Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.

Dieser Satz steht bei Johannes 1,5. Ich erinnere mich, als ich zwanzig war, habe ich ihn mal bildnerisch umzusetzen versucht. Dieser Satz hatte mich einfach umgetrieben. Es war vor allem der 2. Teil des Satzes: Die Finsternis hat es nicht begriffen. Ich versuchte mich verständlich zu machen und wollte das mit anderen teilen, was Johannes hier “das Licht” nennt, und stieß nur auf Unverständnis und Ablehnung. Ein bisschen war es wie mit dem absoluten Gehör. Ich wusste ganz genau, welcher Ton da erklang und konnte nicht fassen, dass das sonst kaum jemand auch hören konnte. Wie willst du einem Farbenblinden eine Farbe erklären? Das ist ja alles noch relativ einfach, aber wie willst du jemandem erklären, was es gar nicht gibt? Was es nicht gibt als ein Etwas, das man sehen, hören oder sonst wie mit seinen Sinnen begreifen kann?

Du redest wie mit Engelszungen auf den anderen ein und der guckt dich mit großen runden Augen an und denkt “der spinnt” oder er fühlt sich verarscht und flippt aus und du kannst es einfach nicht rüber bringen. Ich weiß noch gut, wie verzweifelt ich damals oft war und wie allein ich mich damit gefühlt habe. Ich habe nicht begriffen, dass ich fast immer mit dem Verstand redete und dass dieser Verstand die Finsternis ist, von der Johannes da spricht. Der Verstand, der nur objektivieren kann, kann unmöglich das, was kein Objekt ist, erfassen.

Und das Licht – leuchtet trotzdem. Es leuchtet inmitten der Finsternis und kann nicht anders, als immer und ewig zu leuchten. Auch wenn es die Finsternis in alle Ewigkeit nicht erfassen kann.

Das alles klingt jetzt mächtig nach Zweiheit. Hier das gute Licht und da die böse Finsternis. Fast wie Himmel und Hölle. Ein endloser Kampf. So wie in diesem kleinen Filmchen: Shiva Nataraja im Kampf mit Shakti in Gestalt einer Stubenfliege.

Genau dies ist die dualistische Vorstellung. Aber damit es nicht zur Verwirrung kommt: Shiva ist das Unsichtbare, Unbegreifliche, Namenlose und nicht wie hier im Film dargestellt eine handelnde Person. Im Film kämpfen zwei Objekte gegeneinander, man sieht also zweimal Shakti, denn wie geschrieben: Shiva ist kein Objekt, daher nicht sichtbar. Im Film kämpft also Shakti in der Symbolgestalt des Shiva Nataraja gegen Shakti in Gestalt einer Fliege. Und die Spinne am Schluss ist natürlich auch Shakti. Alles Sichtbare ist jedoch eine Manifestation des unfassbaren Shiva. Zur Erinnerung: Shiva und Shakti, Licht und Finsternis, “Welt” und “nicht von der Welt” sind vollkommen eins.

Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.

Das Licht des Gewahrseins leuchtet durch alles hindurch, was durch es und in ihm erscheint. Und die Finsternis – kann es nicht erfassen. Nicht weil sie zu dumm ist, sondern weil sie das falsche Instrument dafür ist. Keine Anstrengung der Welt kann daran etwas ändern.

Das Licht kann nicht gesehen werden, weil es kein Objekt ist. Das Warten auf das Erscheinen eines hellen Lichtes wäre also vergebliche Liebesmühe. Erst wenn der Wartende und sich Bemühende verschwunden ist, erst wenn das angebliche Subjekt verschwunden ist und mit ihm alle angeblichen Objekte, kann sich die Einheit von Licht und Finsternis offenbaren. Nicht als ein neues Objekt, das man nun bestaunen könnte, sondern in einem ganz neuen nichtseienden Sein.

Meine Güte, was ist das alles für ein Gestammel!

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2 Antworten zu Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.

  1. hans peter schreibt:

    ja und das nichtsseiende sein ist so wie die dunkelheit grenzenlos
    denn das dunkel(das nichts ist nungefüllt mit licht )und ist somit ein neues gefühl also,gefüllte dunkelheit mit licht,grenzenloses sein!das aus sich selbst heraus immer wieder neu entstehende
    ein lichter gedanke der unendlichkeit
    noch mehr gestammel ;-)

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