Osho: Sein → Herz → Verstand


O
Das Sein sollte das höchste Kriterium sein. Nichts geht über das Sein. Es ist dein Anteil am Göttlichen. Und es gibt dir etwas, das weder der Verstand noch das Herz dir geben können: Es gibt dir Stille, es gibt dir Frieden, es gibt dir Gelassenheit. Es gibt dir Seligkeit und letztlich die Erfahrung der Unsterblichkeit. Durch die Erkenntnis des Seins wird der Tod zu einer Fiktion und das Leben zu einem Flug in die Zeitlosigkeit. Einen Menschen, der sein innerstes Sein nicht kennt, kann man nicht wirklich lebendig nennen. Er gleicht eher einer nützlichen Maschine, einem Roboter. In der Ruhe suche nach deinem Sein, nach deiner Istheit, deiner Existenz.

Mit Hilfe von Liebe, mit Hilfe des Herzens teile deine Seligkeit mit anderen. Das ist der eigentliche Sinn der Liebe: deine Seligkeit zu teilen, deine Freude zu teilen, deinen Tanz zu teilen, deine Ekstase zu teilen. Der Verstand hat seine Funktion auf dem Marktplatz, aber wenn du heimkommst, sollte er zu rattern aufhören. Genauso wie du deine Jacke ablegst, deinen Hut, deine Schuhe, solltest du auch deinen Verstand ablegen und zu ihm sagen: »Jetzt sei still! Das hier ist nicht deine Welt.« …..

Und ein Mensch, der nicht alle drei in sich vereinigt, in tiefer Harmonie – der Verstand als Diener des Herzens, das Herz als Diener des Seins und das Sein als Teil der Intelligenz, die die ganze Existenz durchdringt. . .

aus: Osho, „Das Buch vom Ego, Von der Illusion zur Freiheit“

„der Verstand als Diener des Herzens, das Herz als Diener des Seins und das Sein als Teil der Intelligenz, die die ganze Existenz durchdringt. . .“

„Nicht, wie ich will, sondern wie du willst. Dein Wille geschehe.“ Osho beschreibt das natürliche Gefälle innerhalb der Intelligenz, die die ganze Existenz durchdringt. Ihr Wille geschieht oder ihr hat alles andere zu dienen. Der Begriff „dienen“ ist ja bei uns arg in Misskredit geraten. Niemand will mehr dienen, jeder will Herr sein über den Rest der Welt. Aber das ist natürlich einfach nur dumm und selbstmörderisch.

Jede Zelle meines Körpers dient diesem Körper. Hören die Zellen auf, dies zu tun, stirbt der Körper. Wer noch ein bisschen NS-Propaganda im Hinterkopf gespeichert hat, wird sich an Sätze wie „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“ oder „Du bist nichts, dein Volk ist alles!“ erinnern. Ist ja irgendwie auch was dran, kann aber auch furchtbar missbraucht werden, wie wir im dritten Reich – und heute, wenn auch besser getarnt – gut sehen können. Weder ein Diktator noch ein „Volksrepräsentant“ sind ja tatsächlich Repräsentanten jener Intelligenz, die alles durchdringt. Das haben sie ja immer behauptet, so „von Gottes Gnaden“ bis hin zum „Stellvertreter“, aber das ist halt einfach nur Ausdruck von Egomanie. Oder etwa doch nicht?

Also, „Eigennutz vor Gemeinnutz“ bedeutet Selbstmord und „Gemeinnutz vor Eigennutz“ auch. Was für ein wundervolles Koan. Wie denn nun? Was ist die Lösung? Osho stellt die Frage: Wer ist denn der Herr? Und er beantwortet sie mit dem Hinweis auf die alles durchdringende Intelligenz. Aber woher weiß ich, was diese von mir fordert? Nun, woher wissen es die beiden Eichhörnchen, die da vor meinem Küchenfenster in den Lärchen herumturnen? Und zwar so ganz ohne Hochschule, ohne Pfaffen, ohne Könige und dem ganzen Klüngel! Sie glauben es nicht besser zu wissen. Sie tun einfach, was sie tun müssen. Und dabei sind sie höchst lebendig und unglaublich spontan und kreativ. Sie sind in vollendeter Harmonie mit dem Ganzen.

Spiritualität – die Eichhörnchen würden sich schlapp lachen, wenn sie das lesen würden – Spiritualität bedeutet nichts anderes als leer zu werden von Eigenwillen und zu lauschen auf diese unfassbare Intelligenz. Dem am nächsten kommt noch so etwas wie Empathie. Jenes Sehen mit dem Herzen, das der Herr mit dem schönen Namen Antoine Marie Jean-Baptiste Roger Vicomte de Saint-Exupéry so schön den Fuchs im kleinen Prinzen hat sagen lassen. Genau dieses Herz meint vermutlich Osho, wenn er empfiehlt, auf sein Herz zu hören. Und ganz zuletzt kommt der Verstand als der Diener des Herzens, das wiederum der allumfassenden Intelligenz dient. Auf diese Weise kann es keinen Konflikt geben und all diese völlig hirnrissigen Egospiele verschwinden einfach von der Bildfläche.

Hmm … und wenn das Ganze jetzt umgedreht wird: Verstand → Herz → Sein? Die Heuschrecken zerstören kalten Herzens die Welt? Können die das überhaupt? Müsste es sie dann nicht erst mal als eigenständig handelnde Wesen geben? Wenn es sie gäbe, wären sie dann nicht mächtiger als die allumfassende Intelligenz? Oder sind nicht auch sie und zwar genau so, wie sie sind, von dieser Intelligenz gewollt und dienen nicht auch sie auf eine Art dem Ganzen, die unser kleine Verstand ums Verrecken nicht verstehen kann und will? „Ich habe die Überzeugung, dass mir gar nichts zustößt, weil ich daran glaube, dass die Vorsehung mich für meine Arbeit bestimmt hat“ (Adolf Hitler, Reden, Schriften, Anordnungen, Bd. V, Teil 1, S. 349). – Was er nicht gesagt hat, war, dass dies dann natürlich ebenso für alle und alles gelten müsste.

 

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Eine Antwort zu Osho: Sein → Herz → Verstand

  1. MaulBaer schreibt:

    Ich finde, die Aussage Ohos ergänzt die Serie: „Real Humans – Echte Menschen“, die zur Zeit auf Arte läuft:
    „Die spannende schwedische Science- Fiction-Serie spielt in einer anderen Realität, in der Menschen mit Robotern zusammenleben.“
    http://www.arte.tv/guide/de/046579-007/real-humans-echte-menschen-7-10?autoplay=1

    Gefällt mir

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