Johannes Scotus Eriugena: Gott ist sich selbst unbegreiflich.


Eriugena

»Gott ist sich selbst – als ungeschaffenes, alleiniges und überwesentliches Urwesen – unbegreiflich. Als alles verursachender, alles (auch sich selbst) erschaffender Selbstbeweger ist er jedoch Urgrund und schöpferischer Urgrund alles Seienden, das durch göttliches Wollen aus dem Nichtsein in das natürliche Werden der vielfältigen sinnlichen Erscheinungswelt übergeführt wird. In der göttlichen Selbstbetrachtung werden – aus der Zeitlosigkeit der Ewigkeit stammende Ideen gesehen, die in der Bewegung des göttlichen Denkens und Wollens als Urbild/Urtypen schöpferisch wirksam werden können. Anfang und Ende der Natur sind in Gott identisch, denn so wie alles aus ihm strömt, kehrt auch alles wieder zu ihm zurück.«

Johannes Scotus Eriugena

Eriugena (ca. 810-891) war ein keltisch-irischer Mystiker und Philosoph. Als Ketzer angeprangert, steht er in einer Reihe mit den großen Geistern der Geschichte. Bei uns ist er eher weniger bekannt, die Iren hingegen halten ihn immer noch für so bedeutsam, dass sie sein Bild auf ihren Banknoten abgedruckt haben.

„Das Hauptwerk von Johannes Scotus Eriugena »De divisione naturae« (»Über die Einteilung der Natur«) ist ein systematischer Gesamtentwurf, in dem christliche Elemente mit neuplatonischen und irisch-keltischen verbunden werden.“ (Brockhaus) Es scheint fast unmöglich, diese einzelnen Elemente von einander zu trennen. Die Frage nach dem spezifisch Keltischen, wird sich wahrscheinlich nie beantworten lassen. Nicht nur deshalb, weil das alles schon so lange her ist, sondern auch, weil es das spezifisch Keltische vielleicht nie gab. Die Kelten waren kein Stamm, der über Jahrhunderte hinweg nicht aus seinem Tal in den Bergen herausgekommen wäre, sondern Menschen, die in ganz Europa zu finden waren und die die vielfältigsten Impulse aufgenommen haben. Die geistige Nähe der Druiden zu den hinduistischen Rishis spricht dafür, dass es auch weit über Europa hinaus Kontakte gegeben haben muss.

Vielleicht wäre Johannes Scotus Eriugena, wenn er ein paar Jahrhunderte früher gelebt hätte, einfach das gewesen, was wir heute unter einem Druiden verstehen. Aber die Zeit der Druiden war in seinem Jahrhundert schon vorbei. Trotzdem verkörperte er wohl noch druidisches Wissen und suchte sich in seiner Zeit das, was eine geistige Verwandtschaft zu diesem Wissen aufweisen konnte. Und so verband er wohl sein Wissen mit christlichen und neuplatonischen Aspekten. Aus Sicht der römischen Kirche war er deshalb ein Häretiker und Ketzer und musste entsprechend “behandelt” werden.

Ob man es nun aus der Sicht der antiken Autoren oder aus der Perspektive der irischen und walisischen Epen, der Artusromane und der traditionellen Volkserzählungen betrachtet – stets ist das Denken der Druiden durch eine totale Ablehnung des Dualismus in jedweder Form gekennzeichnet. Auf der uns vertrauten Ebene der Moral lässt sich hier tatsächlich keine scharfe Trennung zwischen Gut und Böse erkennen. In der Tradition des druidischen Denkens ist die Idee der Sünde unbekannt. Von einem Vergehen wird nur dann gesprochen, wenn sich der einzelne als unfähig erweist, das zu leisten, was ihm aufgegeben ist, wenn er unfähig ist, sein eigenes Selbst zu überwinden. Aber diese Idee des Vergehens hat eher mit einem Eingeständnis der Schwäche zu tun, als mit der Übertretung einer im Voraus aufgestellten und klassifizierten Norm. In der Moralauffassung der Druiden ist eine Auflistung von schweren und leichten Sünden, die mit dem Tod oder geringeren Strafen zu ahnden sind, undenkbar. Es gibt lediglich die Unterscheidung zwischen dem Verhalten, das die Erfüllung des eigenen Schicksals oder desjenigen der Gemeinschaft fördert, und dem entgegengesetzten Verhalten, das dem Erreichen dieses Ziels hinderlich ist. Die Hinderungsgründe liegen außerhalb der Macht des Individuums. …..

Im Gegensatz zum Christentum gibt es für die Druiden keine absolute und offenbarte Wahrheit, da die Wahrheit lediglich das Resultat eines Urteils ist, das der Geist zu einer bestimmten Zeit der Geschichte gefällt hat. So bietet die geistige Welt der Druiden vermutlich das einzige bekannte Beispiel für einen philosophischen Ansatz, in dem der Monismus konsequent zu Ende gedacht wurde.

aus Jean Markales, „Die Druiden“

Heutzutage unterhalten wir uns im Bundestag darüber, ob die Verstümmelung von Geschlechtsorganen als Körperverletzung oder als hochheilige religiöse Handlung zu werten ist. Unsere hochbezahlten Abgeordneten entschieden sich natürlich für Letzteres. Geht’s noch? Was für einen Schwachsinn wollen die uns eigentlich noch zumuten? Ach jammerjammerjammer – was hätte aus Europa werden können, wenn nicht die heilige römische Kirche und ihre Handlanger die Wurzeln europäischer Geistigkeit so erfolgreich mit Feuer und Schwert, Betrug und Verrat ausgerottet hätten. Aber natürlich nicht nur die römische Kirche – alle mosaischen „Religionen“. Sie und ein mit ihnen zutiefst verwobener hemmungsloser Kapitalismus sind auch heute mal wieder dabei, nicht nur aus uns Vollidioten zu machen, sondern auch noch diese wundervolle Erde in ein einziges Trümmerfeld zu verwandeln.
mosOb dieses Europa noch einmal zu seinen Wurzeln zurückfinden wird, zu Leuten wie Anaximander, Heraklit, Pelagius, Eriugena, Walter von der Vogelweide, Meister Eckhart, Marguerite Porète usw. usw. ? „Keine Macht den Doofen“ heißt ein Buchtitel von Michael Schmidt-Salomon. Und er bezieht sich damit vor allem auf die mosaischen Religionen. Ja, prima. Aber das ist nicht das Ende der Fahnenstange. Auch die Aufklärung ist nicht das Gelbe vom Ei. Insofern müssen wir uns alle fragen, ob wir nicht selbst zu den Doofen gehören, denen um Gottes willen auch keine Macht gegeben werden darf. Was bleibt? Für Marguerite Porète blieb nur dies – und das war ihr so wichtig, dass sie bereit war, sich dafür verbrennen zu lassen:

Ich habe gesagt, ich wolle ihn lieben:
Ich lüge, dies bin nicht mehr ich.
Er allein ist es, der liebt – mich.
Er ist und ich bin nicht mehr.
Nichts sonst ist mehr von Bedeutung,
als was er will und was ihm teuer ist.

 

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11 Antworten zu Johannes Scotus Eriugena: Gott ist sich selbst unbegreiflich.

  1. Elwood schreibt:

    DIE Wahrheit gibt es nur als eingebrannten Stand-Mess-Punkt, der ensteht wenn geglaubt wird Babo könnte im Denken erfasst (begrenzt) werden. Babo kann nicht zu Ende gedacht werden.

    Dat wird schon!
    Oder auch nicht….

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  2. Nitya schreibt:

    stoerche

    Zwar noch mit wackeligen Beinchen, aber schon sehr gekonnt schießt der kleine Storch sein Geschäft über den Nestrand.

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    • fredo schreibt:

      Am Anfang war da nur die Leere
      und nichts was eine Form begehre

      und Gott saß da auf seinem Thron
      war ganz allein – wer will das schon

      da kam ihm doch ein Geisterblitz
      wär da ne Schöpfung, dann gäbs Witz

      denn bei den absoluten Sachen
      gibts selten irgendwas zu lachen

      Drum wurden Berge schnell geschaffen
      auch Wasser, Pflanzen, Vögel, Affen

      Und alles bis zum siebten Tage
      ein guter Job, gar keine Frage

      Als Krönung schuf der Herr im Himmel
      ne Frau mit Grips, den Kerl mit Pimmel

      und gibt den beiden die Vision
      die Liebe sei der höchste Lohn

      da gabs beim Herrn nur noch Lachen
      wie könnte jemand Liebe … machen.

      mal wieder auf die Schnelle Herrn vanVeen zu Ehren geknödelt …….

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  3. fredo schreibt:

    ob unbegreiflich … unerschaffen ,
    zum Menschen machte Gott den Affen .

    ob dieses dann , man kanns nicht wissen ,
    dem Herrn gereicht zum Ruhekissen ?

    oder ob er die Tat verfluchte,
    weil er nach Unterhaltung suchte ?

    ob er sich damit selbst bewegte
    als er aus Nichts das Sein erregte ?

    wenn ichs erwäge , tief und reiflich :
    Gott bleibt sich selber unbegreiflich !

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  4. Ingeborg schreibt:

    Soviel zum Thema Schwachsinn. Zur Zeit überträgt das ZDF ,eine Gedenkstunde zum Ersten Weltkrieg,aus dem Deutschen Bundestag. Noch steht der Fernsehapparat sicher. Und dann das:http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/5004086/ursula-von-der-leyen-will-kampfdrohnen.html
    Ich will auch was von der Doofenmacht

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