Yongjia: Du erlangst Es nur im Zustand des Nichterlangens.

 

ah-ja
Die einzelnen Maßstäbe und Lehrsätze
Sind nicht wirklich Maßstab und Lehrsatz –
Was hätten sie wohl gemein
Mit direkter spiritueller Einsicht?
Sie kann von nichts zerstört,
Von nichts gefördert werden,
Und ihre ungreifbare Substanz
Kennt keinerlei Begrenzungen-
Ohne deinen Wohnort zu verlassen,
Bist du stets voller Klarheit und Frieden;
Nur wer Es sucht und verstehen will,
Der kann es nicht sehen.
Du kannst es nicht festhalten,
Du kannst es nicht loswerden –
Du erlangst Es nur
Im Zustand des Nichterlangens.

aus: Yongjia Xuanjue, „Zhengdaoge“

http://owk.podcaster.de/satsang/media/OWK-Kongress-2013.mp3

„Einfach nur zu sein, ist das Geschenk.“ sagt der Edgar. Danke, liebe Brigitte, dass du ihn nochmal reingestellt hast. Dieser als Geschenk empfundene Zustand des ‚einfach nur Seins‘ ist zugleich der Zustand des Nichterlangens. Der Hinweis mit dem Geschenk ist wichtig, nicht dass da jetzt jemand auf die komische Idee kommt, in den bitteren Apfel des ‚einfach nur Sein‘-Zustands beißen zu müssen, um endlich Es geschenkt zu bekommen. Mit diesem Krämergeist erntet man höchstens ein großes Gelächter.

Wenn Yongjia sagt, dass du Es nur im Zustand des Nichterlangens erlangst, hätte er vielleicht hinzufügen sollen, dass der Zustand des Nichterlangens bereits Es ist. Aber sag mir einer, was angeblich nicht Es ist. Edgar nennt zwei Voraussetzungen für diesen Zustand des Nichterlangens: Einmal Gleich-Gültigkeit und dann ein unendliches Gottvertrauen: Dieser Intelligenz zu vertrauen heißt Ja zu sagen, was immer auch geschieht. Klingt ja ganz schön, aber jeder sollte sich klar machen, was das für ihn persönlich heißt. Dieses Gottvertrauen, dieses bedingungslose Vertrauen in das, was ist, setzt die Bereitschaft voraus, in jedem Augenblick auch Ja zu sagen zum Tod dieser Person, zum Tod dieses Körpers. Diese Bereitschaft mag sich bisweilen bei sog. Selbstmordattentätern finden, aber findet sie sich auch bei mir? Edgars Zuhörer klatschten begeistert Beifall zu seinen Worten. Aber wussten sie wirklich, was sie da beklatschten? Gestern konnten wir bei Yongjia lesen: „Das Sein zu negieren und sich an die Leere zu halten, auch das ist eine schwere Krankheit.“ Und heute werden wir mit der bedingungslosen Bereitschaft konfrontiert, dieses Sein jederzeit für einen Zustand der Leere zu „opfern“.

„Opfern“ ist natürlich von der Person aus gesehen, vom Zustand der Zweiheit aus. So denken vielleicht einige Dschihadisten, die für dieses Opfer mit vielen Jungfrauen belohnt werden wollen. Im Zustand der Nichtzweiheit gibt es kein Opfer und keine Belohnung. Es ist sowieso immer hier. Es und Ich sind untrennbar nichtzwei, ob das gesehen wird oder nicht. Wird es gesehen, dann wird das Sein nicht negiert, weil auch das Sein Es-Ausdruck ist. Das Sein muss dann weder negiert noch festgehalten werden. Dann ist da nur noch Dankbarkeit da für was auch immer gerade ist.

Edgars Voraussetzungen mögen sich anfühlen, wie Bedingungen, die erfüllt werden müssen, um Es zu erlangen. Nichts wäre verkehrter als das. Es ist bereits alles erfüllt. Nichts muss getan werden. Es ist immer schon hier. Vielleicht wird es einfach gesehen: „Ah ja!“ Oder auch nicht. Auch dann ist Es immer noch hier und alles, was ist.

 

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7 Antworten zu Yongjia: Du erlangst Es nur im Zustand des Nichterlangens.

  1. Micky schreibt:

    nichts und niemand kann den sucher davon abbringen zu suchen
    der sucher weiss gar nicht genau, WAS er eigentlich sucht
    dieses nicht-wissen macht ihn ja schliesslich erst zum sucher
    aber
    kein sucher wird sagen „ich weiss nicht was ich suche“
    das würde ihn zum idioten abstempeln
    also
    kreiert der sucher sich eine IDEE
    und die (ver)sucht er dann sein leben lang zu finden
    DAS ist natürlich von anfang an zum scheitern verurteilt
    eine IDEE kann man nicht finden
    weil die IDEE nur im geist des suchers als selbst erschaffenes, künstliches Produkt existiert
    und so
    wird der sucher von jahr zu jahr immer verzweifelter

    das/der EINZIGE was diesem sucher wirklich helfen kann
    ist er selbst
    er MUSS diese IDEE aufgeben indem er erkennt
    dass er in Wirklichkeit nur diese selbst-erschaffene IDEE sucht

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  2. fredo schreibt:

    die höchste verzweiflung des suchers —- dass er noch nichtmal die idee der suche aufgeben kann …
    und ihm selbst das erkennen der idee-haftigkeit der suche keine befreiung von dieser suche verschaffen kann …

    falls das auftaucht , was gnade genannt wird , weil es völlig außerhalb der bemühungen oder nichtbemühungen des suchers steht , geschieht manchmal bei manchen der kollaps der suche .

    ist es ausweg ?
    ist es witz ?

    nun ja … es kollabiert …. das ist zu sagen

    ändert aber am leben keinen deut … ob mit oder dann ohne suche … was ganz sicher ein lachen wert ist …
    ( hierbei aber kollaps nicht mit einer

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  3. Nitya schreibt:

    Ich böte dir gern etwas als Hilfe an,
    doch haben wir im Zen nun einmal
    nicht ein einziges Ding!

    Ikkyû Sôjun

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