Yongjia: dies ist die Endzeit des Dharma


daemon
Aber ach, dies ist die Endzeit des Dharma,
Und die Welt ist voller Falschheit,
Allen Wesen ist nur wenig Glück beschieden,
Und die Selbsterforschung fällt ihnen schwer.
Wie weit haben sie sich doch vom Heiligen entfernt,
Wie extrem sind ihre falschen Sichtweisen!
Die Dämonen sind stark, der Dharma ist schwach,
und es gibt so viel Furcht und Hass.

Die Lehre des Tathâgata vom plötzlichen Begreifen
Kennen die Leute vom Hörensagen,
Doch solange sie den Hass nicht ausgelöscht haben,
Ist das für sie nur ein zerbrochener Krug.
Ist der Geist erregt,
So schadet das dem Körper –
Da braucht ihr euch nicht über Ungemach zu beklagen
Und andere dafür verantwortlich machen.

aus dem Zhegdaoge von Yongjia Xuanjue

Yongjia Xuanjue lebte von 665 bis 713. Was er wohl über unsere heutige Zeit gesagt hätte? War es denn je anders? Wird es je anders sein? Die gute alte Zeit – gab es sie je? Oder das Goldene Zeitalter? Oder gilt für alle Zeiten: Wo Licht ist, da ist auch Schatten? Überall lese ich, höre ich: Wir stehen vor einem großen Bewusstseinssprung. Die Erleuchtung der gesamten Menschheit steht unmittelbar bevor. Und dann sehe ich, was für eine Scheiße da in der Ukraine passiert oder in Syrien und im Irak oder jetzt zwischen Israelis und Palästinensern oder oder oder … ja, ein letztes Aufbäumen des alten Bewusstseins, bevor es sich für das neue Bewusstsein öffnet? Irgendwie hat schon wieder das Warten auf den neuen Messias begonnen.

Aber vielleicht verschwinden wir ja auch demnächst wie die Saurier oder die vielen Arten, die wir so erfolgreich eliminiert haben. Die Erde würde jedenfalls erleichtert aufatmen, wenn sie uns los ist. Wolf Biermanns „Warte nicht auf bessre Zeiten“ fällt mir wieder ein. „Warte nicht auf bessre Zeiten, warte nicht mit deinem Mut gleich dem Tor, der Tag für Tag an des Flusses Ufer wartet, bis die Wasser abgeflossen, die doch ewig fließen.“ Nun, Biermanns Rat war, zu handeln.

Xongjia weist auf etwas anderes hin: Er sagt: „Wie weit haben sie sich doch vom Heiligen entfernt, wie extrem sind ihre falschen Sichtweisen!“ und „Die Lehre des Tathâgata vom plötzlichen Begreifen kennen die Leute vom Hörensagen.“ Ich könnte es so übersetzen: Kümmere dich nicht um die Welt. Der Zustand der Welt spiegelt nur, wie weit du dich vom Heiligen entfernt hast, spiegelt nur deine extrem falschen Sichtweisen. Solange du dich in diesem Zustand befindest, wird dein Handeln, und wenn es noch so gut gemeint ist, alles nur noch schlimmer machen. Solange du deinen Hass nicht ausgelöscht hast, ist jede Anstrengung für die Katz. Kann der Hassende den Hass auslöschen? Wohl kaum.

Wenn sie sich vom Heiligen entfernt habe – gibt es ein Zurück?

Bluete„Sieh den, der sieht!“
Osho

 

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10 Antworten zu Yongjia: dies ist die Endzeit des Dharma

  1. MenschMeyer schreibt:

    „Doch solange sie den Hass nicht ausgelöscht haben,….“
    Ich sach auch immer zu meinen Freunden, wenn ich ich wütend, genervt, oder für/gegen was entbrannt bin:“Jetzt müsst Ihr gebürenden Abstand von mir nehmen, oder ich muss mich entfernen, oder ihr holt mehrere Eimer Wasser damit ihr nicht nur die Finger in meinem Umfeld verbrennt und damit es Euch mehr zuträglich oder abträglich iss, jenachdem wie ihr´s gerade braucht!…“

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  2. Nitya schreibt:

    Gestern lief ein schöner Film zum Thema „Hass“ und dazu, wie sich Hass in Freundschaft verwandeln kann, auf „einsfestival“: „Kaddisch für einen Freund“

    Hier kann man ihn noch sehen: http://www.einsfestival.de/mediathek/player.jsp?vid=627032

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  3. Nitya schreibt:

    Eben hörte ich in den Nachrichten, die Amis seien verärgert, weil wir und das auch noch öffentlich über ihre Spione verärgert seien. Und den obersten Ami-Spion des Landes verweisen, ginge ja schon gar nicht. So was kenne man bisher nur von Russland, Nordkorea, Iran usw.

    Ich glaube, ein Eimer Wasser über den Kopf geschüttet, würde mir jetzt auch gut tun.

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  4. Ingeborg schreibt:

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    • MaulBaer schreibt:

      Herzlich lieben Dank für dieses Video und diese junge Frau, die es hier mir schmerzlich-bitter schwarz-traurig-süßlich für mein Erkenntnisvermögen hervorragend auf den Punkt bringt:
      „Du Depp, du, Depp du, depperter Depp, du,
      schau die ma aon“ (Zitat von Haindling)
      Diese junge Frau gehört zu den wenigen, die mir relativ gut bekannt sind, der ich zur Zeit mein ärmliches Vermögen anvertrauen würde!!!

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