgeübt, dass sie jeden Angriff auf ihre Art der emotionalen Existenz zu unterbinden wussten. Es war nun einmal der Mensch selbst, der seine Religionen geschaffen hat. Das Sitzen auf der Stelle, das Aufsaugen von Kraft und Hoffnung und das latente Wissen um die eigene Tiefe sind nicht irgendwie etwas Gemachtes, es ist strukturell, automatisch. Es ist alles in allem das Ergebnis dessen, dass der Mensch noch ein Tier ist, aber durch seinen Panzer unbeweglich wurde. Im Allgemeinen reflektieren die Menschen nicht über ihre Taten, allenfalls über das für ihr Dasein notwendige Minimum. Sie sind ganz allgemein die Quelle allen Konservativismus! Der konservative Führer kann sich auf sie besser verlassen als der, der Vorstellungen über eine möglicherweise bessere Zukunft hat. Zar und Kaiser sind der wirklichen Lebensart des Volkes näher als der Prophet, ihrem Sitzen näher. Die Propheten spiegeln nur heimliche Träume und Hoffnungen der Menschen wider. So ist es klar, warum der Prophet und nicht der Zar derjenige ist, der getötet wird.

aus: Wilhelm Reich, „Christusmord“

Menschentiere nennt Wilhelm Reich diejenigen Wesen, die sich selbst für die erhabensten unter der Sonne halten, und macht in seiner Beschreibung dieser Wesen deutlich, dass er sie für eine ziemlich kranke Art hält. Reich hält den Menschen für ein Tier, das durch seinen Panzer unbeweglich wurde. Zu allem Überfluss scheint das Menschentier an nichts mehr zu kleben als an seinem Panzer, es unterbindet jeden Angriff auf seine Art der emotionalen Existenz. 1914 hieß es: „Wer hat uns verraten? – Sozialdemokraten!“ 2014 und immer wieder in der Zwischenzeit kann man dasselbe Lied vernehmen. Aber wer wurde da verraten? Nicht das „Volk“. Das Volk der Sitzenden wählt nun mal konservativ. Warum immer den Konservativen den Wahlerfolg überlassen? Alles drängelt sich um eine sog. Mitte. „Die Mitte“ ist immer konservativ. „Keine Experimente!“ – damit hat schon Konrad Adenauer die Wahlen gewonnen. Aber das war auch immer nur Wahlgeklüngel. Wenn ich mir anschaue, was Mutti Merkel in den letzten Jahren auf den Weg gebracht hat und was sie noch hofft, in Kürze auf den Weg zu bringen, dann wird mir ganz schwindlig. Ein Experiment nach dem anderen und noch dazu lauter Experimente, die ich nicht nur für ausgesprochen schwachsinnig halte, sondern die zu allem Überfluss auch noch die Bezeichnung „kriminell“ verdienen. Aber „Wir sind das Volk“ sitzt und wählt Mutti Merkel unverdrossen weiter. Wenn Gabriel und die Genossen so weiter machen mit ihrem Verrat, wer weiß, vielleicht schaffen sie es ja doch noch, Mutti Merkels Konservativismus zu übertreffen und „die Macht“ für sich zu erobern. Zu Willy Brandts Zeiten war ich ja mal ein paar Jahre aktiv in der SPD. Wily Brandt und Egon Bahr und die Öffnung zum Osten gegen alle Widerstände! Und was treiben heute seine sog. Enkel?! Sanktionen und Kriegstreiberei, was Blöderes fällt diesen sog. Genossen nicht ein. Haben die sich einmal gefragt, was Willy jetzt wohl gemacht hätte? Na ja, dafür haben sie ihre Willy Brandt-Statue im Willy Brandt-Haus stehen. Das muss genügen.

WillyVorschlag für eine Neuinstallation der Willy Brandt Statue

Reich vergleicht an anderer Stelle das Volk mit einem Ozean, der mit seiner Schwerkraft alles, was aus seiner Masse herauszuragen versucht, wieder zum „Sitzen auf der Stelle“ zurückzwingt. Die Welle kann noch so hoch sein, sie muss doch wieder zurück. Mir fallen gerade Leute ein, die sich ständig die Kante geben und die nichts unversucht lassen, andere mit in ihren Sumpf hineinzuziehen. Diejenigen, die sich standhaft diesem „Werben“ entziehen, sehen sich häufig dem Hass der fröhlichen Zecher ausgesetzt.

Wilhelm Reich sagt: „Mit wenigen Ausnahmen sind die Leute im Allgemeinen nicht sadistisch. Sie sind verdrossen, unbeweglich oder matt und schlaff, aber nicht sadistisch.“ So wenige sind die Ausnahmen gar nicht. Wenn ich da an die Leute denke, die die „Welle“ Erich Mühsam quälten und ermordeten, oder an … ich mag gar nicht an die vielen, vielen „Ausnahmen“ denken. Wer mag, kann sich ja hier die „Ausnahmen“ zu Gemüte führen:

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7 Antworten zu Wilhelm Reich: das Sitzen auf der Stelle

  1. Marianne schreibt:

    Ein Mensch, der sich sehr schlecht benahm,
    spürt zwar in tiefster Seele Scham.
    Jedoch, sofern er kein Gerechter,
    benimmt er fortan sich noch schlechter,
    weil du für seine falsche List
    ein wenn auch stummer Vorwurf bist.
    Dies ist der Grundsatz, dem er huldigt:
    »Es klagt sich an, wer sich entschuldigt!«
    Auch ist ihm dieser Wahlspruch lieb:
    »Die beste Abwehr ist der Hieb!«
    Und, da er sich einmal beleidigt,
    bleibt ihm nur, daß er sich verteidigt,
    indem er, sich in dir betrachtend,
    in dir sein Spiegelbild verachtend,
    dasselbe zielbewußt verrucht
    endgültig zu zertrümmern sucht.

    Eugen Roth

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  2. Marianne schreibt:

    Hier noch etwas aus Eugen Roth „Ein Mensch“, er nannte es Freud-iges:

    Ein Mensch erfand – Dank ihm und Lob –
    Das Psychoanalysoskop,
    In dem nun jeder deutlich nah
    Die seeelischen Komplexe sah.
    So zeigten die bekannten Grillen
    Jetzt einwandfrei sich als Bazillen.
    Und was man hielt für schlechte Launen,
    War wissenschaftlich zu bestaunen
    Als Spaltpilz (siehe Schizophyt),
    Der schädlich einwirkt aufs Gemüt.
    Der Mensch erfand nun auch ein Serum
    Aus dem bekannten nervus rerum,
    Und es gelang in mehrern Fällen
    Die Seelen wieder herzustellen.
    Nur ist es teuer – und die meisten,
    Die’s brauchten, können sichs nicht leisten.

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  3. Eno Silla schreibt:

    Hier noch was von ruzickaw, als Reaktion auf das brutale Video da oben:

    Dunkeldeutschland im Irak, alles wiederholt sich, wieder und wieder…

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  4. doro schreibt:

    Unerschöpflich und für mich unbegreiflich finde ich dieses Thema. Warum sind einige oder viele Menschen solche Sadisten? Woher kommt der Hass, die Wut, die Verzweiflung und die Angst? Ich würde mich gern etwas intensiver damit beschäftigen, hat jemand Vorschläge, wo ich ein paar „Antworten“ finden könnte?

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  5. inrayma schreibt:

    Primo Levi – „Ist das ein Mensch“
    und – „Atempause“
    Wenn du das liest, schnall dich an, ich habe kotzen müssen beim Lesen aber es hat mir alles erklärt.

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  6. doro schreibt:

    Vielen Dank, ich versuche es mal und danke für die Warnung! Eine gute Nacht!

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