Byron Katie: Huch – jetzt bin ich fort.



Am Anfang war das Tao.
Alle Dinge entspringen ihm;
alle Dinge kehren zu ihm zurück.

Der Mensch ist vom Ursprung der Dinge fasziniert. »Wann ist das Universum entstanden? «, fragt er. »Woher komme ich?« Die Antworten auf diese Fragen liegen auf der Hand, sobald man über ein wenig Klarheit verfügt. Wann ist das Universum entstanden? In eben diesem Augenblick (wenn überhaupt). Ein klarer Geist erkennt, dass jede Vergangenheit nur ein Gedanke ist. Die Gültigkeit eines Gedankens lässt sich nur mit einem weiteren Gedanken beweisen, und selbst dieser Gedanke ist bereits vorüber – und nun ist auch der Gedanke »Dieser Gedanke ist vorüber.« vergangen. Es gibt nur das Jetzt, und selbst »Jetzt« ist ein Gedanke aus der Vergangenheit. In Wahrheit hat das Universum weder Anfang noch Ende. Es entsteht in einem fort neu und ist immer bereits vergangen. Woher komme ich? Aus diesem Gedanken. Huch – jetzt bin ich fort.

aus: Byron Katie, Stephen Mitchell, »Eintausend Namen für Freude«

„Es gibt nur das Jetzt, und selbst ‚Jetzt‘ ist ein Gedanke aus der Vergangenheit.“ Hmm, aus welcher Vergangenheit, wenn es doch nur das Jetzt gibt und jede Vergangenheit nur ein Gedanke ist?

Ach der arme Kopf, was plagt er sich doch mit seiner Lieblingsbeschäftigung – dem Verstehen-Wollen! Dabei ist doch alles so einfach und klar. Wenn überhaupt – entsteht und vergeht das Universum in diesem Augenblick. Und alle Fragen und Antworten sind nichts als Gedanken, die mit dem Fragenden und mit dem Antwortenden und dem Rest des Universums in diesem einen Moment erscheinen und verschwinden.


.

Huch …

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8 Antworten zu Byron Katie: Huch – jetzt bin ich fort.

  1. Tom Horn schreibt:

    Wei Wu Wei hat das auch irgendwo sehr klar dargelegt, warum es weder Vergangenheit noch Zukunft noch Gegenwart geben kann. Was er – so denke ich – damit meint, ist wohl, dass es keines für sich gibt, dass es nur drei gedankliche Aufspaltungen eines „einzigen“ sind. Es heißt ja, es gebe nur die Gegenwart, aber nach meiner Erfahrung wird das von vielen Menschen so missverstanden, dass sie dann denken, es solle damit Vergangenheit geleugnet werden. Klar, weil sie nur ein entweder-oder-Denken kennen. Plato hat es ja schön gesagt: „Zeit ist ein bewegtes Bild der Ewigkeit“. Im Grunde gibt es immer nur zeitlose Ewigkeit, was genau dieser Moment ist. Und dieser. Und dieser auch :-). Mir gefällt das Bild von der Kugeloberfläche: jeder beliebige Punkt auf einer Kugeloberfläche ist gewissermaßen der Mittelpunkt der Fläche. Und so ist jeder Zeitpunkt der ewige Punkt, der alle vergangenen und zukünftigen Zeitpunkte enthält.

    • Nitya schreibt:

      „Es heißt ja, es gebe nur die Gegenwart, aber nach meiner Erfahrung wird das von vielen Menschen so missverstanden, dass sie dann denken, es solle damit Vergangenheit geleugnet werden. Klar, weil sie nur ein entweder-oder-Denken kennen.“

      „Im Grunde gibt es immer nur zeitlose Ewigkeit, was genau dieser Moment ist. Und dieser. Und dieser auch :-).“

      Lieber Tom,

      das verstehe ich jetzt aber nicht so recht: Widersprechen sich diesese beiden Aussagen von dir nicht? Wenn es nur diesen Moment gibt und diesen und diesen … wo ist dann die Vergangenheit? Wo ist die Vergangenheit, wenn es nur zeitlose Ewigkeit gibt? Ist Vergangenheit für dich denn mehr als ein Gedanke? Oder wie oder was – ich bin ein wenig verwirrt.

      • Tom Horn schreibt:

        Lieber Nitya,

        die Vergangenheit ist genau hier, in diesem zeitlosen Moment. Dieser zeitlose Moment ist quasi angefüllt mit (erinnerter) Vergangenheit und (vorgestellter) Zukunft.
        Vergangenheit ist für mich ein rein geistiges Bild, also ein Gedanke, ja.

      • Nitya schreibt:

        Lieber Tom,

        danke für die Aufklärung! Ja, jetzt ist alles klar.

        „Dieser zeitlose Moment ist quasi angefüllt mit (erinnerter) Vergangenheit und (vorgestellter) Zukunft.“

        Da stimme ich völlig mit dir überein. Ergänzend könnte man natürlich noch anmerken, dass es durchaus auch zeitlose Momente gibt, die weder mit (erinnerter) Vergangenheit noch mit (vorgestellter) Zukunft angefüllt sind. Vorstellungsfreie, gedankenfreie Momente also. Das geschieht sogar häufiger, als die meisten Menschen bewusst wahrnehmen. Es sind diese kostbaren Momente der Selbstvergessenheit.

  2. Tom Horn schreibt:

    Vor ein paar Wochen war ich in meiner Heimatstadt und mir kam die Idee, meine alte Schule zu besuchen, die ich schon Jahrzehnte nicht mehr gesehen habe. Ich fuhr also hin, vermutlich um mich in süßer Nostalgie zu suhlen, und ging durch den Schulhof, der inzwischen viel schöner ausgebaut war, und dann in das Gebäude. Immer noch die gleichen alten, dunklen Kacheln und Fliesen. Die Holztür des Hausmeisterzimmers war noch die selbe wie in den 70er Jahren. Und überall liefen junge Menschen in jungen Klamotten herum. Ich ging, denn da war gar nichts mit süßer Nostalgie, es berührte mich nicht einmal, denn mir wurde klar, dass die Vergangenheit, also die Zeit, in der ich hier lernte und litt, nicht in dem Gebäude zu finden ist, sondern ausschließlich in mir selbst, als Erinnerung und sonst gar nicht. Da musste ich über mich selbst grinsen….
    Und ja, es gibt natürlich Momente der Selbstvergessenheit, wo nur wenig oder gar keine Gedanken an früher oder später da sind. Und diese Momente sind meist sehr intensiv, denn alle Sinne sind voll aktiv….:-)

  3. Swami Prem Punito schreibt:

    Lieber Nitya ,
    Ja, dies sind die schönsten Momente , diese Momente in Zeitlosigkeit ..
    Selbstvergessendes NICHT-Sein .
    Ohne Vergangenheit und Zukunftsrankenwerk .
    Nicht laut noch leise .
    Nicht-Allgefühl – nicht wiederholbar ,
    Das Nicht-brauchbare Wiedererleben des All-einsein .
    Harmonie.. Einklang ,…. ?
    Auch meine Worte treffen`s nicht .
    Danke für die Teilhabe am Dialog zwischen Tom Horn und Dir .
    Ein schönes Wochenende wünscht
    Prem Punito 🙂

  4. Selma schreibt:

    Huch jetzt bin ich weg – wirklich?

  5. Selma schreibt:

    Wer kann den Tarzanschrei ausstoßen?

    Wer erfahren möchte, wie der legendäre Tarzanschrei entstand, warum ein Baumstamm in der Regel der bessere Ehepartner ist oder warum eine Tätigkeit als Cartoon-Model alles andere als ein Traumberuf ist, muss sich nur der Lektüre der jüngsten Publikation von Martin Perscheid widmen.

    http://www.fr-online.de/sondermann-preis/cartoon-2010-05—martin-perscheid–abnehmen-mit-dem-mond,4603130,4603358.html

    🙂

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