P’ang-yün: was dir vor Augen kommt, lass es sein


Ramesh


.

Das Vergangene ist schon vorbei –
Versuche nicht, es wiederzuerlangen.
Die Gegenwart bleibt nicht erhalten –
versuche nicht, den Augenblick zu bewahren.
Die Zukunft ist noch nicht da –
denke nicht an sie im Voraus.

Wenn die drei Zeiten nicht existieren,
ist der Geist identisch mit dem Buddha-Geist.
Lautlos handeln, gestützt auf die Leere –
das ist der tiefe Grund des Handelns.
Nicht das geringste dharma existiert –
was dir vor Augen kommt, lass es sein.

Es gibt keine Gebote zu halten,
keinen Staub abzuwischen.
Mit leerem Geist wahrhaft durchdrungen,
haben die dharma kein Leben.
Wenn du das verwirklichst,
hast du die Quelle erreicht.

P’ang-yün

Keine Ahnung, ob auch dieses Gedicht P’ang-yüns Gnade vor Fredos Angesicht finden und in den heiligen Hallen seines Archivs einen ehrenvollen Platz erhalten wird. Möge Ramesh Balsekars Konterfei und Paul McCartneys „Let it be“ ihn darüber hinaus gnädig stimmen. Die Zukunft ist noch nicht da – verrückt, an sie im Voraus zu denken. Buddha-Geist ist zeitloser Geist.

Dharma – kann verstanden werden als „die Wahrheit, die große Ordnung oder die Lehre des Buddha oder als die nicht zusammengesetzten Daseinsfaktoren, Monaden, Geistatome“ (Definition Bessermann/Steger). Für P’ang-yün scheint das alles nicht zu existieren. Was ist dharma? Nur ein Wort verbunden mit allerlei Vorstellungen. Er sagt: „Es gibt keine Gebote zu halten, keinen Staub abzuwischen.“ Dharma, Gebote, Konzepte – alles nur Staub, der nicht einmal abgewischt zu werden braucht, weil er keine wirkliche Existenz hat. „Was dir vor Augen kommt, lass es sein.“ Belaste das, was dir vor Augen kommt, nicht mit deinen Vorstellungen. Fass es nicht an, lass es einfach sein. Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose und nicht einmal das. Istigkeit.

P’ang-yün schließt sein Gedicht mit den Zeilen: „Mit leerem Geist wahrhaft durchdrungen, haben die dharma kein Leben. Wenn du das verwirklichst, hast du die Quelle erreicht.“ Die dharma erhalten ihr scheinbares Leben durch deine Vorstellungen, durch deinen Glauben an ihre Existenz. Ohne Glauben, also mit leerem Geist, hast du die Quelle erreicht.

Es ist dasselbe, was Seng-ts’an mit den Worten ausdrückt: „Suche nicht nach dem Wahren, hör’ nur auf, Meinungen zu hegen.“ „Das Wahre“ ist nur eine Vorstellung, die dich immer nur am Nasenring deiner Gier im Kreis herumführen wird. Es genügt zu sehen, dass jeder Glaube reine Einbildung ist.

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Antworten zu P’ang-yün: was dir vor Augen kommt, lass es sein

  1. Micky schreibt:

    „“Was dir vor Augen kommt, lass es sein.” Belaste das, was dir vor Augen kommt, nicht mit deinen Vorstellungen. Fass es nicht an, lass es einfach sein. “

    Schwachsinn
    Vorstellungen sind ja gerade das einzigartige des mensch-seins. ohne Vorstellungen keine technische und wissenschaftliche Weiterentwicklung. der mensch benötigt die vorstellungskraft um noch nicht dagewesenes mit seiner willenskraft zu erschaffen. sogar ein rabe scheint Vorstellungen zu benutzen, um an Leckerlis zu gelangen.

    mag sein, dass Vorstellungen uns von der ist/so-heit trennen. na und ? ohne Trennung würden wir erst mal GAR NICHTS bemerken!

    Gefällt mir

    • fredo schreibt:

      „“ ohne Trennung würden wir erst mal GAR NICHTS bemerken!““

      es ist sogar „the other way round“ …. wegen Trennung bemerken wir nix … ( sondern imaginieren nur anscheinend vorhandene objekte )
      und ….. eigentlich … da wir ( = ne menge „Ichs“ ) ohnehin nix anderes wie trennung ist …
      besteht da schlichte bemerkungsimpotenz ….

      es ist halt stets die (semantische) frage , was meint in einer aussage > ist oder > nix …

      Objekte sind tatsächlich nur mithilfe von Trennung Objekt …. doch da etwas ein tatsächlich „seiendes / existierendes“ Objekt zu nennen , kommt kaum jemanden in den sinn , der etwas näher hinzuschauen wagte …
      „etwas näher“ meint da im ganz pragmatischen sinne … näher ….
      dazu Douglas Harding ….
      man nähere sich einem Objekt …. näher und näher …. und näher ….
      da „ist“ nur Raum …. Raum …. Raum ….. und ab und an …. ein wenig …. information …. spinn …. bewegung , die in-FORM-ation geht …. das heißt reine energie-bewegung suggeriert durch FORM-ation eine Form = ein Objekt ….
      da „IST“ jedoch gar nix …. nur energie in bestimm-ender bewegungsrichtung ….

      Gefällt mir

  2. Elwood schreibt:

    Du kannst nicht mal erfassen, dass du nichts erfassen kannst.
    ( menefru datluder)

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s