Leo Hartong: REINES GEWAHRSEIN ist bereits präsent


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Viele Suchende haben auf dem spirituellen Marktplatz mehr als einmal die Runde gemacht, ohne zu dem sehnsüchtig erwarteten „Erwachen“ gelangt zu sein. Nicht wenige meinen, ein umfassendes intellektuelles Verständnis erreicht zu haben, warten aber dennoch auf ein Ereignis, welches ihnen beweist, dass sie bereits völlig erwacht sind. Was ihnen offenbar nicht klar ist, ist, dass es niemanden gibt, der ein umfassendes intellektuelles Verständnis haben kann, dass es einfach nur Verständnis gibt und dass das Wachsein bereits vollkommen gegenwärtig ist. Was sie davon abhält, dies zu sehen, ist der irrige Glaube, dass es tatsächlich ein separates Individuum gibt, das bestimmter Erfahrungen bedarf, um das so genannte Erwachen erreichen zu können. Doch bei diesem WACHSEIN geht es nicht darum, dass jemand Erfahrungen macht, bestimmte Bewusstseinszustände hat oder es zu Erkenntnissen bringt, sondern es geht darum, zu sehen, dass es keinen separaten „Jemand“ gibt. Es geht um die ungeteilte Essenz, die dieses gesamten Universum gewahr ist und als dieses erscheint – einschließlich einer Figur, die die Erfahrung des Erwachens machen möchte. REINES GEWAHRSEIN ist bereits vollkommen präsent; warum es dann nicht einfach als REINES GEWAHRSEIN anerkennen, statt es als eine Figur zu betrachten, die nach Anerkennung sucht?

aus: Leo Hartong, „Zum Traum erwachen“

Es gibt nichts, das ihr erlangen müsstet. Öffnet einfach nur die Augen.

Siddârtha Gautama

Was Siddârtha Gautama da sagt, klingt für manche vielleicht wie ein verstecktes Kōan: Da soll ich einerseits nichts erlangen wollen, weil es nichts gibt, das ich erlangen muss, und andererseits soll ich die Augen öffnen. Also ich öffne die Augen und sehe – na ja, was ich halt sehe. Nichts Besonderes. Also sehe ich vermutlich falsch. Was zum Teufel soll ich bloß sehen? „Hey, siehst du, was dieser Siddârtha Gautama gemeint hat? Also ich seh nix.“ Leo Hartong hat es schön auf den Punkt gebracht: „REINES GEWAHRSEIN ist bereits vollkommen präsent; warum es dann nicht einfach als REINES GEWAHRSEIN anerkennen.“

Was Siddârtha Gautama da sagt, kann sowieso ziemlich verwirrend wirken. Er scheint die ganze Zeit zu einer Person zu sprechen, während er ansonsten nicht müde wird, darauf hinzuweisen, dass da weder eine Person, noch ein Ich oder ein Selbst existiert. Leo Hartong: „Doch bei diesem WACHSEIN geht es nicht darum, dass jemand Erfahrungen macht, bestimmte Bewusstseinszustände hat oder es zu Erkenntnissen bringt, sondern es geht darum, zu sehen, dass es keinen separaten ‚Jemand‘ gibt.“ Soll ich jetzt vielleicht wieder WACHSEIN? Also ich als eine Enneagramm-Neun schlaf ja schon im Stehen ein. Soll ich jetzt so was wie „Hallo Wach“ schlucken, um möglichst 24 Stunden am Tag im WACHSEIN zu sein? Na denn „Prost Mahlzeit!“

Also bevor mich MaulBaer jetzt wieder als Oberbefehlsgeneralfeldmarschall Nitya bezeichnet, noch einmal: Es gibt keinen separaten Jemand, also auch nichts zu tun und keine Befehle zu befolgen, weil da niemand ist, der tun oder Befehle befolgen könnte. Gestern schrieb Elwood: „Dagegen hat meine Frau schon als Kind unsere Schuld-Kultur von sich gewiesen und jegliche Autoritäts-Gefolgschaft abgelehnt.“ Ohne separaten Jemand fällt der ganze Wahnsinn einfach in sich zusammen. Um es in eine griffige Formel zu bringen: Ich kann nichts falsch machen, ich kann nichts richtig machen, weil jedes angebliche Machen ein völlig unpersönliches Geschehen ist. Und wenn das jetzt „jemand“ als faule Ausrede verwendet, um seine Feigheit, Faulheit, Gier, Wut, Ignoranz oder was auch immer gerade auftaucht, damit zu entschuldigen, dass das ja nur ein unpersönliches Geschehen sei, dann ist auch das nur ein unpersönliches Geschehen. Na, wenn das keine Frohe Botschaft ist!

dog

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12 Antworten zu Leo Hartong: REINES GEWAHRSEIN ist bereits präsent

  1. Elwood schreibt:

    „Ich“ Ist derMittelpunkt des Universum.
    Ich ist der Standpunkt von dem ich meine Welt messen und somlt vergleichen kann. Ich verteidige meine Messergebnisse mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln, da sie den Mittelpunkt bestätigen. Ich darf den Standpunkt nicht verlassen, sonst haben meine Messergebnisse keinerlei Bedeutung mehr.
    Wahnsinn!
    Höre einfach auf einen Standpunkt zu hegen, es gibt eh keinen im Universum, zumindest keinen den man als Messpunkt festnageln kann.
    Unser Messwerkzeug -VerStand- kann ruhig mal ne Pause machen.
    Da schauen wir erst mal..

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    • MaulBaer schreibt:

      „Höre einfach auf einen Standpunkt zu hegen, es gibt eh keinen im Universum, zumindest keinen den man als Messpunkt festnageln kann.“
      Müsste es nicht laut Befehl nicht nur des von mir geheißenen
      Oberbefehlsgeneralfeldmar-s c h a l l-s sich heißenden Nitya so zu sagen sein???:
      „Geniese und lieb es still, einen Standpunkt zu hegen (am besten genau da, wo Du gerade stehst) und wenn Du es genug still liebend genossen hast, hör damit auf, lass es los, zumal es – so erscheint es mir – im Universum endlos viele gibt, daß dein ganzes Leben nicht reicht, sie alle zu genießen.
      Und es scheint wohl auch so zu sein, solltest Du nicht genug kriegen, deinen Standpunkt stillgenießend (und wohl auch leidend wie leitend)) zu lieben, hört es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von selbst auf, oder?
      Und muß man nicht um aufrichtig Ja und Nein sagen zu können -zumindest eine Zeit lang – einen gut verwurzelten, sprich radikalen Standpunkt haben, mit ihm inne sein???

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      • Elwood schreibt:

        Keine Ahnunung wie der Marschbefehl lautet, ich rühre nur in meiner Quarkspeise…
        Manchmal schmecket mir, manchmal nit
        Oder es quarkt sowohl als auch und weder noch

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  2. Giri schreibt:

    Der Fluss des Lebens hat keinen Mittelpunkt. Das ist doch herrlich.
    Daher kann dieses ganze Bewusstsein, Wachsein, reines Gewahrsein als Unsinn erkannt werden.
    Das ist alles viel zu kompliziert. Das Fliessen des Lebens ist doch ganz einfach. Nix besonderes.

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    • Nitya schreibt:

      Da ist weder Sinn noch Unsinn – außer als Meinung.

      „Das Fliessen des Lebens ist doch ganz einfach.“ – Eben.

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    • MaulBaer schreibt:

      Ich für meinen Teil finds herrlich, das der Fluss des Lebens endlos zahlreiche Mittelpunkte hat, die um- und miteinander tanzen, sich bewegen, in mehr oder weniger intensiven Beziehung und das der Un-, Blöd- und Schwach-sinn eine Erweiterung des SINNs ist, könnte man nicht, dies ist das Aufblühen des SINNs nennen???
      Und dies ist ziemlich komplex kompliziert, wie interessant, oder?

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  3. Michaela schreibt:

    Was ich jedesmal wieder erstaunlich finde, ist dass das, was Nitya hier schreibt und Leo Hartong auch notiert, es NIEMANDEN gibt und auch intellektuelles Verstehen von niemandem erfahren wird, dies JEDESMAL absolut resoniert. IM Lesen oder IM Hören ist da absolutes Verstehen und ein Gefühl der Leichtigkeit, ein JAAAAAA! Und ich kann machen, was ich will, im nächsten Moment ist es vergessen. Fängt nach 5 Minuten so ein Besitzer-Ich-Film an zu laufen, dann gibt es keine Erinnerung mehr daran. Es ist vergessen, es ist durchgerauscht und wird einfach nicht mehr gewusst. Wenn es dann wieder erzählt wird, ist das eine echte Neuigkeit, das JAAAA ist wieder neu, die Leichtigkeit ist neu. Wäre es mein Job, sowas zu WISSEN, dann wäre ich wohl der Arbeitslose des Tages. Jeden Tag auf“s Neue. Der „Verstand“ behält es also nicht, so viel ist klar.

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Michaela,

      was du da schreibst, erinnert mich mal wieder sehr an meine Demenz.

      Ist das nicht geil: Alles ist immer wieder ganz neu.

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      • Michaela schreibt:

        Lieber Nitya,

        nix anderes bei mir, vielleicht etwas früher als gewöhnlich. Ich kann nicht beschreiben, wieviel Zeit am Tag ich damit verbringe, zu überlegen, was ich gerade noch wollte. Ganz schlimm ist es, wenn ich von einem Zimmer ins andere laufe. Gut, von einer Etage zur anderen, das ist ja klar. So lange kann sich kein Mensch was merken. Und so laufe ich den ganzen Tag nur durch die Gegend, das hält mich in Bewegung.
        Aber elementare Dinge einfach vollkommen auszublenden und in völliges Erstaunen zu fallen. Der Anker ist ja erst wieder NACH dem AAAAAAhhh da. Richtig, schon mal gehört. Das ist unerklärlich, aber….geil! hihihi…

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    • MaulBaer schreibt:

      „Der “Verstand” behält es also nicht, so viel ist klar.“
      Spielverderberin!
      Damit wäre doch der Befehl: „Lass es los!“ nichtig, oder sehe ich das
      irr-tümlich?
      Mit dem JAAAAAA! geht´s mir fast ganz genau so.
      Und das beruhigt mich doch: ich bin nicht der einzigste Idiot; welch eine Erleichterung…..
      Was maßt man sich doch immer wieder mal so an???

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      • Michaela schreibt:

        JAAAAAAAA, ich bin eine Spielverderberin! Sehr, sehr gerne…
        Ohh, das mit dem Befehl weiß ich nicht. Ich denke, willentlich ist da nichts zu machen. Ich meine, loszulassen. Wenn es so kommt, dann kommt es so. Oder?

        Ich staune immer wieder und werde des Staunens nicht müde. Manchmal ärgere ich mich aber wirklich über meine offensichtliche Blödheit, daran kann ich auch nix ändern. 🙂

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      • MaulBaer schreibt:

        Ach, Michaela, es könnte sein, Du lachst über Deine Blödheit, wüßteast Du von meiner Blödheit (entsetzlich)…..

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