Zhao Zhou: Ich geh jetzt pinkeln


Eines Tages bat ein Mönch den Meister Zhao Zhou, die große Chan-Lehre einmal leicht und allgemein verständlich darzulegen. Zhao Zhou antwortete: „Ich geh jetzt pinkeln. Das ist nur eine kleine Angelegenheit, aber ich muss sie selbst erledigen.“

An einem Morgen hatten sich die Mönche zu einer Belehrung durch den Meister in der Tempelhalle versammelt. Dieser betrat die Halle, zupfte das Kissen zurecht und ließ sich auf seinem Platz nieder. Als er gerade sprechen wollte, begann draußen plötzlich ein Vogel zu singen. Wortlos deutete der Meister  in Richtung des Gesangs und hieß die Mönche schweigen und zuhören. Nach kurzer Zeit verstummte die helle Vogelstimme. Der Meisterverharrte noch eine Zeit lang in der eingetretenen Stille, dann stand er auf und erklärte: „Die heutige Belehrung ist  beendet.“

zwei Geschichten aus: H-G Wagner: „Das Kostbarste im Leben“

Was gibt’s dazu für so ein altes Plappermaul wie mich noch zu sagen? Ich kann Zhaozhou Congshen so gut verstehen, wenn ihm nichts mehr anderes einfällt als „Ich geh jetzt pinkeln.“ Ich muss allerdings erst noch einen Kaffee trinken, um das vielleicht auch sagen zu können. Oben rein, unten raus. Bis dahin also: „Ich geh jetzt Kaffee kochen.“

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Karl Renz: „Es gibt kein Innen und kein Außen“ … denkste


Es ist trotzdem jemand da, wenn man sagt: „Da ist keiner.“  Wenn du sagst, dass es kein Innen und kein Außen gibt, gibt es trotzdem ein Innen und Außen, weil es jemanden braucht, der behauptet, dass es kein Innen und kein Außen gibt. Und derjenige, der sagt, dass es kein Innen und kein Außen gibt, ruft es dadurch hervor. Es gibt kein Entkommen. Das ist immer noch Teil des Verstehens. Es ist immer noch Unwissenheit. Alles, was du definierst, ist Unwissenheit. Jede Definition entspringt einem Definierenden und der Definierende ist sowieso ein Lügner. Deshalb ist alles Lüge, was dem Definierenden entspringt. Bereits der erste Definierer „Ich“ ist eine Lüge, da er ein Eindruck ist. Er ist nicht, was du bist, da du diesem Lügner vorausgehst. Aus dieser Lüge geht nichts als Lüge hervor.

aus: Karl Renz, „Eight Days in Tiruvannamalai“

„Es gibt kein Entkommen“, sagt der Karl, und ich sag: „Sagt er.“ Was man nicht alles so sagen und denken kann, wenn der Tag lang ist. Und wenn ich mein Maul halte und vielleicht mal nichts denke? Soll ja vorkommen. Selten genug, aber manchmal ist das einfach so, selbst beim größten Plappermaul und dem Weltmeister im Dauerdenken. Gibt’s dann auch kein Entkommen?

„Entkommen“, „kein Entkommen“ – das ist alles nur Blabala. Nicht umsonst haben die Mystiker aller Zeiten das Schweigen als die „königliche Kunst“ gefeiert, falls sie sich überhaupt noch zu so einem mystischen Blabala haben hinreißen lassen. „Es gibt kein Entkommen.“ Ist Schweigen die Rettung? „Schweigen“ ist genauso Blabla wie „Entkommen“. Wenn der Weltmeister im Dauerdenken völlig unbeabsichtigt gerade mal für den Bruchteil einer Sekunde nichts denkt, existieren weder „kein Entkommen“ noch „Schweigen“ noch „Rettung“. Wir leben in einer erdachten Welt.
Gestern stellte uns Meister Shítóu Xīqiān Ameise, Fliege und Seidenraupe als leuchtende Vorbilder vor unsere Augen. Sie haben Chan-Natur, sagt er uns. Sie haben Chan-Natur, weil sie nicht in einer erdachten Welt leben. „Das Wort ist nicht das Ding“, wiederholte Jiddu Krishnamurti ein Leben lang und kaum einer hat die ganze Tragweite dieser Aussage verstanden. Karl drückt es auf seine Weise aus: „Alles ist Lüge, was dem Definierenden entspringt. Bereits der erste Definierer ‚Ich‘ ist eine Lüge, da er ein Eindruck ist. Er ist nicht, was du bist, da du diesem Lügner vorausgehst. Aus dieser Lüge geht nichts als Lüge hervor.“ Die Ameise, die Fliege und die Seidenraupe sind da fein heraus, da sie die menschliche Fähigkeit des abstrakten Denkens nicht besitzen.

Das, was sich für den Menschen einmal als großer Segen für sein Überleben erwies, hat sich längst zu seinem größten Fluch entwickelt: Die Fähigkeit zum Denken. Dabei ist das Denken völlig unschuldig an diesem Desaster. Wäre der Mensch in der Lage, Sein und Schein auseinanderzuhalten, gäbe es überhaupt kein Problem. Denken ist nichts anderes als ein Werkzeug, das seinem Besitzer für alles Mögliche dienlich sein kann. SF-Literatur und –filme zeigen zum Teil sehr anschaulich, was passieren kann, wenn sich das Dienstverhältnis von Herrn und Diener in sein Gegenteil verkehrt. Aber wir brauchen nicht auf das Zeitalter von „Matrix“ warten, es ist schon längst passiert: Unsere Denken beherrscht uns schon längst und wir haben es nicht einmal bemerkt. Und so haben wir (scheinbar in unserer Welt des Scheins) unsere Chan-Natur verloren.

Du hast keine Wahl.
Und jetzt: WÄHLE !

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Shi Tou: Dir fehlt die Chan-Natur


Hui Lang fragte Meister Shi Tou: „Meister, was ist Chan wirklich?“ – „Dir fehlt die Chan-Natur“, antwortete ihm Meister Shi. Hui Lang blickte ihn voller Zweifel an und wandte ein: „Ihr selbst lehrt, Chan sei überall. Selbst die Ameisen und Fliegen besäßen es. Warum sollte es gerade mir fehlen?“ – „Weil du keine Fliege, Ameise oder Seidenraupe bist“, belehrte ihn sein Meister.

„Bin ich solchen Wesen etwa unterlegen?“ fragte  Hui Lang voller Empörung. „Ja, das bist du“, entgegnete Shi Tou sogleich, „denn du bist nicht bereit, deine wahre Natur auch anzunehmen.“

Mit diesen Worten des Meisters erkannte Hui Lang sich selbst. Schweigend erlangte er das große Erwachen.

aus: Hans-Günter Wagner, „Das Kostbarste im Leben“
Shítóu Xīqiān war ein Schüler des sechsten Chan-Patriarchen Huineng. Und er spricht in dieser kleinen Geschichte von der „Chan-Natur“, die jemand hat oder nicht hat. Nun, ich vermute, jeder Erleuchtungs-Streber möchte im Besitz dieser Chan-Natur sein, wenn dies die Voraussetzung für eine anständige Erleuchtung sein sollte. Oder sollte die Chan-Natur am Ende gleichbedeutend mit Erleuchtung sein? Da stand doch mal die Frage im Raum: „Hat ein Hund Buddha-Natur?“ Aber wie kommt man nun verdammt noch mal in den Besitz dieser Chan-Natur?
Meister Shi Tou behauptet, dass jede Fliege, Ameise oder Seidenraupe sie habe, diese Chan-Natur. Wieso hab ausgerechnet ich sie dann nicht? Ist diesen Viechern das in die Wiege gelegt worden und mir nicht oder hatte ich sie schon einmal und habe sie inzwischen irgendwo verloren? Was soll das überhaupt sein, die Chan-Natur? Worin besteht das, was Fliege, Ameise oder Seidenraupe haben und ich nicht habe? Einen kleinen Hinweis gibt dieser Shi Tou ja dann doch. Er sagt: „Du bist nicht bereit, deine wahre Natur auch anzunehmen.“ Chan-Natur besitze ich also, wenn ich meine wahre Natur so annehme, wie sie von Fliege, Ameise oder Seidenraupe „angenommen werden“. Diese haben anscheinend mir gegenüber den Vorteil, dass sie gar keine Wahl haben, während ich glaube, meine wahre Natur annehmen oder ablehnen zu können. Aber stimmt das wirklich?
Vielleicht lebe ich ja schon die ganze Zeit meine Chan-Natur und weiß es bloß nicht bzw. glaube, meine eigene Natur, was immer das sein soll, zu leben. Vielleicht muss ich mich gar nicht ändern, sondern nur sehen, dass ich nichts anderes bin als Fliege, Ameise oder Seidenraupe. Halt ein bisschen anders geformt, aber sonst …

Sakra, sakra – da musste erst mal draufkommen!

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Tao-hsin: Genug ist genug

 


Als Tao-hsin spazieren ging, fragte er einen seiner Begleiter, Hung-jen: „Ruhe oder Bewegung?“ Hung-jen antworte nicht gleich, woraufhin Tao-hsin sagte „Keine Ruhe, keine Bewegung.“

Später fragte ein anderer Schüler Hung-jen, was der Lehrer damit sagen wollte. Hung-jen sagte: „Ich denke er wollte uns sagen, dass der Geist immer aktiv ist, und doch in sich ruht.“

Als Tao-hsin von diesem Gespräch erfuhr, ließ er Hung-jen zu sich rufen und sagte „Du bist ein guter Schüler, aber ein schlechter Lehrer.“ Daraufhin fragte Hung-jen: „Was hättest du an meiner Stelle geantwortet?“ Tao-hsin erwiderte: „Keine Ruhe, keine Bewegung.“

aus: „Die verschollenen Schriften von Tao-hsin“

Ich musste bei dem Text wieder an den sog. stummen Impuls denken, der mal in der Didaktik als großer Geistesblitz gefeiert wurde. „Was braucht ein Schneider für sein Handwerk?“ fragt der Lehrer seine Erstklässler. Es kommen zwar einige Vorschläge, aber das Richtige wird einfach nicht erraten. Jetzt greift der Lehrer in seine didaktische Klamottenkiste und holt seinen stummen Impuls heraus. Er hebt seine Hand und macht mit seinem Zeige- und seinem Mittelfinger eine Schnipp-schnapp-Bewegung. „Eine Schere, eine Schere!“ rufen die Kinder und freuen sich und der Lehrer ist stolz über seinen gelungenen Geniestreich.

Da geht also Tao-hsin, der vierte Ch’an-Patriarch, mit Hung-jen, seinem Nachfolger, spazieren und die beiden führen ein typisches Patriarchengespräch. Da geht es dann nicht darum, was es am Mittag wohl zu essen gibt oder wie viele Tore die Mönche gestern im Fußballspiel gegen die Laien geschossen hatten oder wer es gerade mit wem treibt, sondern um die letzten Wahrheiten. Tao-hsin fragt Hung-jen: „Ruhe oder Bewegung?“ Die Antwort sollte dieser als künftiger Nachfolger natürlich sofort parat haben. Als Hung-jens Antwort jedoch nicht gleich wie aus der Pistole geschossen kommt, kann sich Tao-hsin nicht zurückhalten und plappert die richtige Antwort vor, was natürlich ein schwerer didaktischer Fehler ist.

„Später fragte ein anderer Schüler Hung-jen, was der Lehrer damit sagen wollte. Hung-jen sagte: ‚Ich denke er wollte uns sagen, dass der Geist immer aktiv ist, und doch in sich ruht.'“ Eigentlich ist das eine typische Lehrer-Antwort. Ein Lehrer versucht immer zu erklären. Osho hat des Öfteren auf den Unterschied hingewiesen, den er zwischen einem Lehrer und einem Meister sieht. Ein Lehrer erklärt und tut dabei sein Bestes und greift dabei immer gern in die didaktische Klamottenkiste seiner Lehr-und Lernmittel. Sein Ziel ist, dass am Ende seines Unterrichts möglichst viele seiner Schüler kapiert haben, was er ihnen an Wissen zu vermitteln versucht hat. Ein Meister spielt wie weiland der Buddha einfach mit einem Blümelein herum. Und wenn er Glück hat, ist ein Kashyapa dabei und grinst. Leider, leider, leider hat sich der Buddha auch als Lehrer betätig; seitdem ist die buddhistische Welt mit Dickicht überwachsen. Und die armen Nachgeborenen müssen nun ständig den Buddha töten, wenn sie ihm begegnen. Wäre er doch nur bei seinem Blümelein geblieben!

Oder doch nicht?

Zum krönenden Abschluss noch etwas in eigener Sache:

Vorgestern wollte mir eine Ex-Sannyasin im Blog mal endlich die Meinung geigen. Nachdem sie erst mal Osho ziemlich übel abgewatscht hat, kam ich dran: „Abschließend was zu Deiner fortbestehenden Hirnwichserei: Der Mensch ist unvollkommen. Deshalb ist er Mensch. Wäre er vollkommen, wäre er rein im Seelenmeer; die reine Seele. Solange die Seele ungeläutert ist (aufgrund von Gelüsten, Gier, Ärger, Anhaftungen und Ego), wandelt sie auf dem Rad des Lebens und muss sich immer wieder in allen möglichen Formen (ca. 8,4 Millionen Variationen) materialisieren. Also predige hier nichts von ‚Du bist vollkommen‘, ‚…nichts fehlt Dir‘. Wenn Dir nichts fehlt, warum machst Du dann diese Seite? Weil Du so großherzig bist? Wie oft hast Du abgetrieben? Bist Du sterilisiert? Ihr dummen, dummen Sannyas-Huren habt Euch schrecklich verheizen lassen, und versucht andere zu werben, damit Ihr euch nicht so einsam fühlen müsst; deshalb brauchts ‚Kommune‘, genau wie bei den Christen – Juda-Rom-Tibet-Mekka als Vertreter Satans, die negative Kraft. Genau deshalb hast Du Alzheimer. Mit Pennern deinesgleichen wären wir in der Steinzeit; jetzt hilflos erschlagen von den eindringenden Neger-Bestien. Hier sind zwei Antworten an Wichser deinesgleichen:“ Es folgen zwei Videos mit vermutlich russischen Kampfjets mit geradezu halsbrecherischen Flugleistungen. – Wie sich wohl jemand fühlen mag, der so’n Zeug absondert, hab ich mich leise gefragt.


Dr. Hans-Günter Wagner

Ach ja, und gestern brachte mir der Briefträger ein Päckchen. „Büchersendung“ stand drauf und „GESCHENK“. Oh Gott, dachte ich, was ist denn das? So’n dicker Schmöker! Wer soll denn das lesen? Und ich befürchtete schon das Schlimmste. Dann machte ich auf und las: Das Kostbarste im Leben – Chan-Geschichten und Anekdoten von Hans-Günter Wagner. Mann, hab ich mich gefreut! Was für ein freundliches Wesen hat denn da so liebevoll an mich gedacht! Da dieses Wesen seinen Namen nicht genannt hat, kann ich ihm nur hier meinen Dank sagen und ihm mitteilen, dass ich ganz aus dem Häuschen bin vor Freude. Und ich dachte noch, wie unterschiedlich sich wohl die beiden Wesen fühlen werden, die da Kontakt mit mir aufgenommen haben. Beide haben ja nicht nur mich, sondern sich auf ihre je eigene Weise selbst beschenkt.

Vielen, vielen Dank!

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Linji: Was fehlt euch denn?


Alle hängen von Gräsern und Blättern ab, wie Geister, die sich an Bambus und Bäume hängen. Sie sind in der Tat die Geister wilder Füchse. Sie kauen auf der trockenen Scheiße herum, die alte Meister hinterließen. Blinde Idioten! Sie verschwenden die Opfergaben aus den zehn Richtungen und behaupten: „Ich habe meinem Zuhause entsagt!“ Doch ihr Verständnis bleibt armselig.

Lasst mich euch sagen: „Da ist kein Buddha, kein Dharma, keine Übung, kein Erwachen.“ Dennoch geht ihr hierhin und dorthin, um etwas zu finden. Ihr setzt einen Kopf auf den, den ihr schon habt. Schaut doch mal hin! Was fehlt euch denn?

Schüler des Weges, eure eigene gegenwärtige Aktivität ist nicht von der des Buddha und der Patriarchen verschieden. Ihr glaubt dies aber nicht und sucht nach etwas außerhalb. Außerhalb gibt es keinen Dharma. Selbst innen ist er ungreifbar. Statt blind den Worten des  Bergmönchs zu vertrauen, ist es am besten, ihr enthaltet euch jeglicher Spitzfindigkeit.

Lasst all die täuschenden Gedanken, die bereits entstanden sind, nicht länger fortdauern. Lasst all die täuschenden Gedanken, die noch nicht aufgetaucht sind, gar nicht erst entstehen. Dies ist bereits wertvoller als eine zehnjährige Pilgerreise.

aus: Linji Yixuan,“Linji Yulu“

Ja, was wäre, wenn du nie davon gehört hättest: „Buddha, Dharma, Übung, Erwachen“? Also meine Eichhörnchen haben nie davon gehört und die Birke vor meinem Fenster auch nicht. Und – hat es ihnen geschadet? Haben sie deshalb je aufgehört zu sein, was sie sind? Was für einen Sinn könnte es also für dich machen, zu hoffen bzw. zu befürchten, nicht das zu sein, bzw. aufzuhören, das zu sein, was du bist? Linji fragt: Da ist kein Buddha, kein Dharma, keine Übung, kein Erwachen.“ Dennoch geht ihr hierhin und dorthin, um etwas zu finden. Ihr setzt einen Kopf auf den, den ihr schon habt. Schaut doch mal hin! Was fehlt euch denn?“ Was hofft ihr zu finden, was sucht ihr eigentlich?

Linji: „Schüler des Weges, eure eigene gegenwärtige Aktivität ist nicht von der des Buddha und der Patriarchen verschieden.“ Ist im Prinzip auch nicht verschieden von der Aktivität der Eichhörnchen und Birken. Wie kommt es, dass Letztere und die Erstgenannten sich einfach mit ihrem Sosein begnügen und ihr nicht? Hinter was jagt ihr eigentlich her? Linji sagt dazu: „Alle hängen von Gräsern und Blättern ab, wie Geister, die sich an Bambus und Bäume hängen. Sie sind in der Tat die Geister wilder Füchse. Sie kauen auf der trockenen Scheiße herum, die alte Meister hinterließen. Blinde Idioten!“ Da haben irgendwann mal irgendwelche Meister in grauer Vorzeit irgendwas von „Buddha, Dharma, Übung, Erwachen“ gefaselt und ihr kaut auf dieser trockenen Scheiße herum und hofft, das würde euch die ewige Seligkeit bringen! Ihr kaut die ganze Zeit auf euren eigenen eingebildeten Gespenstern herum.

Wie wäre es denn, wenn das, was in diesem Augenblick ist, alles wäre? Wenn da einfach nicht mehr wäre als das, was gerade ist? Linji schlägt vor: „Lasst all die täuschenden Gedanken, die bereits entstanden sind, nicht länger fortdauern. Lasst all die  täuschenden Gedanken, die noch nicht aufgetaucht sind, gar nicht erst entstehen.“

Hier sind wir, hier und jetzt.
Das ist alles, was ist.
Und wenn das nicht schön ist,
Mann, dann ist nichts schön.

Also sagst du:
Nun, ich kann es zwar jetzt nicht schön haben,
aber später, wenn alles erledigt ist,
wird es schön sein.

Ein Später existiert nie.
Was geschieht mit
der Lebensversicherung, Miete,
dem Planen, Sparen, den Verpflichtungen?

Nichts geschieht damit!

Ram Dass

 

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Étienne de La Boétie: Dem Feind dabei helfen, einen zu verderben


Ihr lebt dergestalt, dass ihr getrost sagen könnt, es gehöre euch nichts; ein großes Glück bedünkt es euch jetzt, wenn ihr eure Güter, eure Familie, euer Leben zur Hälfte euer Eigen nennt; und all dieser Schaden, dieser Jammer, diese Verwüstung geschieht euch nicht von den Feinden, sondern wahrlich von dem Feinde und demselbigen, den ihr so groß machet, wie er ist, für den ihr so tapfer in den Krieg ziehet, für dessen Größe ihr euch nicht weigert, eure Leiber dem Tod hinzuhalten.

Der Mensch, welcher euch bändigt und überwältigt, hat nur zwei Augen, hat nur zwei Hände, hat nur einen Leib und hat nichts anderes an sich als der geringste Mann aus der ungezählten Masse eurer Städte; alles, was er vor euch allen voraus hat, ist der Vorteil, den ihr ihm gönnet, damit er euch verderbe. Woher nimmt er so viele Augen, euch zu bewachen, wenn ihr sie ihm nicht leiht? Wieso hat er so viele Hände, euch zu schlagen, wenn er sie nicht von euch bekommt? Die Füße, mit denen er eure Städte niedertritt, woher hat er sie, wenn es nicht eure sind? Wie hat er irgend Gewalt über euch, wenn nicht durch euch selber? Wie könnte er sich unterstehen, euch zu placken, wenn er nicht mit euch im Bunde stünde? Was könnte er euch tun, wenn ihr nicht die Hehler des Spitzbuben wäret, der euch ausraubt, die Spießgesellen des Mörders, der euch tötet, und Verräter an euch selbst?

aus: Étienne de La Boétie, „Von der freiwilligen Knechtschaft“
Étienne de La Boétie (1530 -1563) war nicht irgendein dahergelaufener angeblicher Anarchist, sondern bekleidete das Amt eines Hohen Richters. Und dann schreibt er so ein Buch: „Von der freiwilligen Knechtschaft“! Vielleicht prägte ihn ja diese Begebenheit für den Rest seines kurzen Lebens: Einer seiner Jura-Professoren war Anne du Bourg, der später Gerichtsrat am obersten Gerichtshof in Paris wurde. Dieser protestierte offen gegen die Verfolgung der Hugenotten, wofür er vor einem Ketzergericht zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Nein, Étienne de La Boétie war kein Revoluzzer, der mit Gewalt die bestehenden Ungerechtigkeiten beseitigen wollte. Er war jemand, der reflektierte und über die Ergebnisse seiner Wahrnehmungen nur staunen konnte. Und wir – staunen immer noch. Es ist eigentlich nicht zu fassen, dass Menschen ihren Henkern auch noch das Henkerbeil schärfen.

Étienne de La Boétie wurde gerade mal 33 Jahre alt. Er wurde von einer schweren Krankheit dahingerafft. Ob er in dieser kurzen Zeit die Lösung zur Heilung des menschlichen Wahnsinns gefunden hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Etwas Besseres als die taoistische Aufforderung zum Nicht-Handeln (wu wei) ist mir jedenfalls bisher noch nicht untergekommen. Aber, wie ich schon schrieb, hat die Sache den gewaltigen Haken, um erfolgreich sein zu können:. Es müsste sich alle daran beteiligen. Solange wir den Mächtigen unsere ureigenen Ressourcen für ihre Machenschaften freiwillig zur Verfügung stellen, wird sich nichts ändern können. Und doch muss der Einzelne damit beginnen und wenn er der Einzige auf der ganzen Welt wäre, der dieses Risiko einginge.

Dann gibt es nur eins

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Osho: Was immer du als Abhängigkeit erlebst, das hasst du


Und wenn ihr das Männliche und das Weibliche
zu einem Einzigen macht,
so dass das Männliche nicht mehr männlich
und das Weibliche weiblich ist,
dann werdet ihr in das Königreich eingehen.

aus: Jesus, „Thomas-Evangelium“

Dann bist du in es eingegangen; du bist vollkommen geworden, du bist nicht geteilt, du bist unteilbar geworden. Jetzt hast du ein Selbst. Jetzt hast du Freiheit und Unabhängigkeit, jetzt fehlt dir nichts, bist du in dir vollendet. Solange dieser Kreis nicht zustande kommt, wird dir etwas fehlen. Und du wirst von anderen abhängen, um ihn zu erfüllen.

Darum sieht Sex wie Sklaverei aus – und er ist es! Er sieht nach Abhängigkeit aus, und was immer du als Abhängigkeit erlebst, das hasst du. Daher das ständige Kämpfen mit dem Geliebten, mit der Geliebten: Du hasst es, du kannst nicht vom anderen fort, weil du abhängig bist. Und niemand möchte von irgendjemandem abhängig sein, weil jede Abhängigkeit Einschränkung ist; denn der andere will herrschen, der andere will besitzen – und wenn du abhängig bist, musst du dem anderen eine gewisse Herrschaft erlauben, weil du ja Angst hast. Dies ist eine zweiseitige Abmachung: „Ich will von dir abhängen, du willst von mir abhängen, so können wir uns beide gegenseitig in gewisser Weise besitzen, können wir uns in gewisser Weise gegenseitig beherrschen.“ Aber niemand mag Herrschaft und Besessen-Werden. Darum ist die Liebe ein solches Elend. Und wenn du einen Menschen liebst und gleichzeitig hasst, wie kannst du glücklich sein? Selbst der schönste Mensch wird hässlich.

aus: Osho, „Die verbotene Wahrheit“

„Aber niemand mag Herrschaft und Besessen-Werden. Darum ist die Liebe ein solches Elend. Und wenn du einen Menschen liebst und gleichzeitig hasst, wie kannst du glücklich sein?“ Lassen wir mal „die Liebe“ aus dem Spiel, denn was sollte Liebe mit Beherrschen und Besitzen zu tun haben? Das Wort „Liebe“ verunklärt in diesem Zusammenhang nur alles. John Henry Mackay bekannte in den Schlusszeilen seines Gedichts „Anarchie“:

„Ich bin ein Anarchist!“ – „Warum?“ – „Ich will
Nicht herrschen, aber auch beherrscht nicht werden!“

Genau da liegt natürlich der Hase im Pfeffer: Nicht beherrscht und besessen werden wollen, aber selbst beherrschen und besitzen wollen, ist das, was allgemein unter der Überschrift „Liebe“ geschieht. Wobei zum  Beherrschen wollen auch die Verschleierung des Herrschaftsanspruchs gehört. Darin unterscheidet sich „der gemeine Mensch“ in keiner Weise von Politikern. Die arbeiten auch immer zum Wohle aller, nur nicht zum eigenen Wohl. Also (rein theoretisch) schätze ich den Räuber noch eher, der mit vorgehaltenem Colt „Geld oder Leben“ will. Mein Geld, mein Leben. Er deklariert sich nicht als Gutmensch, sondern als ausgesprochener Bösewicht. Der angebliche Gutmensch, der stets das angeblich Beste für den anderen will, versucht den anderen mit seinem moralischen Anspruch in seinen natürlichen Reaktionen zu täuschen und zu lähmen, während besagter Räuber genau auf dieses Kampfmittel verzichtet. Hat er auch nicht nötig, mit dem Colt in der Hand. Im Krieg und in der Liebe sei alles erlaubt, wird gesagt, was darauf hinweist, dass die so verstandene Liebe auch nichts anders sei als eine Form des Krieges. Und so sieht dann die Kriegserklärung aus: „Willst du mit mir gehen?“

Dieser Krieg wird auf allen Feldern menschlicher Beziehungen so lange toben, wie nicht das geschehen ist, was Jesus so beschrieben hat: „Und wenn ihr das Männliche und das Weibliche zu einem Einzigen macht, so dass das Männliche nicht mehr männlich und das Weibliche weiblich ist, dann werdet ihr in das Königreich eingehen.“ Predigt Jesus hier Gender-Politik? Keineswegs. Gemeint ist hier die Überwindung der Idee der Halbheit.

Ideal und Wirklichkeit

Osho: „Dann bist du in es eingegangen; du bist vollkommen geworden, du bist nicht geteilt, du bist unteilbar geworden.“ Das Wort „geworden“ gefällt mir nicht. Es hat nichts mit einem Werden zu tun. Du siehst, du bist das Unteilbare. Du bestehst nicht aus einer Hälfte, die nach ihrer angeblich fehlenden Hälfte hungert. Das Yin-Yang-Symbol darf nicht auseinandergerissen werden. Du bist vollkommen, du bist nicht geteilt, du bist unteilbar. Du bist Freiheit und Unabhängigkeit, nichts fehlt dir, du bist in dir vollendet. Immer gewesen. Nun kannst du mit anderen sein oder allein. Beides ist Luxus und keine scheinbare Notwendigkeit.

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