Alan Watts: eine wirkliche Volksreligion


WDie von den übrigen getrennten Dingen getrennte Person ist innerlich leer und unzufrieden. Sie lebt in ständiger Hoffnung und wartet stets auf morgen. So wurde sie von Kind an erzogen, als man ihre Wut, weil sie die Double-bind-Situationen nicht begriff, mit Spielzeug beruhigte.

Wenn man eine wirkliche Volksreligion in unserer Kultur finden will, braucht man sich nur die Riten zum Weihnachtsfest anzusehen. Bereits vor Beginn des Advent, der als drei- bis vierwöchige Fastenperiode vor dem großen Fest gedacht war, sind die Straßen weihnachtlich geschmückt, in den im Flitterglanz leuchtenden Geschäften kann man Geschenke in festlicher Aufmachung sehen, und aus den Lautsprechern ertönen auf Band konservierte Weihnachtslieder, so dass man schon lange vor dem Weihnachtsfest vor lauter „Stille Nacht, heilige Nacht“ todkrank wird. In den meisten Wohnungen sind bereits die Weihnachtsbäume geschmückt und illuminiert, und im Laufe der großen Vorbereitungen häufen sich um sie jene blanken Pakete mit den schimmernden Bändern, die so aussehen, als enthielten sie Geschenke für Prinzen. In Schulen und Büros werden – noch bevor sie wegen des eigentlichen Feiertags schließen – bereits Weihnachtsfeiern abgehalten, so dass man bis zum Heiligen Abend vor lauter Feiern beinahe verrückt geworden ist. Aber dann sind da immer noch die Pakete unter dem Weihnachtsbaum. Wenn nun endlich der Tag kommt, sind die Kinder wie außer sich …

aus: Alan Watts: „Die Illusion des Ich“

 
Nach dem Advent ist vor dem Advent. „Advent (lateinisch adventus ‚Ankunft‘), eigentlich Adventus Domini (lat. für Ankunft des Herrn), bezeichnet die Jahreszeit, in der die Christenheit sich auf das Fest der Geburt Jesu Christi, Weihnachten, vorbereitet. Die Christen gedenken der Geburt Jesu und feiern sie als Menschwerdung Gottes.“ (Wikipedia)

Die Christenheit bereitet sich vor auf die stille, die Heilige Nacht, in der sich die Menschwerdung Gottes offenbarte. „Ozeanien wird von vier Ministerien regiert,  deren Namen eine Art Dreistigkeit in der absichtlichen Umkehrung der Tatsachen offenbaren.“ Nicht nur Ozeanien, wie wir unschwer erkennen können. Und Alan Watts beschreibt den Hintergrund des Affentheaters sehr klar: „Die von den übrigen getrennten Dingen getrennte Person ist innerlich leer und unzufrieden. Sie lebt in ständiger Hoffnung und wartet stets auf morgen. So wurde sie von Kind an erzogen, als man ihre Wut, weil sie die Double-bind-Situationen nicht begriff, mit Spielzeug beruhigte.“

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Auch heute leben wir, als Erwachsene und als Kinder, in einer Welt, in der die Menschen, die die ständigen Double-bind-Situationen nicht begreifen können, ununterbrochen in dem Sinn manipuliert werden, dass man ihre Wut mit leeren Worten, „Brot und Spielen“ und der Hoffnung auf ein besseres Morgen beruhigt. Wie sonst ließe es sich nachvollziehen, dass die Bürger dieses Landes immer wieder Leuten die Macht überlassen, die man beim besten Willen nur als kriminell und bescheuert bezeichnen kann. Wenn man davon ausgeht, dass es handelnde Personen gibt, müsste man feststellen, dass die Betrogenen selbst schuld sind an ihrem Elend. „Die von den übrigen getrennten Dingen getrennte Person ist innerlich leer und unzufrieden“, sagt Alan Watts. Wer ist denn dafür zuständig, dass die Person innerlich leer und unzufrieden ist, wenn nicht die Person selbst, müsste man mit Fug und Recht fragen, wenn man an die Schuldfähigkeit der Menschen glauben würde.

Preisfrage: Was für einen Unterschied  macht es für die Betroffenen, ob sie „an Schuldfähigkeit glauben oder nicht daran glauben?“

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Lau Dan: Ei, Meister, Ihr verwirrt der Menschen Wesen!

LKung Dsï ging nach Westen, um Schriften niederzulegen in der kaiserlichen Bibliothek. Da gab ihm Dsï Lu einen Rat und sprach: „Soviel ich weiß, ist da ein gewisser Lau Dan, der früher kaiserlicher Bibliothekar war, sich aber nun zurückgezogen hat und in seiner Heimat lebt. Wenn Ihr Schriften niederlegen wollt, Meister, so macht doch einmal den Versuch, zu ihm zu gehen, damit er Euch behilflich sei.“ Kung Dsï sprach: „Trefflich!“

Und er ging hin, den Lau Dan zu besuchen. Aber Lau Dan war nicht dafür zu haben. Darauf gab er ihm eine Beschreibung der zwölf klassischen Schriften, um ihn zu überzeugen. Lau Dan unterbrach ihn mitten in seiner Rede und sprach: „Das ist zu ausführlich. Ich möchte die Hauptpunkte hören.“ Kung Dsï sprach: „Der Hauptpunkt ist Liebe und Pflicht.“ Lau Dan sprach: „Darf ich fragen: gehört Liebe und Pflicht eigentlich zum Wesen des Menschen?“ Kung Dsï sprach: „Gewiss. Die Tugend ist ohne Liebe nicht vollkommen und kann ohne Pflicht nicht entstehen. Liebe und Pflicht gehören zum Wesen des wahren Menschen. Was will er ohne sie anfangen?“ Lau Dan sprach: „Was bedeutet eigentlich Liebe und Pflicht?“ Kung Dsï sprach: „Im innersten Herzen alle Wesen gern haben, alle lieben ohne Selbstsucht; das ist die Art von Liebe und Pflicht.“

Lau Dan sprach: „Ei, das scheinen mir recht minderwertige Reden zu sein. Alle zu lieben, ist das nicht übertrieben? Selbstlosigkeit als seine Pflicht ansehen, das beweist ja gerade, dass man selbstsüchtig ist. Wenn Ihr, Meister, den Wunsch habt, dass die Welt nicht ohne Hirten sei, so wisst Ihr ja, dass Himmel und Erde ihre ewigen Ordnungen in sich selbst haben, dass Sonne und Mond ihr Licht in sich selbst haben, dass Sterne und Sternbilder ihre Ordnung in sich selbst haben, dass die Tiere ihren Herdentrieb in sich selbst haben, dass die Pflanzen ihren Standort in sich selbst haben. Wenn Ihr, Meister, in Euren Handlungen diesem LEBEN und mit Euren Schriften diesem SINNE folgt, so seid Ihr ja schon am Ziel. Was braucht Ihr da noch krampfhaft Liebe und Pflicht predigen, wie wenn man die Pauke schlagen wollte, um einen verlorenen Sohn zu suchen? Ei, Meister, Ihr verwirrt der Menschen Wesen!“

aus: Tschuang-tse, „Das wahre Buch vom südlichen Blütenland“

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Meister Kung Dsï (Konfuzius) scheint die Menschen bis zum heutigen Tag sehr erfolgreich zu verwirren und Lau Dan (Laotse) gerät seit Jahrtausenden immer wieder in Vergessenheit. „Der Hauptpunkt ist Liebe und Pflicht“, sagt Kung Dsï. Ich muss an die Ordensschwestern in meiner Kindheit denken, die Kung Dsïs zu ihrem täglichen Maßstab gemacht hatten und vor denen ich mich immer nur gefürchtet hatte. Liebe als Pflichtübung – der Herr steh mir bei! Alles muss geregelt werden und bestraft, wenn die Regeln nicht eingehalten werden. Denn was nützen die schönsten Regeln, wenn sich niemand drum kümmert.


„Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.“
(Jesus in mt 5, 37)

Kürzlich hat doch dieser unselige Justiz-Minister Heiko Maas so eine Änderung des Paragrafen 177 des Strafgesetzbuches auf den Weg und durch den Bundestag gebracht, das vorzugsweise Frauen vor sexuellen Übergriffen der notgeilen Männer schützen soll: „Nein heißt Nein“, soll zukünftig gelten. Na so was! Jetzt haben wir es also schwarz auf weiß, und ändern wird sich überhaupt nichts. Die Beweislast liegt nach wie vor bei den Personen, die einen sexuellen Übergriff zur Anzeige bringen wollen.

Was würde Lau Dan wohl dazu sagen? Ich weiß nicht, ob er überhaupt etwas dazu sagen würde, so unsinnig ist diese ganze Regelei. Je mehr Gesetze, Regeln, Moral, desto mehr Übertretungen. Wer eins mit dem Tao ist, braucht keine Gesetze, und wer nicht eins mit dem Tao ist, der wird auch durch Gesetze kein anständiger Bürger werden. Der Staat erfindet Steuergesetze und kreiert damit gleich den Beruf des Steuerberaters, der den Leuten zeigen kann, wie sie den Staat ganz legal oder auch nicht so ganz legal bescheißen können. Es ist ein ständiges Hochrüsten, was da zwischen Gesetzgebern und Gesetzesbrechern stattfindet, und niemand will die Unsinnigkeit dieser Aufrüsterei wahrhaben. Am Ende werden sich alle gegenseitig umgebracht haben.

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Jed McKenna: unser eigenes Ministerium des Erwachens


RSelbsterforschung war nicht der Kern von Ramanas Lehre. Das ist Mayas Spiel mit den Hütchen, und wir sind die Trottel, die vor ihr Schlange stehen, begierig darauf, geschröpft zu werden. Doch wie jeder Schwindler und Bauernfänger weiß, kann man einen ehrlichen Menschen nicht täuschen. Der wahre Kern von Ramanas Lehre, sofern man den Vorhang zurückzieht und nachschaut, lautet „nach außen“. Wenn es um echten Fortschritt geht, gibt es keine Fragen und Antworten, gibt es kein Wissen oder eine Lehre, gibt es nur Gehen oder Nichtgehen: „Nach innen“.

Das Buch „1984“ spielt im Land Ozeanien, dessen Motto (das Thomas Pynchon sehr scharfsinnig als „die Koans einer anomalen/verirrten Form von Zen bezeichnet) lautet: „Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke.“ Ozeanien wird von vier Ministerien regiert,  deren Namen „eine Art Dreistigkeit in der absichtlichen Umkehrung der Tatsachen offenbaren.“ Im Ministerium für Liebe findet all die Folter und Gehirnwäsche statt. Das Ministerium für Frieden führt ununterbrochen Krieg. Das Ministerium für Überfluss ist verantwortlich für die Rationierung von Nahrungsmitteln und Konsumgütern. Das Ministerium für Wahrheit ist verantwortlich für Lügen und Propaganda. Gemäß jener dreisten Praxis der Namensvergabe dürfen wir einen Blick auf unser eigenes Ministerium des Erwachens werfen, den spirituellen Marktplatz, wo wir all die Weisen, Lehrer, Philosophen und Gelehrten antreffen, die schwer beschäftigt damit sind, genau das zu tun, was unser eigener Big Brother – Maya – von ihnen verlangt: dafür zu sorgen, dass keiner aus dem Tiefschlaf erwacht.

aus: Jed McKenna, „Spirituelle Dissonanz“

OMit seinem Kommentar gestern hat mich Fredo richtig heiß gemacht, was zu seinem spirituellen Lieblingsthema zu schreiben. Noch einmal der Satz von Jesus: „Es ist unmöglich, dass ein Mensch zwei Pferde besteigt und dass er zwei Bogen spannt; und es ist nicht möglich, dass ein Diener zwei Herren dient, es sei denn, er ist ehrerbietig dem einen gegenüber, und den anderen verhöhnt er.“ Jed McKenna weist eher darauf hin, dass es unmöglich ist, dass ein Mensch nach innen geht, wenn er sich gleichzeitig nach außen locken lässt, und er wirft Ramana und vielleicht allen, „die da vorne sitzen“, vor, Schwindler und Bauernfänger zu sein und genau das zu tun, was unser eigener Big Brother – Maya – von ihnen verlangt: Dafür zu sorgen, dass keiner aus dem Tiefschlaf erwacht. Starker Tobak.


Vorgestern hat Fredo die hinreißend einfache Geschichte von Ramesh Balsekar erzählt, wie er sich nach seinem zehnminütigen Hin- und Hergetappel über beide Wangen grinsend zu ihnen umdrehte und sagte : „Oh … there just happend meditation … I like that“.  Zumindest in dem Moment war er keiner, „der da vorne saß“, sondern einfach ein Mensch, der mit Freunden augenzwinkernd sein Erleben teilte. Wenn ich mir oben das Bild mit Ramana und seinen Devotees anschaue, frage ich mich unwillkürlich: Was erhoffen sich die Menschen von diesem Ramana, dass sie sich so servil verhalten? Und er, der Herrlichste von allen, nimmt huldvoll ihre Ergebenheitsbekundungen entgegen. Er, dessen Kern seiner Lehre angeblich war, sich selbst zu fragen: „Wer bin ich?“ – also nach innen zu gehen. Die Menschen auf dem Bild aber gehen alle nach außen und erwarten von ihrem Messias ihr Heil.

Jed McKenna vergleicht die, „die da vorne sitzen“, mit den Big Brother-Vertretern des Ministeriums für Erwachen, die ebenfalls das Koan einer anomalen/verirrten Form von Zen verkünden: „Nach innen gehen ist nach außen gehen“: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (mt 11,28) Kommet her zu mir – das heißt nach außen gehen, selbst wenn die Botschaft lautet, nach innen zu gehen. Wir sollen ja angeblich auch eine Demokratie sein.

Und die Moral von der Geschicht: „Traut allen Worten nicht, nicht einmal euren eigenen, zweifelt alles an und findet selbst heraus, was für euch stimmt.

LHört ihr Leut und lasst euch sagen,
es gibt keine Lehre nicht.
Lehren schlagen auf den Magen.
Glaubt ihr – seid ihr nicht ganz dicht.
Macht es wie die Vögelein,
singt ein eignes Liedelein.
Singet gleich aus voller Brust
vom Schmerze tief und eurer Lust.

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Ryōkan: Die Angelegenheiten der Menschen


B
Des Nachts, tief in den Bergen,
Sitze ich in Meditation.
Die Angelegenheiten der Menschen
gelangen nie hierhin:
Alles ist still und leer.
Der Duft der Räucherstäbchen,
verschluckt von der endlosen Nacht.
Meine Robe,
ganz durchfeuchtet von Tau.
Ich kann nicht schlafen,
gehe hinaus in den Wald —
Plötzlich,
über der höchsten Bergspitze,
Erscheint der volle Mond.

aus: Ryōkan, „Alle Dinge sind im Herzen“

F

Also der Fredo ist ja echt so’n Typ: Da verkündet er wortreich das hohe Lied vom ABSOLUT und dann sondert er immer wieder seinen Senf ab zu den Angelegenheiten der Menschen und begibt sich in die Niederungen der Politik. Er könnte sich ja vielleicht mal langsam ein Beispiel nehmen an diesem wundervollen Ryōkan, der sich an einen Ort begeben hat, zu dem die Angelegenheiten der Menschen nie gelangten und der feststellen konnte: „Alles ist still und leer.“ Ryōkan sitzt des Nachts tief in den Bergen in Meditation. Und unser Fredo? Wahrscheinlich lässt er sich in einem Lotterbett finden, in dem er seinen Rausch ausschläft oder sich mit irgendeiner Dame vergnügt, falls er nicht gerade darüber nachsinnt, wie er die nächste Revolution anzetteln kann. Was soll denn ABSOLUT mit Politik zu tun haben? Wie soll Jesus gesagt haben: „Es ist unmöglich, dass ein Mensch zwei Pferde besteigt und dass er zwei Bogen spannt; und es ist nicht möglich, dass ein Diener zwei Herren dient, es sei denn, er ist ehrerbietig dem einen gegenüber, und den anderen verhöhnt er.“( th 47) Also wie denn nun, Fredo: ABSOLUT oder Politik? Du musst dich schon entscheiden!

ANix muss der Fredo natürlich. Alles Bullshit. Und das mit dem Lotterbett ist üble Nachrede. Ich hab keine Ahnung, was der Fredo des Nachts treibt. Irgendwie scheinen viele Spiris ihr eigenes Credo nicht so ganz ernst zu nehmen: „Was immer erscheint ist eine Manifestation der Quelle.“ Was immer, bitteschön, ohne die geringste Ausnahme! Und wenn Fredo Merkels Willkommenskultur für Schwachsinn hält, dann ist das ebenso eine Manifestation der Quelle wie Merkels Willkommenskultur. Huuh, Letzteres zu erwähnen, ist mir richtig schwer gefallen. Merkels Willkommenskultur halte ich genauso für schwachsinnig wie der Fredo. Auch das ist eine Manifestation der Quelle. Die manifestiert eben als Merkel irgendein idiotisches Chaos und als Fredo oder Nitya Personen, die das idiotische Chaos für idiotisches Chaos halten. Ich weiß nicht, was daran besonders spirituell sein soll, die Manifestationen der Quelle einzuteilen in spirituell und nicht spirituell: Alles ist der EINE Geist.  Ich weiß nicht, wie Jesus seinen Satz mit den zwei Pferden, den zwei Bogen, den zwei Herren gemeint haben könnte. Ich würde ihn nicht unbedingt unterschreiben wollen. Die Aufzählung beinhaltet jedenfalls ausschließlich phänomenale Erscheinungen, während die Quelle jenseits davon ist. Linji sagte: „Übende, macht Buddha nicht zum Letztlichen. So wie ich es sehe, ist er nur ein Latrinegraben. Bodhisattvas und Arhats sind Halseisen und Ketten – etwas, das die Menschen fesselt.“ Jedes „spirituell bzw. nicht-spirituell“ ist in derselben Weise ein Latrinegraben. Alle Verhaltensberuteilungen sind Halseisen und Ketten.

Wunderbar, wenn Ryōkan sich in den Bergen gerne den Arsch abfriert. Ich werde mich hüten, aus ihm meinen Latrinegraben zu basteln. Wunderbar, wenn irgendwelche Gurus, jegliche weltliche Einlassung für unsprirituell erklären. Wunderbar, wenn Merkel Waffen in die Krisengebiete liefert, Soldaten an der syrischen Grenze stationiert und alle Flüchtlinge der Welt willkommen heißt. Wunderbar wenn ein paar komische Vögel das zum Kotzen finden. Die Quelle manifestiert sich als Sonne, die keine Gerechten und keine Ungerechten kennt, sondern in gleicher Weise auf alle Manifestationen der Quelle scheint, sogar auf Schrumpelspiris, die sich auch für Politik interessieren.
S

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Osho: Die Taoisten haben keine Landkarten


ONur dieser Augenblick existiert, also rennt nicht kopflos durch die Gegend – das ist sinnlos, das ist neurotisch, das ist verrückt. Entspannt einfach in diesem Moment – seid einfach nur. Das ist mit „Sei einfach still …“
(Liä Dsi) gemeint.

Wenn du zu einem Yoga-Meister gehst, wird er dir sagen, wie du still werden kannst. Er wird dir sagen, welche Stellung dir zu Stille verhelfen wird, wie du atmen sollst, welcher Rhythmus am ehesten zur Stille führt, ob du beim Atmen die Augen schließen oder deinen Blick auf die Nasenspitze richten sollst … Er wird dir Anweisungen, Hinweise geben, er wird dir eine Landkarte in die Hand drücken.

Die Taoisten haben keine Landkarten. Sie sagen, dass du dir zwar, wenn du eine bestimmte Stellung ausprobierst und z.B. auf die Nase schaust und in einem bestimmten Rhythmus atmest, eine gewisse Stille aufzwingen kannst, diese dann aber nicht echt sein wird. Sie ist künstlich, sie ist etwas Aufgesetztes, sie ist unecht. Die echte Stille hat nichts mit irgendwelchen Übungen zu tun. Die echte Stille kommt nicht durch Übung zustande. Zur echten Stille kommt es nur aus der Erkenntnis – der Erkenntnis nämlich, dass alles Begehren nichts bringt.

aus: Osho: „Tao – Das Herz der Freiheit“

S

Echte Stille kommt aus der Erkenntnis, dass Begehren nichts bringt. Das ist die simple Feststellung eines Menschen, der nicht nur in dem Moment zu dieser Stille wurde, als einfach kein Begehren zu spüren war, sondern auch den Zusammenhang erkannte zwischen dem Fehlen jeglichen Begehrens und dem Versinken in der Stille. Daraus eine Methode machen zu wollen, ist eigentlich ein Verbrechen, denn jede Methode bedeutet Zwang und nichts vertreibt Stille mehr als Tun.

AMir wurde schon vorgeworfen, ich würde einer anarchistischen Ideologie frönen. Das ist natürlich Quatsch. Mit Ideologie hat das nicht das Geringste zu tun. Anarchie bedeutet nichts anderes als „kein Zwang, keine Gewalt“. Und Gewalt bedeutet immer „Begehren“. Hab ich mal im Religionsunterricht gelernt: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was sein ist!“ Das haben die Christen ja immer gerne den Habenichtsen gepredigt, während sie selbst mit dem Gesetz, der Moral und bei Bedarf mit dem Schwert alles an sich rafften, was sie erlangen konnten. „Du sollst nicht …“ hat noch nie etwas bewirkt, weil die Formulierung bereits den Keim der Gewalt in sich trägt. Ganz subtil ist Gewalt selbst im „edlen achtfachen Pfad“ der Buddhisten verborgen. Bei den Taoisten ist mir Anarchie in ihrer reinsten Form begegnet: „Zur echten Stille kommt es nur aus der Erkenntnis – der Erkenntnis nämlich, dass alles Begehren nichts bringt.“ Diese Erkenntnis lässt sich nicht erzwingen. Sie kann aus dem Wahrnehmen erblühen, dass das Nicht-Vorhandensein von Begehren gleichbedeutend ist mit dem Juwel echter Stille. Und Stille ist nichts anderes als die Quelle, aus der alles hervorströmt.
B2Sollte A dem B zeigen, dass er nichts von ihm will, nachdem B dem A signalisiert hat, dass er etwas von ihm will, ist das wie eine offene Kriegserklärung. Ich will was von dir, du willst gefälligst was von mir – jetzt klappt der Sicherheitspakt hoffentlich. Das ist immer wieder ein äußerst beliebtes Beziehungskonstrukt. Es scheint für die meisten Menschen kaum zu verstehen zu sein, dass ein „ich will nichts von dir“ im Grunde das größte Geschenk ist. Mit „ich will nichts von dir“ ist nicht Gleichgültigkeit gemeint, sondern eine Haltung, die vom anderen nicht mehr will als das, was sich ganz von selbst entfalten will. Bei allem, was darüber hinausgeht, bleibt die Freiheit von Erwartung, Zwang und Enttäuschung auf der Strecke.

Und Stille? „Mach endlich die Glotze leiser!“

T

 

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Leo Hartong: Es bedarf keines Bemühens

 

LEs bedarf keines Bemühens. Der „Schlüssel“ besteht darin, das Ganze zu durchschauen. Das hat etwas davon, in Gelächter auszubrechen. Wenn es geschieht, geschieht es anstrengungslos. Wenn es nicht passiert, kann es durch Bemühen nicht hervorgerufen werden. Das unterliegt nicht dem Zugriff der Person. Das heißt nicht, dass alles hoffnungslos ist. Vielmehr weist es auf die Einsicht hin, dass du nicht die Person bist. Du bist DAS, was sich der Person gewahr ist. Anders gesagt: Die Person ist ein Objekt im Gewahrsein. Das ist mit allen Zuständen so und schließt Präsenz und Abwesenheit ein. Wirkliche Gegenwärtigkeit ist kein Zustand, in dem sich jemand befindet, SIE ist DAS, was IST. DA SIE ALLES IST, WAS IST, kann SIE nicht erreicht werden. SIE ist wie Raum und das Ich, das SIE erreichen will, ist wie ein Objekt im Raum, das den Raum zu erreichen versucht. Nur die Verwirklichung, dass es unmöglich ist, nicht im Raum zu sein, wird das Objekt entspannen. Nur die Verwirklichung, dass es nichts als Gegenwärtigkeit gibt, wird die Unruhe auflösen, die vom Versuch ausgeht, gegenwärtig sein zu wollen.

aus: Leo Hartong, „Betrachtungen vom Spielfeldrand“

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Ach Gott, das hat möglicherweise schon wieder was Angestrengtes: Ich soll das Ganze durchschauen! Und dann auch noch anstrengungslos! Und als Zeichen dafür, dass ich es durchschaut habe, muss ich dann in Gelächter ausbrechen! Verdammt, was zum Henker soll ich denn durchschauen? Das Ganze? Ich bin ja schon froh, wenn ich wenigstens das Nächstliegende ein bisschen durchschauen kann und jetzt soll ich also das Ganze durchschauen! Da bleibt mir glatt jedes Gelächter im Halse stecken. Jetzt komm ich mir nur noch doofer vor als vorher…..

Ich soll natürlich gar nichts. Aber weil ich’s haben will und nicht weiß, wie ich da rankommen kann, bastle ich mir ein Soll daraus und bin sauer auf wen auch immer. Und darüber soll ich dann auch noch lachen? Soll ich etwa darüber lachen, wie doof ich bin? Ich finde das total beschissen. Und jeder, der so was von sich gibt, ist ein arrogantes Arschloch und will sich nur über mich lustig machen. Scheißspiel!

„Das unterliegt nicht dem Zugriff der Person“, sagt der Leo und: „Das heißt nicht, dass alles hoffnungslos ist. Vielmehr weist es auf die Einsicht hin, dass du nicht die Person bist. Du bist DAS, was sich der Person gewahr ist.“ Ach nee, nicht hoffnungslos. Ist das der Nasenring, mit dem er mich weiter quer um den Globus zerren will?

Na ja, was soll der arme Leo machen? Da war halt die Einsicht, dass er DAS ist, was sich der Vorstellung von der Person gewahr ist, und nicht das, was sich tatsächlich für die Person hält. Wenn die Einsicht nicht da ist, dann ist sie halt nicht da. Vielleicht hat der Leo ja nur was genommen, was ihm nicht bekommen ist, und spielt sich jetzt als Guru auf? Man muss ja nicht alles glauben, was einem irgend so’n Typ erzählt, und sich schon gar nicht mit irgendeinem SOLLTE den ganzen Tag oder gar den Rest des Lebens versauen. Also, wie schon unser alter Sportlehrer zu uns zu sagen pflegte: „Mach’s Knöpfchen auf und sei fröhlich!“F

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Karl Renz: Der Verzicht auf den Verzicht ist, was du bist


KUm zu sein, was du bist, muss sich nichts ändern. Du musst auf nichts verzichten. Das ist wie bei Ramana – der Verzicht auf den Verzicht ist, was du bist. Der Widerruf des Widerrufs. Du kannst nicht zurückweisen, was du bist. Also verzichte auf den Verzicht und sei einfach, was  du bist. Du gibst die Hingabe hin, weil es nichts gibt, was du an irgendwen hingeben kannst. Wer kann etwas an sich selbst hingeben? Und wer braucht das? – Wenn du mich fragst: Ramana ist für mich, was Ich bin, DAS. Aber wenn er als Modell herhalten soll, dann wird er dadurch auf der Stelle zerstört. Deshalb nenne ich ihn Ramana Banana. Und nur für den Affenverstand ist das alles so attraktiv. Lass den Affenverstand tun. Er erschafft immer Vorbilder und das ganze hochheilige Geschäft. Er braucht das heilige  Geschäft, weil er unheilig ist. Er ist ungesund, deshalb erschafft er eine Idee von Gesundheit. Immer, wenn es etwas Heiliges gibt, erschaffst du das Unheilige im selben Augenblick. Heilige Scheiße!

aus: Karl Renz, „May It Be As It Is“S„Lass den Affenverstand tun“ sagt der Karl. Und weiter vorne: „Du gibst die Hingabe hin, weil es nichts gibt, was du an irgendwen hingeben kannst.“ Übertragen auf das Lassen des Affenverstands: Lass den Affenverstand tun und dann lass auch das Lassen! Und dann lass auch das Lassen des Lassens des Lassens … Als ob ‚ich‘ irgendetwas lassen könnte!

Was bleibt dann noch, wenn ‚ich das Lassen lasse‘? „Der Affenverstand erschafft immer Vorbilder und das ganze hochheilige Geschäft. Er braucht das heilige Geschäft, weil er unheilig ist. Er ist ungesund, deshalb erschafft er eine Idee von Gesundheit. Immer, wenn es etwas Heiliges gibt, erschaffst du das Unheilige im selben Augenblick.“ Das ist dann einfach nur noch eine Beschreibung dessen, was die ganze Zeit zu geschehen scheint. Kein Akzeptieren, kein Lassen, keine Hingabe, … einfach nur ein ‚Es-ist-wie-es-ist.‘ „Heilige Scheiße“ sagt der Affenverstand vom Karl dazu, von dem ‚er‘ vermutlich so wenig verschont bleibt wie ‚du und ich‘.

Also nichts zu machen? Ja.

Aber, ich zitiere Steven Harrison: „Die biologische Struktur des Menschen ist in sich ein Denksystem, das aus komplexen molekularen Strukturen hervorgeht. Körper und Geist sind nicht zwei, sondern eins, sie fließen nicht nur durch die synaptischen Hirnstrukturen, sondern auch durch das neurale Gewebe des Körpers und die empfindlichen Netzwerke unserer Organe, durch Haut und Muskeln. Dies alles ist eine dynamische Struktur von Gedanken und Gefühlen. Es ist Veränderung pur. Diese Strukturen sind nicht starr, sondern sind steter Veränderung unterworfen. Sämtliche lebendigen Strukturen haben die Fähigkeit, ungünstiges genetisches Material zu korrigieren.“ Also, nichts zu machen – aber es wird gemacht. Veränderungen geschehen, aber es gibt keinen Veränderer. Alles ist in ständigem Fluss der Veränderung. ‚Ja aber‘, sagt der Verstand, ‚es dauert alles viel zu lange und es geht in die falsche Richtung.‘ Der Verstand bzw. ich, die nur als Vorstellung erscheinen, sind Teil dieser lebendigen Strukturen, die die Fähigkeit haben, nicht nur ungünstiges genetisches Material zu korrigieren, sondern auch auf die immer neuen Herausforderungen des Lebens zu antworten.

„Heilige Scheiße“ also nur für den Affenverstand, der gern der große Macher wäre.

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