Gemeinsame Werte mit einer Diktatur?

Da sind wir ja schön beim Thema.

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Verteidigungsministerin von der Leyen hat in einer schneidigen Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz die Politik der Bundesregierung klar umrissen. Sie anerkenne die Aufforderung der USA, sich an den Kosten des Bündnisses adäquat zu beteiligen. Das bedeute, so wie gleich Fachleute ausrechneten, die Erhöhung des bundesrepublikanischen Wehr-Etats um 30 Milliarden Euro. Des Weiteren verwies sie darauf, dass es sich aus ihrer Sicht bei der NATO nicht nur um ein militärisches Zweckbündnis, sondern um eine Wertegemeinschaft handele. Damit sind, zwar nicht direkt erwähnt, aber in anderen Kontexten immer wieder genannt, die mit der Demokratie verbundenen Werte wie Meinungs- und Pressefreiheit, Koalitionsrecht etc. gemeint. Das Attribut der Wertegemeinschaft angesichts der gegenwärtigen Entwicklung einiger NATO-Staaten zu bemühen, ist entweder töricht oder ein ideologisches Manöver. Letztere gehören immer mehr zum Sortiment der NATO-Kommunikation und verweisen auf einen eisigen Zustand.

Bekanntlich ist die Türkei ein NATO-Mitglied. Bekanntlich hat die Türkei im Syrienkrieg zunächst den IS unterstützt…

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Ikkyû Sôjun: Die Blume des Dharma

 

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Gautama Buddha verkündete fünfzig Jahre lang den Dharma, und als sein Schüler Kâshyapa nach dem Schlüssel zu seiner Lehre fragte, antwortete er: „Von Anfang an habe ich nicht ein einziges Wort verkündet.“ und hielt eine Blume hoch. Kâshyapa lächelte und Buddha überreichte ihm die Blume mit den Worten: „Du besitzt den wunderbaren Geist des wahren Gesetzes. Mein fünfzig Jahre dauerndes Predigen hat dich stets angezogen, so wie ein Kind, dem man eine Belohnung verspricht.“

Diese Blume des Dharma kann weder mit dem Körper noch mit dem Geist oder mit Worten erfasst werden. Sie ist weder materiell noch spirituell noch intellektuelles Wissen. Unser Dharma ist die Blume des einen Fahrzeugs, das die Buddhas von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft befördert, die achtundzwanzig indischen und sechs chinesischen Patriarchen. Sie ist der ursprüngliche Grund des Daseins. Alle Dinge sind ohne Anfang und beinhalten daher alles. Die sechs Sinne, die vier Jahreszeiten und die vier großen Elemente haben alle ihren Ursprung in der Leere, doch nur wenige Menschen erkennen dies. Wind ist Atem, Feuer ist Belebtsein, Wasser ist Blut, und wenn man den Körper bestattet, wird er zu Erde. Auch diese Elemente sind anfanglos und vergänglich

In dieser Welt
ist wirklich alles
ausnahmslos unwirklich.
Sogar der Tod
ist eine Täuschung.

aus: Ikkyû Sôjun, „Gedichte von der Verrückten Wolke“

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„Mein fünfzig Jahre dauerndes Predigen hat dich stets angezogen, so wie ein Kind, dem man eine Belohnung verspricht“, soll er gesagt haben, der ehrenwerte Herr Gautama. Und alles für die Katz, alles Nonsens, der nur eine Aufgabe hatte: Kâshyapa mit diesen unzähligen Worten in der Hoffnung auf eine Belohnung anzuziehen. Fünfzig Jahre! Und dann endlich – Kâshyapa lächelte, und Gautama sah, dass die Flamme weiter gewandert war. Hat Gautama der Buddha tatsächlich irgendwelche Versprechungen gemacht? Ich kann das ja nicht behaupten, aber ich kann’s mir nicht vorstellen. Es ist nur so, dass die ganze Welt rumrennt und sich etwas erhofft, was sie nicht zu haben glaubt. Ein Gautama Buddha muss nichts versprechen, aber er scheint das vielleicht zu haben, was ich haben will. Also muss ich gut zuhören, was er sagt, dann werde ich es auch bekommen. Ich habe mir selbst daraus sein Versprechen gebastelt, an das ich glauben will. Seither, und nicht erst seit Gautama Buddha, rennt ein Heer von Enttäuschten auf der Welt herum, die sich und der Welt beweisen wollen, dass sie es nun auch haben. Sie bauen sich Tempel und putzen sie mordsmäßig heraus mit Bildern und Statuen und errichten ein umfangreiches Ritual- und Regelsystem. Das ganze nennt sich dann Religion und wir dürfen uns darüber streiten, ob der Islam zu Deutschland gehört.


Gautama Buddha hielt eine Blume hoch. Kâshyapa lächelte und Buddha überreichte ihm die Blume. Mehr is nich. Na ja, und wenn ihr Worte braucht, dann erinnert euch an das, was Ronny gestern gesagt hat: „Bleib einfach still mit dem, was ist.“ Oder Heinz Butz: „Spüren Sie’s?“ Na, versucht mal daraus eine Religion zu basteln! Obwohl, ich bin mir nicht sicher, vielleicht schaffen diese ewigen Sucher selbst das.

Was soll Gautama Buddha dem Massenmörder Angulimala gesagt haben: „Ich stehe schon, Angulimala. Bleib auch du stehen.“ Oder eben, bleib still mit dem, was ist.

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Wolfgang Borchert: Dann gibt es nur eins!

 

 
Du. Mann an der Maschine und Mann in der Werkstatt. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst keine Wasserrohre und keine Kochtöpfe mehr machen – sondern Stahlhelme und Maschinengewehre. dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Mädchen hinterm Ladentisch und Mädchen im Büro. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst Granaten füllen und Zielfernrohre für Scharfschützengewehre montieren, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN! Du. Besitzer der Fabrik. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst
statt Puder und Kakao Schießpulver verkaufen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Forscher im Laboratorium. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst einen neuen Tod erfinden gegen das alte Leben, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Dichter in deiner Stube. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst keine Liebeslieder, du sollst Haßlieder singen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Arzt am Krankenbett. Wenn sie dir morgen befehlen, du
sollst die Männer kriegstauglich schreiben, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Pfarrer auf der Kanzel. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst den Mord segnen und den Krieg heilig sprechen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Kapitän auf dem Dampfer. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst keinen Weizen mehr fahren – sondern Kanonen und Panzer, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Pilot auf dem Flugfeld. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst Bomben und Phosphor über die Städte tragen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Schneider auf deinem Brett. Wenn sie dir morgen befehlen,
du sollst Uniformen zuschneiden, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Richter im Talar. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst zum Kriegsgericht gehen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Mann auf dem Bahnhof. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst das Signal zur Abfahrt geben für den Munitionszug und für den Truppentransport, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Mann auf dem Dorf und Mann in der Stadt. Wenn sie morgen kommen und dir den Gestellungsbefehl bringen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Mutter in der Normandie und Mutter in der Ukraine, du, Mutter in Frisko und London, du, am Hoangho und am Mississippi, du, Mutter in Neapel und Hamburg und Kairo und Oslo – Mütter in allen Erdteilen, Mütter in der Welt, wenn sie morgen befehlen, ihr sollt Kinder gebären, Krankenschwestern für Kriegslazarette und neue Soldaten für neue Schlachten, Mütter in der Welt, dann gibt es nur eins:
Sagt NEIN! Mütter, sagt NEIN!
Denn wenn ihr nicht NEIN sagt, wenn IHR nicht nein sagt, Mütter, dann:
dann:
In den lärmenden dampfdunstigen Hafenstädten werden die großen Schiffe stöhnend verstummen und wie titanische Mammutkadaver wasserleichig träge gegen die toten vereinsamten Kaimauern schwanken, algen-, tang- und muschelüberwest den früher so schimmernden dröhnenden Leib, friedhöflich fischfaulig duftend, mürbe, siech, gestorben –
die Straßenbahnen werden wie sinnlose glanzlose glasäugige Käfige blöde verbeult und abgeblättert neben den verwirrten Stahlskeletten der Drähte und Gleise liegen, hinter morschen dachdurchlöcherten Schuppen, in verlorenen kraterzerrissenen Straßen –
eine schlammgraue dickbreiige bleierne Stille wird sich heranwälzen, gefräßig, wachsend, wird anwachsen in den Schulen und Universitäten und Schauspielhäusern, auf Sport- und Kinderspielplätzen, grausig und gierig, unaufhaltsam – der sonnige saftige Wein wird an den verfallenen Hängen verfaulen, der Reis wird in der verdorrten Erde vertrocknen, die Kartoffel wird auf den brachliegenden Äckern erfrieren und die Kühe werden ihre totsteifen Beine wie umgekippte Melkschemel in den Himmel strecken –
in den Instituten werden die genialen Erfindungen der großen Ärzte sauer werden, verrotten, pilzig verschimmeln –
in den Küchen, Kammern und Kellern, in den Kühlhäusern und Speichern werden die letzten Säcke Mehl, die letzten Gläser Erdbeeren, Kürbis und Kirschsaft verkommen – das Brot unter den umgestürzten Tischen und auf zersplitterten Tellern wird grün werden und die ausgelaufene Butter wird stinken wie Schmierseife, das Korn auf den Feldern wird neben verrosteten Pflügen hingesunken sein wie ein erschlagenes Heer und die qualmenden Ziegelschornsteine, die Essen und die Schlote der stampfenden Fabriken werden, vom ewigen Gras zugedeckt, zerbröckeln — zerbröckeln — zerbröckeln —
dann wird der letzte Mensch, mit zerfetzten Gedärmen und verpesteter Lunge, antwortlos und einsam unter der giftig glühenden Sonne und unter wankenden Gestirnen umherirren, einsam zwischen den unübersehbaren Massengräbern und den kalten Götzen der gigantischen betonklotzigen verödeten Städte, der letzte Mensch, dürr, wahnsinnig, lästernd, klagend – und seine furchtbare Klage: WARUM? wird ungehört in der Steppe verrinnen, durch die geborstenen Ruinen wehen, versickern im Schutt der Kirchen, gegen Hochbunker klatschen, in Blutlachen fallen, ungehört, antwortlos, letzter Tierschrei des letzten Tieres Mensch – all dieses wird eintreffen, morgen, morgen vielleicht, vielleicht heute nacht schon, vielleicht heute nacht, wenn – wenn – wenn ihr nicht NEIN sagt.

aus: Wolfgang Borchert, Das Gesamtwerk, Rowohlt 1986, Seite 318 ff

 

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Ronny: Bleib einfach still mit dem, was ist

 

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„Die Welt“ will dir Vorstellungen verkaufen…

Greif nicht zu, bleib einfach still.

„Die Welt“ ist am Rennen, du bleibst einfach still, mit dem was ist.

In dir rennt es …damit bleib still…

Du meinst du kannst nicht still sein, damit sei still,

und es kommt von selbst zu Ruhe. Darin erfasst sich die Stille selbst.

Du bist am Rennen, du bist in Vorstellungen…

Ja so mag es sein.

Es kommt aus sich heraus zu Ruhe, die Stille erfasst sich von selbst,

bleib einfach still mit dem was ist.

aus: Ronny, „Bleib einfach still

sMeine Kleptomanie hat wieder mal voll zugeschlagen, als ich das las. Das musste ich einfach dem Ronny klauen. Wenn Ronny sagt: „Sei einfach still“, meint er damit nicht „Halt einfach dein Maul!“ Ich mein, Letzteres wäre ja durchaus verzeihlich und nachvollziehbar, wenn jemand nur noch Stammtischgequatsche vom Stapel lässt. Nein, Ronny meint etwas ganz anderes. Wenn ihr auf das Bild schaut, das er aus Indien mitgebracht hat, könnt ihr vielleicht ganz ohne Worte verstehen, was er sagt. Da steht der Ochse ruhig und gelassen auf der Straße und dass da hinter ihm vermutlich eine Motorrikscha vorbeirast, geht ihm glatt am Arsch vorbei. „‚Die Welt‘ ist am Rennen, du bleibst einfach still, mit dem was ist.“ „Draußen“ oder „drinnen“ – es ist alles „Welt“. „Greif nicht zu, sei einfach still.“ Wer nicht zugreift, kommt gar nicht erst auf die Idee anzuhaften. Aber wenn da schon ein Zugreifen geschieht, dann sei mit dem still und das Anhaften verschwindet ganz von allein wieder. Wenn du mit dem still bist, was immer gerade ist, kommt alles zur Ruhe. Ich finde, Ronny hat das  ganz wundervoll ausgedrückt. Jedes hinzugefügte Wort ist eigentlich ein Wort zu viel. Deshalb halt ich alter Sabbelkopp jetzt auch mein Maul.

Lieber Ronny, danke!

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So und jetzt hört ihr noch ein paar Worte von Ronny für die, denen der Ochse nicht genügt. Aber eigentlich ist da nur der Ochse, der still ist.

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Ramesh Balsekar: Wo kann der Sucher hoffen, etwas zu finden?

 

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Der Sucher fragt: „Du sagst, ‚MIND ist der Buddha‘, aber welcher Mind ist der Buddha – der gewöhnliche Mind oder der Erleuchtete Mind? Die Lehre der Drei Fahrzeuge besagt, dass beide existieren. Warum verneinst du das?“

Der Meister [Huang-po] antwortet: „Die Lehre der Drei Fahrzeuge besagt klar, dass sowohl der gewöhnliche als auch der Erleuchtete Mind Täuschungen sind. An der Idee zu hängen, dass Dinge existieren, die illusionär sind, verbirgt den MIND vor dir. Als Bodhidharma in den Westen kam, wies er überdeutlich darauf hin, dass die Substanz, aus der alle Menschen gebildet sind, der Buddha ist. Ihr dagegen haltet an Konzepten wie ‚gewöhnlich‘ und ‚erleuchtet‘ fest und ruft damit Gedanken im Außen hervor, wo sie wie Pferde galoppieren.

Daher sage ich euch, dass MIND der Buddha ist. Sobald die gedanklichen Entwürfe entstehen, verfällst du in Dualismus. Anfangslose Zeit und der gegenwärtige Augenblick sind dasselbe – weder dies noch das. Die totale Annahme dieser Wahrheit ist vollständige und nicht zu übertreffende Erleuchtung.“

Zur Klärung fragt der Sucher, was der Meister damit gemeint hat, dass die anfangslose Zeit und der gegenwärtige Augenblick dasselbe sind. Der Meister erklärt, dass es die Suche des Suchers selbst ist, die den Unterschied zwischen ihnen erzeugt. Solche Kategorien haben keine wirkliche Existenz. Wenn also „Mind“ nicht wirklich „MIND“ und wie andere Kategorien auch illusionär ist, wo kann der Sucher dann hoffen, etwas zu finden?

aus: Ramesh Balsekar, „Advaita on Zen and Tao“

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Quelle

Ach ja, wer kennt das nicht! Da kommt jemand und hat eine Frage. Also in aller Unschuld und voller Vertrauen versteht sich und die Frage ist wirklich sehr tief und verrät den heiligen Ernst des Fragenden. Und der auf diese Weise Gewürdigte versucht alsbald sein Möglichstes, die gestellte Frage zu beantworten. Und nun kommt entweder sofort die Antwort des Fragenden oder er führt den Gefragten noch eine ganze Weile mit weiteren Fragen am Nasenring quer durch die Landschaft seines Verstandes. Irgendwann schnappt die Falle zu. Laut oder leise ist wurscht. Und jetzt wird das Spiel schlagartig offensichtlich. Eric Berne hat sogar einen Namen für dieses Spiel: „Jetzt hab ich dich, du Schweinehund.“ Der vermeintlich Fragende triumphiert, hat er doch dem Gefragten gezeigt, dass er nur eine aufgeblasene taube Nuss ist, und der Gefragte kommt auf dem Zahnfleisch daher, so jedenfalls die verborgene Absicht des Fragenden. Letztlich geht es dabei natürlich immer um die Aufrechterhaltung der Ich-Vorstellung.

„Sobald die gedanklichen Entwürfe entstehen, verfällst du in Dualismus“, sagt Huang-po. Und Ramesh erläutert: „Der Meister erklärt, dass es die Suche des Suchers selbst ist, die den Unterschied zwischen ihnen erzeugt. Solche Kategorien haben keine wirkliche Existenz.“ Der Sucher sucht immer nach einem Objekt und wenn das Objekt „Nicht-Objekt“ heißt. „Nicht-Objekt“ ist ein gedanklicher Entwurf, den der Sucher irgendwo einmal aufgeschnappt hat. Und damit ist er zwangsläufig in Dualismus verfallen. Objekt vs. Nicht-Objekt. „Solche Kategorien haben keine wirkliche Existenz.“ Auf gut Deutsch: Hirnwichserei reinsten Wassers. Nun kann ich auch die Anmerkungen von Huang-po und Ramesh mit „Bullshit ist Bullshit“ kommentieren und damit dokumentieren, dass ich nix kapiert habe. Gleichzeitig habe ich damit dokumentiert, dass ich kein Suchender bin, sondern ein Gefunden-Habender, der weiß, wo Barthel den Most holt und sich kein X mehr für ein V vormachen lässt. „Ich bin am Ende meiner Suche angelangt“, ist ein sehr gefährlicher Spruch. Das Ende der Suche ist nämlich das Wissen, dass es nichts zu wissen gibt, und nicht, dass ich was auch immer gefunden habe. Das Ende der Suche ist Stille.

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Karl Renz: Mensch zu sein, ist die schlimmste Inkarnation

 

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Frage: Es heißt, dass man einen menschlichen Körper braucht, um zu …

Karl: Wer sagt das? Einer, der als Mensch verwirklicht hat, was er ist? Wer sonst würde das zur Bedingung machen.

Frage: Shankaracharya.

Karl: Vielleicht wollte er sagen, dass du dich sogar als Mensch verwirklichen musst- schlimm, wie es ist. Mensch zu sein, ist die schlimmste Inkarnation. Nichts ist schlimmer als die Tatsache, dass du ein Mensch sein musst – dass du reflektieren musst und eine Geschichte haben musst und dich an deine Kindheit erinnern musst. Ist das eine Entwicklung? Schau dir eine Stubenflige an – das ist das Ende aller Evolution. Leben für einen Tag. Du wachst morgens auf und abends – bye, bye. Das ist die gesamte Lebenszeit einer Fliege. Was hat die Menschheit erreicht? Elektrizität? Computer? Fernsehen?

aus: Karl Renz, „Worry And Be Happy“

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Karl hat recht mit der Stubenfliege. Es ist nicht der Hund, sondern die Stubenfliege, die das Ende der Evolution repräsentiert. Ein Hund ist einfach zu sehr vom Menschen und seinen absurden Neurosen versaut worden. Versuch mal eine Stubenfliege zu dressieren! Eine Stubenfliege bewahrt sich bis zuletzt unbeirrt ihre Natur. Sehr zum Ärger der Menschen schätzt sie deren Gegenwart und versucht von ihnen abzustauben, was immer sie kriegen kann, dabei kümmert sie es wenig, dass sie als lästig und aufdringlich empfunden wird. Es scheint sie eher anzuspornen, dass Kühe, Pferde, Zenmeister, … sie mit ihren Fliegenwedeln, meist vergeblich, in die Flucht zu schlagen versuchen.

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So wie die Christen immer ihre Drohung mit Hölle und ewiger Verdammnis haben, haben Buddhisten ihre Drohung mit den schrecklichen Folgen durch die Anhäufung von Karma. Wenn du es gar zu doll getrieben hast, ist die Wahrscheinlichkeit riesengroß, dass du in deiner nächsten Inkarnation als Kuh oder Kellerassel wiedergeboren werden wirst. Strafe muss sein. Karl hat ein anderes Schreckensbild parat: Wenn du es gar zu doll getrieben hast, ist die Wahrscheinlichkeit riesengroß, dass du als Mensch wiedergeboren werden wirst. Karl: „Mensch zu sein, ist die schlimmste Inkarnation.“ Also geh und opfere deinem Lieblingsgötzen und flehe ihn an, dass er dafür sorgen wird, dass du im nächsten Leben in der Vollkommenheit einer Stubenfliege erscheinen darfst. Aber mit deiner Klatsche wirst du vermutlich nur auf Mord sinnen und mit einer Klatsche erbarmungslos die Tao the Queen jagen. Solltest du sie tatsächlich trotz deiner unendlichen Langsamkeit einmal erwischen, wirst du für immer ihr Lachen im Ohr haben. Die Drama Queen, jetzt Tao the Queen genannt, ist unsterblich. *)


*) Ihr braucht euch nicht bemühen, das zu verstehen. Das versteht nur die Tao the Queen.

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Drugpa Künleg: keine weiteren Umstände

 

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Zu dem vereinbarten Zeitpunkt erreichte Drugpa Künleg Adzoms Haus und klopfte an die Tür. Das Mädchen antwortete ihm, er solle draußen warten, sie hätte ihre Schärpe noch nicht angelegt.

„Ah! Du wartest also schon auf mich“, sagte er. „Wir brauchen aber keine weiteren Umstände zu machen.“ Und er legt sie gleich auf der Türschwelle nieder und machte Liebe mit ihr. Danach brachte sie ihm Dschang und verwöhnte ihn mit allem, an was er Gefallen fand; er blieb für einige Tage bei ihr, und als er schließlich wieder aufbrechen wollte, flehte sie ihn an, für immer bei ihr zu bleiben.

„Weil dein unterer Lotus eine feste Knospe ist, werde ich für neun Tage zu dir zurückkehren“, versprach er ihr. Für neun weitere Tage, weil du alle Stellungen beherrschst, und noch einmal neun Tage lang werde ich dich besuchen, weil du ein gutes Herz hast.“ Mit diesem Versprechen verließ er sie.

aus: Drugpa Künleg, „Der heilige Narr“

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Noch einmal diese hundsgemeine Frage von Kodo Sawaki: „Alles redet von Liebeshochzeiten, aber ist das nicht eine ziemliche Gefühlsduselei? Geht es nicht letztlich doch nur um Schwanz und Möse? Warum sagt bloß keiner, dass er sich in eine Möse verliebt hat?“ Ich muss gerade an das Betttuch mit besticktem Schlitz an passender Stelle denken, das Rosaura in ihrer Hochzeitsnacht in dem Film „Bittersüße Schokolade“ auf das zukünftige Ehebett ausgebreitet hatte, hoffend, ihren Ehemann gleich darunter empfangen zu können und schwanger zu werden. Der aber träumte von seiner geliebten Tita und tauchte einfach nicht auf. Es gibt kaum einen Bereich, der so verheuchelt und verlogen ist wie der Sex – na ja, Politik natürlich und Religion und … ich glaub, ich hör jetzt lieber auf. Drugpa Künleg hatte mit dieser ganzen verkorksten Lügerei nichts am Hut. Wenn ihm ein Mädchen oder eine Frau gefiel, dann wollte er sie ohne weitere Umstände sofort vernaschen. Also wie ein Rüde, wenn er die Witterung einer läufigen Hündin aufnimmt. Da gibt’s dann kein Halten mehr. Er sollte allerdings vorher nicht zu viel Dschang getrunken haben.


„Aber wir sind doch keine Tiere!“ höre ich schon den einen oder anderen empörten Aufschrei. „Stimmt“, würde ich da sagen, „wir sind verlogener.“ Der große tantrische Meister Drugpa Künleg ist so aufrichtig wie ein Hund. Immer wenn wir uns ein Gebot basteln, wissen wir, dass es uns am Inhalt des Gebotes mangelt. „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten!“ ist, abgesehen davon, dass sich keine Sau dran hält, ein wundervoller Hinweis. Im Gewahrsein erscheint so dies und das. Und wer ist unser Nächster? Schon mal daran gedacht, dass das in erster Linie „wir selbst“ sind? Aber anstatt einfach bei dem zu bleiben, was da auftaucht, verdrängen, verleugnen, verschleiern oder verdrehen wir es und reden falsch Zeugnis wider „uns selbst“ und damit auch wider allen Nächsten zweiter Ordnung. Wenn Osho von den Priestern und den Politikern als der Mafia der Seele spricht, dann denke ich sofort an den Obermafioso Verstand. Priester und Politiker sind auch nur Projektionen des Verstands.

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Worin unterscheidet sich jetzt eigentlich dieser Drugpa Künleg von einem Hund, falls er sich überhaupt unterscheiden sollte. „Doch“, würde ich ganz frech behaupten, „er unterscheidet sich. Nicht in seiner Aufrichtigkeit, wohl aber in seiner Bewusstheit.“ So kann sich jeder fragen, ob er schon die Aufrichtigkeit eines Hundes erreicht hat oder die Bewusstheit, die ein Hund ist, wenngleich sie dem Hund nicht bewusst sein mag. Du bist wie der Hund eine Manifestation des Noumenons, aber aller Voraussicht nach ohne seine Aufrichtigkeit und ohne jede Bewusstheit darüber, dass du Bewusstheit bist.

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