Yasutani Haku’un: natürlich sollte man töten


Zazen
In diesem Punkt
[dem buddhistischen Verbot des Tötens von Lebewesen] stellt sich die folgende Frage: Was soll die Haltung von Buddha-Schülern als Mahayana-Bodhisattvas sein in Bezug zur ersten Vorschrift, die es verbietet, Leben zu nehmen? Zum Beispiel was sollte getan werden im Falle, um verschiedene böse Einflüsse abzuwehren zum Nutzen der Gesellschaft, es ist notwendig Vögeln, Fischen, Insekten etc. das Leben zu nehmen, oder in einem weiteren Zusammenhang, extrem böse und brutale Personen zum Tode zu verurteilen, oder sich für die Nation in einem totalen Krieg zu engagieren. Diejenigen, die den Geist der Mahayana Vorschriften verstehen, sollten fähig sein, die Frage unmittelbar zu beantworten. Das ist hierzu zu sagen: Natürlich sollte man töten, so viele wie möglich töten. Man sollte hart kämpfen, jeden in der feindlichen Armee töten. […] Es zu vernachlässigen, einen bösen Mann, der getötet werden sollte, oder eine feindliche Armee zu zerstören, die zerstört werden sollte, bedeutet das [buddhistische] Mitgefühl und den Respektgehorsam zu hintergehen, es bedeutet die Vorschrift zu brechen, die es verbietet Leben zu nehmen. Das ist das besondere Charakteristikum der Mahayana Vorschriften.

Yasutani Haku’un, Graf Dürckheims japanischer Zen-Meister

Solche rabulistischen Umkehrungen, dass in bestimmten Fällen die Verweigerung zu töten identisch ist mit Töten selbst, kennen wir auch aus dem tibetischen Buddhismus. Für Haku’un bedeutete Töten, die Befehle des Shinto-Faschismus ausführen.

aus: Victor und Victoria Trimondi, „Hitler, Buddha, Krishna – eine unheilige Allianz vom Dritten Reich bis heute“, ONLINE MAGAZIN

Na, das hatten wir ja schon alles im edlen Christentum und auch Judentum und Islam stehen dem in nichts nach. Da taucht jemand auf und macht eine bestimmte Erfahrung, glaubt, dass er mit der Weitergabe der Quintessenz dieser Erfahrung auch seinen Mitmenschen einen Gefallen tun könnte und – spätestens, wenn er tot ist – kriechen von allen Seiten irgendwelche Schriftgelehrten aus ihren Löchern und drehen so lange an den überlieferten Worten herum, bis es ihnen in den eigenen Kram passt. Hat nicht auch kürzlich unser aller Pfarrer Gauck mal wieder die Waffen gesegnet?

Ich muss zugeben, dass ich gewissermaßen von Geburt an etwas gegen jegliche Bevormundung hatte. Das machte mich natürlich von Haus aus zu einem etwas schwierigen Sohn und zu einem schwierigen Schüler und es prädestinierte mich geradezu zum Kriegsdienstverweigerer, ach, was sag ich, zu einem Alles-Verweigerer. Natürlich lag mir auch das quer im Magen, was sich mir als deutsches Zen präsentierte. Mein Glück war, dass ich erst mal und das ganz zufällig über ein Buch von Meister Eckhart stolperte, von dem ich Gott sei Dank so gut wie nichts verstand und dennoch wusste, dass es DAS ist. Was DAS? Ich hatte keine Ahnung. Dann kam mir Lao Tse in die Finger und ich war völlig aus dem Häuschen. Ich fühlte mich damit total zuhause. Als ich dann noch auf Heinz Butz, meinen Kunstdozenten traf, war die Sache rund für mich. Als ich es dann später einmal aus purer Neugier mit Zen-Retreats versuchte, war ich völlig abgetörnt. Wenn ich so bei den alten chinesischen Chan-Meistern rumstöbere, lacht mein Herz. Bei diesen japanischen Strammsitzern vergehts mir irgendwie. Und wenn ich dann lese, was diese Trimondis so von sich geben, kann ich nicht verhindern, dass sich irgendwas in mir die Hände reibt. Ja, genau, das passt zu meiner Erfahrung. Aber was soll ich armes Luder machen? Mir liegen halt Leute wie der gute alte Hotei einfach mehr.

Hotei

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6 Antworten zu Yasutani Haku’un: natürlich sollte man töten

  1. doro schreibt:

    Also ehrlich, mir liegt das stramm sitzen. Wirklich. Guck Dir mal jeden Mönch genau an, wie sitzt er, ist er verspannt, sitzt er verkrampft, sitzt er locker. Man sieht förmlich jeden Charakter durchscheinen, ich könnte mir das Foto lange anschauen und zu jedem fiele mir eine Geschichte ein. Und wenn sie aufstehen, dann fängt der eine an zu tanzen, und der nächste liegt mit einer Frau unter der Mönchsdecke und der dritte bringt seinen Feind um.

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  2. Elwood schreibt:

    Was passiert wenn eine Idee, eine Lehre zur Ideologie und zur Religion wird – sie verliert die Unabhängigkeit, mutiert zur Heilsbotschaft und in ihrer Erstarrung zum faschistoiden Dogma.
    Vieleicht haben die Japaner einen vergessen zu töten: Den Budhha – den eigenen Götzen ist am schwersten beizukommen.

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  3. Marianne schreibt:

    Danke für diesen Link, Nitya, sehr interessant … Mich würde weiter interessieren, aus welcher „Ecke“ (Perspektive) der Schreiber kommt – klingt nach integral: Es ist zu einseitig, sich immer nur mit dem 1. Quadranten zu beschäftigen. http://www.berndheiler.de/_pics/231/_416x284_0_37593709448071644_0_0x0_ffffff/quadranten.jpg
    Ich persönlich schätze die Lebensleistung Graf Dürckheims sehr, auch seine Beiträge zur individuellen „Schattenarbeit“. Dass dann so einer seinen eigenen gesellschaftspolitischen „Schatten“ so ausgeblendet hat, gibt mir auch zu denken …

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Marianne,
      freut mich, dass dir das zu denken gibt. Vielleicht stellt das seine ganze Arbeit zur „individuellen „Schattenarbeit“ in Frage? Vielleicht alles nur wohlkingende Theorie? Jedenfalls scheint seine Arbeit keinerlei Erfolg bei der eigenen Person gehabt zu haben. Scheint eine Eigenheit des therapeutischen Berufs zu sein, dass er blind für sich selbst macht. Peter Orban lässt grüßen: Im Klienten begegnet der Therapeut seinem eigenen Schatten. Die Frage ist, ob er das sehen kann oder ersatzweise den Klienten zu bessern versucht.

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      • Marianne schreibt:

        Ja, vielleicht ist das so …
        Therapeutisch bekannt geworden ist er ja mit seiner „initiatischen Leibarbeit“, da geht es nicht primär um den „Schatten“.

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