Uwe Schade: Dein Suchen ist das Leben


H

Des kreisenden Vogels Spähen gilt nur der Beute
Des Rehes Lauschen gilt nur der Gefahr
Des Hundes Schnüffeln gilt nur den Reizen
Deiner Gedanken Umherlaufen gilt nur der Befriedigung .
Du gehst zu den Lustigen
Doch ihr Lachen ist ohne Freude
Du suchst den Reichtum
Doch er lastet auf Deiner Seele
Du suchst den Erfolg
Doch der Glanz blendet Dich
Du gehst zu den Weisen
Doch ihre Weisheiten sind Gefäße ohne Böden
Du rufst Deinen Gott
Und hörst nur Dein Echo
Du fliehst die Stille
Doch Dein Schreien will niemand hören
Du suchst den Tod
Doch Dein Suchen ist das Leben –
Was Du suchst, erreichst Du nicht
Was Du fliehst, verläßt Dich nicht .

aus: Uwe Schade, „Die Harmonie der Welt“

Als mir heute mal wieder die Verse von Uwe Schade in die Finger kamen, blieb ich an diesen Zeilen hängen und ich dachte unwillkürlich an das Buch Kohelet und was der Prediger Salomos geschrieben hat:

Es kann dem Gerechten dasselbe begegnen wie dem Gottlosen, dem Guten und Reinen wie dem Unreinen, dem, der opfert, wie dem, der nicht opfert; dem Guten wie dem Sünder, dem, welcher schwört, wie dem, welcher sich vor dem Eide fürchtet. Das ist das Schlimme bei allem, was unter der Sonne geschieht, daß allen dasselbe begegnet; daher wird auch das Herz der Menschen voll Bosheit, und Übermut ist in ihren Herzen ihr Leben lang, und darnach müssen sie sterben! Denn für jeden Lebendigen, wer er auch sei, ist noch Hoffnung – denn ein lebendiger Hund ist besser als ein toter Löwe -; denn die Lebendigen wissen, daß sie sterben müssen; aber die Toten wissen gar nichts, und es wird ihnen auch keine Belohnung mehr zuteil; denn man denkt nicht mehr an sie.

aus dem Buch Kohelet

Man könnte mit Kohelet zusammenfassend auch sagen: Wonach auch immer ihr her jagt, es ist alles ganz eitel und Haschen nach Wind.

Aber ist es wirklich wahr, was Uwe Schade sagt: „Doch Dein Suchen ist das Leben – Was Du suchst, erreichst Du nicht – Was Du fliehst, verläßt Dich nicht.“? Er schreibt nicht, dass Suchen das Leben sei. Er schreibt, dein Suchen ist das Leben. Das einzige Leben, das du kennst. Immer bist du hinter etwas her, immer lebst du auf eine gewünschte Zukunft hin. Oder ist das Leben doch ganz grundsätzlich ein einziges Suchen? Nun, der Begriff Buddha steht für Wunschlosigkeit. Und Wunschlosigkeit bedeutet Zukunftslosigkeit, bedeutet Gegenwärtigkeit. Noch einmal Ronny: „Wenn dieses Wissen, dass du bist, wach wird, erscheint dieser Raum. Und das bist du. … Du wirst erfahren, dass das deine Natur ist und nicht mehr geht.“ Dann müssen Wünsche nicht unterdrückt werden, dann bedarf es keiner Askese oder dergleichen … dann tauchen Wünsche einfach nicht auf, einfach „weil mehr nicht geht“. Dieser Augenblick genügt sich vollkommen selbst.

Wikipedia fällt zu Kohelet u.a. ein: „Das Buch ist über weite Passagen von tiefem Pessimismus oder fast Nihilismus geprägt.“ So kann man es natürlich auch nennen. Eno hat es gestern u.a. so ausgedrückt:

„Wen das Leiden dieser verrückten Welt nicht anmacht, der hat vielleicht Advaitaphrasen im Kopf, aber von da ist es noch nicht ins Herz gesunken, denn dann ist es aus mit diesen angelesenen Scheißphrasen, sie bedeuten nämlich ebenfalls nichts und kümmern erst recht keinen und dann findet man sich wieder beim Wasserholen und Holzhacken und dem ganzen Scheiß!“ Ist das jetzt wieder pessimistisch oder fast nihilistisch? Eno: „Mich, ja mich kümmerts! Vollkommene Hilflosigkeit und kein Entkommen, wenns mich kümmert, wenns mich erwischt (und irgendein (M)ICH erwischt es immer), dann ist das so!“

Irgendein (M)ICH erwischt es immer. Man könnte meinen, dass dieses ICH ausgesprochen sadomasochistische Neigungen hat. Man könnte meinen, dass das alles eine gigantische, ungeheuer schmerzhafte Geburt ist, bei der sich Bewusstsein immer wieder neu gebiert und dabei immer mehr weitet und weitet. Man könnte meinen … alles nur Trostpflästerchen. Wir haben keine Ahnung, warum etwas ist, wie es ist. Ja, vollkommene Hilflosigkeit und kein Entkommen.

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3 Antworten zu Uwe Schade: Dein Suchen ist das Leben

  1. Ingeborg schreibt:

    Ey, „Alter Mann der vielen Worte“,oder waren das Wörter?
    ich glaub ich hab Wehen.
    LG.Ingeborg

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  2. fredo schreibt:

    danach …

    einerseits …. ist dieses wissen um niemals etwas wieder je wissen können , auch wie ein grauer schleier der sich über die erlebte lebendigkeit des lebens legt und sie dadurch (auch) zu einer erlitteten lebendgkeit macht ……

    andererseits … ist dies wissen um niemals etwas wissen können , auch die entlassung in die unbedarfte kindergleiche staunende annahme von täglich neu erscheinender lebendigkeit …

    beiderseits … ist es „der preis des suchers“ den er zu zahlen hat , auch nach dem ende der suche . denn …

    einerseits …. ist das ende der suche eine befreiung von dem druck unbedingt etwas suchen zu müssen , was einen selbst und die welt erklärt …

    andererseits …. ist das ende der suche dann auch eine art von unablegbarer verzweiflung darüber , niemals diese erklärung finden zu können …

    nichts wurde gefunden …. nichts erklärt …

    nur die unabänderlichkeit dessen bietet den erhofften frieden … !

    es ist ein nicht sehr oft erwähntes faktum , dass nicht wenige , denen das erwachen „zugefügt“ wurde , darob alles andere als glücklich im fortdauernden leben waren , und das es sogar dann ab und an bis in den suizid gegangen ist .

    denn unabänderlich ist auch , dass einerseits auftaucht ….. und andererseits …. so lange … da etwas auftaucht …..

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  3. Eno Silla schreibt:

    Noch etwas von K. R.(am 15.9.13 in München) zum Thema:

    http://www.file-upload.net/download-9004742/KarlR.mp3.html

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