U.G. Krishnamurti: kein Ausweg, kein Entkommen

U.G.
Sie sind blind. Sie sehen nichts. Wenn Sie wirklich zum ersten Mal sehen und wahrnehmen, dass es kein Selbst zu verwirklichen gibt, keine Psyche zu reinigen, keine Seele zu befreien, dann wird das ein unglaublicher Schock sein. Sie haben alles in Seele, Verstand, Psyche – wie immer Sie es nennen wollen – investiert, und plötzlich stellt es sich als falsch heraus. Es ist schwierig für Sie, sich die Wirklichkeit anzusehen, in Ihrer momentanen Situation. Ein Blick genügt, und Sie sind erledigt.

aus: U.G. Krishnamurti, „Mythos Mind“Auge
Übrigens, wir stehen, wie ich kürzlich bemerkt habe, unter strenger Beobachtung. Da las ich beispielsweise in einem Blog „Nytia vermittelt den Eindruck, dass er sich für eine Autorität auf dem Gebiet der Spiritualität hält. Ganz ohne Zweifel aber Verdrängunghält sich K. für eine echte Kapazität… Nytia wie K. sind gegen integrale Spiritualität / Schattenintegration. Beide halten die Verdrängung hoch.“

Mit K. ist vermutlich die arme Keryamastin gemeint. Na ja, nachdem wir beide also unser Fett abgekriegt haben, kam mir wieder U.G. in den Sinn. „Sie sind blind. Sie sehen nichts.“ sagt er. Sie, also jetzt nicht nur die beiden Verdrängungskünstler, sondern – bis auf ein paar fast zu vernachlässigende Ausnahmen – alle … und vielleicht auch die Ob du zu diesen Ausnahmen gehörst, würde sich dadurch zeigen, dass du wahrnimmst, „dass es kein Selbst zu verwirklichen gibt, keine Psyche zu reinigen und keine Seele zu befreien“. Au Backe, was unser Horusauge dazu wohl sagen wird? Wieder so ein Meister der Verdrängung?

U.G. sagt: „Sie haben alles in Seele, Verstand, Psyche – wie immer Sie es nennen wollen – investiert, und plötzlich stellt es sich als falsch heraus.“ Also, stellen wir mal wieder Byron Katies Lieblingsfrage: „Ist das wirklich wahr?“ Ist es falsch, wenn jemand zur Schule geht oder in die Kirche oder wenn er Therapie macht oder Satsangs besucht? Muss denn wirklich über gar alles geurteilt werden im Sinne von richtig und falsch? Kann überhaupt irgendetwas falsch sein? Wollen wir tatsächlich der BILD-Zeitung folgen und uns über alles eine Meinung bilden? Oder gefällt uns doch besser, was uns Seng-ts’an so eindringlich ans Herz legt: „Hör nur auf Meinungen zu hegen!“ Na ja, Meinungen sind ja eigentlich gar nicht so schlimm. Meine Güte, was ich alles so zusammen meine, wenn der Tag lang ist! Bloß ernst nehmen „sollte“ man den ganzen Quatsch nach Möglichkeit nicht.

„Sie sind blind. Sie sehen nichts.“ Wie recht er doch hat. Ich eine Autorität auf dem Gebiet der Spiritualität? Da kann ich ja nun nur kichern. Ich bin so ahnungslos wie ein Suppenhuhn. Was weiß ich denn? Manchmal haut mich die Schönheit von irgendetwas total um, was mein konditionierter Verstand nie im Leben als schön bezeichnen würde. Manchmal ist da einfach überhaupt nichts. Manchmal eine Explosion in absolutes Licht hinein oder in allumfassende Liebe. Manchmal reg ich mich über jeden Schafscheiß auf. Wenn ich an das denke, was Politik sein soll, könnte ich nur stundenlang kotzen. Usw. usw. – wovon soll ich um Gottes willen eine Autorität sein?

Da gibt es nur eins, was die ganze Zeit über da ist. Ich habe es aus der Unfähigkeit heraus, es beschreiben zu können, schon des Öfteren mit dem Grundton verglichen, wie er in der modalen indischen Musik zu finden ist. Da dieser „Grundton“ nicht objekthaft ist, sehe ich mich außerstande, etwas darüber zu sagen. Ja, ich werde geradezu rebellisch, wenn mich jemand zu nötigen versucht, irgendeine Beschreibung hierzu abzugeben. Dieser Grundton summt gewissermaßen den ganzen Tag so vor sich hin und erfreut mein Herzilein. Mehr ist nicht. Also nix von wegen Autorität. Und zu dem Ding mit der Verdrängung kann ich nur sagen: Das ist mein täglich Brot, ist aber auch nur Teil der Melodie, die um den Grundton herumtanzt. Sich den eigenen (!) sog. Schatten anzuschauen ist so wichtig oder so unwichtig wie sich bei Zahnschmerzen behandeln zu lassen. Also, keine heilige Kuh, aber vielleicht ganz hilfreich für das sog. Body-Mind-System.

U.G.: „Es ist schwierig für Sie, sich die Wirklichkeit anzusehen, in Ihrer momentanen Situation. Ein Blick genügt, und Sie sind erledigt.“ Vielleicht seh‘ ich ja nichts, vielleicht liegt’s tatsächlich an meiner Blindheit, aber ich kann diese dramatische Feststellung für mich nicht bestätigen. Ich bin nicht erledigt. Erledigt ist allenfalls der Glaube an die Wahrheit irgendeiner Vorstellung. Na und?

Snoopy

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7 Antworten zu U.G. Krishnamurti: kein Ausweg, kein Entkommen

  1. doro schreibt:

    Da müsste man schon wissen, was der Sinn dieser ganzen „Geschichten“, „Träumereien“oder wie man es sonst nennen soll, ist. Ich weiß es nicht, kann aber „für mich“ behaupten, dass es keinen Sinn macht, sich nicht auf die Welt, wie sie sich scheinbar so darstellt, einzugehen. Um was geht es, warum erscheint das alles? Sich nicht auf das Schauspiel einlassen, würde meineserachtens bedeuten, sich dieser Frage zu entziehen. Hingeben und vertrauen an das und in das Leben. Mit erledigt sein, hat das in meinen Augen nur etwas zu tun, wenn man das als eine Art Kampf versteht, wer versucht, das Leben zu besiegen, der wird vielleicht an einem Punkt feststellen, dass er keine Chance hat, damit ist er erledigt. Ob „man will oder nicht will“, vertrauensvolles darauf einlassen mit meiner ganzen Kraft, scheint mir hier des Rätsels Lösung.

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  2. fredo0 schreibt:

    an einem Tag in Gut Schermau , Ramesh Balsekar saß da und sprach in seinem OxfordEnglisch seine klugen Advaitasachen , erschien eine sichtlich erregte Frau und wollte sooooo dringend hilfreiches von ihm hören für ihre psychologischen Nöte . Sie ließ einfach nicht locker . ( die besophene Madame Lolo würde es wohl intensive Sehnsucht nach Schattenarbeit nennen ) .

    darauf stand Ramash auf , wies auf die erste Reihe der Zuhörerschaft , und sagte “ da sitzt sie die Creme de la Creme der Therapeuten dieses Landes , einer von ihnen kann bestimmt helfen ihr Body-Mind-Organismus-Automobil wieder zum laufen zu bringen , ich habe von Autos nicht die geringste Ahnung , ich rede hier davon , wie es ist aus einem Auto auszusteigen und nicht davon , es zu reparieren “ .

    ich habe es bereits immer nur „sekundär“ gefunden , Probleme zu lösen ..
    „Primär“ schien mir immer zu sein , was Probleme erscheinen lässt , und nicht was für welche und wie diese zu lösen wären .

    Weiter sagte damals Ramesh , „wenn die Maschine zu sehr stockt , suche einen Mechaniker auf “ und er erzählte selber von einer Antwort auf eine Frage , die ihm von einem Besucher gestellt wurde , der erfahren hatte , dass er seit Kindheit unter chronischen Kopfschmerzen litt, und wissen wollte , was er als Erleuchteter denn dagegen unternahm. Seine Antwort war : “ Ich nehme Aspirin“ .

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  3. keryamastin schreibt:

    Mist….mein Kommentar „sollte“ hierhinein…….nun hängt er bei Ronny rum….schmunzel

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  4. Eno schreibt:

    ” Nytia vermittelt den Eindruck, dass er sich für eine Autorität auf dem Gebiet der Spiritualität hält. Ganz ohne Zweifel aber hält sich K. für eine echte Kapazität… Nytia wie K. sind gegen integrale Spiritualität/Schattenintegration. Beide halten die Verdrängung hoch.”

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  5. Blümchen schreibt:

    Herrlicher Typ, dieser U.G. Krishnamurti. May he rest in Peace. Obwohl….er wird sich bestimmt im Jenseits auch noch immer aufregen (selbstverständlich ein Erleuchtetes Aufregen….) wie in dieser köstliche Parrott Film. „To be or not to be“, man könnte es ändern in „To be or not to be a Parrott“. *Lache* https://www.youtube.com/watch?v=0giYl6bi7Os

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  6. Giri schreibt:

    „Nytia wie K. sind gegen integrale Spiritualität/Schattenintegration. Beide halten die Verdrängung hoch.”

    Ach die Wilberschen Integralhelmträger. Aber ist doch verständlich, das sie sich von euch in ihrem Geschäfts- und Sinnsystem bedroht fühlen. Geniess doch ihr Kompliment.

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