Bankei: lass‘ los, lass‘ los!


Bankei

Wer sich erbittern lässt vom Leben
dieser Welt der treibenden Sorgen,
quält sich selbst, verstört seinen Geist
und brütet dumpf über leeren Träumen.

Da dieser treibenden Welt
letztlich keine Wirklichkeit zukommt –
statt deinen Geist an Dinge zu hängen,
lass‘ los, lass‘ los!

Wenn du an Dingen nicht hängst,
wird die treibende Welt vergehen.
Nichts bleibt übrig, leeres Nichts –
das heißt: ein lebender Buddha.

aus: Bankei Eitaku, „Honshin no Uta“

Ha, das ist ja mal wieder so’ne Aussage, die man wunderbar missverstehen kann. Erstens – ich bin Fredo sehr dankbar dafür, dass er unermüdlich darauf hinweist – erstens also handelt es sich bei all diesen Aufforderungen grundsätzlich nicht um Aufforderungen, sondern um die Weitergabe von Erfahrungen.

Bankei sagt etwas, das die meisten Leute wohl nicht so gerne hören: Er scheint dem Einzelnen die Verantwortung für seine Er- oder Verbitterung, für sein sorgenvolles Dasein, für seinen verstörten Geist zu geben. Manchem dröhnt es da in den Ohren, dass er an seinem Elend selbst schuld sei. Aber nicht genug damit, dann kriegt man auch noch diese Aufforderung um die Ohren gehauen: „lass‘ los, lass‘ los!“ – Fast jeder wird sich an dieser Stelle fragen: „Wie bitteschön soll ich denn diesen ganzen Mist loslassen? Ich kann das nicht loslassen. Die Sorgen fallen einfach über mich her. Ich bin das Opfer meiner Ängste. Aber nicht nur meiner Ängste, sondern auch der Verhältnisse. Der mit seinen blöden Vorwürfen: Ich brüte dumpf über leeren Träumen. Der sollte mal meine Sorgen haben! Wer bezahlt meine Miete? Man hat mir gekündigt. Womit soll ich meine Familie ernähren? Und krank bin ich zu allem Überfluss auch noch. … Scheiße!“

Sind das wirklich alles nur Träume? Noch einmal Ramana: „Wozu nützt die Diskussion, ob die Welt wirklich oder lediglich eine unwirkliche Erscheinung ist, ob ihr Bewusstsein eigen ist oder nicht, ob sie Glück oder Leid bedeutet?“ Ich lass das also mal einfach. Bankei sagt: „Wenn du an Dingen nicht hängst, wird die treibende Welt vergehen. Nichts bleibt übrig, leeres Nichts – das heißt: ein lebender Buddha.“

Nichtanhaftung nennen das, glaube ich, die Buddhisten. Vorhin hab ich kurz in ein Video reingeguckt. Da sprach der Seminarleiter davon, wovon wir alles lassen sollten. Wir sollten von unseren Kleidern lassen, unserem Auto, unseren Kindern, … Und wieder hör ich die Frage: Ja wie denn? Und ich denke an buddhistische Mönche, die bettelnd umherziehen und nichts als ihre Klamotten, ihre Sandalen, ihren Wanderstab und ihre Bettelschale dabei haben. Alles andere haben sie losgelassen. Byron Katie fällt mir ein und die Frage: „Wer wärest du ohne deine Bettelschale?“ Hihi – das kommt dabei raus, wenn man meint, irgendetwas zu sollen. Bettelschale ist nur ein Gedanke. Loslassen ist nur ein Gedanke. Blabla.

Gedanken kommen und gehen. Festhalten eines Gedankens kommt und geht. Die „treibende Welt“ ist wie ein Fluss, der an mir vorbeizieht. Und diese Person, zu der ich „Ich“ zu sagen pflege, treibt mit all dem anderen Plunder auf dem Fluss dahin. Nichts muss getan werden, nichts gelassen, der Fluss des Lebens treibt ganz ohne mein Zutun dahin. Ja, diese Person versucht sich an diesem oder jenem festzuhalten – auch das ist völlig in Ordnung, auch das ist nur ein Teil des Flusses.

Sobald ich glaube, ich könnte irgendetwas richtig machen, scheint sich alles in Dunkelheit zu hüllen.


.
Wir steigen in denselben Fluss und doch nicht in denselben,
wir sind es und wir sind es nicht.

 

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16 Antworten zu Bankei: lass‘ los, lass‘ los!

  1. Elwood schreibt:

    Niedlicher Vogel, er kann das schnattern nicht lassen.
    Der Fluss raubt mir die Worte.

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  2. fredo schreibt:

    Lass los …. Lass los …. ( imperativ formuliert im inneren Dialog ! )

    es lies los … es lies los …
    es lies das loslassen los …
    nur was denn oder wer denn hat losgelassen ? …
    auch diese frage loslassen …
    auch loslassen loslassen …
    denn nie war jemand gebunden …
    und ob da losgelassen oder gebunden …
    es ist derselbe fluss der ereignisse …
    denn nix ändert loslassen …

    also … was wird dann überhaupt losgelassen ?
    die bedeutung von loslassen loslassen …
    könnte sein …
    welch witz des loslassens …

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  3. Eno Silla schreibt:

    „Sobald ich glaube, ich könnte irgendetwas richtig machen, scheint sich alles in Dunkelheit zu hüllen.“
    Ja, oder falsch machen…
    Sobald ich irgendetwas glaube, bin ich am Arsch!
    Das ist alles ganz schön vertrackt, völlige Hilflosigkeit tut sich da auf. Und ich falle immer wieder darauf rein, weil auch Nicht-Glauben schon wieder ein Tritt in die Scheiße ist… Na und? Was solls! Offensichtlich gibt es da kein Entkommen…
    Ich lache immer noch gerne mit Karl R… Dieses leere Lachen ist richtig schön. Liegt darin die große Entspannung? Ah und schon gehts wieder los – Scheiß drauf!
    Daher hier noch mal ein kleiner Ausschnitt aus einem seiner letzten Talks in Münschen 2013:
    http://www.file-upload.net/download-9074290/KarlR1.mp3.html

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  4. Ingeborg schreibt:

    Für Adlerfans:Nachdem das erste Kücken geschlüpft war,ging entweder die Kamera
    kaputt oder mit der Stromzufuhr stimmt etwas nicht.Fehlerbehebung geht leider erst
    wenn die ,wahrscheinlich drei,Jungadler beringt werden.Hier ein ausweichnest:
    http://pontu.eenet.ee/player/zivju-erglis.html

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  5. Eno Silla schreibt:

    im irrenhaus des seins
    drehe und winde ich mich
    ich
    ständig am suchen
    ständig am greifen
    nach diesem und jenem
    vor allem nach glück
    nach frieden
    nach liebe
    und was finde ich
    krieg
    zerstörung
    hass
    ich kann nicht entkommen
    ich laufe und laufe und laufe
    kein entkommen
    das vollkommene entsetzen
    der absolute schmerz
    vollkommen zerstört
    nichts
    alles gut
    und
    das spiel beginnt
    von
    neuem
    drehe und winde ich mich
    im irrenhaus des seins

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    • fredo schreibt:

      zu eno
      da gedichte immer sehr persönlich sind , ist … eigentlich … jeder kommentar obsolet .

      trotzdem … nur folgender hinweis …. attribute und adjektive erschaffen die dramatik des persönlichen … im gedicht , so wie im inneren dialog …

      werden diese als „verzerrend“ erkannt , entsteht ein schlichtes leben …
      les einfach mal dein gedicht ohne adjektive und attribute …..

      und es entsteht ein schlichtes leben … voller vielfalt und würde ….

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      • Ingeborg schreibt:

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      • Eno schreibt:

        Lieber Fredo,
        ich verstehe dich nicht. Ich hab keine Ahnung von Attributen und Adjektiven…
        Aber ja, in diesen Worten da oben geht es um die Dramatik des Persönlichen, um die Albträume persönlichen Seins.
        Darin, im Persönlichen, sehe ich Würde und Vielfalt. Um alles andere kann und muss ich mich nicht kümmern, denn da gibts ihn nicht mehr, den Kümmerer…
        Grüsse von
        Eno

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      • Nitya schreibt:

        „Darin, im Persönlichen, sehe ich Würde und Vielfalt. Um alles andere kann und muss ich mich nicht kümmern, denn da gibts ihn nicht mehr, den Kümmerer…“

        zehn

        Aus dem Nichts ins Etwas und wieder zurück. Gleich muss ich zum Zahnarzt und mithilfe einer Batterie, zweier Drähte und eines Glühbirnchen beweisen, dass der neue Zahnersatz leitfähig ist und meine beiden Gehirnhälften kurzschließt und damit meine Idiotenkarriere mächtig beschleunigt. Meine Fresse, ist das persönlich!

        „Als alles verursachender, alles (auch sich selbst) erschaffender Selbstbeweger ist er [Gott] jedoch Urgrund und schöpferischer Urgrund alles Seienden, das durch göttliches Wollen aus dem Nichtsein in das natürliche Werden der vielfältigen sinnlichen Erscheinungswelt übergeführt wird.“ (Eriugena)

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      • Eno Silla schreibt:

        Lieber Nitya,
        da wünsche ich dir viel Erfolg bei der Regelung der persönlichen Angelegenheiten!
        Möge sich alles zu deiner Zufriedenheit entwickeln!
        Herzliche Grüsse
        Eno

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      • Nitya schreibt:

        Lieber Eno,
        ein ganz persönliches herzliches Dankeschön
        für deine sehr persönlichen freundlichen Wünsche!
        Herzlichst
        Nitya

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    • zaungast schreibt:

      nach menschlichen maßstäben kann das ganze „erdenspiel“ aus gut und böse, krieg und frieden, macht und ohnmacht usw.
      nur einem liebeswahn gottes entspringen… der gehört einfach ins irrenhaus😉

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  6. fredo schreibt:

    hallo eno ….
    mir gefällt deine Antwort sehr …
    ich wollte nur auf diese Merkwürdigkeit hinweisen …
    wenn man mal diese Attribute und Adverbien in einem Text beisete lässt , verbleibt einfach ein schlichtes „würdevolles“ Leben …
    der Begriff der „Würde des Lebens “ ist mir im Kontext einer Geschichte meiner Kindheit in Erinnerung geblieben …
    in den frühen fünfziger Jahren arbeitete mein Vater , auch einer der vielen Vertriebenen , in einer Firma als Lagerist , die den vielen Kriegsblinden des Krieges eine Möglichkeit zum Broterwerb schafften , in dem sie dort angelernt wurden , später zu Hause Besen und Bürsten mit einer Spezialmaschinen zu produzieren . ich ging dort als kleiner Stepke ein und aus , und war so eine art Maskottchen der Mitarbeiter aber auch der dort gerade arbeiteten Blinden .
    So beeindruckte mich deren Fähigkeit , allein am Ganggeräusch der eintrettenden Besucher nicht nur die Person zu erkennen , sondern auch dessen Befindlichkeit … „Na Klein-Alfred , heute so traurig ?“ oder aber „heute mal lustig ?“ klangen mir sofort entgegen , wenn ich , wie so oft , bei ihnen vorbeischaute ….
    Diese Blinden dort , ich habe wohl so an die hundert oder mehr von Ihnen in ihrer Einarbeitungszeit kennengelernt , waren ja ursprünglich sehend und erst durch Kriegseinwirkungen erblindet , konnte man , erstaunlich genug , in nur zwei Arten einteilen . Entweder sie waren tief verbittert und von fast menschenfeindlicher Grimmigkeit oder aber sie hatten eine fast schon taoistische Gelassenheit dem eigenen Schicksal gegenüber entwickelt , die man nur mit einem „gelassenen Lächeln“ beschreiben könnte .
    Ich glaube mitlerweile , dass ich als kleiner Pimpf damals sehr viel durch sie lernen durfte .
    Einmal nun , fragte ich einen mir besonders sympatischen Blinden , nach dem mich dieser nach meinen Schul- und Berufswünschen ausgefragt hatte , was er den noch so vorhätte in seinem Leben . Seine Antwort hat sich geradezu eingebrannt in mein Gedächtnis , und blieb mir wie eine Art Motto : “ ich möchte in Demut und Dankbarkeit der Würde des Lebens auch mit meinem persönlichen Leben entsprechen „.
    Kein Jammern und kein Klagen , einfach nur Achtung vor dem Leben , und das bei einem ganz schlichten Menschen … der viel verloren hatte …
    beeindruckend …
    vielleicht ja mein erster „Guru“ …😀

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