Bankei: der, der nie alt wird


hotei

Großgeworden in der Welt der Bedingtheit,
großgeworden in der Welt der Vergänglichkeit;
mit solcher Verblendung
bist du nur der Verlierer!

Der nicht-bedingte Geist
ist ursprünglich ungeboren.
Das Bedingte hat kein Sein,
darum gibt es keine Verblendung.

Mögen die Jahre vergehen,
der Geist wird nicht älter:
der Geist, der sich
selbst immer gleich bleibt.

Beispiellos, wunderbar!
Du hast gesucht und gefunden
den, der nie alt wird:
Ich allein!

aus: Bankei Eitaku, „Honshin no Uta“

Lǎozǐ sagt:Deshalb der große, gereifte Mann: Hält sich an das Völlige und verweilt nicht beim Kümmerlichen; hält sich an den Kern und verweilt nicht bei der Blüte. Wahrlich: Von jenem lass! Dieses erfass!“

Bankei sagt nichts anderes. Halte dich an den, der nie alt wird und verweile nicht beim Vergänglichen, halte dich an das Unbedingte und verweile nicht beim Bedingten. Faust zu Mephistopheles: »Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön! Dann magst du mich in Fesseln schlagen, dann will ich gern zugrunde gehn!« Verweile nicht“ – damit meint Bankei vermutlich: Kleb nicht dran, mach es nicht zum Zentrum deines Lebens – alles unter dem Vorbehalt, dass hier nichts als Postulat zu verstehen ist. Goethe ging es ja wohl nicht um das Unbedingte, wenn er Faust diesen bekannten Satz in den Mund legt. „Verweile nicht“ könnte auch übersetzt werden mit „halte an nichts fest“ oder „sei durchlässig für alles Vergängliche“.

„Mögen die Jahre vergehen, der Geist wird nicht älter: der Geist, der sich selbst immer gleich bleibt. Beispiellos, wunderbar! Du hast gesucht und gefunden den, der nie alt wird: Ich allein!“ Ist das nicht ein wundervoller Hinweis für alle, die suchen und suchen: Schau, der, den du suchst, war immer schon da. Er hat dich schon dein ganzes Leben lang in aller Stille begleitet. Erinnere dich einfach hilfsweise an irgendeine Zeit in deinem Leben. Wie könntest du dich erinnern, wenn du nicht da gewesen wärest? Und wenn du dich fragst, wer das gewesen sein mag, der da gewesen ist, wirst du Bankeis Hinweis sofort nachvollziehen können: Der, der nie alt wird. („der Mann“ ohne Eigenschaften). Und natürlich ist er auch in diesem Augenblick da. Niemand muss also in diesem Augenblick verweilen, um diesen alterslosen Zeugen für immer fest zu halten. Du kannst ihn gar nicht loswerden. Ihn? Bankei sagt: „Ich allein.“

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5 Antworten zu Bankei: der, der nie alt wird

  1. zaungast schreibt:

    neulich schrieb ich meiner cousine:
    „gestern wurde ich 32 jahre alt. aber ich weiß nicht so recht was diese zahl bedeutet. das alter hat keinen wert für mich. nur der körper altert…“

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  2. Elwood schreibt:

    Wissen wo der Babo ist.
    Hier..
    mehr braucht es nicht..

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  3. Eno schreibt:

    ich bin
    ich allein
    möchte so gern mich halten können
    festhalten an beständigem
    identifiziert sein
    wäre schön
    möchte etwas wissen
    etwas sein
    sicher sein
    wieder und wieder
    erwacht als dies
    bin ich
    auf die fresse gefallen
    gestrauchelt und gestürzt
    was für ein scheiß
    kann nicht entkommen
    vollkommen zerrieben
    zwischen konzepten und vorstellungen
    nur noch eine blutige masse
    und der scheiß hört nicht auf
    glaub ich von neuem
    jetzt hab ichs
    aufatmend
    haut mir wieder was von hinten
    eins über die rübe
    so verdammt anstrengend
    dieses
    ich bin

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