Eigentlich …


laerchen
ja, eigentlich hatte ich mir schon so’n ollen Chan-Meister zurechtgelegt für meinen nächsten Beitrag, aber dann kamen die beiden Lärchen dazwischen, in denen immer die Eichhörnchen herumklettern. Unsere Nachbarin hatte sich über die Lärchen beklagt, deren weit ausladende Äste fast über ihren ganzen Garten ragten. Sie würden so einen Schweinkram machen, ihr Rasen wäre ständig übersät mit herabfallenden Ästen und Zapfen und die Dachrinne wäre auch immer wieder verstopft. Am liebsten wäre es ihr, wenn die beiden Dreckschleudern gefällt und entsorgt würden. Ursprünglich waren es ja drei Lärchen, eine hatten wir mit behördlicher Erlaubnis schon geopfert, die übrig gebliebenen Lärchen durften wir behördlicherseits – Gott sein Dank – nicht anrühren. Na ja, ein paar Äste hatten wir auf das Drängen der Nachbarin hin schon abgesägt. Irgendwo kann man ja auch die Nöte der Nachbarin und ihres Mannes verstehen. Sie sind schon alt, na ja – also ungefähr so alt wie ich – und wollen neben einem sauberen Garten möglichst keine zusätzlich Arbeit durch chaotische Nachbarn aufgehalst kriegen. Kann man ja irgendwie auch verstehen.

Ich guckte nach einem Baumdoktor im Internet und fand auf Anhieb einen, der mir sofort sympathisch war. Schien ein echter Baumfreund zu sein. Und ich wollte ja keinen Baumschlachter haben, sondern möglichst jemanden, der gute Gründe dafür kannte, dass man Lärchen nicht wehtun darf. Gestern kam der Mensch. Total sympathisch. Äste, die dicker als 5 cm Durchmesser seien, dürfe man sowieso nur mit behördlicher Genehmigung absägen. Und im Übrigen würden sich am Stamm Nekrosen bilden, wenn der Baum durch seine Zweige nicht mehr gegen direkte Sonneneinstrahlung geschützt sei. Ich war begeistert. Also, der Baumdoktor erwies sich als absoluter Astabsägedienstverweigerer. Ein echter Glücksfall. Dabei strahlte er eine Präsenz, Intelligenz und Liebenswürdigkeit aus, wie man sie wirklich nur selten finden kann. Ich war völlig hin und weg von ihm.

Er wollte dann noch eine Bodenprobe bei den Nachbarn nehmen, weil der Rasen unter den Lärchen ziemlich gelitten hatte. Wahrscheinlich sei der Boden viel zu sauer, sagte er. Unsere Nachbarin kam dazu und … ich schreib lieber nicht was sie alles sagte. Der Baumdoktor nahm’s mit Fassung. Da würden halt zwei Welten aufeinanderprallen, meinte er nur, da könne man gar nichts machen. Eine Rechnung wollte er nicht stellen. Es sei ihm eine Freude, zwei schöne Lärchen gerettet zu haben. Wenn ich das schreibe, komme mir fast wieder die Tränen. Jeden Tag nur noch Müll in den öffentlichen Medien. Gier, Hass und Gewalt, wo man hinguckt, und dann begegnet dir – ein Mensch. Ein richtiger Mensch. So was gibt’s noch! Nicht zu fassen. Auch wenn er noch nie was davon gehört haben sollte – ein Mensch vollkommen im Tao. Was soll man da noch schreiben?

eichhörnchen

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

12 Antworten zu Eigentlich …

  1. Savitri schreibt:

    *warm-ums-Herz*

    Gefällt mir

  2. fredo schreibt:

    von der sorte gibt es … gott sei dank …. ne ganze menge …
    wird nur vom sucher gern übersehen , da er ( vor dem finden ) die suche für entwicklung hält …
    dabei ist sie nur zusätzliche verwirrung , aus der sicht der einfach „natürlichen“ …

    ich habe ein ähnliches problem mit einer riesigen birne , die sehr in die jahre gekommen ist , und über drei grundstücke ihre früchte verteilt , die niemand mehr aus so hoher höhe pflücken kann . tatsächlich werden birnbäume im alter recht „wankelmütig“ und können ohne vorwarnung bei einem kleinen stürmchen bereits unverhofft in die horizontale lage geraten …
    was zugegeben für das dach meines atelierhauses , das sich im schatten der birne befindet , ein rechtes desaster sein könnte

    trotzdem bringe ich es nicht über mein herz diesen herrlichen hausbaum , in dessen krone ich wesentliche teile meiner kindheit verbracht habe , und der der gastliche überlasser ersten siedlungsraumes meiner ersten hausgründungen war , einfach schnöde umzuhauen . abgesehen davon dass man dafür wohl eines massiveb kran-equipments bedurfte .
    außerdem dient einer seiner kräftigen äste als perfekte basis meines heißgeliebten hängemattenstuhles , ohne dessen kuschelige schwankmeditationen mir der sommer nur noch die hälfte wert wäre .

    also , darf er sein gnadenbrot in unserem djungelgarten fristen , und wenn er denn besagtes dach dereinst gar plötzlich „besuchen“ möchte , werde ich diesen preis für seine langjährige gesellschaft gerne zahlen ……

    Gefällt mir

    • Nitya schreibt:

      „von der sorte gibt es … gott sei dank …. ne ganze menge … wird nur vom sucher gern übersehen , da er ( vor dem finden ) die suche für entwicklung hält … dabei ist sie nur zusätzliche verwirrung , aus der sicht der einfach “natürlichen” …“

      Lieber Fredo, manchmal hab ich den Eindruck, es gibt immer weniger „von der Sorte“. Ich muss oft an den Wilden in der „Schönen neuen Welt“ von Aldous Huxley denken.

      Jedenfalls: Lang lebe dein Birnbaum!

      Gefällt mir

  3. Ingeborg schreibt:

    Im Fischadlernest liegt ein Ei.

    Gefällt mir

  4. fredo schreibt:

    beeindruckend … ganz schön windig bei „adlers“ … wow

    Gefällt mir

  5. Egoiste schreibt:

    Am Anfang der Sackgasse, in der auch ich wohne, hatte ein Anwohner vor 24 Jahren eine Reihe Fichten gepflanzt. Die Bäume sind mittlerweile höher als sein Haus und die Zweige hingen bis zu einem Meter in den öffentlichen Straßenraum. Außer mir hatte sich schon jeder in der Straße bei dem Eigentümer beschwert und die abenteuerlichsten Antworten erhalten, warum er die Zweige nicht abschneide. Er könne nicht ertragen, dass die Bäume leiden, wenn er daran herumschnippele, lautete eine seiner Aussagen, die ich von empörten Nachbarn zu hören bekam. Das Ordnungsamt wurde eingeschaltet. Oh weh! Bei der Vermessung seiner Grundstücksgrenze war seinerzeit ein Fehler unterlaufen. Wenige Zentimeter der Straße gehörten zu seinem Grundstück. Ein teurer Spaß kündigte sich an und alle offiziellen Bemühungen, die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, versandeten irgendwie… und die Fichten führten in der ohnehin engen Straße zu Problemen für diejenigen, die keine Kratzer im Lack ihrer Nobelkarossen haben mochten.

    Eines Morgens waren die Fichten auf zwanzig Meter Länge bis auf Mannshöhe akkurat geschnitten, das Schnittgut entsorgt und die Straße gefegt.

    Wenn nicht der Eigentümer, muss wohl ein Baumflüsterer am Werke gewesen sein … oder zumindest eine flüsternde Astschere.

    Nondual gesprochen … man muss nichts tun …eine Lösung findet sich immer. Irgendwann. Auch für die Lerchen.

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s