Dattatreya: frei von Unterscheidung

ShriLordDatta Kopie

Wer also diese Wirklichkeit erlangt
der ist frei von Unterscheidung
zwischen dem alles Durchdringenden
und dem Durchdrungenen.
Wie solltest du da wissen,
ob es das eigene Selbst ist oder das andere?

 Die einen wählen die Nicht-Dualität
die anderen die Dualität.
Sie verstehen nicht die Wahrheit
den Zustand der Ausgeglichenheit
jenseits von Dualität
und Nicht-Dualität.

aus der Avadhuta Gita, 1. Die Unterweisung im Wissen I, 35 und 36

 Das alles Durchdringende und das Durchdrungene, Nicht-Dualität und Dualität – so viel wurde darüber geschrieben und diskutiert. Was für ein wunderbares Schlachtfeld für Bescheidwisser und Rechthaber auf allen Seiten. „Wie solltest du da wissen, …?“, fragt Dattatreya – aber wen ficht das schon an? Bild dir deine Meinung und wehe, du hast dir noch keine gebildet! Wie willst du da mitreden können, wie willst du da jemand sein können, der irgendeine Wichtigkeit hat? Habt ihr schon mal im 1. und 2. Programm das Morgenmagazin angeguckt? Da lümmeln sich diese ewigen Abiturienten auf dem Sofa rum und jeder von ihnen versucht, sich erhabener, geistreicher, witziger und besser informiert darzustellen als seine Konkurrenten. Es ist so ermüdend und langweilig.

Dattatreya versucht genau das zu vermitteln, dass wir nicht wissen können. Warum also so tun, als ob wir irgendetwas wüssten? Jeder, der das versucht, macht sich nur lächerlich, dokumentiert damit nur, dass er eben nicht einmal weiß, dass er gar nicht wissen kann.

Es ist wirklich wie eine Seuche dieses Besserwisser-Spiel. Und es wird ja schon gespielt lange vor einem möglichen Streit darüber, was denn nun richtig sei: Dualität oder Nicht-Dualität. Ich nehm mal das, was Dualität genannt wird und hier wieder das Thema „Ursache und Wirkung“. „Weil mein Vater so ein Arschloch war, konnte ja aus mir nichts werden.“ Ursache und Wirkung, alles klar. Jetzt mach ich Therapie und zerfleddere meinen Alten. Das zum Beispiel ist so ein Besserwisser-Spiel. Ich weiß, warum aus mir nichts geworden ist. Pustekuchen. Nichts wird gewusst. Das ist einfach eine Annahme, die der eigenen Entlastung dienen soll. Nicht ich bin für mein angebliches Versagen zuständig, schuld ist ein anderer. Manchmal habe ich den Eindruck, dass das der Hauptgrund ist, warum Leute heiraten: Ich habe jemanden, dem ich dauerhaft die Schuld dafür geben kann, dass ich unglücklich bin oder nichts gebacken kriege.

Der Mensch, für den ich mich bisweilen halte, ist ein komplexes, nichtlineares dynamisches System und das bedeutet, dass es sich meiner Kenntnis entzieht, warum aus mir nichts geworden ist (s. Schmetterlingseffekt). Das ist immerhin noch intellektuell nachvollziehbar. Das, worauf sich Dattatreya hier bezieht, entzieht sich jedoch jedem intellektuellen Verstehen:

Jede Unterscheidung zwischen Durchdringendem und Durchdrungenen, zwischen Nicht-Dualität und Dualität ignoriert das eigene Nicht-Wissen. Ganz arg wird es, wenn aus diesem Nichtwissen heraus sogar noch eine Entscheidung für das eine und gegen das andere gefällt wird.

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6 Antworten zu Dattatreya: frei von Unterscheidung

  1. Elwood. schreibt:

    Ich werde mich niemals verstehen

    Ich kann mich nur deshalb nicht verstehen, weil ich mich verstehen will. Mich verstehen zu wollen bedeutet bereits, dass ich mich nicht verstehe. Und ich verstehe mich nur deshalb nicht, weil ich, statt einfach zu sehen, statt einfach zu hören, statt die Unmittelbarkeit des Lebens zu erleben, etwas anderes verstehen möchte – mich selbst. Als ob ich mich selbst anrufen könnte, um mich danach zu erkundigen, wer ich bin und wie es mir geht. Ich spreche immer nur mit mir selbst und dieses Selbstgespräch macht mich dann vor mir selbst fremd, wenn ich glaube, mich dadurch verstehen und kennenlernen zu können. Niemals! Ich kann nichts anderes kennenlernen als „meine“ Vergangenheit, „meine“ Muster, „meine“ Neurosen, die Art „wie ich gestrickt bin“. Aber das ist nicht, wer ich bin und eben darin liegt der Trugschluss. Solange ich glaube oder denke, dass dieses Strickmuster mir Aufschluss über mich selbst geben kann, bin ich heillos in die Person verstrickt, die ich zu ergründen versuche. Die Frage ist: Wer versucht, diese Person zu ergründen? – Ich. Warum versuche ich dann nicht gleich, mich selbst zu ergründen, statt meiner Spiegelung?! Weil das unmöglich ist. Ich kann nur das ergründen und verstehen, was mir erscheint. Durch mein Verstehen wird es zum Objekt, zu etwas, was irgendwie ist und irgendwelche Eigenschaften hat. Und wenn ich glaube, dass etwas irgendwie ist, verstehe ich gar nichts. Dann reduziere ich das, was nicht zu verstehen ist, auf etwas Verstehbares. Dann wird auf Wirklichkeit Realität. Dann passe ich die Wirklichkeit meiner kleinen mentalen Gedankenwelt an und tue so, als ob ich dadurch etwas verstanden hätte. Alles, was ich verstehen kann, ist unwesentlich. Das, was ich verstehen kann, muss mir gegenüberstehen. Es ist objekthaft, gedanklich hervorgerufen, nicht wirklichwirklich, sondern nur eine mentale Spiegelung von etwas, was sich niemals erfassen lassen wird, weil es nicht zu erfassen ist. Diese Einsicht macht keine Angst. Ganz im Gegenteil: Sie ist deckungsgleich mit dem erstaunlichen Wunder, das mehr als große Freude ist. Wenn ich das, was ich sehe, verstehen will, mache ich das Gesehene allein durch dieses Vorhaben zu einem Objekt. Ein Objekt kennzeichnet, dass es auf den in ihm gesehenen Inhalt begrenzt wird – egal ob es sich darauf reduzieren und dadurch erfassen lässt oder nicht. Ein Objekt ist etwas Lebendiges, dem alles Lebendige genommen worden ist. Es wird durch die Art der Betrachtung getötet. Es wird tot gesehen. Wenn ich wirklich glaube, tot zu sein, dann kann ich mich wie etwas Unlebendiges betrachten und verstehen. Anderenfalls erfreue ich mich daran, mich nicht verstehen zu müssen, weil das Leben überhaupt kein Interesse an meinen Festlegungen und Definitionen hat. Ihm kommt es einfach nicht in den Sinn, sich zum mentalen Inhaltmachen zu lassen, da es sich überall als lebendige Wirklichkeit zu erkennen gibt. Da, wo sich das offenbare Leben selbst erkennt, versteht es auf eine Weise, die sich dem Verstehen entzieht.

    Daniel Herbst (Lebenslänglich lebenslang)

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  2. fredo schreibt:

    die Kuriosität des Momentes

    es bedarf zwar nicht der Worte im eigenen inneren Dialog , diese „innere Haltung“ so ( kurios ) zu erfahren , im Gegenteil der Begriff Kuriosität schwächt bereits das Kuriose im Erleben , da ein Titel gefunden wurde , jedoch aus der Notwendigkeit der Kommunikation mit anderen heraus , wurde von mir nichts passenderes gefunden .

    selbst ein ( verbales ) Staunen lässt eine ( bestaunte ) Wirklichkeit der Erscheinung „Welt“ entstehen .
    deshalb schafft ( für mich ) der Begriff Kuriosität den „unwissendsten“ verbalen Ausdruck von einer Haltung , die in der Welt ist , ohne in der Welt zu sein …

    so oder so ähnlich scheint es zu sein … kurios anyways …

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    • Nitya schreibt:

      „deshalb schafft ( für mich ) der Begriff Kuriosität den “unwissendsten” verbalen Ausdruck von einer Haltung , die in der Welt ist , ohne in der Welt zu sein …

      so oder so ähnlich scheint es zu sein … kurios anyways …“

      Lieber Fredo, ohne solche Verrenkungen, dürften wir im Grunde nur schweigen. Verrenk dich also zu unser aller Freude nur weiter!

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  3. Ingeborg schreibt:

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