Uwe Schade: Deine Anstrengung ist nur Widerstand


WiderstandDu meinst Du seiest etwas Bestimmtes
Doch Du bist eine Welle im Weltenmeer
Du meinst Du seiest selbstständig
Doch Du bist der Treffpunkt von hunderttausend Kräften
Du meinst Du kannst Dich lenken
Weil Du nicht siehst was Dich zieht und treibt
Du meinst Du müßtest etwas tun
Doch Deine Anstrengung ist nur Widerstand .

aus: Uwe Schade, „Die Harmonie der Welt

Ich bin also nichts Bestimmtes, sondern nur ein nicht selbstständiger Treffpunkt von hunderttausend Kräften, der gezogen und getrieben wird. Dieser nicht selbstständige Treffpunkt strengt sich also an und diese Anstrengung ist nur Widerstand.

Irgendwie krieg ich da einen Knoten ins Hirn. Diese Ungereimtheit erscheint immer wieder mal und jedes Mal kratz ich mich am Kopf und denk: Wie soll denn das gehen? Also entweder gibt es da einen Jemand, der sich anstrengt und genau mit dieser Anstrengung seinen Widerstand offenbart, oder es gibt keinen selbstständigen Jemand, sondern eben nur diesen von hunderttausend Kräften gezogenen und getriebenen Treffpunkt. Wie könnte sich ein Treffpunkt anstrengen, wie könnte ein Treffpunkt in Widerstand gehen? Treiben solche Formulierungen nicht jeden ernsthaften Sucher glatt in den Wahnsinn?

Zu wem spricht Uwe Schade da? Auf den ersten Blick nicht zu dem Treffpunkt von hunderttausend Kräften, sondern zu einem Jemand, zu einer Person oder, besser, zu einem mit einem Jemand, einer Person identifizierten Bewusstsein. Dieses identifizierte Bewusstsein ist so ein Treffpunkt.

Wer den Text aufmerksam liest, wird feststellen, dass hier niemand aufgefordert wird, irgendetwas zu tun. Uwe Schade spricht zu diesem bescheuerten, identifizierten Bewusstsein, das sich für eine Person hält, als wäre es eine Person, um ihm zu offenbaren, dass es ein bisschen spinnt, wenn es glaubt eine Person zu sein. In der Didaktik gab es früher das didaktische Prinzip der Kindgemäßheit, das später hochtrabend in das Prinzip der optimalen Passung unbenannt wurde. Keine Ahnung, wie man es heute nennt. Genau diesem Prinzip scheint Uwe Schade hier zu huldigen, indem er das Spiel des Bewusstseins mitspielt. Das ist ungefähr so, wie wenn ich eine Exzellenz mit „Exzellenz“ anspreche, weil dieser Idiot glaubt, eine Exzellenz zu sein, und das Spiel nicht mitspielen würde, wenn ich ihm seinen Glauben nicht bestätigen würde. (Gott sei Dank kenne ich keine Exzellenz!) Uwe Schade bestätigt natürlich gar nix, aber immerhin spricht er das identifizierte Bewusstsein erst einmal als Person an. Wenn ich das in Kurzform bringe, müsste ich sagen: „Hör mal, Person, du bist keine Person.“ Hmm, ob da die vermeintliche Person mitspielen wird? Also mir wäre das zu gefährlich. Wenn jemand zu mir kommt und sich für eine Zahnbürste hält, dann werde ich wohl am besten sagen: „Hallo Zahnbürste.“ Dann fühlt sich die Zahnbürste anerkannt und haut mir keine auf die Mütze.

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30 Antworten zu Uwe Schade: Deine Anstrengung ist nur Widerstand

  1. froeschin schreibt:

    Aber ist nicht sowohl die „Exzellenz“, als auch der, der sie so anspricht, die Quelle?

    Wenn Du also das Spiel des „Idioten“ mitspielst, könnte ich sagen, das verlierst Du aus den Augen – und falle selber darauf … hoppla … keiner fällt darauf herein, da alles Spiel der Quelle ist?

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  2. fredo schreibt:

    viele „kluge“ texte sollen/wollen gar keine „klugheit“ vermitteln , sondern stattdessen noch mehr verwirrung stimulieren ( auf dass dereinst der kollaps komme ) .
    der hinweis auf den niemand , den aber ein jemand behinweist kommt , kann im bestenfall zu dem „optimalen ergebnis“ führen , das man ganz gut mit einem soliden „häääh ???“ umschreiben kann .

    der satz „deine anstrengung ist nur widerstand“ scheint mir ebenso über ein gar vortreffliches „häääh ?-potential“ zu verfügen …

    fein ….

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    • Nitya schreibt:

      „viele “kluge” texte sollen/wollen gar keine “klugheit” vermitteln , sondern stattdessen noch mehr verwirrung stimulieren ( auf dass dereinst der kollaps komme ) .“

      Wenn ich jetzt mal wieder Erbsenzähler spiele, muss ich natürlich sagen, dass Texte, ob klug oder blöd, gar nix sollen/wollen. Bleibt natürlich die Frage, ob der Schreiberling irgendwas vermitteln will. Wer ist der Schreiberling? Uwe Schade? Der Treffpunkt von hunderttausend Kräften? Die Quelle aller Treffpunkte? Will die Quelle irgendetwas vermitteln? Wem denn? Sich selbst? Was denn? Einen Kollaps?

      „häääh ?“

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      • fredo schreibt:

        zu dieser erbsenkultur will ich dann doch noch mal ein möhrchen dazu geben … grins …
        natürlich will jeder schreiberling was … nicht unbedingt vermitteln , aber doch zumindest schon mal schreiben …
        wenn dann aus dem geschriebenen eine fragezeichenparade entsteht … fein …

        häääh ? ( a go go )

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      • Nitya schreibt:

        Ich überlasse die Antwort darauf dem Genossen Rumi:

        „Glaubst du, dass ich weiß, was ich tue?
        Dass ich auch nur einen Atemzug lang
        oder einen halben mir selbst gehöre?
        So wie eine Feder weiß, was sie schreibt,
        oder der Ball ahnen kann, wo er hinrollen wird.“

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  3. Eno Silla schreibt:

    Häääh?

    Mir flatterte gerade dieses ins Haus. Ich mag ja diese Natalie M… Ihre Stimme berührt und tut gut und diese wunderschöne Melancholie, es gibt kaum was Schöneres (gerade jetzt):

    Giving up everything
    My hungry ghost of hopefulness
    Giving up everything
    Not haunted by wanting this

    Giving up everything
    The fortune I was saving
    Giving up everything
    I mercy-killed my craving

    Giving up everything
    I’ve opened up my eyes for this
    Giving up everything
    See the whole magnificent emptiness

    Give what I want for how it is
    The stone inside, and the bitterness
    For sweetness at the core of it

    Giving up everything
    The master plan, the scheming
    Giving up everything
    My cursed search for meaning

    Giving up everything
    The compass and the map I was reading
    The hinterlands I’m leaving
    I’m finally leaving behind

    Giving up everything
    The big to-do, the hullabaloo
    Talk of hope for some twisted truth
    For the everlasting ache of it

    No longer sleep, not chained to it
    No gate, no guard, no keeper
    No guru, master, teacher
    See the soul, see the faces
    Dissolve to black, no traces

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  4. Micky schreibt:

    ich behaupte einfach mal
    der uwe spricht da gar nicht zu JEMAND oder einer PERSON
    nicht mal auf den ersten blick

    genau genommen sagt er „DU“
    und dieses DU kann vom Leser
    muss aber nicht
    mit Bedeutung gefüllt werden

    es ist also Aktivität von seiten der Leser notwendig
    um hier JEMAND bzw PERSON zu erschaffen

    und selbstverständlich mache ICH das für mich hier bei UWEs Weisheiten gerne

    aber ich bin sicher
    dass sich viele andere
    gar nicht angesprochen fühlen
    und fragen: „von welchen spinnern spricht DER denn ?“

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  5. Dieter schreibt:

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  6. Nitya schreibt:

    Endlich hab ich ihn mal erwischt:

    Schwarzstorch

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  7. fredo schreibt:

    wie wärs beiseitig mit ner schwarzen nicht-seele ?
    oder mit ner nichtigen seelen-schwärze ?

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    • Eno Silla schreibt:

      ne, nu will ich nicht mehr, ich hab auch meinen stolz!
      er kann sie ruhig behalten, soll er doch glücklich werden mit der schwarzen seele!
      besser als nichts? als gäbe es wirklich etwas, dass besser als nichts sein könnte!

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      • Nitya schreibt:

        Morgen

        Während sich der Eno noch unruhig im Schlaf herumwälzt und wilde Träume träumt, ob er nun vielleicht doch eine Seele hat, und sich von dem Gedanken quälen lässt, was denn nun schwärzer sei, seine Seele oder sein Nichts, fängt der Nitya den frühen Wurm an der Käsmu Küste.

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  8. Ingeborg schreibt:

    Ha, Ha, Ha, schwarze Seelen , pfffffft. Ich habe um !9.20 den braunen Bären gesehen .
    Und der Storch ist eine Störchin, das sieht man doch ganz deutlich.
    Lieben gruß Ingeborg

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