Ikkyû Sôjun: dieser nutzlose sterbende Kôan-Körper


Umarmung
Dieser nutzlose, sterbende Kôan-Körper
singt von seiner Lust
Noch ist das Unkraut nicht überall gejätet.

aus: Ikkyû Sôjun, „Gedichte von der verrückten Wolke“

Noch ist das Unkraut nicht überall gejätet – meint er das ernst? Glaubt er wirklich, dass es jemals vollständig gejätet werden könnte oder dass das, falls es doch möglich sein sollte, irgendeinen Sinn machen würde? Das kann ich mir bei dieser „Verrückten Wolke“ nun beim besten Willen nicht vorstellen.

Seit ich diese Sätze verschluckt habe „Das was die Munition abschießt, ist das Selbe, was sie abbekommt. Von daher… wen kümmert’s?“, musste ich bisweilen an die „Zehn Stiere des Zen“ denken. Das Advaita-Konzept ist für viele offensichtlich bei der 8. Station hängen geblieben. Also mental. Es ist ja sowieso immer das Mentale, das irgendwo hängen bleibt. Das Advaita-Konzept ist ja nun wirklich nicht schwer zu verstehen und es kann eine wundervolle Ausrede für all diejenigen werden, die meinen, so dem Leben entrinnen zu können. Aber alles Konzeptwissen ist halt nur „ganz eitel und ein Haschen nach Wind“.

SpiraleIkkyû ist ein wunderschönes Beispiel für jemanden, der die zehnte Station im Zyklus der „Zehn Stiere des Zen“ erreicht hat und damit wieder ganz am Anfang ist. Die zehnte Station ist ja keine Endstation, sondern symbolhaft ausgedrückt, ein Punkt, der sich auf einer Spirale immer an derselben Stelle auf der „nächsthöheren Ebene“ wiederholt.

Die 10. Station kennzeichnet auch den Punkt, an dem die Versöhnung mit dem stattfindet, was Leben bedeutet. Und Leben bedeutet Unkraut-Jäten in der Erkenntnis, dass dieses Unkraut-Jäten nie ein Ende haben wird, solange dieser „Koân-Körper“ existiert. Kôan? Natürlich ist das ein klassisches Kôan etwa in der Art, wie wir es in den vier Bodhisattva-Gelübden finden können: „Die Zahl der Wesen ist unendlich; ich gelobe, sie alle zu erlösen. – Gier, Hass und Unwissenheit entstehen unaufhörlich; ich gelobe, sie zu überwinden. – Die Tore des Dharmas sind zahllos; ich gelobe, sie alle zu durchschreiten. – Der Weg des Buddha ist unvergleichlich; ich gelobe, ihn zu verwirklichen.“

„Dieser nutzlose, sterbende Kôan-Körper singt von seiner Lust.“ Nicht nur von seiner Lust, auch von seinem Schmerz und seinem Leid. Er lebt in dieser Welt der Dualitäten. Und auch wenn das alles transzendiert wurde, ändert es nicht das Geringste daran, dass dieser Körper lebt und den Dualtäten der Welt vollkommen ausgeliefert ist. Und immer wieder Dantes „Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!“

„Mitten in der Welt nicht von der Welt“ ist das Kôan, das nur gelebt oder getanzt werden kann wie von Shiva Nataraja, nicht aber gelöst.

 

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Eine Antwort zu Ikkyû Sôjun: dieser nutzlose sterbende Kôan-Körper

  1. Elwood schreibt:

    Voll der krasse Checker!

    Gefällt mir

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