Osho: Ja-Sager sind praktisch tot

Osho
Das Königreich ist wie ein Hirte, der einhundert Schafe hat. Eines verirrte sich, welches das größte war. Er ließ die neunundneunzig zurück, er suchte nach dem einen, bis er es fand. Erschöpft sagte er zu dem Schaf: Ich liebe dich mehr als die neunundneunzig.

aus: Jesus im Thomas-Evangelium, Vers 107

Es ist immer so – dasjenige, welches verloren geht, ist immer das Beste. Wenn du ein Vater bist und fünf Kinder hast, wird nur das beste Kind Widerstand zu leisten versuchen und dich zurückweisen, wird nur das beste Kind sich behaupten. Die durchschnittlichen werden sich dir immer fügen, aber das eine, das nicht durchschnittlich ist, wird rebellieren, weil sein ganzer Geist Rebellion ist. Intelligenter ist rebellisch. Je intelligenter, desto rebellischer. Und diejenige, die nicht rebellisch sind, die Ja-Sager sind, sind praktisch tot; du magst sie mögen, aber sie haben kein Leben in sich. Sie gehorchen dir, nicht weil sie dich lieben, sondern sie folgen dir, weil sie schwach sind, weil sie Angst haben, weil sie nicht allein stehen können, weil sie kein Standvermögen haben – sie sind Schwächlinge, impotent.

aus: Osho: „Die verbotene Wahrheit“

Das Königreich ist wie ein Hirte … da ist kein Gott und kein Jesus – Jesus spricht ganz unpersönlich vom Königreich und seinen ehernen Gesetzen. Aber da er das Unpersönliche hier personifiziert, spricht er vom Hirten, vom Hirten, der zu diesem ausgebüxten Schaf sagt: „Ich liebe dich mehr als alle diese ganzen Schafsnasen.“ Ich habe das als Kind nie verstanden, wenn der Pfarrer diese Geschichte erzählte, und die Erklärungen des Pfarrers waren auch immer mehr als dürftig. „Ja aber, wenn der Wolf kommt, dann ist da keine Hirte, der seine Herde beschützen könnte.“, wandte ich ein, wenn ich wieder die Mitleidsnummer mit dem armen verirrten Schäfchen hörte. Wenn ich die Geschichte bei Thomas lese, habe ich das Gefühl, als würde Jesus antworten: „Na und, soll sie doch alle der Wolf fressen. Mich interessiert nur dieses eine Schaf.“

Osho, der alte Rebell, muss das wohl ähnlich gesehen haben. Eine gewisse Abneigung gegen impotente, schwächlichen Ja-Sager, die nicht allein stehen können, ist deutlich herauszuhören. „Ich liebe dich mehr als die neunundneunzig.“ Wird nicht gesagt, dass Gott Liebe ist und alle seine Geschöpfe gleichermaßen liebt? Der Jesus, der da im Thomas-Evangelium sichtbar wird, ist alles andere als ein herzallerliebstes Jesuslein. So sagte er u.a.: „Die Menschen denken wohl, dass ich gekommen bin, um Frieden auf die Welt zu bringen. Und sie wissen nicht, dass ich gekommen bin, um Zerwürfnisse auf die Erde zu bringen, Feuer, Schwert, Krieg.“

Das Königreich liebt keine Herdentiere, sondern die Ausbrecher, die Outlaws, die „Sünder“. Aha. So was vielleicht?

outlawsNein, natürlich nicht. Das sind auch nur Herdentiere, die zwar nicht die Gesetze der Gesellschaft befolgen wollen, dafür aber die ihrer Gruppe. Hmm, vielleicht eher der hier:

.
Nee, auch nicht. Das war ja ein wackerer Gesetzeshüter. Ich muss gerade wieder an die soziodynamische Grundformel denken. Die hatte ich ja schon mal hier drin: Da gab’s immerhin einen in der Herde, der seinen eigenen Kopf hatte. Aber irgendwie gehört der Beta ja auch zur Herde. Oder ist das gar nicht das entscheidende Kriterium? Angulimala fällt mir ein, der Räuber und Massenmörder, der durch die Begegnung mit Buddha aufwachte. Räuber und Massenmörder – wie wär’s denn mit Adolf Hitler? War er ein verirrtes Schaf, das der Hirte mehr geliebt hat als den Rest der Volksgenossen?

Worin unterscheiden sich denn die indischen und chinesischen Patriarchen etwa von den meisten Vorgenannten? „Je intelligenter, desto rebellischer.“, sagt Osho. Ist es eine Frage der Intelligenz? Der Intelligenz – nicht des Intellekts. Na ja, irgendwie ja schon. Oder nicht? Ehrlich gesagt – ich habe keine Ahnung, wen der Hirte nun besonders lieb haben wird. Vielleicht ist das mit der Gnade ja nur eine faule Ausrede der faulen Säcke? Vielleicht ist das mit dem „intelligentesten, rebellischten Schaf ja nur eine weitere Karotte, hinter der alle herrennen sollen?

Aber richtige Bazis waren’s ja schon, die alten Chan-Meister.

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11 Antworten zu Osho: Ja-Sager sind praktisch tot

  1. Elwood schreibt:

    Wo gibt es denn so wos?
    Beta hoasst fia wos bessers oda wos?
    De Beta Schofe sin doch gsellschofftliche Rohrkrepiera!
    Des spirituelle Gerede is nix ois Getuah!
    Wenn de da Heiland aa no „persöhnli“ umsoagn tät,
    kämma de aus lauta Oatelkeit aus am Schlamassl gar ned mehr heraus.
    In ihra komplettn Verwirrung braan de kräftige Ohrfeign.
    Dann bleibn de aa schee bei den andern Ogsthasn in da Unterführung.
    Und bei Ungehoasam holt sie da krampus!

    Schoass, scho wieda oana entwischt, Himmisakra! Da Deifi soi di hoin, du godvareckds..Saupreiss…..
    Naja, des asst scho, oda aa ned…..

    FightClub

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  2. Giri schreibt:

    Naja, Osho präsentierte sich ja gern als Rebell. (Obwohl er sicher mehr Provokateur als Rebell war). Aber ich hatte immer den Eindruck, das er schon eine Art Rebellion nach außen (gegen Gesellschaft, gegen religiöse Institutionen) schon wollte, aber in seinem Ashram eher Hingabe an Osho und das System Osho propagierte. So gesehen sind da Leute wie die beiden Krishnamurtis oder auch Toni Packer ehrlicher.
    Auch war er ja durchaus ein Ja-Sager. Als Übung empfohl er das Ja und eben nicht das nein.

    „Folge dem Ja

    Folge einen Monat lang nur dem Ja, gehe immer den Weg, der „Ja“ sagt. Arbeite mehr mit dem Ja zusammen – von daher wirst du deine Einheit finden. „Nein“ hilft nie, die Einheit zu
    erreichen. Es ist immer nur das Ja, das hilft, denn Ja ist Akzeptieren, Ja ist Vertrauen, Ja ist Gebet. Wenn du fähig bist, Ja zu sagen, dann bist du religiös.
    Und als zweites: Das Nein darf nicht unterdrückt werden.
    Wenn du es unterdrückst, wird es sich rächen. Wenn du es unterdrückst, wird es immer stärker und stärker, und eines Tages wird es ausbrechen und dein Ja ganz zerstören. Unterdrücke also
    nie dein Nein, ignoriere es einfach. Und es ist da ein gewaltiger Unterschied zwischen
    unterdrücken und ignorieren. Du weißt, es ist da, und du erkennst es an. Du sagst: „Ja, ich weiß, daß du da bist, aber ich werde auf mein Ja hören.“ Du unterdrückst es nicht, du
    bekämpfst es nicht, du sagst nicht: „Hau ab, verschwinde, ich will mit dir nichts zu tun haben.“ Du sagst überhaupt nichts Böses, du versuchst nicht, es wegzustoßen, du versuchst nicht,
    es in die tiefsten Tiefen deines Unterbewußtseins, in den dunklen Kerker zu werfen. Nein, du tust gar nichts mit deinem Nein; du erkennst schlichtweg, daß es da ist. Aber du folgst dem
    Ja, ohne Groll in dir, ohne Klagen, ohne Ärger. Folge einfach dem Ja, ohne irgendeine Einstellung dem Nein gegenüber.
    Das Ignorieren ist der beste Kniff, um das Nein auszulöschen. Wenn du mit dem Nein kämpfst, bist du bereits ein Opfer, auf ganz subtile Art und Weise sein Opfer, das Nein hat schon über
    dich gesiegt. Wenn du mit dem Nein kämpfst, hast du nein zum Nein gesagt Auf diese Art und Weise hat es dich durch die Hintertür geschnappt. Sage nicht nein, nicht einmal zum Nein –
    ignoriere es einfach.
    Folge einen Monat lang deinem Ja und kämpfe nicht mit dem Nein. Du wirst überrascht feststellen, daß es nach und nach ganz mager und dünn wird, weil es ausgehungert wird, und eines Tages wird es ganz verschwinden. Und wenn es nicht mehr da ist, wird all die Energie frei, die es abgezogen hatte, und diese freigesetzte Energie wird dein Ja zu einem großen Strom
    machen.“

    Aus dem Orangenen Buch

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    • Nitya schreibt:

      So viel Unverständnis auf einem Haufen tut echt weh. Wie sagt doch gleich wieder Meister Eckhart?

      „Man muss es mit dieser Art aushalten, verkehrt bleibt es darum doch.“

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  3. fredo schreibt:

    tja … mit zucker fängt man mäuse …😀

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    • Nitya schreibt:

      Vielleicht war es ja gar nicht als Zucker für Mäuse gedacht, sondern schlicht die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit?

      Vielleicht wird der angebliche Zucker ja erst zum Zucker durch die Gier des Lesers oder Zuhörers?

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      • fredo schreibt:

        mag sein … ich mochte Osho nie besonders … und auch heute nicht … keine Ahnung warum … er wirkte auf mich immer (noch) wie ein Seelenfänger , der „etwas“ erreichen wollte und deshalb , für mich oft zusammengeklaubt wirkende Texte schrieb , in denen mir „gewollte Wirkung“ aus allen Zeilen zu duften schien …

        man kann nicht jeden mögen …

        … seine 99 RollsRoyce-Masche fand ich jedoch geradezu genial … klasse aufmischend … mit Vorbehalten provokant spielen … fein …

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      • Nitya schreibt:

        „man kann nicht jeden mögen …“
        Klar.
        Ich liebe ihn.
        Da kann man machen nix.

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  4. Nitya schreibt:

    Heiliges Tetralemma, bitte für uns Sünder,
    jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

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  5. Hubertus Roegner schreibt:

    OSHO!!?? – Nie geboren, nie gestorben! Nur gastiert!! Namasté und Frieden sei mit Dir! Dadurch, dass Osho in den 70er Jahren durch öffentliche Medien oftmals verunglimpft wurde, wollte ich auch einmal etwas VON diesem Menschen lesen – und nicht nur dauernd „über“ ihn!! OSHO!!??- Einfach „ozeanisch“!! (auch wenn ich mit den meisten seiner NEO-SANNIASINS nicht viel „am Hut hatte“, da mir diejenigen, deren Bekanntschaft ich machen durfte, irgendwie „komisch“, weltfremd und „abgedreht“ erschienen, eben DAS!!-was Osho keinesfalls ist!! Ich bin sehr dankbar und glücklich, dass ich in dieser, meiner derzeitigen Erden-Inkarnation, ihn über die Bücher kennenlernen durfte! Ich wünsche DIR, liebe/r Leser/in, Frieden und ein wunderbares HIER & JETZT!! – in der Freiheit unseres unbegrenzten, grenzenlosen Geistes, Yeshe Namgyal „Baba“ (dies hat jedoch nichts zu tun mit Satya Sai Baba oder Bala Baba!) Ps.: Nit möööchlich? Even doch, siehste… (hihi)

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    • Nitya schreibt:

      Einen Meister nach seinen Jüngern beurteilen zu wollen – ohmeiomei! Da brauchst dir nur die Christen angucken. Wenn’s dir mit diesem Osho gut geht, und so scheint es ja zu sein, herzlichen Glückwunsch! Seine Jünger brauchen dich ja nicht zu kümmern – kümmern dich ja anscheinend und Gott sei Dank auch nicht die Bohne.

      Übrigens, das „nit mööööglich!“ bedeutet nicht „nicht möglich“, sondern ist ein Ausruf des Staunens über das, was sich da auftut. Zum Beipiel: Waaas, der Hubertus findet diesen komischen Osho gut? Nit möööglich!

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