Sigrid Hunke: die Freiheit des Unbedingten


EinbahnstrasseKehren wir noch einmal zurück zur Urgegebenheit der unitas, des Einsseins des ganzen Universums mit dem göttlichen Sein, das sich in allem verwirklicht, allesdurchdringt und umgreift. Dieses Einssein mit dem Göttlichen sind sie alle – auf verschiedenen Ebenen der Evolution – auf unterschiedlicher Weise teilhaftig: Die Pflanze ist noch am engsten, am dichtesten mit dem Göttlichen verwoben, das Tier immer noch enger als wir in diese Einheit eingebunden. Blicken wir in die Blüte des Apfelbaums, in die Augen eines Hundes, eines Kindes, und das Göttliche blickt uns noch unverstellt an. Erst mit dem steigenden Bewusstsein, erst in den bewussten Menschen reicht die Freiheit des Unbedingten hinein als seine Freiheit, sich dem Unbedingten, Göttlichen anheimzugeben oder zu verschließen: Anders als bei Pflanze und bei Tier, die in ihrer Einheit mit ihm dessen nicht bedürfen, liegt es darum am Menschen selbst, die Einheit herzustellen, sich der Tiefe seines Urgrunds zu öffnen und die Enge seines Ichs zu überschreiten in die Tiefendimension, die es in alle Richtungen transzendiert, unendlich übersteigt.

In einem Gleichnis redet Nikolaus von Kues Gott so an:
„Du hast es ganz zur Sache meiner Freiheit gemacht,
dass ich, wenn ich will, ich selbst sein werde.
Bin ich nicht ich selbst, so bist du auch nicht mein.
Es hängt also von mir ab, nicht von Dir.“ …..

[Wir verbinden uns mit dem Ewigen …] Nicht indem wir in indischer Versenkung uns von der Welt, von allen Dingen und von uns selbst leer machen und ganz auslöschen, um in die Leere hinein zu sinken, „samadhi zu nehmen“ und in dem bewusstlosen Ozean aufzugehen „jenseits der hundertfachen Negation!

aus: Sigrid Hunke, „Vom Untergang des Abendlandes zum Aufstieg Europas“

Sigrid Hunke wird der Neuen Rechten zugeordnet. Sie scheint einigen Einfluss auf die Nouvelle Droite gehabt zu haben und hier wiederum auf Alain de Benoist, der seinen Standort u.a. kurz so definierte: „Ich nenne hier – aus reiner Konvention – die Haltung rechts, die darin besteht, die Vielgestaltigkeit der Welt und folglich die relativen Ungleichheiten, die ihr notwendiges Ergebnis sind, als ein Gut und die fortschreitende Vereinheitlichung der Welt, die durch den Diskurs der egalitären Ideologie der seit zweitausend Jahren gepredigt und verwirklicht wird, als ein Übel anzusehen.“

Als mir das Buch von Sigrid Hunke in die Finger kam, war ich überrascht, wie viele Gemeinsamkeiten ich bei ihr entdecken konnte. Bin ich vielleicht ein heimlicher Rechter, fragte ich mich unwillkürlich. Aber nachdem ich entdeckt hatte, dass Begriffe wie „links“ oder „rechts“ schon lange als Totschlagargumente gegen jeden Missliebigen verwendet wurden und nicht nur deshalb für mich völlig irrelevant geworden waren, juckte mich meine eigene Frage im Grunde herzlich wenig. Ich hatte damals einen kurzen Briefwechsel mit Sigrid Hunke, weil ich ihrer Ablehnung des „Indischen“ nicht so recht folgen konnte, aber ich glaubte danach, sie zumindest verstehen zu können.

Ich denke, es geht in der angesprochenen Thematik um eine Gegenüberstellung orientalischer und europäischer Grundhaltungen. Während die orientalische Grundhaltung als weltabgewandt gekennzeichnet wird, fand im europäischen Raum eine völlige Zuwendung zur Welt statt. Gott in den Augen eines Tieres zu erblicken ist etwas ganz anderes als das eigene Verlöschen im „bewusstlosen Ozean“. Sigrid Hunke, die eine große Freundin etwa auch von Meister Eckhart war, hätte das, was ich nur als Missverständnis verstehen konnte, aus meiner Sicht eigentlich nicht passieren dürfen. Vielleicht war sie hier zu sehr fixiert auf die Eigenart des europäischen Raumes.

KuesInteressant ist übrigens auch der erste und der letzte Satzteil des von Sigrid Hunke zitierten Gleichnisses von Nikolaus von Kues: „Du hast es ganz zur Sache meiner Freiheit gemacht.“ und: „Es hängt also von mir ab, nicht von Dir.“ Dem ist nur mit Hans Vaihingers von mir immer wieder gern zitierten Satz beizukommen: „Handle, als ob du der Handelnde wärest, mit dem Wissen, dass du nicht der Handelnde bist.“ In diesem Sinne, ja, in diesem Sinne ist es ganz zur Sache meiner Freiheit geworden.

Ohne Nāgārjuna’s Catuṣkoṭi und nur mit einem Gedenke in „orientalisch vs. europäisch“, „links vs. rechts“, „faschistisch vs. antifaschistisch“, … ist man ziemlich schnell völlig verloren. Dann kommt leicht so etwas heraus:. Sicherheitshalber: Damit haben Sigrid Hunke und ihre interessanten Bücher nun wirklich absolut nichts zu tun. Ich finde es immer wieder schade, wie alle von der offiziellen Lehrmeinung abweichenden Betrachtungsweisen ausgegrenzt werden, anstatt sich mit ihnen inhaltlich auseinanderzusetzen. Wer heute etwa als „neurechts“ beschimpft wird, ist eigentlich schon gesellschaftlich erledigt, wie man unlängst etwa an der Reaktion einer Jutta Ditfurth und der meisten Medien auf die Montagsdemos sehen konnte.

an-aus

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3 Antworten zu Sigrid Hunke: die Freiheit des Unbedingten

  1. Elwood schreibt:

    Aber wie macht man es, sich inhaltlich auseinandersetzen?
    Jedes Mal wen ich Genjōkōan von Dogen Zenji lese (der Text hat hoffentlich irgend was mit dem heutigen Thema zu tun), erscheinen immer wieder neue Bilder vor meinem geistigen Auge. Wie soll man da eine anständige Meinung hegen? Bei Deinen Texten hier geht es mir genau so, da verlier ich zum schluss doch noch meinen Götzen und kann nicht mehr in der Unterführung bleiben! Na Super…..

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  2. fredo schreibt:

    der wahre „erfolg“ von texten liegt nicht im immer besser verstehen , sondern im immer weniger kapieren können …

    meint der olle fredo … wer weiß warum ….

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    • keryamastin schreibt:

      mhm……;)…..mir sagte eine junge Frau auf einer langen Busreise, nachdem wir uns 11 Stunden über „das“ Leben unterhalten hatten: „Das, was du mir sagst wusste ich schon, es war mir nur nicht klar!“……….
      lieber Fredo and @all, DAS machen für mich „erfolgreiche“ Texte aus, sie vermitteln mir nichts von dem, was mir unbekannt ist sondern machen mir klar, was „ich“ schon weiß!
      Mit HerzLicht in die Runde😉

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