Hui-neng: der ursprüngliche Geist


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Es ist falsch, gar nicht zu denken, sich aller Dinge zu entledigen und keinen einzigen Gedanken aufkommen zu lassen. Denn dies bedeutet, zu sterben und an einem anderen Ort wiedergeboren zu werden (einem anderen Irrtum zu verfallen).

Wenn der ursprüngliche Geist erkannt wird, ist das bereits Befreiung. Der Befreiung teilhaftig sein ist der Samâdhi der Prajñâ, und das ist Nicht-Gedanke. Was ist Nicht-Gedanke? Wenn man alle Dinge sieht, ohne dass der Geist davon festgehalten wird, ist das der Nicht-Gedanke. Sein Wirken durchdringt jeden Ort, ohne irgendwo anzuhaften. Einfach den ursprünglichen Geist reinigen (in seiner Soheit wirken lassen) – dann gibt es inmitten der Sechs Arten des Staubs weder Befleckung nach Unordnung, und Kommen und Gehen sind frei, ungehindert und ohne Stockung. Das ist der Samâdhi der Prajñâ. Die natürliche, freimütige, von nichts befangene Handlung wird das Wirken des Nicht-Gedankens genannt. Gar nichts zu denken und die Gedanken zu vernichten ist ein Gefesseltsein von der Lehre (von begrifflichen Vorstellungen) und wird vorgefasste Meinung genannt.

aus: Hui-neng, „Das Sutra des sechsten Patriarchen“

„Es ist falsch, gar nicht zu denken, sich aller Dinge zu entledigen und keinen einzigen Gedanken aufkommen zu lassen.“ Das ist schon wieder dieses Rumfummeln an dem, was „Welt“ genannt wird. Denken, handeln – was ist richtig, was ist falsch – wie kann ich … ? Das alles setzt nur das Rad der Wiedergeburten immer wieder in Gang. „Wenn der ursprüngliche Geist erkannt wird, ist das bereits Befreiung.“ Der ursprüngliche Geist muss nicht erkannt werden, aber für ein begrenztes Bewusstsein, das sich gefangen fühlt, bedeutet das Erkennen des ursprünglichen Geistes Befreiung aus der scheinbaren Gefangenschaft.

Aber wie kann der ursprüngliche Geist erkannt werden?mensch

„Sieh den, der sieht!“
Osho

 

 

 

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6 Antworten zu Hui-neng: der ursprüngliche Geist

  1. Michaela schreibt:

    „Es ist falsch, gar nicht zu denken, sich aller Dinge zu entledigen und keinen einzigen Gedanken aufkommen zu lassen.“

    Selbst das. Wie funktioniert es, gar nicht zu denken oder keinen einzigen Gedanken aufkommen zu lassen? Ich wäre fast geneigt, zu sagen „schön wär’s“, manchmal jedenfalls fühlt es sich so an. Aber weder das eine kann gelassen noch das andere einfach erkannt werden.

    Aber halte mir ruhig weiter das Blümelein unter die Nase, lieber Nitya. Es ist diese Einfachheit, die fehlt. Diese schlichte Präsenz. Keine darüber hinaus gehende Bedeutung. Wenn das für einen Augenblick Platz nimmt, dann wird diese Leichtigkeit spürbar. Als wenn der ganze höchst komplizierte Gedankenmüll auf einmal weggespült wird. „Aaaaah…..“

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    • MenschMeyer schreibt:

      Jooooohuuuuu, bemerkenswerte Michaela,
      ich hab´mal geheoert oder gelesen, Gruebeln, sich Gedanken machen, anders gesagt denken, sind nicht-erlaubte Gefuehle.
      Das heißt, bzw. daraus folgt meines Erachtens, geht der Mensch als Mann oder Frau, jeder allein für sich allein gemeinsam in Fuehlung und lauschen nach der unhoerbarkeitslosen Musik – loesen sich Gedanken auf, denn sie haben sogut wie keine Energie mehr zu existieren.
      Man kann als Mensch das noch steigern, indem ein Mensch als Mann und Frau in der klassischen Grundstellung des Paartanzes in frey loes-barer Verbindung über Hand und Haut beieinander miteinander allein jeder für sich allein stehen sowie nach der unhoerbarkeitslosen Musik bewegungslos ins Tanzen geraet mit Hilfe der SchwerKraft und der Oberflaeche des Bodens nach optimalen aufrechtes, aufrichtiges Gleichgewicht lauschen…..
      So erlaube ich mir nicht nur dir zu empfehlen, schenken wir alle – jeder allein fuer sich allein gemeinsam, den Gedanken – Illusionen – die uns Freude machen, Energie, damit diese Gedanken – zum Optimalen fuer uns alle – sich auf der Erde in der Welt manifestieren können!!!
      oder was meinst nicht nur Du Du dazu???

      Mit herzlich-freundschaftlichen lieben Grueßen
      bilde (imaginiere) ich mir immer wieder gerne mir nichts dir nichts grundlos ein,
      „I`M THE WHISTLER“
      denn Bildung kommt nicht von Büchern, sonst müeste es Buchung heißen????
      siehe:

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  2. fredo schreibt:

    es scheint mir , es gibt so etwas wie zwei verschiedene Art und Weisen , wie ES sich ( im oberen Text des Nidya „Befreiung“ genannt ) ereignen kann …
    jedoch darüber zu schreiben , ist immer ein wenig , wie das Verraten von Zaubertricks …
    letztlich dient man damit ja niemanden , da keiner eine Wahl über seinen „Weg“ hat , und so wäre zu vermuten , dass ein darüber Schreiben eher eigene latente Kompetenzgelüste , also schlichter Eitelkeit befriedigen soll …
    oder ?
    hmmmm …. nun ja … selbst wenn dem so wäre … was solls … auch „meine“ mögliche Eitelkeit in Schwatzhaftigkeit , kann ja Dir ( als Leser ) womöglich etwas „dienlich“ sein , und wenn nicht , haben wir immerhin zusammen ein paar nette Augenblicke in diesem gastlichen virtuellem Gesprächs-Platz genießen können .

    es gibt wohl einerseits , das , was man einen erforschenden Weg nennen kann , ein Weg der daraus besteht , dass durch systematisches Ergründen vom jeweiligen „Wahrheitsgehalt“ der auftauchenden Erscheinungen peu a peu das innere Gebäude von Wirklichkeit als „Illusionen“ entlarvt , abgebaut werden kann , und immer mehr in das vorgedrungen werden kann , was „ich bin“ … Dazu werden häifig bestimmte Methoden der Beeinflussung der Wahrnehmung benutzt (Meditation , Trance, oder ähnliches ) , oder eine systematische Manipulation der Eigenwahrnehmung mit anfangs autosuggestiver Einschränkung des Gedankenflusses ( Atma Vichara und ähnliches ) .Es ist aber beides kein direktes Vordringen zu einem neuen , noch unbekannten Ziel , sei es gedanklicher , oder bewusstheitsmäßiger Art , sondern eher ein systematisches Abschälen von Illusionsschichten . Deshalb wird es oft auch mit dem Schälen einer Zwiebel verglichen .

    und es gibt das , was oft der „direkte Weg“ genannt wird . Dabei wird zwar durchaus anfangs ein cognitives Erkennen der ( anscheinenden ) Wirklichkeit und ihrer „Wahrheiten“ angestrebt , aber zugleich eine immer größere , sich stetig steigernde Verzweiflung „geschürt“ , deren echte Tatsächlichkeit je ergründen zu können . Das ganze steuert dann mehr oder weniger schnell auf das zu , was ( z.B. von Tony Parsons ) „Kollaps“ genannt wird . Ein Moment , in dem der totale Zusammenbruch der in Jahrzenten aufgebauten und genährten Konzeptwelt unvermeidbar wird .
    Dieses Ereignis kann , muss aber nicht immer , sogar zu eine Art Kollabierung der zellulären „Wahrheiten“ führen . Ein wirklich radikaler und manchmal auch sehr heftig schmerzhafter Prozess …

    Sowohl nach der radikalen Rodung , im ersten Fall , wie auch nach der explosiven Vernichtung im zweiten Fall , bleibt nicht nur das gleiche , sondern das Selbe übrig … das was wirklich IST … ( und immer übrigbleibt ) und deshalb von mir gerne das EIGENTLICHE genannt wird .

    Im ersteren Falle fördert oft ein Lehrer oder „das Leben“ selbst als Lehrer , eine Art systematische andauernde „Bereinigung“ , mit dem gründlichen Staubsaugen eines verschmutzten Teppichs vergleichbar .
    Im zweiteren Falle wird der Schmutz des Teppichs erstmal ignoriert und stattdessen dann ein kompletter Rauswurf des gesammten Teppichs erfolgen , um ihn dann , durch Rauswurf gereinigt , wieder der Bequemlichkeit des Lebens zuzuführen. .

    Jedoch , was beide „Befreiungsarten“ vom „Schmutz des Teppichs“ verbindet , und in diesem Punkt letztlich völlig vereint , ist der Fakt , das sich die letzte Schicht der Zwiebel nicht mehr (selbst) schälen lässt , und das ein Kollaps niemals vom Kollabierenden selbst ausgelöst werden kann .
    Also kann dieses „letzte Schälen“ oder „Kollabieren“ immer nur direkt aus dem ÜBRIGBLEIBENDEN „veranlasst“ werden .
    Der Begriff „Gnade“ wird da oft verwandt . Wobei ich dazu sagen möchte , dass dies bereits wieder einen Gewinn „aus det janze“ suggeriert , der aber so gar nicht gegeben ist .

    Letztlich besteht der einzige „Gewinn“ darin , „danach“ nicht mehr mit dieser leidigen Sucherei beschäftigt zu sein , und endlich wieder ans Holzhacken und Wasserholen gehen zu können …

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  3. Eno Silla schreibt:

    eine verrückte welt
    in der viele worte zu machen
    oder nicht zu machen
    um dies und das
    keinen unterschied macht
    und gleichzeitig doch einen macht
    ist es nicht vollkommen absurd
    und doch was es ist
    einfach so
    wenn
    ich bin

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  4. Eno Silla schreibt:

    jetzt sind wir weltmeister
    um mich herum feiern die menschen
    kann dem nicht entkommen
    es ist
    jetzt

    angst ist die knute
    die (uns)
    treibt

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    • zaungast schreibt:

      Dann spiel ich mal den Spielverderber:
      von wegen „WIR sind Weltmeister“…
      Ich bin weder Deutschland, noch irgendeine sog. Nationalmannschaft, noch irgendein Fussballfan…
      Es ist amüsant zu beobachten, wie Menschen sich wie pawlowsche Hunde ihre Identität mit deutschen Flaggen und dem Fussball zukleistern, um sich dann als „Weltmeister“ zu fühlen…
      Zur wahren Meisterschaft (was auch immer das sein soll) langt es aber noch lange nicht…

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