Chuck Hillig: Verantwortlichkeit … aber keine „Schuld“.


schuld
Ein verbreiteter Fehler ist es, zu glauben, dass du der unabhängige Sänger des Liedes deines Lebens bist.

Auch wenn du nur die Lippen synchron zu den Worten bewegst, versuchst du dir dennoch den Verdienst anzurechnen … oder die Schuld auf dich zu nehmen … für das Lied, das gesungen wird.

Und ironischerweise bist du immer noch für alle deine Entscheidungen verantwortlich … auch wenn du scheinbar keine Kontrolle darüber hast, sie zu treffen.

Verantwortlichkeit … aber keine „Schuld“.

Wie auch immer, es wird weiter Konsequenzen geben.

aus: Chuck Hillig, „Samen für die Seele“

Worte, Worte, Worte, … was ist Verantwortlichkeit, was Schuld, was Konsequenz? Worte. Wofür sollen sie stehen? Also, das ist jetzt alles Mindfucking. Aber manchmal hilft ja sogar Mindfucking dabei, sich irgendetwas genauer anzuschauen.

Also ich sag mal so: Ein Normalo macht keinen Unterschied zwischen Verantwortlichkeit und Schuld. Nachdem er überzeugt ist, dass er es ist, der der unabhängige Sänger des Liedes seines Lebens ist, hat er kein Problem mit dieser Gleichsetzung von Verantwortlichkeit und Schuld und auch nicht damit, dass seine Entscheidungen Konsequenzen nach sich ziehen werden. Beispiel: Ein Taschendieb klaut einer alten Frau ihren Geldbeutel aus der Tasche. Er wird erwischt, angezeigt, kommt vor Gericht und hinter Gittern.

Ein Sucher, der mal was von Advaita gehört hat, wird möglicherweise seine Hände in Unschuld waschen und sagen: Ich war’s nicht. Na ja, das sagt vielleicht auch der normale Taschendieb. Aber der ist nicht davon überzeugt, dass er es nicht war. Oder doch? Also unser Sucher fühlt sich völlig unschuldig, leugnet jede Verantwortung und Schuld und versucht dem Richter glaubhaft zu machen, dass es durch ihn hindurch geschehen ist, er also mit der Klauerei überhaupt nix zu tun habe. Wenn überhaupt, dann müsse Gott oder die Existenz angeklagt und verurteilt werden, aber bestimmt nicht er. Nun, der Richter, der in der Regel ein Normalo ist, wird den Angeklagten trotzdem ins Gefängnis bringen, falls er nicht doch noch ein psychiatrisches Gutachten in Erwägung zieht.

Chuck Hillig sagt: „… auch wenn du scheinbar keine Kontrolle darüber hast, sie zu treffen.“ Wirklich nur scheinbar oder tatsächlich? Und er sagt: „Wie auch immer, es wird weiter Konsequenzen geben.“ Ist das wahr? Es ist wahr, wenn mit den Konsequenzen keine bestimmten Konsequenzen gemeint sind. Andernfalls wäre es nicht wahr. Ein Taschendieb muss nicht unbedingt geschnappt werden. Es ist sogar eher unwahrscheinlich, dass er geschnappt wird. Trotzdem hat es Konsequenzen. Vielleicht die, dass er in seinem Hamsterbau stolz seine neuen Schätze inspiziert. Könnte auch sein, dass er von einem schlechten Gewissen gequält wird, weil er bei der alten Frau, der er an diesem Tag erfolgreich den Geldbeutel geklaut hatte, an seine Mutter denken musste. Könnte auch sein, dass er „Scheiße!“ schreit, als er sieht, dass der Geldbeutel leer ist. Irgendeine Konsequenz hat alles, was geschieht. („Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen?“)

Zu glauben, dass es keine Konsequenzen gibt, wenn gesehen wird, dass es keine Person gibt, die gehandelt hat, ist einfach töricht. Wo war an dem Flügelschlag eines Schmetterlings und dem Tornado eine Person beteiligt? Konsequenzen haben nichts mit einer Vorstellung von Urheberschaft oder Schuld zu tun. Oder anders gesagt: Das Advaita-Konzept bewahrt nicht vor Konsequenzen.

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2 Antworten zu Chuck Hillig: Verantwortlichkeit … aber keine „Schuld“.

  1. Brigitte schreibt:

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  2. Michaela schreibt:

    Viel schlimmer ist die Annahme, dass es einen Schuldigen geben könnte. Die Konsequenzen sind dann die selige und gerechte Bestrafung für das, was der Schuldige glaubt, verzapft zu haben, als eine Art Wiedergutmachung. Und dieser Schuldige, der ist es, der Leid verursacht. Leid entsteht primär nicht durch die Konsequenz, sondern durch den Druck und die Verantwortung, die man glaubt zu haben. Wenn ich mal wieder glaube, dass die Schuld der Welt auf mir lastet, dann zieh ich mir eine DVD von Karl Renz rein. Dann könnte ich mich augenblicklich tot LACHEN, wenn ich könnte. Auch wenn das Bullshit ist, aber Erleichterung wird in diesem Moment wieder spürbar und Renzonanz mit dem, was ist. Da ist ein Schuldgefühl, da ist Angst, nein, das beides gehört mir. Auch wenn es nicht so ist.

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