P’ang-yün: nichts, als was mir von selbst zufällt


I
In meinem täglichen Leben ist nichts,
als was mir von selbst zufällt.
Nichts ergreifend oder zurückweisend
gibt es kein Hindernis, keine Trennung.
Ich habe kein anderes Ehrengewand
als der Berge strahlende Klarheit.
Meine wunderbare magische Kraft
liegt im Wasserholen und Holzhacken.

P’ang-yün

Angeblich soll Issak Newton ein Apfel auf den Kopf gefallen sein und ihn auf die Idee mit dem Gravitationsgesetz gebracht haben. Wäre mir der Apfel auf den Kopf gefallen, hätte ich vielleicht nur „Scheiße!“ geschrien. Na ja, Newton war u.a. Physiker und so fiel ihm eben nicht nur der Apfel, sondern über den Apfel auch das Gravitationsgesetz zu. Das ist nun anscheinend ein so bedeutendes Ereignis, dass jedes Schulkind sich die Geschichte anhören muss. Dabei wird gerne übersehen, dass es uns allen ununterbrochen nicht anders geht. Jede Sekunde fällt uns irgendetwas zu.

Könnten wir das ohne jede Bewertung einfach registrieren, gäbe es kein Hindernis und keine Trennung. Dann wären wir wie ein Berg, der einfach da ist für das, was mit ihm gerade geschieht. Es stürmt, es regnet, es schneit, es taut, die Sonne scheint, … der Berg ist einfach der Berg. Natürlich ist er nicht tot, sondern antwortet auf die Herausforderungen des Wetters auf die ihm gemäße Weise.

Ganz in diesem Sinn sagt P’ang-yün: Ich habe kein anderes Ehrengewand als der Berge strahlende Klarheit. Meine wunderbare magische Kraft liegt im Wasserholen und Holzhacken.“ Wasserholen und Holzhacken sind die P’ang-yün gemäße Weise auf die Herausforderungen des Lebens zu antworten. Und die Tochter P’ang-yüns Ling-chao sagte einmal ganz in diesem Sinn: „Meine Praxis ist weder leicht noch schwer – wenn ich hungrig bin, esse ich; wenn ich müde bin, raste ich.“ Lin-chi hat es später einmal ähnlich formuliert.

Daraus ein Postulat zu basteln, wäre ziemlich verrückt. Das eine geschieht wie das andere. Entweder findet das Registrieren eines Ereignisses mit Bewertung statt oder ohne. Und wenn es mit Bewertung stattfindet, könnte auch das wiederum mit oder ohne Bewertung stattfinden

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8 Antworten zu P’ang-yün: nichts, als was mir von selbst zufällt

  1. fredo schreibt:

    hmmm … vom quasi karmischen her stimmt dies schon … das , was geschieht , geschieht so wie es geschieht , ob mit oder ohne bewertung , intension , oder aversion …

    jedoch ist ein gewisser unterschied schon gegeben und war der grund langer diskussionen zwischen taoisten und buddhisten …
    verbleibt das „innere standing“ , der „innere kommentar“ im rein rezeptiven , wird also eine „staunenende“ haltung in wahnehmung angenommen ….
    oder aber wird ein „gestalten / beeinflussen / manipulieren“ dieser wahrnehmung des alltäglichen erwogen und > praktiziert ( durch meditation oder achtsamkeit , oder was es da noch alles gibt …
    so wird der Berger strahlender Klarheit noch zusätzlich ein „Ehrengewand“ von Besonderheit übergestülpt ….

    ein feiner Text des P´ang-yün übrigens … kam sofort in mein Archiv der alltäglichen Kostbarkeiten ( was eigentlich auch schon wieder ein „Ehrengewand“ bedeutet )
    Die Würdigung der einfachen strahlenden Klarheit der Berge beinhaltet halt zweierlei …. das Staunen und das widerstandslose Übergeben des Bestaunten an die Vergänglichkeit …

    hmmm mach das jetzt besser doch nicht mit dem archiv ???
    🙂

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    • Nitya schreibt:

      Also für den P’ang-yün leg ich meine Hand dafür ins Feuer, dass er zu der staunenden und nicht zu der manipulierenden Fraktion gehört. Aus meiner Sicht kannst du ihn also ruhig in deinem Hamsterbau archivieren.😉

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  2. fredo schreibt:

    fein ….
    hat der mann mit den alliterierenden namen denn noch andere klugheiten verzapft ?
    dann muss ich ja glatt ne kategorie im archiv einrichten …🙂

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  3. fredo schreibt:

    oh … die tochter gefällt mir auch … hab ja einige zeit in asien gelebt …. und 2 meiner frauen waren halbmongolinen … da bestehen affinitäten …. und ich bin eingeübt … ob du hanseatischer fischkopp da mithalten kannst ?🙂

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