Vorsicht: Die Betas sind mitten unter uns!

WWalter Kempler hat mal gesagt: „Gespräch ist wechselseitige Selbstdarstellung.“ Ich könnte diesen Satz dahingehend erweitern, dass ich sage: „Wechselseitige Selbstdarstellung ist die einzige menschliche Äußerung, die den Namen ‚Gespräch‘ überhaupt verdient.‘ Meist zeichnet sich ja ein sog. Gespräch dadurch aus, dass der oder diejenigen, die glauben recht zu haben, den  anderen von ihrem „richtigen“ Bild überzeugen wollen. D.h., dass  keiner mehr dem anderen wirklich zuhört, sondern diesem nur noch seine in jedem Fall besseren Argumente um die Ohren hauen will. In einem wirklichen Gespräch geht es nicht um Gewinnen, sondern um Verstehen des ganz Anderen. „Rosa Luxemburg: Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden.“

Wir sind immer irgendwie Teil einer Gruppe, ob wir wollen oder nicht. Ja, natürlich, fragt sich nur in welcher Weise. Möglicherweise kennt ihr die sog. soziodynamische Rangstruktur von Raoul Schindler? Er zeigt in seinem Modell die unterschiedlichen Funktionen:

soziodynamische Rangstrukrur
Ohne weitere Erklärungen ist dieses Diagramm ziemlich unverständlich. Ich hab versucht, das mit einem Piktogramm besser zu veranschaulichen:

sozodynamische-Rangordnung
Der Widder entspricht dem Alpha, das Schaf mit dem Fragezeichen dem  Beta, die 12 Schafe den Gammas, das schwarze Schaf unten dem Omega, und der schwarze Widder im roten  Feld dem G = Gegner außerhalb der Gruppe. Raoul Schindler hat festgestellt, dass sich in jeder Gemeinschaft diese Struktur herausbildet.

Alpha ist der Star, der für die Gammas die Kartoffeln aus dem Feuer holen soll. Das schwarze Schaf repräsentiert  den Gegner innerhalb der Gruppe und bezieht von den Gammas entsprechende Prügel und der Gegner hat für die Gruppe die wichtige Funktion, dass sie in der Abgrenzung zu ihm zu einer eigenen Gruppenidentität kommen können. Diese Funktion übernahmen beispielsweise die Ossis für die Wessis und umgekehrt. Vom Alpha erwarten die Gammas, dass er den Gegner möglichst vernichtend schlägt.

Bleibt noch Beta übrig. Beta gehört zur Gruppe und dann wiederum doch nicht. Wenn ich einen phantasierten Negerkral zur Verdeutlichung bemühen darf: Da gibt es den Häuptling, die normalen Mitglieder des Krals einschließlich des Omega und es gibt den Medizinmann. Der entspricht dem Beta. Er haust teilweise außerhalb des Krals etwa auf einem Baum oder in einer Höhle oder einer versteckten Hütte oder er stromert einfach irgendwo in der Gegend rum, gehört also irgendwie dazu und dann doch wieder nicht. Beta kann sein der Hofnarr, der Philosoph, der Blogbetreiber, der Hartz IV-ler oder Sozialhilfe-Empfänger, der Versager, der Kranke, der Verstorbene, der Outlaw und Kriminelle, der Schamane, der Heiler, der Guru, der Druide, der Prophet, der Therapeut, der Bekloppte, der Künstler, der Ketzer, der Kriegsdienstverweigerer, Deserteur, Wehrkraftzersetzer, Defätist, der Satsanglehrer, der Kabarettist, der Clown, der „Ohnemichel“, der vaterlandslose Geselle, der Zigeuner – jetzt hab ich bestimmt einen Haufen sehr ehrenwerter Leute vergessen – auf jeden Fall immer der Außenseiter in der Gruppe und immer der, der nicht müde wird, sich und die Gruppe schon allein durch sein Sosein und Dasein in Frage zu stellen. Ein hartes Brot bisweilen. Die Bücherverbrennungen und die „entartete“ Kunst und die Ketzerverbrennungen und Kreuzigungen  mögen ein Beispiel dafür sein. Gerade muss ich wieder an diesen Birdman in Lisbon denken, den Dieter vorgestern dankenswerterwerterweise hier reingestellt hat:

Aber zurück zu dieser Gruppendynamik. Die Gruppe, also hier die Gammas, braucht sie absolut alle, die Alphas, die Betas, die Omegas und die Gegner, um überhaupt als Gruppe existieren zu können, auch wenn sie keine Ahnung davon hat, dass das so ist. Dieser Blog hier ist ein typischer Beta-Blog und die Gäste des Blogs, die hier kommentieren, dürften vorzugsweise auch Betas sein.

Insofern dieser Blog hier allerdings Eigenschaften einer Gruppe annimmt, müsste man mal sich anschauen, ob  auch hier sämtliche Funktionen besetzt sind. Gibt es auch hier so etwas wie Alphas, Betas, Gammas, Omegas und Gegner? Es gibt zwar Lieblingsrollen, die sind allerdings nicht in Fels gemeißelt  und können je nach äußerer Situation auch gewechselt werden. In einer Gruppe, die nur aus Leuten besteht, die sonst überall die Alphas spielen, würden  wir in Nullkommanix wieder die Träger der fünf Funktionen finden können.

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18 Antworten zu Vorsicht: Die Betas sind mitten unter uns!

  1. renyisanshou schreibt:

    Guten Morgen, lieber Nitya, hier meine Beiträge zum heutigen und gestrigem Thema:

    und

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  2. selmya schreibt:

    Über Geschmack lässt sich streiten, die Katz frisst Mäus,
    ich mag sie nicht.

    Ich melde mich ab aus diesem blog, es macht keinen Spass mehr.
    Diese 15 Monate waren für mich ein großes Geschenk und dafür
    möchte ich dir danken lieber Nitya. Als Körper-Charakter, auch Mensch
    genannt, mag ich selbstverständlich die einen und die anderen nicht.

    Bye-bye
    Selma

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Selma,

      wenn’s dir keinen Spaß mehr macht
      – ich kann dir den Spaß leider nicht herbeireden.
      Du hast dich bis jetzt durch nichts in die Flucht schlagen lassen,
      ich habe Mühe, mir vorzustellen, dass du dich jetzt vertreiben lässt.
      Oder ist es gar nicht der Stephan, der dich verjagt?
      Vielleicht hast du ja einfach die Nase voll
      von diesem Blog und uns allen hier?
      Ich find’s jedenfalls schade und du wirst mir fehlen.
      Sehr sogar.
      Aber ich kann dich natürlich nicht aufhalten.
      Wenn’s denn also so ist, liebe Selma,
      dann wünsch ich dir noch ein wundervolles Leben
      und jede Menghe Spaß, wo immer du gerade bist.
      Und vielleicht schaust du ja irgendwann
      mal wieder bei uns rein.

      Herzlichst
      Nitya

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    • Dieter schreibt:

      Liebe Selma,
      bitte weiter tanzen!
      Liebe Grüße

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      • selmya schreibt:

        Lieber Dieter,

        ein Ego ist wie gesagt, ein Programm, und daher unfähig zu lieben. Programme funktionieren gemäß ihrer Programmierung. Der ursprüngliche Mensch, als der jeder geboren ist, ist sehr bald fast oder völlig erstickt von diesen Programmen, die ihm von der Gesellschaft auf den „Buckel geschrieben“ werden.

        Die einzige „Tür“ aus diesem Automatendasein besteht darin, zu sehen, dass ich als Mensch niemals dieses Programm bin, und dass Programme auch gelöscht werden können. Doch wie Nisargadatta schon feststellte: solange der Mensch dieser Wahrheit nicht gleicht, ist es unmöglich, sie ihm zu zeigen. Da der programmierte Mensch sich für eine von allen getrennte Person hält, das auf ihn geschriebene Programm für seine wahre Identittät, er alles über den Verstand und dessen Gefühle, genannt Emotionen wahrnimmt, gibt es einfach keinen Zugang zu ihm. Denn dieses „Sehen“, dass ich all das gar nicht bin, was ich meine zu sein, geschieht jenseits des Verstehens eines menschlichen Verstandes. Erst wenn dieser Verstand endlich aufgibt und einsieht, dass er lediglich ein Programm zur Verständigung unter „Personen“ im Alltag ist, kann die Möglichkeit bestehen einfach wieder zu „sehen“, wie das noch jedes ganz kleine Kind völlig natürlich kann.

        Wenn also Sehen geschieht, dann wird das Leben zu einem Tanz, doch es ist nicht „mein“ Tanz als diese „Person“, es ist der Tanz des Einen, der all diese Rollen spielt, als/in jeder seiner Erscheinungen. DAS MEER DER EWIGKEIT wellt sich und ist wieder spiegelglatt. Einatmen, ausatmen, das ist Alles was ist.

        Wie also, lieber Dieter, soll ich hier weitertanzen? Egotänze jedenfalls bin ich gerade dabei in Windeseile zu vergessen, welch eine Erlösung.

        Da ist nur noch Schauen, jedoch niemand mehr, der denkt, „ich schaue“. Alles geschieht und braucht dazu kein Ich, das denkt, dass es etwas tut. Die ganze restliche Natur kommt ohne diese Ich-Idee aus, der Mensch auch, er hat es lediglich vergessen.

        Ganz herzliche Grüße und danke für deine Zärtlichkeit, sie hat mich oft getröstet, und war wie Balsam.

        Selma

        http://www.fotocommunity.de/search?q=Schauen&index=fotos&options=YToxOntzOjU6InN0YXJ0IjtpOjA7fQ&pos=3&display=26126040

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    • robo schreibt:

      —–„…es macht keinen Spass mehr.“—–

      Liebe Selma,
      tschüs und alles Gute.
      Oft und reichlich hast Du hier Interessantes, Besinnlich-Beschauliches, Trauriges, Spaßig-Fröhliches, Hintersinniges, Reichliches, Deutliches, Offenbarendes, Geheimnisvolles, Verschwörerisches, Wunderliches, Zorniges, Wehtuendes, Kindisches, Quengeliges, Emotionales, Rechtschaffendes zitiert, dargestellt, eingebracht, geschrieben, getippt oder ge-pasted. Dazu fleißig interpretiert, kommentiert und bewertet.
      …Ahhhhh….
      Ich (wir?) erlebte/n Dich als abgehoben, abwägend, abweisend, achtsam, aggressiv, agil,
      aktiv, albern, altklug, ambitioniert, anarchisch, angeberisch, anmutig, anstrengend, anzüglich, arbeitswütig, artig, aufgedreht, aufgeregt, aufgeschlossen, aufgeweckt, aufmerksamkeitsbedürftig, aufrichtig, ausdauernd, ausdrucksstark, ausgeflippt, außergewöhnlich, authentisch…
      Ja!
      Schade dass Du Dein Fernbleiben ankündigst.

      Wenn (?) Du wiederkommst führe ich weitere (nur?) von mir empfundene „Selmya-Eindrücke“ von B-Z auf.

      Abschließend nun einige Zitate n u r für Dich.

      „Man verwandelt sich in das, was man ohne Unterlass vorgibt zu sein.“
      (Shri Ramakrishna)

      „Das Glück besteht nicht darin, dass du tun kannst, was du willst,
      sondern darin, dass du immer willst, was du tust.“
      (Lew Nikolajewitsch Graf Tolstoi)

      Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber soviel kann ich sagen: es muss anders werden, wenn es gut werden soll.
      (Georg Christoph Lichtenberg)

      Ein schlechter Schriftsteller wird manchmal ein guter Kritiker, genauso wie man aus einem schlechten Wein einen guten Essig machen kann.
      (Henry de Montherlant)

      Wenn man beginnt, seinem Passfoto ähnlich zu sehen, sollte man in den Urlaub fahren.
      (Ephraim Kishon)

      Tschüs und alles Gute! (;-)

      robo

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      • selmya schreibt:

        Ach mein Robo, das waren für dich aber außergewöhnlich viele Worte. All das, was du schreibst, sind Erscheinungen der Quelle, also erzähl der das, und ich lache gerade vor mich hin, aus Lebensfreude. Und ich werde jetzt mein Lieblingseis genießen,

        Karamelleis, von einer besonderen Herstellerfirma.

        Gibt es etwas Großartigeres für ein Kind, als Eis zu essen?

        Wie das Meer sich wellt,
        ob bescheiden, oder stolzgeschwellt.
        ES schert sich nicht die Bohne
        über irgendetwas.

        Selma

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      • robo schreibt:

        —–„All das, was du schreibst, sind Erscheinungen der Quelle, also erzähl der das, „—–

        Hmmm….; DIE hat das doch geschrieben und gelesen; wer denn sonst…? (;-)
        Na ja; ich geh jetzt erst mal einatmen, ausatmen, ein…
        Also mach’s gut, Süße Selma!

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      • selmya schreibt:

        Ich liebe dich mein Robo,

        knuuuuuuuuuuuuuuutsch🙂

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  3. Nitya schreibt:

    Und du, Stephan, hörst jetzt bitte auf mit dem Quatsch.
    Wozu hab ich denn den Sabbel-Blog eingerichtet?
    Dass das hier munter weitergeht?

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  4. selmya schreibt:

    Lieber Nitya

    wenn gesehen wird, dass Alles die Quelle ist, dann ist der Sucher verschwunden. Die ganzen 15 Monate lang ging es mir um dieses Suchen nach dem „Sehen“.

    Ronny schreibt:

    „Es ist der Raum des ungeteilten-Bewusstseins der mit sich in Bewegung ist und zugleich erlebst du dich mitten in deinem MenschSein. Der Mensch ist fehlerhaft anlegt; im Versuch das Beste zu tun, liegt die Möglich das Beste zu tun – einfach das was dir am Herzen liegt. Darin liegt die Möglichkeit das Gesehen wird das der Mensch nichts tut, weil er selbst nicht ist. Die Möglichkeit das Gesehen wird, was sieht, von dem was der Mensch ist …“

    Was also suchen, wenn gar niemand mehr da ist? Da ist nur noch eine grenzenlose Zärtlichkeit, eine solche Süße dieser Stille. Offene Weite – immer mehr löse ich mich als scheinbare Erscheinung darin auf und verdichte mich als diese Unendliche Weite. Ich habe eher das Empfinden, dass meine Glück, meine Freude, dieses Süße hier andere nerven, die DAS WUNDER DES SEINS noch nicht empfinden.

    Und was Stefan anbelangt. Der Mensch Stefan, ist versteckt hinter lauter Ich-Programmen. Mit Ich- und Ego-Programmen möchte ich nicht weiter diskutieren. Schade um die Energie. Du weißt, lieber Nitya, dass du mich niemals nervst. Ich werde deine täglichen Beiträge als email weiterhin lesen, doch hier eben nicht mehr mitspielen, solange es hier noch so heftig ego-icht.

    „Ich habe einen an der Waffel!, weil ich schreibe, dass es nur endlose Zärtlichkeit gibt usw. Nein, das mag ich nicht mehr lesen, dazu ist das Wunder des einfach Seins zu kostbar.

    Ganz zärtliche Grüße
    Selma

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  5. Roswitha schreibt:

    Ich gehe, weil ich gehe!
    Ich bleibe, weil ich bleibe!
    Ich brauche keinerlei Rechtfertigungsgeschichten darüber ob ich gehe oder bleibe!…und schon deshalb hat Gehen oder Bleiben, nichts mit jemand ANDEREM zu tun.

    Liebe Selma, ich weiß nicht, ob du es mitbekommen hast, das EIN Mann(für welchen muss er herhalten?) immer Haue von dir bekommt ;-)…wenn’s angesprochen oder bemerkt wird, wird er dann schnell mal in den Zärtlichkeitscontext gepackt…und ist dieser Mann dann verschwunden, taucht bald der Nächste auf…😉

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  6. selmya schreibt:

    Noch bin ich da, und sei doch froh, dass du kein Mann bist, Roswitha.
    Hast du einen Stock verschluckt,
    du klingst so schulmeisterlich,😉
    als Kind würde ich sagen, dich möchte ich nicht als Lehrerin haben.
    Viele Grüße an dein Ego-Ich. Wenn ich deine Worte lese, weiß ich,
    was mich zum Kotzen bringt hier, danke für die Erinnerung, hihi
    du Klugscheißerin.

    grins, so und nun wirklich tschaui alle

    Ich geh Tatort gucken

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  7. Elwood schreibt:

    Sind wir wirklich so leicht durchschaubar?

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  8. froeschin schreibt:

    … wie war gleich Deine Frage? Gibt es hier sämtliche Funktionen?

    Yes, Sir! 😉

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  9. Elwood schreibt:

    Für Selma,

    Alles Liebe!
    Nichts geht verloren!
    Liebe Grüße Elwood

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  10. Eno Silla schreibt:

    wach
    helles strahlen
    ein leerer körper
    steigt aus einem leeren bett
    fühlt einen leeren schmerz
    durchstreift eine leere wohnung
    blickt auf leere dinge
    in diesem augenblick
    jetzt
    glasklar
    bin ich
    unaussprechbar
    unzertrennbar
    licht
    dieses ALLES
    aus sich selbst
    (er)leuchtend

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