Wei Wu Wei: direkte Einsicht und relatives Verstehen

     

Erkennen wir in aller Klarheit den Unterschied
Zwischen direkter Einsicht in ganzheitlichem Geist
Und dem relativen Verstehen durch den Intellekt,
Der den Geist in Subjekt und Objekt spaltet,
Verschwinden all die scheinbaren Geheimnisse.

Denn darin liegt der Schlüssel,
Der die Tore der Unwissenheit öffnet.

aus: Wei Wu Wei, „Nachrufe“

Direkte Einsicht in ganzheitlichem Geist und relatives Verstehen durch den Intellekt, das sind – ZWEI? „Wir“ können es ja unterscheiden. Aber wer ist es, der da unterscheidet? Es ist natürlich der Intellekt, der durch seine Fähigkeit, relativ verstehen zu können, auch in der Lage ist, Unterscheidungen festzustellen. Es kann also nicht darum gehen, den Intellekt mit seiner Unterscheidungsfähigkeit baldmöglichst zu eliminieren, da er beispielsweise den menschlichen Organismus dazu befähigt, Aussagen von Politikern, Versicherungsvertretern oder anderen menschlichen Exemplaren zu bewerten und so feststellen zu können, wer vermutlich gerade lügt und wer nicht.

Wer in erster Linie zu einer direkten Einsicht in ganzheitlichem Geist kommen will, tut dies erst einmal aus der Position des relativen Verstehens durch den Intellekt. Die Idee, über das relative Verstehen hinauszukommen, darf nun keineswegs dazu führen, den Intellekt zu verurteilen und auf irgendeine Weise eliminieren zu wollen. Der Intellekt kann ganz wunderbar dazu dienen, seine eigene Begrenztheit zu erkennen und sogar darüber nachzudenken, ob er nicht nur höchst nutzbringende Eigenschaften hat, sondern auch ausgesprochen hinderliche, und zwar immer dann, wenn er versucht, in seiner Begrenztheit das Grenzenlose zu erfassen. Der Intellekt ist nur eine Manifestation des ganzheitlichen Geistes und deshalb unfähig, diesen zu verstehen. Wenn er aber in seinem Bemühen das vollständige Scheitern erfährt, kann es sein, dass sich „die Tore der Unwissenheit“ öffnen.

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Huang-po: Stufenweiser Fortschritt?

 

Wegen der aus dem dualistischen Denken entstehenden Hindernisse wies Bodhidharma einzig darauf hin, dass der ursprüngliche Geist und die Substanz von uns allen in Wahrheit Buddha ist. Er bot keine falschen Hilfsmittel zur Selbstvollendung an, er gehörte zu keiner Schule, die stufenweisen Fortschritt lehrt.

aus: Huang-po, „Der Geist des Ch’an“

Bodhidharma ist der Begründer des chinesischen Ch’an. Darin finden sich von Anfang an zwei Elemente, die für viele absolut unvereinbar sind: Das, wofür Gautama Buddha und Kashyapa stehen, symbolisiert durch das wortlose Hochhalten einer Blume, und das, was Bodhidharma bedingt durch die äußeren Umstände ins Spiel gebracht hat und wofür ich symbolhaft das Stichwort „Shaolin Kung Fu“ setze. Absolute Stille, offene Weite – nichts von heilig und wortloses Erkennen auf der einen Seite – und auf der anderen Seite ein Höchstmaß an aufmerksamem und bewusstem Handeln. Während es im ersten Fall in keiner Weise um stufenweisen Fortschritt geht, geht es im zweiten Fall nicht ohne ein jahrelanges intensives Training.

Für mich steht diese Haltung beispielhaft für das, was über Jesus gesagt wurde: „Ganz Gott und ganz Mensch.“ Oder ich denke an die Aufforderung von Jesus: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“ Da gibt es nicht diese unselige Trennung von Gott und der Welt, von Nicht-Handeln und Handeln. Von den „Weltlingen“ ist man das ja gewöhnt, dass das aber auch von den Spiris mit Fleiß und Eifer betrieben wird, erstaunt mich immer wieder. Aber es ist halt, wie es schon Heraklit feststellte: „Wachende haben eine Welt gemeinsam – Schlafende haben jeder eine Welt für sich.“ Kürzlich zitierte Werner Anahata Krebber den Dschuang Dsi: „Wo finde ich nur einen Menschen, der die Wörter zu vergessen weiß, so dass ich einige Worte mit ihm wechseln könnte?“ Das passt sehr schön dazu. In der Welt der Schlafenden finden sich nur Menschen, die ihre Wörter nicht zu vergessen wissen.

 

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Steven Harrison: Der Anfang der Erforschung von Bewusstsein

 

Indem wir das Ende der spirituellen Suche erreicht haben, sind wir eigentlich am Anfang angelangt – am Anfang der Erforschung von Bewusstsein. Dies ist kein Weg des Suchens und Findens; es ist nicht das Negieren von Gedankenprozessen oder das Verändern von irgendetwas. Es ist die Erforschung der Manifestation und der Gestaltwerdung der Totalität, die sich genau in dem ausdrückt, was kommt nach dem Jetzt – in meinem Körper, meinem Leben, meinen Beziehungen, in sämtlichen Formen und Ausdrucksweisen, die sichtbar sind, – und in allen, die nicht sichtbar sind.

Damit verlassen wir die Welt der Ideale und betreten eine frei fließende Wirklichkeit. Dies kann eine beängstigende Welt sein, weil sich darin die dunklen Energien und Leidenschaften nicht mehr kontrollieren lassen – jene Dinge, die wir zu kontrollieren gelernt haben. Es gibt keine Garantie, dass wir liebenswert, sanft oder irgendetwas sein werden; wir könnten beim genauen Gegenteil landen. Und es stellt keine besondere Herausforderung dar, wenn sich Mitgefühl in uns zeigen sollte.

aus: Steven Harrison, „Was kommt?“

die holde Muse küsst des Dichters Stirn

Wenn wir das Ende der spirituellen Suche erreicht haben, verlassen wir die Welt der Ideale und betreten eine frei fließende Wirklichkeit, sagt Steven Harrison sinngemäß. Mit diesem Satz habe ich ganz unstatthaft die Anfänge der beiden Abschnitte zusammengefügt. Das bedeutet für mich nichts anderes als das Verlassen von idealistischen Vorstellungen zugunsten der Realität dessen, was gerade erscheint. Wenn nun Steven Harrison sagt, dass dies nicht das Negieren von Gedankenprozessen oder das Verändern von irgendetwas sei, will er damit sicher nicht sagen, dass wir zukünftig zur Untätigkeit verdammt sind, sondern dass wir die Manifestation und Gestaltwerdung der Totalität erforschen. Hierzu gehören selbstverständlich nicht nur unsere Gedanken- und Gefühlsprozesse, sondern auch alle unsere Handlungsimpulse und angeblichen  Handlungen. Während wir vorher der Annahme waren, unser Leben weitgehend planen und kontrollieren zu können, lassen wir uns jetzt zunehmend einfach überraschen, was geschieht – überraschen auch und vor allem von dem, was gerade aus uns heraus geschieht. Auf diese Weise ist unser Leben durch seine Unberechenbarkeit total spannend geworden.
U.a. erwähnt Steven, dass es keine besondere Herausforderung darstellt, wenn sich Mitgefühl in uns zeigen sollte. Wer die Beiträge im Zusammenhang mit Konrad Kustos erinnert, wird vielleicht den Eindruck von Rassismus und Unmenschlichkeit haben. Dieser Eindruck ist allerding völlig beheimatet in der Zeit, als noch die Ideale über die Realität gestellt wurden. Aus dieser Zeit stammen dann Gedanken wie „Ich habe Mitleid mit allen Hungernden, Vertriebenen, Ausgebeuteten oder sonst wie Gequälten dieser Welt.“ Aber das ist nur das Wiederkäuen von humanistischen Idealen. Kein Mensch liebt „alle Menschen“, das schafft nur ein Erich Mielke. „Alle Menschen“ das ist ein Abstraktum, genauso wie das angebliche Lieben derselben. Reine Einbildung also. Der unvergessliche Bundespräsident Gustav Heinemann sagte einmal „Ich mag nur Dinge mit Knochen und Substanz“ und die Frage, ob er diesen Staat denn nicht liebe, macht ihn beinah böse: „Ach was, ich liebe keine Staaten, ich liebe meine Frau; fertig!“

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Linji: Wenn du ein Ding benennst, hast du das Mark verfehlt

 

Ihr Schüler von überall habt von diesem Alten namens Linji gehört und seid hierhergekommen, um ein Dharma-Gefecht zu erleben und mich mit euren gewitzten Fragen zu bezwingen. Doch als ihr auf die volle körperliche Präsenz dieses Bergmönchs traft, blieben eure Augen und Ohren offen stehen und ihr wart wie gelähmt. Verdutzt, wie ihr seid, fehlt es euch an Worten. Ich sage euch: „Ein Esel kann das Trampeln eines Drachenelefanten nicht aushalten.“ Ihr geht an verschiedene Orte, zeigt auf eure Brust, schlagt euch auf die Brust, schlagt euch auf die Rippen und sagt: „Ich verstehe Ch’an, ich verstehe den Weg.“ Doch selbst, wenn zwei oder drei von euch hierherkommen, seid ihr zu nichts fähig. Pah! Mit diesem Körper und Geist geht ihr überall hin, um mit euren schlabbernden Lippen gewöhnliche Menschen zu täuschen. Ihr seid keine Hauslosen. Ihr geht alle in Richtung der streitenden Geister. Was den Höchsten Weg angeht, so will er nicht durch Argumente und Debatten die Begeisterung erhöhen; er versucht auch nicht, leidenschaftliche Ketzer in die Schranken zu verweisen.  Die Abfolge von Buddhas und Patriarchen verfolgt keine besondere Absicht. Auch wenn es verbale Lehren gibt, sind diese alle in den Kategorien von Ritualen, Rechten, dem Kausalgesetz der Drei Fahrzeuge, den Fünf Naturen, Menschen und Himmelswesen angesiedelt. Im Fall der Lehre vom vollständigen Erwachen ist dies jedoch anders.

Tugendhafte Mönche, missbraucht nicht euren Geist. Der große Ozean bewahrt keine Leichen auf, aber ihr wollt sie auf euren Schultern durch die ganze Welt tragen. Ihr erzeugt Hindernisse, weil ihr an euren eigenen Ideen hängt, und das wird euren Geist beschränken. „Wenn die Sonne nicht umwölkt ist, dann scheint ihr Licht überall. Wenn keine Trübungen in den Augen sind, dann gibt es auch keine eingebildeten Blumen in der Luft.“ Schüler des Weges, wenn ihr im Einklang mit dem Dharma sein wollt, dann lasst einfach keine Zweifel aufkommen. „Ausgebreitet zieht es sich durch den ganzen Dharmadhatu. Aufgeklaubt ist da nicht ein einziger Faden.“ Deutlich und klar leuchtet es allein und entbehrt doch nichts. Augen können es nicht sehen, Ohren nicht hören. Was ist es dann? Ein Altehrwürdiger sagte: „Wenn du ein Ding benennst, hast du das Mark verfehlt.“ Schaut nur in euch selbst – was ist denn da sonst noch? Ich könnte ewig so mit euch sprechen. Doch jeder von euch muss es selbst erfahren. Passt gut auf euch auf!

aus: Linji Yixuan, „Linji Yulu“

Heraklit sagte: „Ein hohler Mensch pflegt bei jedem Wort erschreckt dazustehen.“ Er scheint ähnliche Erfahrungen gemacht zu haben wie Linji: „Doch als ihr auf die volle körperliche Präsenz dieses Bergmönchs traft, blieben eure Augen und Ohren offen stehen und ihr wart wie gelähmt. Verdutzt, wie ihr seid, fehlt es euch an Worten.“ Was ist für Heraklit ein hohler Mensch? Er hat die Frage gewissermaßen in einem anderen Fragment beantwortet: „Vielwisserei führt nicht zum Erkennen.“ Genau darum ging es auch Linji, wenn irgendwelche angeblichen Schüler angekleckert kamen und ihn mit ihren gewitzten Fragen bezwingen wollten und dabei behaupteten: „Ich verstehe Ch’an, ich verstehe den Weg.“
Linji zitiert einen „Altehrwürdigen“ mit dem Satz: „Wenn du ein Ding benennst, hast du das Mark verfehlt.“ Wenn Linji beim Bäcker um die Ecke zwei Brötchen kaufen wollte, musste er wohl oder übel diese „Dinge“ benennen. Sonst hätte er nichts zum Frühstück zu beißen gehabt. Also hat er vermutlich das hier nicht mit „Ding“ gemeint. Gemeint hat er wohl das, womit diese Typen gerne herumprahlten: „Ich verstehe Ch’an, ich verstehe den Weg.“ So was hätte Linji vermutlich nie von sich gegeben. Kürzlich zitierte Fredoo den WeiWuWei mit seiner „Abwesenheit der Anwesenheit der Abwesenheit“. Ich hatte gerade den fiesen Verdacht, WeiWuWei wollte damit die Erleuchtungsstreber nur in den Wahnsinn treiben. Heut hab ich’s mal wieder mit diesem wundervollen Heraklit: „Alles, was man sehen, hören und lernen kann, das ziehe ich vor.“ Denkt mal an meinen gestrigen Beitrag und die ganze Einwanderungsarie: Da wird der Journalist Konrad Kustos massiv bedroht, wenn er weiterhin seine Recherchen und Schlüsse veröffentlicht, und das von Leuten, die genau das vorziehen, was man nicht “ sehen, hören und lernen kann“: humanistische Phrasen. Des Kaisers neu Kleider sind halt immer noch hundertmal schöner als die Kleider, die man sehen und anfassen kann. Das ist das Kreuz mit den Spiris und Ideologen, dass sie unfähig sind, das Unsagbare im Sagbaren zu entdecken und es immer irgendwo jenseits von allem ansiedeln wollen. Fredoo hat das kürzlich so gesagt: „Es geht nicht um ein ‚richtig‘ dabei, sondern, wie ich vermute, um ein ‚endlich mal anders‘ lesen/zuhören …“ Das kann ich nur bestätigen.

 

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Konrad Kustos: Wer überleben will, …

 

So, wie die Globalisierung, schon lange bevor sie so hieß, begann, durch den Export westlicher Prinzipien der Welt die Stabilität nationaler Identitäten zu rauben, so funktioniert auch der umgekehrte Prozess negativ. Die weniger entwickelten Länder exportieren nicht Ideen, Kultur und Kapital, sondern Menschen. Für Humanisten ist das kein Problem, schließlich sind denen ja alle Menschen so gleich, dass sie weltweit austauschbar erscheinen. Schon deshalb scheinen ihnen Migranten sogar eine Bereicherung zu sein.

Für Realisten ist die Sache komplizierter, sagt ihnen die KKK [Kollektive Kybernetische Kompetenz] doch, dass kulturelle Unterschiede zu Problemen führen, erst recht, wenn diese Kulturen sich auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen befinden. Wenn es schon Animositäten zwischen West- und Ostdeutschen, zwischen Bayern und Franken gibt, wenn allein Sprachbarrieren und machtpolitische Konkurrenz die Völker Mitteleuropas trotz gemeinsamer ethnischer und kultureller Entwicklung jahrhundertelang zu Feinden machten – wie sehr müssen sich Mitteleuropäer und Menschen aus mühsam als Demokratien getarnte Feudal- oder gar Stammeskulturen missverstehen?

Hinzu kommt die Xenophobie, eine natürliche Angst vor Fremden, die uns (und den Migranten) von der Evolution aus gutem Grund mitgegeben wurde. Wer überleben will, muss schon genau schauen, wer da kommt und plötzlich aus seinem Wasserloch trinken will. Dabei ist ein Austausch von Gütern und Ideen im Prinzip gut, weshalb es auch eine weltweite Kultur der Gastfreundschaft gibt. Aber der Begriff Gast sagt es schon: Irgendwann reist der Fremde auch wieder ab. Bliebe er, wäre selbst das kein Problem, dann würde er in die besuchte Kultur integriert, assimiliert wie einst die deutschen Einwanderer in Amerika. Solche Integration funktioniert aber nur so lange, wie die Leitkultur klar ist. Sobald sich Gettos oder autarke Lebensbereiche fremder Kulturen bilden, die der Integration widerstehen, sobald die Dominanz der Einheimischen als Basis eines Miteinanders zur Diskussion freigegen wird, sobald die angestammte Mehrheitskultur zu viele ihrer seit Generationen gesammelten Erfahrungen infrage gestellt sieht, gibt es automatisch erst Probleme und am Ende Bürgerkrieg. Und Niedergang sowieso.

aus: Konrad Kustos, „CHAOS mit SYSTEM“

„Die weniger entwickelten Länder exportieren nicht Ideen, Kultur und Kapital, sondern Menschen.“ In diesem Punkt muss ich dem Konrad Kustos ja ein bisschen widersprechen. Diese Länder exportieren sehr wohl auch z. B. den Islam. Da stehen etwa irgendwelche Salafisten auf dem Marktplatz und verteilen kostenlos ihren Koran. Das nur als Beispiel. Dass sie auch ihr fehlendes Demokratieverständnis, ihre fehlendes Aufklärtsein und und und exportieren, sei nur am Rand erwähnt.

Dieser Erdogan hat seinen Türken in Deutschland ja geradezu befohlen, ihren Stolz auf ihre eigentliche Heimat nicht zu vergessen und sich gegen alle Assimilierungsbemühungen dieses „Nazistaates“ mit aller Kraft zur Wehr zu setzen. Diese Deutschen scheinen die reinsten Borg zu sein:


Erdogan vergisst zu erwähnen, dass die Deutschen die Türken nicht erobert und anschließend versklavt haben, sondern dass die Türken freiwillig nach Deutschland gekommen sind als Gäste, als Gastarbeiter oder als Menschen, die in Deutschland ihre neue Heimat finden wollten. Diesem niedlichen Bild scheinen jedoch viele Türken in keiner Weise entsprechen zu wollen, was nicht heißen soll, dass es nicht viele Türken gibt, die genau diesem Bild entsprechen. Mein Heizungsinstallateur z.B. ist so einer. Intelligent, charmant, spricht fließend Deutsch und versteht sein Handwerk. Einfach jemand, der sich in der neuen Heimat eingerichtet hat und sich darin wohl fühlt. Er würde nie auf die Idee kommen, von den Deutschen gegen seinen Willen assimiliert worden zu sein. Das, was dieser Erdogan da treibt, ist einfach nur pathologisch, und die, die ihm folgen, sind es auch. Da wir ja im eigenen Land schon genug schwachsinnige und pathologische Einheimische haben, kann uns an einem Zustrom weiterer Verrückter weiß Gott nicht gelegen sein. Die Frage, was diese Migranten eigentlich bei uns wollen, die sich weder als Gäste noch als Integrierungswillige fühlen, ist nicht nur erlaubt, sondern geradezu zwingend geboten. Mir fällt dazu nur ein Wort ein: Aus der Sicht von Erdogan soll dieses Land kolonialisiert werden. Wir, die Einheimischen sind es, die assimiliert werden sollen. Jeder, der mich jetzt einen Nazi nennen will, hat einen gewaltigen Dachschaden, wenn er nicht sehen will, was offensichtlich schon seit geraumer Zeit hier abgeht.

Konrad Kustos sagt:Aber der Begriff Gast sagt es schon: Irgendwann reist der Fremde auch wieder ab. Bliebe er, wäre selbst das kein Problem, dann würde er in die besuchte Kultur integriert, assimiliert wie einst die deutschen Einwanderer in Amerika. Solche Integration funktioniert aber nur so lange, wie die Leitkultur klar ist.“ Na ja, Leitkultur, ist sie mir wenigstens klar? Ich weiß nicht so recht. Wenn ich mir so’ne Talkshow anguck, vielleicht mit einem Christen, einem Humanisten, einem Realisten, einem Atheisten, einem Professor und einem sog. Proletarier, und mich danach frage, ob mir jetzt das mit der Leitkultur klar geworden ist, muss ich passen. Wenn ich dann allerdings z.B. dem Erdogan zuhöre oder der Hillary Clinton oder der Angela Merkel – äähhh die passt nicht in die Reihe, die ist ja ne Deutsche -, weiß ich zumindest für mich, was nicht meine Leitkultur ist. In diesem Punkt allerdings kann ich Konrad Kustos nur widersprechen: Selbst wenn uns unsere Leitkultur absolut klar wäre, müsste sie doch entweder von den Neuankömmlingen freudig angenommen oder, wenn dem nicht so ist, von uns mit aller Entschiedenheit verteidigt werden. Letzteres ist jedoch mit Humanisten nicht zu machen, „für die das alles kein Problem ist, da ihnen schließlich alle Menschen so gleich sind, dass sie weltweit austauschbar erscheinen.“

Menschen sind nicht beliebig austauschbar, Tiere auch nicht und auch nicht die Pflanzen und nicht einmal Mystiker, die ja nach Robert Musil Männer/Frauen ohne Eigenschaften sind, die im Grunde jedoch nur Eigenschaften ohne Männer/Frauen sind. Na gut, ich sag also: Auch Eigenschaften sind nicht beliebig austauschbar.

 

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Dattatreya: Wie willst du das verstehen?

 

Ohne Zweifel – du bist Wirklichkeit!
Gibt es etwas, das verstanden werden muss?
Das, was nicht zu verstehen ist,
und das, was selbst offensichtlich ist,
ist das Selbst.
Wie willst du das verstehen?

aus: Dattatreya, „Avadhuta Gita“ (1.42)

Selbst Zweifellosigkeit ist bereits zu viel. Du kannst sagen, dass Zweifellosigkeit oder Wunschlosigkeit die reinste Form ist, aber das Reinste ist nicht rein genug, weil du es von etwas anderem unterscheiden kannst. Die Wunschlosigkeit unterscheidet sich von etwas anderem. Die Wunschlosigkeit unterscheidet sich vom Wunsch und vom Nicht-Wunsch. Damit ist selbst der Ursprung nicht der Ursprung. Der Ursprung von etwas, das du dir vorstellen oder nicht vorstellen kannst, ist nicht der Ursprung. Er ist nicht ursprünglich.

aus: Karl Renz, „Heaven And Hell“

Was willst du jetzt damit anfangen? Es entzieht sich jedem Zugriff. Karl Renz bringt u.a. das Beispiel mit der Wunschlosigkeit. Sehr beliebtes Thema bei den Spiris, und sie mühen sich wirklich redlich ab, sich nichts mehr zu wünschen. Und dann kommen die Schlaumeier und sagen: „Ätschibätschi! Jetzt wünscht du dir also Wunschlosigkeit! Mensch, bist du bescheuert! Siehst du nicht, wie sich der Hund in den eigenen Schwanz beißt?“ Der Schwanz hat sich zwar nicht seinem Zugriff entzogen, aber er war halt nicht das, was der Hund eigentlich ergreifen wollte. Karl: „Die Wunschlosigkeit unterscheidet sich von etwas anderem. Die Wunschlosigkeit unterscheidet sich vom Wunsch und vom Nicht-Wunsch.“ Unterscheiden können sich immer nur Formen, unterscheiden kann sich nur, was auch benannt werden kann. Und nur, was sich von anderem unterscheidet, können wir wahrnehmen. Der berühmte Schimmel im Schneegestöber und der ebenso berühmte Rappe in der Nacht können halt nicht erkannt werden. Wir brauchen Kontraste, um sehen zu können oder hören, riechen, schmecken, spüren zu können. Als mich seinerzeit Heinz Butz fragte „Spüren Sie’s?“, gab’s für mich komischerweise in diesem Moment keinen Kontrast und ich fiel ins – wenn ich jetzt ein Wort dafür sage, beiß ich mir wie der Hund schon wieder selbst in den Schwanz. Auch wenn ich es das „das Bodenlose“ nenne, unterscheidet sich das Bodenlose von dem, was unter sich Boden hat, und wenn ich es das Nichts nennen würde, unterscheidet sich das von einem Etwas.

Was für das Wahrnehmen gilt, gilt in derselben Weise für das Verstehen. Verstanden werden kann ebenfalls nur das, was sich von anderem unterscheidet. Ramesh Balsekar hat oft gesagt: „Verstehen ist alles.“ Aber er meinte damit wohl ein Verstehen ohne zu verstehen. Er meinte damit das, was das Kōan meint mit seiner Frage: Hörst du das Klatschen der einen Hand? Dattatreya bringt es exakt auf den Punkt mit seinem Vers:

Ohne Zweifel – du bist Wirklichkeit!
Gibt es etwas, das verstanden werden muss?
Das, was nicht zu verstehen ist,
und das, was selbst offensichtlich ist,
ist das Selbst.
Wie willst du das verstehen?

Das isses nicht!
Das kann man nämlich sehen, verstehen, wissen …!

Aha.

(Aber du darfst es natürlich kopieren und auf deinem Altar installieren und anbeten.)

 

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Ikkyû Sôjun: Gefangen zwischen Leben und Tod

 

Ich liebe – ich denke –
Ich liebe – ich erinnere mich –
Liebe sprengt meine Brust,
Sprengt meine Gedanken.
Kein Gedicht, keine Prosa,
Nicht eine Silbe fällt mir ein.
Ich bin ein Erleuchteter,
Doch solches Wissen allein
Hilft meinem Herzen nicht.
Umso schmerzlicher jetzt,
So gefangen zu sein
Zwischen Leben und Tod.

aus: Ikkyû Sôjun, „Im Garten der schönen Shin“

„Ich bin ein Erleuchteter, doch solches Wissen allein hilft meinem Herzen nicht.“ Der Körper wird geboren und stirbt. Zwischen Geburt und Tod passiert dies und das, eine ganze Menge in der Regel, Süßes und Saures. Dem entkommt auch „der Erleuchtete“ nicht. Den Erleuchteten habe ich aus hygienischen Gründen in Tüddelchen gesetzt; muss ich im Folgenden nicht ständig wiederholen. Einem kleinen Rädchen im Getriebe einer Firma wird gern empfohlen, dass er sich, wenn er zum Chef gerufen wird, vorstellen soll, wie der sich morgens auf dem Klo ausscheißt wie jeder normale Mensch. Gleiches gilt selbstverständlich für jeden Erleuchteten. Ein Erleuchteter, was immer das sein soll, ist ein Mensch wie du und ich. Er hat vielleicht Zahnschmerzen oder Krebs, freut sich an einem guten Witz, isst und trinkt und, man sollte es nicht glauben, er atmet sogar wie Max Mustermann. Nix Besonderes also.
Ikkyû gehört zu den Leuten, die sich nie gescheut haben, sich in ihrem ganz gewöhnlichen Menschsein zu zeigen. „Das Volk“ mag so was, „die Spiris“ rümpfen darüber die Nase, weil sie glauben, längst über allem zu stehen und weiter zu sein als ihre Mitmenschen. Einmal schrieb Ikkyu:

Mein sterbender Lehrer
Konnte sich nicht selbst säubern
wie ihr Schüler mit dem Bambusstock.
Ich wischte ihm mit meinen bloßen Händen
seinen süßen Hintern ab.

Ein Erleuchteter bzw. gleich zwei. Na ja, und dann die Liebe und der Sex, Dauerbrenner in Ikkyûs Leben. Und er machte nie einen Hehl daraus. Und gesoffen hat er auch, also nee! Ecce homo!
„Ich bin ein Erleuchteter, doch solches Wissen allein hilft meinem Herzen nicht.“ Von welchem Wissen spricht er da? Huang-po sagt: „Alle Buddhas und alle Lebewesen sind nichts als der Eine Geist, neben dem nichts anderes existiert. Dieser Geist, der ohne Anfang ist, ist ungeboren und unzerstörbar. Er ist weder grün noch gelb, hat weder Form noch Erscheinung.“ Das gilt für alle Lebewesen, also auch für dich und mich, gleichgültig ob erleuchtet oder unwissend. Und das ist schon der ganze Unterschied: Wissend (erleuchtet) oder unwissend. Und das bezieht sich genau auf das, was Huang-po so klar beschrieben hat. Ikkyû weiß darum und er ist ein Mensch. Andere glauben darum zu wissen (die Spiris) und wieder andere wissen nicht einmal, dass sie nicht wissen und es kümmert sie auch gar nicht. Letztere sind gegenüber den Spiris geradezu gesegnet. Gestern hatte ich ja diesen Oscar Wild-Spruch über die Tyrannei der Schwachen über die Starken im Blog. Das gilt auch und in besonderem Maße für die Spiris und Pfaffen jeglicher Art, diese Gutmenschen, die aus ihrer angeblichen Berufung einen Beruf gemacht haben.

Man sagt ja, zwischen dem Wissenden und dem Unwissenden passt kein Blatt Papier. Und doch scheinen Welten dazwischen zu liegen. Dabei ist doch alles immer da, direkt in diesem Augenblick vor unser aller Augen. – Lieba Georch Alois, irgendwie musste dit mit „Advaita tralala, heidinei………“ in die falsche Kehle gekricht haben. Dit is richtich harta Tobak! Wenn de dit ma, ohne et zu bejreifen, bejriffen hast, weesde, det nu keen Stein mea uffm annern steen tutet oda so. Und du, liebe Alexandra, kannst nur hoffen, dass der Georg Alois  deinen gestrigen Kommentar nicht gelesen hat, sonst hättste wahrscheinlich schwer eine auf die Mütze gekriegt mit deinem „Advaita tralala, heidinei………“! Als Pastorengattin haste ja bestimmt schon mal von „Jesus, ganz Gott UND ganz Mensch“ gehört. Aber das hat ja der werte Herr Fredoo gestern schon wunderbar auseinanderklamüsert und mir die Arbeit abgenommen.

Du musst es dia aba ooch mit jeda Partai versauen, Nitya!
Ach ja. Wat soll ick armet Luder machen!

nischt als der eene Jeist

 

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