Yoka Genkaku: grenzenlos wie der Himmel

hi hiDie Maßstäbe sind keine Maßstäbe.
Wie können wir also in Beziehung treten
mit unserer wahren Natur?
Nicht kritisieren, nicht loben.
Unser wahrer Körper ist wie der Himmel –
Grenzenlos.

aus: Yoka Genkaku, „Shodoka“

 Zu meiner Konfirmation bekam ich vom Pfarrer ein kleines Büchlein überreicht: Matthias Claudius, „Brief an meinen Sohn Johannes“ von 1799. Ein Satz ist mir bei dem oben zitierten Vers aus dem Shodoka wieder hochgekommen: „Sitze nicht, wo die Spötter sitzen, denn sie sind die elendesten unter allen Kreaturen.“ Yoka Genkaku geht noch weiter: „Nicht kritisieren, nicht loben.“ Oder in einem Wort: Nicht werten.

„Die Maßstäbe sind keine Maßstäbe.“ Taisen Deshimaru sagt: „Manchmal ist das Gute nicht gut und das Schlechte nicht schlecht. Glück wird zum Unglück, Unglück zum Glück. Deshalb dürfen wir weder kritisieren noch loben.“ Deshalb? Ich würde es lieber so sagen: Alle Maßstäbe sind natürlicherweise Begrenzungen. Yoka Genkaku scheint es eher um die Frage zu gehen, wie wir in Beziehung zu unserer wahren Natur treten können, wenn wir uns durch Maßstäbe und Wertungen begrenzen.

Hätte ich seinerzeit auf den flüsternden Weckruf „Spüren Sie’s?“ mit Denken und Werten geantwortet, hätte ich alles verpasst.

geiernWer nur in seinem kleinen Käfig auf der Stange hockt und auf den armseligen geistigen Gartenzwergen da unten herumgeiert, verpasst halt einfach das Wesentliche: „Unser wahrer Körper ist wie der Himmel – grenzenlos.“

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13 Antworten zu Yoka Genkaku: grenzenlos wie der Himmel

  1. Giri schreibt:

    Nichts kann mehr zu einer Seelenruhe beitragen, als wenn man gar keine Meinung hat.

    Georg Christoph Lichtenberg

    Der erhabene Weg ist nicht schwer
    für den, der frei von Vorlieben ist.
    Bist du ohne Liebe und Haß, wird alles klar und unverhüllt.
    Machst du jedoch nur die kleinste Unterscheidung,
    dann sind Himmel und Erde unendlich getrennt.
    Willst du die Wahrheit sehen,
    dann sei ohne Meinung für oder gegen etwas.
    Das, was du magst, gegen das zu stellen, was du nicht magst,
    ist die Krankheit des Geistes.

    S’eng-tsan

    Dein natürlicher Zustand steht in keiner Beziehung zu religiösen Zuständen von Verzückung, Seligkeit und Ekstase. Diese Dinge liegen im Bereich der Erfahrungen. Es sind gedankeninduzierte Seinszustände, die kommen und gehen. Krishna-Bewusstsein, Buddha-Bewusstsein, Christus-Bewusstsein, das alles sind Trips in die falsche Richtung. Sie unterliegen alle der Zeit. Das Zeitlose kann niemals erfasst oder vereinnahmt werden, noch viel weniger kann ihm Ausdruck verliehen werden – von keinem Menschen. Die ausgetretenen Pfade werden dich nirgendwohin führen. Es gibt keine in der Ferne liegenden Oasen.

    Höre niemandem zu, egal wie heilig er sein mag. Suche nichts was seinen Ursprung im Aussen hat. Wenn du von allen Antworten die von aussen kommen genug hast, und wenn auch von innen keine Antwort mehr kommt, was passiert dann mit der Frage? Die Frage kann nicht bleiben. Sie löst sich auf.

    …ich möchte dir ganz klar machen, dass es hier keine Bewegung gibt. Du wirst dich nicht von dem wegbewegen, was du bist. Du hast nicht einmal einen Schritt gemacht. Es gibt für dich auch keinen Grund einen Schritt zu machen.

    Indem wir Jesus, den Buddha oder Krishna als Vorbild verwenden, haben wir die Möglichkeiten der Natur zerstört, einzigartige Individuen hervorzubringen. Diejenigen, die dir empfehlen, deine natürliche Einzigartigkeit zu vergessen und wie ein anderer zu werden, egal wie heiligenmässig diese Person auch sein mag, führt dich auf die falsche Bahn.

    Vielleicht kann ich dich davon überzeugen davon abzulassen, eine Menge Zeit und Energie zu verschwenden, um nach einem Zustand zu suchen, der ausserhalb deiner Einbildung nicht existiert.

    Letztlich bist du ein Computer, der so reagiert, wie er programmiert wurde. Tatsächlich hält dich dein gegenwärtiges Bemühen, dich zu ändern, davon ab auf natürliche Weise zu funktionieren.

    Die Antwort liegt nicht in der Hoffnung, die Antwort liegt in der Hilflosigkeit.

    Du bist mit deinen Alltagserfahrungen unzufrieden, darum willst du ein paar neue haben. Du willst dich selbst vervollkommnen, dich selbst verändern. Du versuchst über dich selbst hinauszugelangen und willst anders sein als wie du bist. Das ist es, was dich von dir entfernt.

    Wenn du den Gehörsinn sich selbst überlässt, ist nichts anderes da als die Schwingung der Töne….Du kannst niemals auch nur ein Wort von jemand anderem hören, egal in was für einer intimen Beziehung du mit dieser Person zu sein glaubst. Alles was die Worte einer anderen Person für dich sein können, ist Geräusch, eine Schwingung, die vom Trommelfell aufgenommen, zu den Nerven übertragen wird, die zum Gehirn führen. Du übersetzt ständig solche Schwingungen im Versuch, diese zu verstehen, weil du aus dem, was du hörst, einen Nutzen ziehen willst. Das ist ganz in Ordnung für eine Beziehung auf der Ebene von „geben sie mir ein Kilo Karotten, hier ist das Geld“ – aber das stellt die Grenze deiner Beziehung, deiner Kommunikation dar, egal, mit wem.

    Dein natürlicher Zustand ist nicht der Zustand eines selbstverwirklichten, Gott erkennenden Menschen. Dein natürlicher Zustand ist das Leben der Sinne, die ohne das Dazwischentreten des Denkens und somit ohne Gewinnabsichten funktionieren. Das Denken lenkt die Aktivitäten der Sinne, um etwas aus ihnen herauszuholen und es benutzt die Sinne um sich selbst Kontinuität zu verleihen.

    U.G. Krishnamurti

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    • Nitya schreibt:

      „Letztlich bist du ein Computer, der so reagiert, wie er programmiert wurde. Tatsächlich hält dich dein gegenwärtiges Bemühen, dich zu ändern, davon ab auf natürliche Weise zu funktionieren.“

      Was ist „auf natürliche Weise“? Und wenn ich „nur“ ein Computer bin, der so reagiert, wie er programmiert wurde, ist dann nicht „Umprogrammieren wollen“ Teil meines Computerprogramms und daher meine „natürliche Weise“? Wenn ja, kann dann dieser Gedanke von U.G. stimmen: „Du versuchst über dich selbst hinauszugelangen und willst anders sein als wie du bist. Das ist es, was dich von dir entfernt.“? Entferne ich mich vielleicht dann von mir, wenn ich mich nicht von mir entferne?

      U.G. sagt: „Das [Übersetzen von Schwingungen, um zu verstehen] ist ganz in Ordnung für eine Beziehung auf der Ebene von ‚geben Sie mir ein Kilo Karotten, hier ist das Geld‘ – aber das stellt die Grenze deiner Beziehung, deiner Kommunikation dar, egal, mit wem.“ Auch das Übersetzen von Schwingungen, um zu verstehen, gehört auf natürliche Weise zu uns. Ja, diese Kommunikation zeigt seine Grenzen. Na und?

      „Dein natürlicher Zustand ist nicht der Zustand eines selbstverwirklichten, Gott erkennenden Menschen. Dein natürlicher Zustand ist das Leben der Sinne, die ohne das Dazwischentreten des Denkens und somit ohne Gewinnabsichten funktionieren.“ Bin ich eine Blume, die das Leben der Sinne lebt und ohne das Dazwischentreten des Denkens und angeblich ohne Gewinnabsichten funktioniert? (Gewinnabsichten hat auch eine Blume, auch wenn sich diese ganz unbewusst-instinktiv äußern.) Ja, ich bekenne mich schuldig: Ich denke. Allerdings macht sich U.G. immer wieder des gleichen Verbrechens schuldig. Was nun den ersten Satz „Dein natürlicher Zustand ist nicht der Zustand eines selbstverwirklichten, Gott erkennenden Menschen.“ betrifft, möchte ich mit Meister Eckhart antworten: „Über Gott will ich schweigen.“

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    • Michaela schreibt:

      Astrein! *lach*
      Aber gnadenlos durchgefallen. Daran sitz ich und sitz ich und grüble, weil ich ahne, dass mit den Fragen irgendwas nicht stimmt. Das verschwurbelt meinen Denkapparat.

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  2. Nitya schreibt:

    134
    und beim Elwood-Test gnadenlos durchgefallen
    kaum bildet man sich mal was ein …😦

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    • Eno Silla schreibt:

      Ja so ist es, nach Elwoods Test fühle ich mich wieder so blöd wie eh und jeh, aber kurzzeitig war es doch schön zu den besten 2% der Welt zu gehören…
      Jetzt schau ich mal, ob der Elefant noch immer im Kühlschrank ist!

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      • Elwood schreibt:

        Und die Logik der Profis über die Intelligenz der Profis:

        „Nach Andersen Consulting Worldwide, haben
        ungefähr 90% der befragten „Profis“ bei allen
        Fragen versagt.
        Aber die Kinder im Kindergarten haben mehrere
        richtige Antworten gegeben.
        Der Bericht von Anderson Consulting schließt
        daraus, dass die Mehrzahl der „Profis“ nicht
        den IQ eines 4-jährigen Kindes erreichen.“

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  3. Ingeborg schreibt:

    Tja, 98 war auch nicht einfach!

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