Drōgon Schang: wie Wolken am Himmel


Wolke
Erinnerungen und Gedanken haben wie die Wolken am Himmel weder einen Ort, wo sie entstehen, noch einen Ort, wo sie verweilen, noch einen Ort, wo sie sich auflösen – sie sind wurzellos.

Drōgon Schang

Wenn jede Art von Denk-Zwang zum Stillstand gebracht ist, wird auch nicht mehr die geringste Spur von Anhaftung geschaffen. Dann werden euer Geist und Körper schon in diesem Leben zu einem vollkommen befreiten Wesen gehören. Könntet ihr nur das begriffliche Denken aufgeben, dann hättet ihr alles erreicht.

Huang-po

Einen Denk-Zwang zum Stillstand zu bringen, ist schon wieder ein Denk-Zwang. Das hat Huang-po aber mit Sicherheit nicht sagen wollen, deshalb der Hinweis: … wird auch nicht mehr die geringste Spur von Anhaftung geschaffen.“ Nichts wird mit dem Denk-Zwang gemacht, er verschwindet einfach wie durch Zauberhand. Auch sein dritter Satz kann im Sinne eines Tuns missverstanden werden: „Könntet ihr nur das begriffliche Denken aufgeben, dann hättet ihr alles erreicht.“ Nichts muss aufgegeben, nichts erreicht werden.

Drōgon SchangsBild von den Wolken am Himmel, zeigt, worum es geht. Sie haben „weder einen Ort, wo sie entstehen, noch einen Ort, wo sie verweilen, noch einen Ort, wo sie sich auflösen – sie sind wurzellos.“ Wie konnte Drōgon Schangzu dieser Feststellung kommen? Ich stelle mir vor, wie er es sich im Gras gemütlich gemacht hat und einfach in den Himmel schaut. Er sieht, dass eine Wolke wie aus dem Nichts auftaucht, Form annimmt, weiterzieht und wieder ins Nichts verschwindet. Dieselbe Feststellung macht er, wenn er genauso entspannt seinen Erinnerungen und Gedanken zuschaut. Wenn er sie kommen und gehen lässt, sind sie genauso wurzellos wie die Wolken. In diesem Gewahrsein existiert keinerlei Denk-Zwang mehr und keinerlei Anhaftung.

Yüan-wu sagt:

Das Leben des Menschen hat seine Wechselfälle. Es ist nicht notwendig, das Handeln abzulehnen und nur noch die Stille zu suchen – mach dich innerlich leer und bring dich in Übereinstimmung mit dem Äußeren. Dann wirst du auch im hektischen Treiben der Welt in Frieden sein.

Altkanzler Gerhard Schröder hat seinen Freund Wladimir Putin umarmt. Na so was.


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nur eine Wolke am Himmel?

 

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18 Antworten zu Drōgon Schang: wie Wolken am Himmel

  1. Micky schreibt:

    jeder von uns hat jeden tag Momente
    wo der denkzwang nicht da ist
    und wo auch keine Anhaftung da ist

    und wenn ihr euch diese Momente mal anschaut
    werdet ihr feststellen
    dass ihr DAS
    gar nicht ununterbrochen haben wollt

    genaugenommen
    will ich nur dann keinen denkzwang und keine Anhaftung
    wenn es gerade mit scheiss-gefühlen verbunden ist

    fühlt es sich aber gut an
    will ich gerne dabei denken und anhaften

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    • Nitya schreibt:

      Die Rede ist nicht von Denken, sondern von Denk-Zwang. Ein Zwang ist so etwas wie Frendbestimmung. Hier geht es also nicht um die Freude am Denken, sondern es geht um das Denken-Müssen. Es ist dieses Müssen, dieses erzwungene Denken, das so leidvoll ist. Nimm als Beispiel die Eifersucht. Da kreist dein Denken ständig um dein Verletztsein, sucht nach Auswegen, vielleicht nach Rache und du fühlst dich einfach beschissen. Wenn ich jetzt ständig an Blümchen und Häschen und rosarote Wölkchen denken MÜSSTE, würde ich mich genauso beschissen fühlen.

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  2. Savitri schreibt:

    Wolken….

    Zeigt mir in der weiten Welt den Mann,
    Der die Wolken besser kennt und mehr lieb hat als ich
    Oder zeigt mir das Ding in der Welt
    Das schöner ist, als Wolken sind.
    Sie sind Spiel und Augentrost,
    Sie sind Segen und Gottesgabe,
    Sie sind Zorn und Todesmacht.
    Sie haben die Formen von zürnenden Göttern
    Und die Formen von segnenden Engeln.
    Sie schweben zwischen Gottes Himmel und der armen Erde
    Als schöne Gleichnisse aller Menschen Sehnsucht -Heiden angehörig –
    Träume der Erde,
    In welchen sich ihre befleckte Seele
    an den reinen Himmel schmiegt.
    Sie sind das ewige Sinnbild alles Wanderns
    – alles Suchens,- Verlangens und Heimbegehrens
    Und so, wie sie zwischen Erde und Himmel zag und sehnend und trotzig hängen,
    So hängen zag und sehnend und trotzig
    die Seelen der Menschen
    Zwischen Zeit und Ewigkeit, –
    Wie Wolken, die Schönen, Schwebenden, Rastlosen.
    Ich verehrte sie, schaute sie an und wusste nicht-
    Dass auch ich ,wie eine Wolke durchs Leben gehen würde :
    Wandernd, überall fremd,- schwebend
    Zwischen Zeit und Ewigkeit.-
    Jede Erscheinung auf Erden ist ein Gleichnis.-
    Und jedes Gleichnis ist ein offenes Tor
    Durch welches die Seele, wenn sie bereit ist,
    In das Innere der Welt zu gehen vermag
    Wo du und ich und Tag und Nacht alle eins sind.
    Jeden fliegt irgendwann mal der Gedanke an
    Dass alles Sichtbare ein Gleichnis sei
    Und dass hinter jedem Gleichnis der Geist und das ewige Leben wohne.
    Wenige freilich gehen durch das Tor
    Und geben den schönen Schein dahin
    Für die geahnte Wirklichkeit des Innern.

    – HERMANN HESSE – aus „Peter Camenzind“
    🙂

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  3. fredo schreibt:

    Es lässt sich mit einem Begriff ( n.m.M.) gut beschreiben … Denkzwang = innerer Dialog … nicht Monolog , was ja bedeuten würde eine existenzielle Übereinstimmung von Denkenden und Gedanken … sondern Dialog … da ist ( einerseits ) der Gedanken … und ( andererseits ) der „Bemerkende“ …
    Wird der BodyMindOrganismus als reines Rezeptivum mit Formulierungsattitüde gesehen , ist der „Zwang“ klar … der Organismus kann gar nicht anders als zu „bemerken“ … vergleichbar mit Licht und Auge … ist da Licht , wird es bemerkt … selbst bei geschlossenen Augenlidern ( vergleichbar mit dem Schlaf oder meditativer Versenkung ) findet noch immer , unvermeidbar , „Bemerken“ statt … möglicherweise auch in der „Nicht“-Form … dann wird die Abwesenheit von Gedanken „bemerkt“ ….. „Bemerken“ ist jedoch unvermeidbar , da dies simple , der „Job“ des BMO ist .
    Erst der Tiefschlaf unterbricht dieses „Zwangs“mechanismus … oder das , was ich den „klaren MOMENT“ nenne ….

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    • fredo schreibt:

      ergänzend … doch unterliegt beides ( bezeichnenderweise ) nicht dem aus dem „Bemerken“ gespeisten Eindruck des willentlichen Herbeiführenkönnens …
      niemand kann willentlich „tiefschlafen“ oder „willentlich“ den leerenMOMENT herbeiführen … beides geschieht aus sich selbst heraus … das eine regelmäßig des Nachts … das andere spontan manchmal bei Manchen …

      beides „geschieht“ aus sich selbst heraus jedoch nicht als Er-eigniss ( im Sinne der ERscheinung von EIGENheit ) sondern … rein passiv … im Sinne von Versiegen des üblichen EreignissFlusses … versiegt die „innere Dauergeschichte“ taucht automatisch der unterliegende „Ereignissgrund“ auf … das was man auch Leinwand des Ereignissfilmes nennen kann … dazu muss sich ( im doppelten Sinne ) gar nichts ereignen .

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    • Nitya schreibt:

      Ich würde den „Bemerk-Zwang“ noch abgrenzen wollen von einem bestimmten Denk-Zwang, der ständig um dasselbe Thema kreist wie etwa bei der Eifersucht oder der Existenzangst. Es gibt ja auch noch einen anderen Denk-Zwang, etwa den, der jedes Bemerken verbalisieren muss: Haus, Baum, Auto, … oder ach, ist das schön, nein, wie grässlich …

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  4. fredo schreibt:

    noch was … zu den hier zitierten zen-meistern … und ihrer anscheinenden >Anweisungsattitüde … ( ich zitiere Huang-Po , bzw . dessen Übersetzung !!! ) „““Wenn jede Art von Denk-Zwang zum Stillstand gebracht ist, wird auch nicht mehr die geringste Spur von Anhaftung geschaffen.“““

    ich habe eins Sinologie und ein wenig Japanisch studiert ( als ich noch ein Alibi für mein „wirres“ Leben brauchte ) …
    In beiden Sprachen gibt es (eigentlich) gar keinen Imperativ … also keine Anweisung im Sinne eines „Du musst, um zu …“
    Da werden immer nur Be- bzw. Umschreibungen von Auswirkungen aus Konstellationen formuliert . Ein völlig anderer Sprachansatz wie in unseren westlichen Sprachen …

    Es sind die fast immer westlichen Übersetzer , die ihrem westlichen Denken nicht entfliehen können … und aus einer Beschreibung des Huang-Po … besser übersetzt zum Beispiel , be-schreibend ! : „“ Wenn jede Art von DenkZwang zum erliegen gekommen ist , wird auch ( automatisch ) nicht mehr die geringste Form von Anhaftung erzeugt / erscheinen „“ …
    Wie anders hört sich diese BEschreibung an , im vergleich zur Anweisung/Handlungsaufforderung der Übersetzung ….

    Ich kann nur immer wieder auf diese nahezu CHRONISCHE VERZERRUNG durch Übersetzung fast aller WeisheitsTexte des Ostens hinweisen …
    Seien es die Text des Chan oder die der Taoisten … selbst der bemühteste Sinologe fällt fast immer in diese Falle …. und ihre Leser … leider … auch ….

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  5. Elwood schreibt:

    Na dann kann ja auch der nichtsosprachbegabte hier mal eine Beschreibung zum Thema loslassen:
    Wenn ich bemerke, dass aus Guten Schlechtes wird und aus schlechten Gutes, ich aus einem weiteren Blickfeld als aus meiner Kleinkrämersicht – überhaupt keine Ahnung mehr habe, was gut oder schlecht ist – und es alles gleich-gültig wird: Die Geilheit der Macht des Machbaren verliert an Reiz. Die Scheinbarkeit der produzierten Wirklichkeit der Gedanken kann gesehen werden und der Gedankenzwang verliert von allein sein Druck. Meine Meinungen und Konzepte können jetzt als Wolken vorbei ziehen und an dem blauen Hintergrund kann nicht mal dieses blöde Gequasselte fest getaggert werden.

    Krieg ich jetzt endlich mal auch ein Heißluftballon, bei so viel heißer Luft hier?

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  6. Michaela schreibt:

    Ist es denn nicht eher so, dass wenn die scheinbare Person wegfällt, der leidhafte Denkzwang aufhört?

    Einen Denkzwang zum Stillstand zu bringen, kann ja vorübergehend für den relativen Frieden auch durch gewisse Techniken erzeugt werden. Dass das für den, der scheinbar leidet, wünschenswert und manchmal als lebenserhaltend notwendig empfunden wird, kann ich sehr gut nachvollziehen.

    Ich mein nur, der Denkzwang wird ja möglicherweise vom Verstand erzeugt. Wenn Gedanken keinen Ort haben, an dem sie entstehen und auch keinen, an dem sie vergehen, was sind sie dann? Lebendige, vibrierende Energie im ewigen Jetzt? Einfach nur das, was auftaucht? Manchmal hilft es, wenn nicht das Gedachte, sondern der scheinbare Denker hinterfragt wird – ich kann einfach nichts tun und alles scheinbar willentliche Tun führt ohnehin zu nichts – und dann kann sich die Lage entspannen, manchmal ist man leider voll drin in dem Ding. Die Unmöglichkeit, dieses Denken aufhören zu lassen, wird als absolute Hilfosigkeit erlebt. Nur hier liegt immer wieder die Chance auf Frieden.

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    • Caro schreibt:

      Die Person kann gar nicht wegfallen, wenn sie wegfällt fällt sie ja immernoch von jemandem ab.
      Irgendjemand oder irgendetwas muss ja merken, dass die Person weggefallen ist. Theoretisch könnte sie ja die ganze Zeit wegfallen, aber wenn niemand das bemerkt ist es so als ob es nie passieren würde.

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      • fredo schreibt:

        stimmt …. die Person ( als biologische Erscheinung ) fällt nicht weg … sie wird sogar dringend benötigt für das Funktionieren des Lebens eines HomoSapiens … ansonsten wären die Anstalten völlig überfüllt …

        was da wegfällt im „leeren MOMENT“ ( den manche „Erwachen“ nennen) ist
        lediglich der quasi autohypnotisch fixierte Glaube an die Tatsächlichkeit dieser Person …

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      • Nitya schreibt:

        „was da wegfällt … ist lediglich der quasi autohypnotisch fixierte Glaube an die Tatsächlichkeit dieser Person …“

        Ramana: „Was soll das Streiten, ob die Welt nur Schein, ob Wirklichkeit, …“ Also, nachdem du, lieber Fredo, diese Position eingenommen hast, bin ich mal so frei, ganz im Sinne des Tetralemmas die Gegenposition einzunehmen und die Tatsächlichkeit dieser Person zu behaupten. Jetzt müsste allerdings noch geklärt werden, was wir beide unter einer Person verstehen. Ich verstehe mit meiner Position unter einer Person den Körper, die Gedanken, Gefühle, Glaubenssysteme, … – ich verstehe nicht darunter die Identifikation mit dieser Person. Ich würde also deinen Satz so formulieren: „was da wegfällt … ist lediglich der quasi autohypnotisch fixierte Glaube an die Tatsächlichkeit dieser Identifikation mit einer Person …“

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  7. fredo schreibt:

    Michaela schrieb : „“Ist es denn nicht eher so, dass wenn die scheinbare Person wegfällt, der leidhafte Denkzwang aufhört? „“

    nicht ganz … denn der „Denk-Zwang“ ist ja automatischer Automatismus der biologischen BodyMindMaschine … und endet demzufolge erst wenn diese Maschine endet …
    bisdahin … blubbert der innere Dialog weiter dahin …

    und doch …. mit dem Wegfallen der Fixierung an eine scheinbar tatsächliche Person … ändert sich etwas … sehr entscheidendes …. aus MEIN innerer Dialog wird EIN innerer Dialog …

    dieses entfallende „M“ macht den ganzen Unterschied …

    und auswirken ins „Persönliche“ hinein , tut es sich durch „a little bit more peace of mind“ .

    es plappert zwar nach wie vor … aber es interessiert niemanden mehr WAS da geplappert wird … wurde vorher die einzelne „Gedanken-Welle“ in ihrer jeweils erscheinenden Form verfolgt , und damit zu einer „Tatsächlichkeit“ geformt … verliert das Einzelne seine „spezielle Bedeutung“ und gliedert sich ein in ein Hintergrundgeräusch von WellenSingSang ….

    man kann dies auch Gelassenheit nennen … bösartigere nennen es auch ( in Ihrer Sichtweise durchaus berechtigt ) die Ignoranz des Erwachten … :-))))
    abgesehen

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  8. Michaela schreibt:

    hmm…ok, die Idee, der Glaube daran, eine individuelle Person zu sein mit Positionierung hier ich – da du, die wird durchschaut. Natürlich fällt die Person nicht weg. Dieser Wechsel geschieht ja ohnehin häufiger, nur dass das PersonSein-Erleben immer wieder zurück kehrt. Es gibt, jetzt formuliere ich mal vorsichtig „Lebensausdrücke“, bei denen scheinbar mehr „emptyness“ wahrgenommen wird als bei anderen. Da ist nichts und niemand und das meiste ist scheinbar und wird der sogenannten Traumwelt zugeordnet. Es gibt zumindest eine unterschiedliche Wahrnehmung von meiner Seite. Ich muss immer wieder feststellen, dass, wenn gesagt wird, „DAS ist es – Ende, mehr geht nicht“, völlig simpel und unanttraktiv für den Verstand, keiner psychologisiert oder therapiert,wenn keine Geschichten auf irgendwelche Fragen erzählt werden, dann ist da unmittelbare Resonanz, da richtet sich Bewusstsein auf Bewusstsein (wie soll man’s ausdrücken?) Es ist wie Verstehen für niemanden.

    …und dann gibt es bestimmt noch Denken, aber Leiden?

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