Karl Renz: Du bist vollkommen, mit und ohne Sehnsucht.

Karl
Es kommt wie ein Unglück, denn es war nicht geplant. Es hat keine Ursache. Tatsächlich besteht keine Notwendigkeit dafür, weil das Selbst bereits das Selbst ist. Darum besteht für das Selbst keine Notwendigkeit, dass etwas getan oder etwas gefunden wird. Das Selbst ist das Selbst, mit oder ohne Wissen. Es besteht keine Notwendigkeit für Wissen, Realisation oder sonst irgendetwas.
gaensebluemchenDerjenige der geht, hält total an und sieht, dass da kein Weg zu gehen ist und kein Selbst zu erreichen. Nur durch das Selbst kann dieses totale Anhalten, diese totale Resignation geschehen. Dann siehst du, dass das, was du bist, vollständig ist, so wie es ist, dass es immer vollständig war und immer vollständig sein wird.
gaensebluemchenIch rede nicht davon, was ich bin. Ich werde mich nie definieren können. Ich werde mich nie erkennen können. Ich werde nie wissen, was ich bin. Doch ich weiß hundertprozentig, dass ich bin. Und dass alles, was kommt und geht, was als Zustand, als Erscheinung, als Information stattfindet, da ist, weil ich bin. Ich bin nicht da, weil etwas erscheint. Ich bin die Urbedingung, der Urgrund, damit überhaupt etwas passieren kann.
gaensebluemchenDu bist vollkommen, mit Sehnsucht und ohne Sehnsucht. Mit Suche und ohne Suche bist du absolut das, was ewig vollkommen in sich selbst ist. Dafür muss nichts geändert werden. Nichts muss geschehen oder vermieden werden, um das zu sein, was du bist. Nichts muss kommen, nichts muss gehen dafür.

Karl Renz

Na, wer hört diese Botschaft wohl nicht gern?! Da kann ich mich ja endlich auf die faule Haut legen und muss keinen Finger mehr krümmen. Kein Wunder, dass es viele Verblendete gibt, die diesem Rattenfänger von Hameln hinterherlaufen.

Ich weiß nicht, wie es euch in eurer Kindheit und Jugendzeit gegangen ist. Also die Botschaft, die ich seinerzeit zu hören bekommen habe, war der Botschaft von Karl Renz jedenfalls genau entgegengesetzt. Wir waren allesamt allzumal Sünder, belastet mit der Erbsünde von unserem ersten Atemzug an. Zwar wurden in meiner Kindheit die Tischbeine nicht mehr mit kleinen Röckchen verhüllt, wie das angeblich im viktorianischen England mal Mode gewesen sein soll, aber so furchtbar weit waren wir von dieser Heuchelei noch nicht entfernt. Wenn ich an das Thema Sexualität in dieser Zeit denke, schaudert es mich heute noch. Es war, als ob man sich dafür schämen sollte, dass man eine Nase hatte. Gleichzeitig sollte man natürlich ggf. in dunkler Nacht seinen Mann stehen. Was für ein Klasse-Double-Bind! Und so fühlte man sich dann auch: Sündig und voller Scham dafür, dass man ist, der man ist. Gibt es eine bessere Methode, aus einem absolut freien Baby einen zutiefst gedemütigten Sklaven zu machen?

Und dann kommt dieser Karl daher und sagt mal eben so: „Du bist vollkommen … Nichts muss geschehen oder vermieden werden, um das zu sein, was du bist. Nichts muss kommen, nichts muss gehen dafür.“ Soll ich das jetzt einfach als Placebo schlucken und fest daran glauben, so wie ich früher die Nocebos der Pfaffen und der Gesellschaft geschluckt und irgendwie ja schon auch daran geglaubt habe? Tja, wenn das so einfach wäre. Aber so nett das klingt, was der Karl da sagt, eigentlich ist er ja hundsgemein und völlig skrupellos, wenn er sagt: „Es kommt wie ein Unglück, denn es war nicht geplant. Es hat keine Ursache. Tatsächlich besteht keine Notwendigkeit dafür, weil das Selbst bereits das Selbst ist. Darum besteht für das Selbst keine Notwendigkeit, dass etwas getan oder etwas gefunden wird. Das Selbst ist das Selbst, mit oder ohne Wissen. Es besteht keine Notwendigkeit für Wissen, Realisation oder sonst irgendetwas.“ Es besteht keine Notwendigkeit – hallo? Der hat leicht reden, der Kerl, äähhh.. Karl. Mir geht’s scheiße und der wedelt da mit der Karotte vor meiner Nase rum und sagt: „Es kommt wie ein Unglück, denn es war nicht geplant.“ Ich kann also nichts tun, nur auf das Unglück warten. Halt, das darf ich ja auch nicht. Hatten wir ja gestern. Nanquan: „Wenn du dich zu ihm hinwendest, wird es sich von dir abwenden.“ Auf das Unglück warten, ist ja schon Hinwendung und vertreibt nur mein ersehntes Unglück. Was für ein Klasse-Double-Bind! Sieht so aus, als sei mein Leben ein einziges Double-Bind. Ich kann tun und lassen, was ich will, ich komm da nicht raus. Hilft mir denn keiner? (Jetzt bitte – an die Adresse aller hilflosen Helfer: Das ist eure große Stunde!)

 

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22 Antworten zu Karl Renz: Du bist vollkommen, mit und ohne Sehnsucht.

  1. MaulBaer schreibt:

    Tja Nitya, was Karl Renz von sich gibt und Du Deinen kommentar schreibst, spricht es mich an.
    Und ich finde es sehr wohltuend – ich weiß nicht warum – keinen Finger krümmen zu müssen, doch meine Finger krümmen zu dürfen und können….
    Und ich denke und erlebe es immer wieder, dass keiner mich richtig hört, niemand mich richtig versteht
    und dann kommt jemand,
    bzw. begegnet mir jemand,
    bzw. höre ich von jemanden,
    und es kann mir wie eine Hilfe sein,
    muß es aber nicht.
    Und das ich Zugang zu Deinem InternetReich habe, mir gewährt ist und ich mich auch hier als Bewußtsein äußern darf und kann, doch nicht muß, ob ich mich nun intelligent komplex, kompliziert oder einfach strukturiert vielleicht auch dumm äußere, ob ich nun recht oder nicht verstanden bin, erscheint mir wie eine gute Hilfe, anders gesagt Therapie, und dabei ist es mir erstmal egal, welche Absicht Dich dieses Reich hat gründen lassen,
    Angenehm ist es mir, unsere Absichten prallen nicht bösartig zerstörerisch esplosiv aufeinander,
    vielleicht eher achtsam auflösend oder verstärkend, je nachdem, was zuträglich erscheint….

    ES
    grüßt freundschaftlich
    aus ganzem Herzen
    eines hilflosen Helfers

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  2. fredo schreibt:

    och … ich hege ja … insgeheim … die Meinung …. dass es nicht um Wohlbefinden geht ( solange da ein Sucher ist ) … sondern , dass all die Sätze des Herrn Renz getarnte ( mehr oder weniger ) Zeitbomben sind …
    denn … was wir hören oder lesen , können wir nicht vergessen , und gerade das „unverdauliche“ führt ein besonders hartnäckiges Leben in unserer Erinnerung des Denkens ….
    und wir wissen ja , was „Gärung“ so anrichten kann ….. 🙂

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    • Nitya schreibt:

      na ja, spricht ja nichts gegen das Wohlbefinden eines vermeintlichen Suchers
      und um was es dem Herrn Renz geht … ob er das wohl selbst weiß?

      Wie könnte er.

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    • fredo schreibt:

      Denn es sei vermerkt , welch Nutzen hätte die Nachricht eines wohlbefindlichen Lebens für einen sich Wohlbefindlichen ?
      Es kann ja dann wohl lediglich den sich nicht wohlbefindlich Wähnenden ein paar „gährende“ Blähungen bereiten. , diese „gute“ Nachricht ….

      Ein gemeiner Sadist , dieser Maler aus dem WeserBergland …:)

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      • fredo schreibt:

        Tja , werter Nitya … ob er es weiß ? … wie könnte er , wenn es den eigenen Worten vertrauend lausche ? ….
        also … spielt es ein gar raffiniertes Spiel …
        darüber zu spekulieren ist jedoch auch immer ein wenig , als ob man das mit der schwebenden Jungfrau erklärt ….🙂

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      • Nitya schreibt:

        Sag mir das noch einmal, wenn ich als vermeintlicher Nitya vermeintliche Schmerzen auf einem vermeintlichen Zahnarztstuhl vermeintlich erleide!

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      • Nitya schreibt:

        Übrigens: Was an den Worten von Karl empfindest du als “unverdaulich”?

        Klarer geht’s doch kaum, sag ich mal so.

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  3. fredo schreibt:

    genau das klare , macht es ja zur Provokation , für den Sucher , der ja nicht wirklich sucht , ( dann würde er sich ja als leer empfinden ) sondern , der ja seinen „Ich“-Glauben bestätigen möchte , inderm er dieses zu „erleuchten“ trachtet …
    und dann dieser malende Bauer … der dann die Ambitionen des Suchers zum Rohrkrepierer deklariert …

    hach … ich mag Karlchen einfach …

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  4. fredo schreibt:

    ach ja … und zu den Zahnschmerzen …. genau da ,.,.. in extremen Schmerzen geht das … dieses „Zurücktreten“ … es ist dann ein „Betreten“ des Schmerzes , der nicht mehr „schmerzt“ , sondern zu einer blendend weißen Erscheinung wird , und dadurch … irgendwie … nicht mehr so unerträglich wird …
    Ich „durfte“ dies bei meinem Zahnarzt mehrfach „erproben“ , da mein Körper aus unerfindlichen Gründen , auf Betäubungen nur sehr minimal reagiert , und eine Erhöhung der Dosis gefährlich geworden wäre … so habe ich mehrere Wurzelkanalbehandlungen in dieser „blendend weißen Erscheinung“ erleben können ….🙂
    klar … ich könnte auch drauf verzichten ….

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    • fredo schreibt:

      tja … ich muss ihm , dem Herrn Renz , sogar dankbar sein … oder hätte ich Grund zum Zorn ? … er war , damals , gewissermaßen „beteiligt“ , als mich der MOMENT verschluckte … und ausspie … den Göttern Sei Dank dass das Ausspeien nicht vergessen wurde …

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  5. Michaela schreibt:

    seufz…Da ist ein absolutes Verstehen, ein absolutes Aaaahhh. Warum sollte irgendwas geändert werden? Für wen? Sofort „ankert’s“ wieder. Ja, für wen? „Trotzdem..“, rumpelt’s in mir. Wer weiß, ob das stimmt? Ist doch nicht meine Erfahrung. Oder ist es am Ende gar keine Erfahrung? Wie Nitya bemerkte „Soll ich das jetzt einfach als Placebo schlucken und fest daran glauben….?“

    Keine Handlungsoption?

    Nitya schreibt „Ich kann also nichts tun, nur auf das Unglück warten. Halt, das darf ich ja auch nicht. Hatten wir ja gestern. Nanquan: “Wenn du dich zu ihm hinwendest, wird es sich von dir abwenden.”

    Warum? Warum wendet es sich von mir ab, wenn ich mich zu ihm hinwende? Dann gibt es also so etwas wie die perfekten Bedingungen für den Sucher, der weder etwas tun noch nicht nichts tun kann, damit Bewusstsein sich mir zuwendet? (Das Bewusstsein und ich, wir sind dicke Freunde…)

    Da ist immer und unleugbar eine große Erleichterung in allen Worten, aber es kann als weiteres Konzept nur geglaubt werden, solange es nicht gesehen wird.

    In der Hinsicht leider keine Hilfe im Gepäck – ich bin ebenfalls strubbelig. Da hilft nur auch kein Frisör.

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  6. fredo schreibt:

    fein Michaela …
    the „keyword“ is the „strubbelig“ …
    gönn dir ruhig ne Menge „Strubbelig“ … as much „strubbelig“ as irgend möglich …
    nicht ums kapieren gehts , sondern ums „strubbelig“ …
    jedoch … und das ist besonders „strubbelig“ …( wie gemein🙂 ) , man kans „strubbelig“ nicht machen , es muss schon ehrlich erduldet werden …
    😀

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    • Michaela schreibt:

      Fredo schreibt „…es muss schon ehrlich erduldet werden …“

      Aaaaaaahhhh!!!!!! Warum sagst du sowas? Mein Tag fing so gut an… 🙂

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      • fredo schreibt:

        fein … da kann er nur „besser“ enden … im Klimax des „Strubbelig“ …
        ( das Wort gefällt mir )
        diese Hitze macht mich auch … irgendwie … gnadenlos „strubbelig“ ….:D

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  7. Elwood schreibt:

    Na dann spiel ich mal den Erdulder, kann eh NICHTS (richtig oder falsch) MACHEN

    http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=29510

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  8. Sunny T Oakwood schreibt:

    wenn man so einen Kerl…Karl braucht als Absolution und Ermunterung, sich einfach lebendig fühlen zu dürfen, dann braucht man ihn halt… der braucht auch seine Anhänger zum Leben…😉

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  9. Elwood schreibt:

    Kann DIES NICHT NICHT SEIN?
    Jener Karl nimmt MICH genauso wenig ernst wie ES Nitya tut?
    Dulde ICH ES?
    Schmerzt ES MICH?
    Gibt ES Rettung für MICH?
    Kein Entkommen NICHT NICHT?

    „So ist das Leben sagte der Clown,
    und malte sich mit Tränen in den Augen ein Lächeln ins Gesicht.“
    😉

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  10. Magdalena Moser schreibt:

    endlich worte für mein inneres empfinden. Mich würde interessieren, wie Sie zu diesem Wissen gekommen sind? mit lieben Grüßen,. magdalena Moser aus Innsbruck und aus dem Herzensgrund

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    • Nitya schreibt:

      Es hat keine Ursache (Karl Renz)

      Liebe Magdalena Moser, wie bist du zu deinem inneren Empfinden gekommen? Ich vermute, dass du diese Frage nicht beantworten können wirst. Ich nehme an, du hast es einfach vorgefunden.

      Einen herzlichen Gruß
      Nitya

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