Ramesh Balsekar: die Philosophie der Nicht-Dualität

RB
Mit der festen Überzeugung,
dass die eigene wahre Natur Bewusstsein ist,
und Existenz und Nicht-Existenz Einbildungen der Phantasie sind,
kann es da für den, der ohne Wunsch ist,
noch irgendetwas zu denken, zu sagen oder zu tun geben?

 Der Weise [Ashtavakra] drückt in einem der Verse [184] die gesamte Philosophie der Nicht-Dualität aus. Er sagt voller Überzeugung, dass Existenz und Nicht-Existenz beides Einbildungen der Phantasie sind. Was könnte es zu denken, zu sagen oder zu tun geben? Existenz und Nicht-Existenz, Erscheinung und Nicht-Erscheinung, beide sind Phantasiegebilde. Was heißt das? Existenz bedeutet objektive Existenz, und es kann eine objektive Existenz nur geben, weil Objekte von uns sinnlich wahrgenommen werden können. Metaphysisch gesehen wäre Nicht-Existenz eine Form von Existenz, sowie Untätigkeit eine Form von Tätigkeit ist. Ohne Wahrnehmung gibt es keine Existenz. Existenz hängt daher von dem Objekt ab, das wahrgenommen wird. Doch das Wahrnehmungsvermögen selbst ist ein objektives Konzept im Bewusstsein, das nur in Relation zu der Existenz des wahrgenommenen Objektes existiert. Das wahrnehmende und das wahrgenommene Objekt sind beide Objekte, wir könnten nichts wahrnehmen oder begreifen ohne etwas, das die Fähigkeit der Wahrnehmung besitzt, etwas das beides transzendiert. Und das, was beides transzendiert, Existenz und Nicht-Existenz, ist das Bewusstsein oder Brahman. Dies wird in einer Dimension erkannt oder intuitiv wahrgenommen, die völlig verschieden von Wissen oder Nichtwissen in der Phänomenalität ist.

aus: Ramesh Balsekar, „Duett der Einheit“

Ich muss jetzt ein bisschen vorsichtig sein, wenn ich mit Fredos Lieblingsguru zugange bin. Ich pick mir mal einen Satz heraus: „Existenz bedeutet objektive Existenz, und es kann eine objektive Existenz nur geben, weil Objekte von uns sinnlich wahrgenommen werden können.“ Ich versuch das mal aus den Höhen philosophischer Theorien herunterzuholen in die Alltagspraxis, also in die Welt der Objekte und der Dualität. Gestern hab ich irgendwo den schlauen Gedanken gelesen: Wenn es keine Dualität gäbe, kein ich und kein Du, würde eine Gazelle nicht mehr fliehen, wenn ein Löwe plötzlich Lust auf ihr zartes Fleisch bekommen hat. Dualität ist also die Voraussetzung dafür, dass die Dinge so funktionieren können, wie sie funktionieren.

„Und das, was beides transzendiert, Existenz und Nicht-Existenz, ist das Bewusstsein oder Brahman.“ Nehmen wir einmal an, Ramesh säße da völlig versunken in diesem transzendierenden Bewusstsein herum und ein hungriger Löwe käme des Weges daher, der hätte vermutlich seine helle Freude an dieser leichten Beute. Ich vermute jedoch, dass der gute Ramesh nicht so bescheuert wäre, sich auf diese Weise zur leichten Beute zu machen, was bedeutet, dass da die ganze Zeit noch ein Bewusstsein vorhanden sein muss, das Existenz und Nicht-Existenz nicht transzendiert. Auch da kein Entweder-Oder, sondern ein Sowohl-Als-Auch. Insofern sind alle Bemühungen, nur noch als Brahman „nicht-existieren“ zu wollen, nur oberdoof.

Na ja, und der Vers aus der Ashtavakra-Gita, auf den Ramesh sich hier bezieht, kann natürlich auch wieder zu einer wunderschönen Karotte werden: „Ach so ist das, ich sollte nichts wünschen, nichts denken, nichts sagen oder tun, sonst ist meine Überzeugung, dass die eigene wahre Natur Bewusstsein ist und Existenz und Nicht-Existenz Einbildungen der Phantasie sind, nicht fest genug.“ Und wieder bis zum Erbrechen den wunderschönen Seng-ts’an-Satz: „Suche nicht nach dem Wahren, hör’ nur auf, Meinungen zu hegen.“ Und was ist eine Überzeugung anderes als eine Meinung an die auf Teufel komm raus geglaubt wird. Hach ja, alles so kompliziert; da lob ich mir doch Oshos „easy is right“, auch wenn Fredo den Typen nicht besonders abkann.

 

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