Jean Markale: eine Aura von großer Schönheit und Heiterkeit

MirakStuhl
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Über der druidischen Gottesauffassung liegt eine Aura von großer Schönheit und Heiterkeit, sie enthält aber auch den ständigen Appell an das Sein. Wenn das Sein sich selbst schon genügen würde, dann wäre es Leere, und zwar das vacuum, das verschiedene philosophische Systeme des Ostens suchen.
WeiberDas Druidentum vertritt jedoch die Gegenposition zu dieser Theorie des Nicht-Seins, des Nicht-Wollens, der Negation des Lebenswillens. Die druidische Lehre, wie sie aus allen Erzählungen, aus den Taten und Leiden der Helden, Götter und Menschen spricht, kann auf die Formel eines leidenschaftlichen, hemmungslosen Lebenswillens gebracht werden.

Jean Markale

ManjushriHängst du an diesem Leben,
bist du kein wahrer spiritueller Praktizierender,
hängst du an Saṃsāra,
hast du keine Entsagung,
hängst du an deinem eigenen Selbstinteresse,
hast du kein Bodhicitta,
ist Greifen vorhanden,
hast du nicht die Sicht.

Mañjuśrī

Dann bin ich halt nicht, dann hab ich halt nicht! Meine Fresse, „mir ist so komisch zumute, ich ahne und vermute, es liegt was in der Luft, ein ganz besond’rer Duft, der liegt heut‘ in der Luft. Ich könnte weinen und lachen und lauter Unsinn machen. Es liegt was in der Luft, ein ganz besond’rer Duft, der so verlockend ruft.“ Es riecht nach HEILIG. Meine Güte, diese spirituellen Streber! Wenn du das nicht tust, wenn du das nicht hast, dann bist du ein Loser, dann hat Mami dich nicht lieb! Wenn ich das lese, sehne ich mich nach einem bayerischen Biergarten mit mindestens einer Maß Bier, einer deftigen Virginiazigarre und einer saftigen Schweinshaxe mit Sauerkraut und Knödel. Als ob das weniger heilig sei!

Gestern sagte Ramana Maharshi: Täuschung ist das Vielerlei geformten Schmucks – und doch: Ist er nicht immer das Gold, die reine Wirklichkeit? Die gallischen Weiber da oben sind mir ausgesprochen sympathisch, sie streiten und vertragen sich, sind genusssüchtig, eitel und eifersüchtig und wissen noch, dass ein Stuhl ein Stuhl und ein Tisch ein Tisch ist. Auch sie sind einfach nur Gold als Vielerlei. Und was für ein bezauberndes Vielerlei!

„Das Druidentum vertritt die Gegenposition zu dieser Theorie des Nicht-Seins, des Nicht-Wollens, der Negation des Lebenswillens.“ Na, damit fühl ich mich doch als alter Kelte so richtig zu Hause.
dahoam

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12 Antworten zu Jean Markale: eine Aura von großer Schönheit und Heiterkeit

  1. JaulBaer schreibt:

    Dassssuuuu sach isch maaaaa nischt ammeres als:

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  2. froeschin schreibt:

    Ich bemerke bei mir die Tendenz, die Waagschale immer wieder ausgleichen zu wollen. Man kann es als wenig standfest und im negativen Sinn angepasst ansehen – aber möglichweise geht es ja allen/vielen so. Aber dann gäbe es wahrscheinlich nur kleine Weltmeisterparaden, Kriege und Sommerschlussverkäufe – nur die Hälfte ginge hin.

    Klar sind mir die gallischen Klatschweiber lieber und ich wrde mich eigentlich lieber zu ihnen gesellen. Da aber meine TV-Fernbedienung gerade kaputt ist, kann ich nicht mehr so viel umschalten, wie ich kotzen könnte und schaue dann minutenlang z.B. wie normale Menschen sich bei einer Show unterhalten. Moderatoren. „Das ist ja vollkrass, ey geil ey, da geht was ab, boah, Mann, die Alte rockt ab.“ Auch gallische Klatschweiber.

    Oder eben Maulbär, der schon wieder anfängt seine Hitlisten hier reinzustellen – einfach mal drüberbügeln über den morgendlichen Nityatext. Ist doch scheißegal – ich mach Musi (jetzt bekommt Maulbär meine Wut ab, die dem Bauarbeiter nebenan gilt, der morgens um 7 seine Arbeit damit gestartet hat, dass er erst einmal sein Radio mit Dumpfmusik voll aufgedreht hat, da er sonst nix mehr hört, weil er daneben einen Betonmischer betreibt.)

    Und da plumpse ich also auf die andere Waagschale, denn so ein Obererleuchteter ist – STILL. Er begegnet mir nicht so oft, die Kracher schon eher.

    Aber halt, stopp. Dem Reinen ist alles rein. Ich selber gehöre, da ich unterscheide, ja eigentlich in die andere Schale. Also doch besser bei jenen aufgehoben. Sowas!

    Nee, der obererleuchtete Zeigefinger ist es auch nicht.

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  3. fredo schreibt:

    hmmmmmmmmmm ….. zum text von nitja …. ich bin ja nicht so firm im „keltischen“ … aber ich meine da doch etwas bemerken zu können, was womöglich des erwähnens wert ist ….
    das was da als worte des manjushri erwähnt wird , bedarf zur genaueren einschätzung , ( wieder mal , sorry ) des kontext ihrer äußerung ( wer sagt was / wer hört es ) …

    also … die worte waren erneut an mönche gerichtet !
    im unterschied zu unserem verständnis vom mönchstum als lebenslanges nahezu unabänderliches lebensführungsmodell , waren mönche zu den zeiten des manjushri überwiegend „zeitvertrags-mönche“. soll heißen , die spirituell interessierten sucher namen für „schulungszwecke“ die lebensweise samt der entsprechenden insignien , gewand und bettelschale an , um diese irgendwann wieder gegen ein „weltliches“ leben auszutauschen . nur sehr wenige verblieben bis zum tod im mönchsstatus .
    ähnlich wie noch heute in thailand galt es in buddhistischen kulturen generell als förderlich, junge menschen schulungsweise für 1 bis 3 jahre zu „bemönchen“ und dann wieder für ältere , nach beendigung der „housholderschaft , so etwa mit 50 bis 60 , eine „mönchszeit“ als „reifung“ einzuschieben.
    Das bedeutet letztlich aber auch, dass alle „erworbenen“ kenntnisse sich erst im allttäglichen normalleben auszeichnen konnten . Und es galt und gilt noch immer sehr viel mehr als ein „nutzen“ für die familie , diese „mönchskenntnisse“ , als dass da ein direkter und ausschließlicher individueller suchernutzen erstrebt würde .
    Das bedeutet dann ja auch , dass die „entsagung“ ( des weltlichen ) nicht zur (richtigen) lebensweise per se erklärt wurde , sondern sich auf eine bestimmte periode , der mönchsphase , dieses lebens bezog .
    das lebenfrohe , zugewandte des „keltischen“ muss also gar nicht vermisst werden in der östlichen welt , es ist lediglich anders organisiert im gesellschaftlichen kontext .

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    • Nitya schreibt:

      „bedarf zur genaueren einschätzung , ( wieder mal , sorry ) des kontext ihrer äußerung ( wer sagt was / wer hört es ) …“

      Lieber Fredo,

      genau das tue ich nicht. Tu ich nicht, weil ich nicht an einer historischen oder objektiven Wahrheit interessiert bin, sondern daran, was so ein Text spontan bei mir auslöst. Und so kann derselbe Text heute dies und morgen das genaue Gegenteil davon auslösen. Mir geht es mehr darum, jede Wahrheit als die einzig wahre Wahrheit zu zerstören, als irgendeine völlig irrelevante einzig wahre Wahrheit zu verbreiten.

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      • fredo schreibt:

        lieber nitya …
        das ist eine dir ja auch oft gelingende betrachtung von text … die ich auch sehr schätze …

        ich will mit meinen bemerkungen auch kein „besseres“ verstehen behaupten , sondern durch das aufführen , WIE etwas bei uns quasi gewohnheitsmäßig „verstanden“ wird , und WIE es dann doch ganz anders ( auch ) verstanden werden kann , wenn man so ein paar soziale und historische faktoren dazufügt , eigentlich das gleiche darstellen …

        texte sind letztlich (bestenfalls) impulse … jetzt denken stattfinden zu lassen …. oder in manchen fällen , noch nicht einmal mehr das …..:D

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    • Elwood schreibt:

      Steh ich jetzt aufn Schlauch? Nach dieser durchaus interessanten informierenden Information von Dir lieber Fredo, ist für mich Nitya’s Text erstrecht stimmig. Die Mönche sollten von ihren Familien und der Gesellschaft geliebt werden und weiterhin funktionieren. Also eine Fortführung dessen, was wir eh seit Kindertagen zu hören bekommen. Was die richtige Sicht ist wissen die Autoritäten!
      Ob meine Sicht für Dich, Deine Sicht für mich, richtig oder falsch?
      Nich lang schnakken, Kopf in Nacken!
      soo nu weiterschnakken….
      Wat rut mut, mut rut…

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  4. Eno schreibt:

    Ich schätze ja die Kommentare von Nitya genau wegen dieser von ihm erwähnten Spontanität. Und so entstehen ja wohl auch die meisten Einlassungen in diesem Blog, jedenfalls die meisten von meinen. Ist es nicht die Einseitigkeit der Worte, die nur eine Sichtweise beleuchten und damit andere ausschließen und in dieser Ausschließlichkeit behauptet werden, die sie uns oft zum Brechmittel werden lassen? Weil wir ihnen nicht trauen, weil wir um ihre Begrenztheit wissen?
    Wenn ich den ersten Satz des Manjushri Textes nehme und im Sinne des Tetralemmas verändere, gewinnt er nicht damit „eine Aura von Schönheit und Heiterkeit“ in der alle Ausschließlichkeit aufgehoben wird und doch sein kann? (mal so ganz spontan in den Blog geworfen):

    Hängst du an diesem Leben,
    bist du kein wahrer spiritueller Praktizierender,
    bist du ein wahrer spiritueller Praktizierender,
    bist du weder ein wahrer noch kein wahrer spiritueller Praktizierender,
    bist du ein wahrer und kein wahrer spiritueller Praktizierender!

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