Hui-neng: Sitzen in Versenkung


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Verehrte Zuhörer, was ist das, was man „Sitzen in Versenkung“ (chin.: zuochan / jap.: zazen) nennt?

In meiner Lehre bedeutet es die Freiheit von Hindernissen und Hemmnissen.

Wenn sich nach außen hin in allen guten und schlechten Umständen kein Gedanke im Geist erhebt (keine Wertung der Umstände entsteht), ist das „Sitzen“.

Wenn im Inneren das ursprüngliche Wesen, die Unbewegtheit des eigenen Geistes, gründlich erkannt wird, ist das „Versenkung“.

aus: Hui-neng, „Das Sutra des sechsten Patriarchen“

Der Mönch da oben praktiziert perfekt zuochan. Die richtige Handhaltung, aufrechte Wirbelsäule, auch die Neigung des Kopfes dürfte stimmen, … – Kann ich wissen, ob das wahr ist? Natürlich nicht, ich kann höchstens etwas über die äußere Haltung sagen. Vielleicht denkt der Mönch gerade wie ein Weltmeister, denkt an seine spirituellen Fortschritte, denkt an seine spirituelle Karriere, denkt an die vielen Schüler, die er einmal haben wird. Nehmen wir einmal an, es wäre so, und legen Hui-nengs Maßstab für „Sitzen in Versenkung“ an das „zuochan“ des Mönchs.

„Wenn sich nach außen hin in allen guten und schlechten Umständen kein
Gedanke im Geist erhebt (keine Wertung der Umstände entsteht), ist das ‚Sitzen‘.“ Wir stellen fest: Der Geist des Mönchs ist voller wertender Gedanken. Obwohl er also sitzt, sitzt er nicht.

„Wenn im Inneren das ursprüngliche Wesen, die Unbewegtheit des eigenen Geistes, gründlich erkannt wird, ist das ‚Versenkung‘.“ Wir stellen fest: Die ganze Aufmerksamkeit des Mönchs gilt nicht „der Unbewegtheit des Geistes“, dem „Nicht-Ding“, sondern dem Ding „spirituelles Fortkommen“. Es handelt sich also nicht um Versenkung, obwohl der Mönch natürlich völlig in seinen Gedanken versunken ist.

Fazit: Das zuochan des Mönchs ist nicht zuochan. Würde der Mönch in der Hängematte liegen ohne wertende Gedanken und ganz selbstvergessen sein in der Erkenntnis der Unbewegtheit des Geistes, dann wäre das zuochan im Sinne Hui-nengs.

Die alten Chan-Meister waren anscheinend rechte Ikonoklasten, rechte Bilderstürmer. Wenn Jiddu Krishnamurti darauf hinweist, dass das Wort nicht das Ding sei, für das es steht, dann ist er ein Ikonoklast. Wenn der Mönch sich so seine Gedanken macht über sein zuochan, dann ist sein angebliches zuochan eben kein zuochan. Häufig wurden in der Geschichte der Kirchen alte Bilder zerstört in der Erkenntnis, dass die ursprüngliche Botschaft längst unter einem Berg von Bildern und Symbolen begraben war. Aber meist wurden die alten Bilder und Symbole nur durch neue Bilder und Symbole ersetzt. Manche gingen in ihrer Bilderzerstörung so weit, dass sie nur noch nackt herumliefen. Aber dann hatten sie ihre Nacktheit zu ihrem Symbol auserkoren.

Nein, ich kann über den Mönch da oben nichts sagen. Es ist nun mal nichts Äußerliches, worum es geht.
hmSchläft Donald, macht er zuochan? Wer könnte das wissen. Nicht einmal Donald weiß es.

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