Was sind die Eigenschaften eines Sannyasins?

Es ist sehr schwierig, einen Sannyasin zu definieren und umso mehr, wenn du meine Sannyasins definieren willst. Grundlegend ist Sannyas eine Rebellion gegen alle Strukturen, deshalb die Schwierigkeit es zu erklären. Sannyas ist eine Art und Weise, das Leben unstrukturiert zu leben. Sannyas bedeutet einen Charakter zu haben, der charakterlos ist. Mit Charakterlosigkeit meine ich, dass du nicht länger von der Vergangenheit abhängig bist. Der Charakter bedeutet die Vergangenheit, die Art, wie du in der Vergangenheit gelebt hast, die Art, in der du gewohnt warst zu leben. All deine Gewohnheiten und Konditionierungen und Glauben und Erfahrungen – das ist es, was deinen Charakter ausmacht. Ein Sannyasin ist jemand, der nicht länger in der Vergangenheit lebt oder durch die Vergangenheit; er ist jemand, der im Moment lebt – deshalb ist er nicht berechenbar.

Ein Mensch mit Charakter ist berechenbar, ein Sannyasin ist nicht berechenbar, weil ein Sannyasin Freiheit ist. Ein Sannyasin ist nicht nur frei, er ist Freiheit! Er ist eine lebende Rebellion!

Aber trotzdem werde ich es versuchen. Ein paar Hinweise können gegeben werden, keine genauen Definitionen – ein paar Finger die zum Mond zeigen. Bleib nicht an den Fingern hängen. Die Finger erklären nicht den Mond, sie deuten nur an. Die Finger haben nichts mit dem Mond zu tun. Sie mögen lang sein, sie mögen kurz sein, sie mögen künstlerisch sein, sie mögen hässlich sein, sie mögen weiß sein, sie mögen schwarz sein, sie mögen gesund sein, sie mögen krank sein, das hat keine Bedeutung. Sie zeigen einfach nur. Vergiss den Finger und schau zum Mond.

Was ich gebe ist keine Definition, das ist in diesem Fall nicht möglich. Und es ist in der Tat niemals möglich, etwas zu definieren, das lebendig ist. Definition ist nur einer Sache gegenüber möglich, die tot ist, die nicht mehr wächst, die nicht mehr blüht, die keine Möglichkeit mehr hat, ein Potential, das erschöpft und verbraucht ist. Dann ist Definition möglich. Du kannst einen toten Menschen definieren, einen lebendigen Menschen kannst du nicht definieren.

Leben bedeutet grundsätzlich, dass das Neue noch möglich ist. Darum sind dies keine Definitionen.

Der traditionelle Sannyasin hat eine Definition sehr klar umgrenzt, deshalb ist er tot. Aus diesem speziellen Grund nenne ich mein Sannyas „Neo-Sannyas“.

Mein Sannyas ist ein Öffnen, eine Reise, ein Tanz, eine Liebesaffaire mit dem Unbekannten, eine Romanze mit der Existenz selbst, auf der Suche nach einer orgastischen Beziehung zum Ganzen.

Gestern fiel mir wieder einmal Oshos Text zu der Frage „Was ist Sannyas?“ in die Hände. Die Antwort lässt sich in der kurzen Aussage zusammenfassen, dass man darüber keine Aussage machen kann. Sannyas ist nicht definierbar. Und doch gibt es das Wort Sannyas. Ein echtes Dilemma, weil natürlich jeder wissen möchte, was damit gemeint ist, wenn das Wort schon benützt wird. Warum sagt man nicht Ballaballa, sondern Sannyas? Warum das „traditionelle“ Sannyas „meinem“ Sannyas gegenüberstellen? Das muss doch irgendwas bedeuten. Und schon geht es los mit der Definiererei. Und gleich muss man dann sagen, dass alle diese Definitionen Quatsch sind. Ein schönes Dilemma.

Da gibt es z.B. die Astrologie. Ich bin ein Fisch oder ein Löwe oder was weiß ich. Schon bin ich ein Jemand. Oder das Enneagramm. Ich bin ein Perfektionist oder ein Krieger oder eines der anderen Zeichen. Das Enneagramm wird auch das Enneagramm der Identifikationen genannt. Oder das Enneagramm der Widerstandsformen. Widerstand meint hier den Widerstand gegen dieses „neti – neti“.

Byron Katie stellt gerne die Frage: „Wer wärest du ohne deine Geschichte?“ Und mein alter Lehrer Heinz Butz pflegte stets mit den Worten „Ja gell, das sind so G’schichten!“ das Weite zu suchen, wenn ihm jemand irgendeine Geschichte erzählen wollte, mit der er offensichtlich identifiziert war.

Satsanglehrer werden gern gefragt, was ihr Weg zur Erleuchtung gewesen sei. Manche haben richtig hübsch-heilige Geschichten anzubieten, wie eines zum anderen führte. Andere verweisen darauf, dass ihre Lebensgeschichte nichts, aber auch gar nichts damit zu tun habe, dass dieses Zentrum, mit dem eine angebliche Person einmal scheinbar identifiziert war, plötzlich verschwunden sei. Es sei einfach so. Und dass es sowieso niemanden gäbe, der erleuchtet sein könnte.

Der Begriff Sannyasin im Sinn von Osho bezeichnet eigentlich nicht irgendeine Gruppe von Leuten, die so komische indische Namen haben und rot gewandet und mit einer Mala um den Hals über die Erde wandeln, nicht eine Gruppe von Leuten, die sich klar von anderen Gruppen unterscheiden ließe, sondern eigentlich überhaupt keine Gruppe, weil jede Gruppe Identitätsmerkmale hat. Ein Sannyasin ist eigentlich jeder Mensch ohne Zentrum, jeder Mensch ohne Eigenschaft, mit der er identifiziert wäre, jeder Mensch ohne Geschichte, die er für „seine“ Geschichte hielte. Gerade muss ich an Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften denken, jenen Mann mit allen Eigenschaften, Eigenschaften die ihm jedoch gleichgültig sind, einem Mann also gewissermaßen in einer „Welt von Eigenschaften ohne Mann“. Eine ziemlich gute Beschreibung eines Sannyasins, finde ich.

Der Begriff Sannyasin kommt aus dem Sanskrit und meint eigentlich jemanden, der alles losgelassen hat. Üblicherweise: Der entsagt hat. Aber das klingt in meinen Ohren ganz schauderhaft, wahrscheinlich weil ich zu viel Christentum geschnuppert habe. Nein, da geht es um keine Heldentat der Entsagung. Da ist einfach etwas abgefallen. Das Interesse an den Dingen ist ebenso natürlich abgefallen wie etwa das Interesse eines Pubertierenden am Indianerspielen. Wo dies nicht der Fall ist, wo es sich um so etwas wie eine Heldentat handelt, geht es nur um eine besonders subtile und deshalb um eine umso hartnäckigere Anhaftung an das Ego.

Oshos Text ist voller Widersprüche; aber wie sollte es auch anders sein? Er will etwas aussagen über etwas, über das sich nichts aussagen lässt. Wie lässt sich dies anders bewerkstelligen als durch ständige Widersprüche und Negationen? Z.B.: ein Charakter, der charakterlos ist. In anderen Zusammenhängen ist das bekannt etwa in Formulierungen wie der weglose Weg. Oder Nicht-Zen. Oder Nicht-Nicht-Zen.

„Ein Sannyasin ist nicht nur frei, er ist Freiheit!“ Das ist nur möglich, wenn er weder identifizierbar ist noch sich selbst mit was auch immer identifiziert.

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13 Antworten zu Was sind die Eigenschaften eines Sannyasins?

  1. Selma schreibt:

    Wundervoll dieser Osho, ich liebe ihn, er ist so herrlich verrückt.

    „Sorbas der Buddha – Verbindung zwischen Himmel und Erde

    Meine Vision des neuen Menschen ist eine Verbindung von Sorbas dem Griechen und Gautama dem Buddha. Dieser neue Mensch ist „Sorbas der Buddha“ – sinnenfreudig und spirituell zugleich. Durch und durch in der Materie beheimatet und in den Sinnen verwurzelt, ein Genießer des Körpers und alles dessen, was durch den Körper ermöglicht wird. Und zugleich ein Mensch von hohem Bewusstsein und großem Gewahrsein. Sorbas u n d Buddha in einem – das hat es noch nie gegeben!

    ….

    Der Mensch ist nie in seiner Ganzheit akzeptiert worden. Das hat viel Unglück und Leid gebracht, eine große Finsternis, eine seit Jahrtausenden währende dunkle Nacht, die kein Ende zu nehmen scheint. Wenn der Mensch nur auf den Körper hört, ist sein Dasein zur Bedeutungslosigkeit verurteilt. Wenn er nicht auf seinen Körper hört, ist er zum Leiden verurteilt – zu Hunger, Durst und Armut. Wenn er nur auf sein Bewusstsein hört, verläuft sein Wachstum einseitig – das Bewusstsein wächst, aber der Körper verkümmert. Das Gleichgewicht geht verloren. Aber nur im Gleichgewicht liegt eure Gesundheit, liegt eure Ganzheit, im Gleichgewicht liegt eure Freude, euer Singen und Tanzen.

    Der Westen hat sich dafür entschieden, auf den Körper zu hören. Und er hat sich vollkommen taub gestellt, was die Wirklichkeit des Bewusstseins angeht. Das Ergebnis ist eine hoch entwickelte Wissenschaft, eine hoch entwickelte Technik, eine wohlhabende Gesellschaft mit einem Reichtum an allen weltlichen, profanen Dingen. Und inmitten des Überflusses steht der arme Mensch – völlig verloren, ohne Seele, nicht wissend, wer er ist, nicht wissend, wozu er da ist. Er fühlt sich beinahe als Zufallsprodukt, als bloße Laune der Natur.

    Der Osten verlegte sich auf das Bewusstsein udn verurteilte die Materie und alles Materielle, den Körper eingeschlossen, als M a y a, als trügerischen Schein, als Fata Morgana in der Wüste, als Illusion ohne Wirklichkeit. Der Osten hat eine lange Kette von Menschen des höchsten Bewusstseins hervorgebracht: Gautama Buddha, Mahavira, Patanjali, Kabir, Farid, Raidas. Aber er hat auch millionenfach die Ärmsten der Armen hervorgebracht, die hungern udn wie die Hunde sterben – aus Mangel an Nahrung, sauberem Trinkwasser, ausreichender Kleidung und Obdach.

    Sorbas der Buddha ist die Lösung. Er stellt die Synthese von Materie und Seele dar. Er ist ein Manifest dafür, dass zwischen Materie und Bewusstsein kein Konflikt herrschen muss und dass wir den Reichtum beider Welten genießen können. Er ist der neue Mensch, ein Rebell. Seine Rebellion. Er ist ein Manifest dafür, dass Körper und Seele eine Einheit blden. Die ganze Schöpfung ist erfüllt von Spiritualität – selbst die Berge sidn lebendig, selbst die Bäume sind empfindsam. Vielleicht ist sie ein und dieselbe Energie, die sich auf zwei Arten manifestiert – als Materie und als Bewusstsein. Diese Energie drückt sich in geläuterter Form als Bewusstsein aus und in roher, ungeläuterter, grobstofflicher Form erscheint sie uns als Materie. Doch die ganze Existenz ist ein einziges Energiefeld….

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Selma,

      danke für den wundervollen Text!

      Ein Missverständnis könnte entstehen, wenn geglaubt würde, dass all das, was Osho hier beschreibt, machbar wäre. „Ich will ein ‚Sorbas der Buddha‘ sein“. Oder wenn geglaubt würde, ein „Sorbas der Buddha“ zu sein. Alexis Sorbas war einfach der, der er war, ohne jemand sein zu wollen, der er nicht war. Und von Buddha kann man nur dasselbe sagen. Es ist genau diese Unschuld des kleinen Kindes, das nichts sein will und nicht glaubt, irgendetwas zu sein.

      Es ist nun mal nicht machbar. Wer es zu sein versucht, hat schon alles verfehlt. Wer es zu sein versucht, kann bestenfalls ein „Sorbas der Buddha“-Abziehbildchen werden.

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    • Stefan Schnepf schreibt:

      Deshalb übe ich für´s TaiJiQuan: um immer wieder jetzt ´s Gleichgewicht zu finden und spüren, manchmal stören mich meine Gedanken und Gefühle ganz erheblich dabei….
      Tut mir gut, wenn ich ´s denn praktiziere und weniger, wenn nicht…

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  2. fröschin schreibt:

    Lieber Nitya,

    wir definieren ständig. Haben für uns und andere gerne eine einfache Schublade bereit. Ohne Definition scheinbar keine Sicherheit. Eben habe ich den „Tatort“ gesehen. Er spielte in einer jüdischen Gemeinde und gezeigt wurden auch die traditionellen Riten. Auch so ein sicherer Halt.

    Es erscheint mir immer wieder so, als verblöde etwas (auch ich) dann, wenn nicht mehr in Frage gestellt wird. Wenn aus traditionellen Gründen etwas getan wird, was vielleicht schon lange als unsinnig gesehen werden könnte, würde man nur wirklich hinsehen. Denn dann nähme ich mir vielleicht auch die Sicherheit. Lass also alles beim Alten. Nur nicht daran rühren.

    Und dazu gehört natürlich auch, dass ich nicht lese, was da jemand geschrieben hat, weil es meine Sicherheit vielleicht zerstören könnte. Ich konzentriere mich auf die Geschichten, die mir natürlich auf Anhieb dazu einfallen. Und schon kann ich bei meinem Weltbild bleiben.

    Und ich baue eine Identität auf. Das kann zunächst noch als Spiel gedeutet werden.“ Heute bin ich mal die zarte, poetische Blume! Morgen bin ich der kracherte Bauerntrampel!“

    Solange ich es noch als Spiel im Spiel erkenne – wunderbar. Aber wie oft beginne ich mit dieser neuen Identität zu kokettieren? Diese Identität gibt mir Halt und Sicherheit. Und sie stellt mich womöglich noch über andere. „Ich bin der letzte noch schweigende Mönch.“ „Früher war ich eine wunderschöne Frau, die von den Männern umschwärmt wurde. Heute ist mir das unwichtig, ich bin ein weise Frau geworden“. „Die anderen sind so anders – nur ich bin richtig.“

    Natürlich fällt mir das bei anderen auf. Denn ich bin ja richtig. Und, da ich es so selbstironisch schreibe, kannst Du jetzt natürlich davon ausgehen, dass ich darüber stehe und meinen eigenen Anteil sehe – und schon dadurch der letzte noch schweigende Mönch bin😉

    Gott, bin ich toll!  Und schon lande ich wieder in der nächsten Schublade.

    Wie langweilig doch so ein Drang zur Selbst-Definierung ist. Und da bin ich dann wieder bei den Riten. Diese in Fels gemeisselten Dummheiten. Die einen essen den Leib Christi (aber wohlgemerkt: den wahrhaftigen), andere binden sich Lederriemen um die Arme und rasieren sich als Frau den Schädel um ihn dann mit einer Perücke zu schmücken. Und aus Zen wird Meditationsakkrobatik oder für andere die Flucht vor der sog. Wirklichkeit.

    Und passt Du nicht in meine Schublade, dann mach ich Dich passend – Prokrustes hat es ja hinbekommen.

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    • Nitya schreibt:

      „Wie langweilig doch so ein Drang zur Selbst-Definierung ist.“

      Liebe Fröschin,

      ganz so langweilig scheint es ja nun doch nicht zu sein, dieses Spiel des Versteckens und Entdeckens und erneuten Versteckens und Entdeckens … die Matrjoschka in der Matrjoschka in der Matrjoschka … bis alle Matrjoschkas entdeckt wurden und keine mehr übrig bleibt. Und dann kann das Spiel wieder von vorn beginnen.

      Niemand will Jemand sein, um nach tausend Variationen zu entdecken, dass da nie ein Jemand war. Und möglicherweise geht das Spiel dann weiter, diesmal bewusst als Spiel. Niemand spielt Jemand – was für ein Spaß! Das große Spiel der Täuschung und der Enttäuschung.

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  3. Selma schreibt:

    Da ALLES WAS IST EINS ist, ist es also auch Täuschung, Ent-Täuschung, Vorstellung, Verstellung, Vor lauter Nichtichen kann ich auch vom Ich eingeholt werden, das dauernd sagt, „das ist doch alles nur Illusion“, Vorstellung, Konzept. Wer vermiest mir denn das Spiel mit Niemand ist Jemand? doch immer das Ich. Und doch und doch ist auch dieses Ich-Spielen DAS Eine, was eben nicht in Worte zu fassen ist, das genau dieses Ich-en so sehr genießt, dass all das herausgekommen ist, was sich Ich nennt. Religionen, Wissenschaft, Politik, Poesie, Bücher, Geschichten, Märchen, Ilusionen, Ideen, usw. Wie schade, wenn es das alles nicht gäbe.

    Als ich geboren wurde als dieser Mensch, war ich ein unbewuastes Kind, heute bin ich ein bewusstes Kind, das weiß, dass alles da ist, um zu spielen. Unbewusst ist klasse, halb bewusst ist Sch,…, ganz bewusst ist superklasse. In diesem WIEDER werden wie ein Kind war doch glatt so ein Ding wie Bewusstsein versteckt, da kann ich nun so herrlich-weiblich-kindlich-göttlich mit spielen. Und wie oft werde ich da wieder genauso unbewusst wie als kleines Kind, vergesse mich als Ich. Doch wenn ich mich wieder erinnere, dass ich ein Mensch bin, ist das nun auch genauso klasse, wie wenn ich vor lauter Selbstvergessenheit im jeweilien Moment aufgehe. So spielt die formlose unsichtbare Lebenskraft als Form, der blanke Wahnsinn, genial, elementar, gigantisch, zärtlich, sinnlich schön.

    Denn nun ist bei mir auch abgefallen, dass sich vor lauter Achten darauf, dass es ja gar kein Ich gibt, keine getrennte Person, alles verkrampft. Entweder wird klar gesehen, dass das Ich ebenfalls DAS ist oder eben nicht. Was solls. Solange da noch ein Aufpasser im Hintergrund mit dem erhobenen Zeigefinger darauf zeigt: STOP, es gibt kein Ich, es gibt keine Person, es gibt keine … was auch immer, wer ist das dann? wenn nicht genau dieses Ich samt Verstand?

    Der Mann ohne Eigenschaften, mannomann, wasn dicker Schinken😉 Ich bin ab sofort eine Selma mit lauter Eigenschaften, Mal iche nicht, mal nicht, und ohja ES oder ICH, oder Selma oder sonstwer fließt über vor lauter Lebensfreude, sonst platzt sie. Gestern abend sah auch ich diesen Tatort und tiefe tiefe Rührung tauchte in mir auf. Die Erinnerung an die unzähligen Stunden, die ich mit der Bibel „lebte“, fühlte ich voller Zärtlichkeit. Ich studierte sie ja nicht nur mit dem Kopf, sondern lebte sie auc h mit dem Herz. Und so sah ich hinter diesen ganzen Riten DAS EINE. Dieser Schabbes, Assistent, Gehirnhautentzündung, ja der war ebenfalls tief berührend. Aber auch all die anderen Menschen, die mitspielten in diesem Spiel, Jude zu sein und ich dachte noch so vor mich hin, dass Juda ja nur einer der 12 Stämme Israels ist und dass ja das Judentum gar keine Religion ist, sondern dass es um die Befreiung aus der Sklaverei der Ägypter ging. Und dann freute ich mich so sehr, wie großartig die Schauspieler dieses Spiel spielten. Was wäre, wenn sie alle plötzlich „erwachten“ und aufhörten, zu spielen, weil alles nur ein Märchen ist? Da könnte ich ja gar keine Krimis mehr gucken, das wäre so unsagbar traurig.

    Dieser Schabbes, der junge Mann zeigte, wie das Spiel mit ganzer Hingabe gespielt wird. Er kam nicht auf die Idee, an all den Sitten und Gebräuchen zu zweifeln. Er lebte sie mit allen Sinnen. So geht es, das Spiel. Egal ob ich Jude, Christ, Moslem, Atheist, Sorbas oder Buddha spiele. Ich muss nicht andauernd darüber nachdenken, dass es ja nur ein Spiel ist. Wenn ich spiele, dann werde ich zum Teil des Filmes und dann ist das ganz echt und wirklich und ich bin wirklich dieses Spiel voll und ganz. Genauso sehe ich auch inzwischen wieder alle Filme. Ich frage nicht mehr danach, ob es wahr ist oder nicht, ich spiele einfach mit und das ist so aufregend, dass ich nach ganz spannenden Krimis einen total verkrampften Bauch habe, so sehr habe ich mitgespielt. Genauso kann ich aber auch wieder eine Person sein, es macht inzwischen ebenfalls wieder viel Freude. Im Hintergrund ist ja dieses Zuhausesein immer präsent, wie es eben ganz früher mal als kleines Kind war. Ich fühle mich dann als Ich nicht mehr getrennt von irgendetwas. So ist Dualität absolut super. Yeah Yeah Yeah.

    Advaita-Sprech? Wird das auch bereits wieder ne Ich-Religion, die unbedingt auf jeden Pieps achtet, der irgendwas mit Ich zu tun hat? puuuuuuuuh….

    Selma

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  4. Selma schreibt:

    Noch so ein Sannyasin..

    Wolf Schneider wurde 1952 in Tübingen geboren und wuchs im Umfeld der Max-Planck-Institute Seewiesen auf, geprägt durch seinen Vater, der in der biologischen Grundlagenforschung tätig war. Nach einem Abitur mit Bestnote studierte er in München vier Jahre lang Naturwissenschaften und Philosophie (u.a. bei Wolfgang Stegmüller und Carl-Friedrich von Weizsäcker). Die Suche nach dem Sinn des Lebens trieb ihn jedoch unwiderstehlich aus den heimatlichen Gefilden hinaus, und so begab er sich ohne Universitätsabschluss auf Weltreise. Die führte ihn für einige Jahre nach Süd- und Südostasien. Dort trat er 1976 für sechs Monate in ein buddhistisches Kloster ein (traditionell initiiert in pabbaja, die »Heimatlosigkeit«) und wurde 1977 Schüler von Osho, der ihm den buddhistischen Namen Sugata gab.

    Wer übernimmt?
    Zwanzig Jahre sind eine lange Zeit. So lange hat der Verlag, der diese Zeitschrift herausgibt, nun seinen Sitz in diesem großen Haus in Niedertaufkirchen. Viele Menschen haben wir gewohnt, uns besucht, sind ein- und ausgegangen. Dank Internet ist unsre Produktion, auch die der gedruckten Zeitschriften, nun allerdings »virtueller« geworden. Der Verlag braucht den physischen Ort dieses Hauses nicht mehr – und bewegt sich weiter..“

    Ich habe vor einigen Jahren bei Wolf Schneider zwei online-Kurse – schreiben lernen – absolviert. Er war mir auf Anhieb sehr sympathisch. Ein Ausspruch von ihm begleitete mich lange:

    „Den Büffel auf den Marktplatz reiten!“ –

    übersetzt ungefähr: Vor der Erleuchtung Holz hacken, nach der Erleuchtung Holz hacken. So gibt es immer wieder Abschiede, diesmal den physischen Abschied vom Connectionhaus. Es ist ein Geschenk, dass es ihn gibt, den Wolf, genau wie du ein Geschenk bist lieber Nitya, danke. Ja ich weiß, es ist ein Lob, doch schreibt ES , weil es so aus mir schreibt, nicht weil ein Ich es so entscheidet.

    http://www.connection.de/wir-ueber-uns/wer-wir-sind/das-connectionhaus-ist-zu-verkaufen.html

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  5. Brigitte schreibt:

    „So gibt es immer wieder Abschiede […]. Es ist ein Geschenk […].“

    Heute bis in den Nachmittag hinein geschlafen und aus einem Traum erwacht:

    Die Atmosphäre war dicht. Menschengewimmel. Mehr zu spüren, als zu sehen. Es roch nach Aufbruch und Abschied. Ich befand mich auf einem großen Bahnhofsgelände und beobachtete einen Zug, der gerade langsam durchfuhr. Plötzlich sah ich einen Mann rennen, mit einem blauen Baumwollbeutel in der Hand, Unmengen von Geld darin. Er wollte diesen „Goldschatz“ in Sicherheit bringen. Sehr aufgeregt versuchte er, den Zug zu erreichen und in letzter Sekunde aufzuspringen. Er schaffte es nicht und verlor dabei seine Tasche, die unter den Zug geriet. Als er vorbei gefahren war, sah ich ein großes Feld ineinander verwobener Gleise, auf dem viel Müll herumlag. Der Mann lief entsetzt wegen des Verlusts zum Personal und erzählte sein Missgeschick. Die Leute fingen an, das Gelände abzusuchen. Der gefüllte Beutel blieb unauffindbar. Der Mann war verschwunden.

    Während dessen verabschiedete ich mich von einer Frau, ein wenig bedrückt, denn wir wussten beide, der Abschied war endgültig. Plötzlich befand ich mich auf einer riesigen belebten Wiese. Die Stimmung war entspannt und heiter. Ich schaute zur großen Brücke hinauf. Dort stand sie und winkte mir zum Abschied noch mal fröhlich zu. Für eine kurze Weile uns ganz nah. Plötzlich rief sie zu mir herüber: „Ich liebe Dich.“ Drei Mal hintereinander. Überrascht erwiderte ich den Ruf. Immer lauter. Immer inniger. Dieser Moment war unglaublich befreiend und von einer unbändigen Freude erfüllt. Glücklich und gelöst konnten wir uns leichten Herzens gehen lassen. Dem Wertvollsten gewiss.

    ____________________

    MATTINA
    M’illumino
    d’immenso

    MORGEN
    Ich erleuchte mich
    Durch Unermeßliches

    Giuseppe Ungaretti

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  6. Wir Sind Eins schreibt:

    Die Freiheit muss von Anfang an da sein, sie kommt nicht dadurch, dass man über sie nachdenkt.

    Liebe ist nur möglich wenn Freiheit da ist, denn wenn Sie an etwas gebunden sind beginnt die Koruption und mit ihr endet die Liebe. Wenn Sie sagen Sie sind ein Christ, können Sie nicht lieben, weil Liebe setzt Freiheit voraus.

    Wahrheit, Freiheit und Liebe ist da wo Sie sind, nicht in Jerusalem, in Mekka nicht! Wer Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, verdient weder Freiheit noch Sicherheit.

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    • Nitya schreibt:

      Abgesehen davon, dass Freiheit nur ein Wort ist, also ein Gedanke, muss Freiheit – und ich meine damit absolute Freiheit – nicht da sein, sondern ist bereits schon immer da. Sie hat weder etwas mit Nachdenken zu tun, noch mit einem Christen, einem Sannyasin, einem Muslim oder mit was auch immer, weil sie unbedingt ist.

      Sobald die Person ins Spiel kommt und damit die Bedingtheiten, ist es scheinbar vorbei mit der Freiheit. Dann kann man höchstens noch von relativen Freiheiten sprechen.

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      • Stefan Schnepf schreibt:

        …und es ist mir doch durch diese relative, polare Welt gegeben, mich zu erfahren…
        was für ein messbarkeitsloser Reichtum…
        …und ohne all das und dieses….
        was für eine messbarkeitslose Armut…..

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      • Nitya schreibt:

        Dazu fällt mir gleich wieder eines meiner Lieblings-Haiku ein:

        diese Welt –
        ist eine Tautropfenwelt –
        und doch …
        (Issa)

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  7. Paulina schreibt:

    Ich sehe das genauso
    Shalom

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