Jean Klein: Sie müssen realisieren, dass niemand lebt


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Sie müssen realisieren, dass niemand lebt. Da ist nur Leben. Es ist die irrtümliche Überzeugung, dass es da eine lebendige Persönlichkeit gibt, die Sie dazu treibt, in Objekten nach Sicherheit zu suchen, dazu, ein Gefühl von Kontinuität aufrechtzuerhalten und zu versuchen, das Leben zu dominieren. Die Vorstellung, Täter Ihrer Handlungen zu sein, ist der eine und einzige Fallstrick, der Sie davon abhält, wirklich zu leben. Leben ist frei, ohne Angst, es folgt seinem natürlichen Kurs. Stimmen Sie sich auf das Leben ein, seien Sie eins damit.

Wir müssen unser psychosomatisches Feld kennenlernen, darauf aufmerksam werden, wie wir funktionieren, ohne zu versuchen, es zu ändern. Das bedeutet, dass wir den Tatsachen des täglichen Lebens ins Auge schauen, ohne zu versuchen, ihnen zu entkommen oder sie zu rechtfertigen. Wir sollten absolut zur Kenntnis nehmen, wie alle unsere Gedanken und Handlungen aus einem Zentrum kommen und Wahl beinhalten. Wir müssen auch von den Ergebnissen der Handlungen des trennenden, wählenden Verstandes Notiz nehmen. Auf diese Weise lernen wir uns selbst kennen, und da die Gesellschaft von uns nicht getrennt ist, lernen wir die Gesellschaft kennen. Wenn wir mit der unpersönlichen Position vertraut werden, tauchen neue Aspekte in der Situation auf, die von Meinungen, Vorlieben und Abneigungen verdeckt waren. Diese Ergänzungen verändern alles.

Für mich besteht Sadhana darin, die eigene Funktion kennenzulernen, den Tatsachen des Lebens ins Auge zu sehen.

aus: Jean Klein, „Nichts als Gegenwart“

vSieht aus, wie’n netter Kerl, der Jean Klein, ist er wahrscheinlich auch. Trotzdem hab ich beim Lesen seines Textes eine leichte Benommenheit verspürt. Hmm, hmm, stimmt doch, was er sagt: „Die Vorstellung, Täter Ihrer Handlungen zu sein, ist der eine und einzige Fallstrick, der Sie davon abhält, wirklich zu leben.“ Später sagt er dann: „Wir müssen unser psychosomatisches Feld kennenlernen, darauf aufmerksam werden, wie wir funktionieren, ohne zu versuchen, es zu ändern. Das bedeutet, dass wir den Tatsachen des täglichen Lebens ins Auge schauen, ohne zu versuchen, ihnen zu entkommen oder sie zu rechtfertigen.“ Wir sind also nicht Täter unserer Handlungen und gleichzeitig müssen wir kennen lernen, aufmerksam werden und dürfen nicht versuchen … Da wird ja mal wieder der Hund in der Pfanne verrückt! Ein Nicht-Täter soll tun. Ist euch das schon mal aufgefallen: In der sog. spirituellen Literatur wimmelt es nur so von solchen Double Binds?

„Für mich besteht Sadhana darin, die eigene Funktion kennenzulernen, den Tatsachen des Lebens ins Auge zu sehen“. sagt der Jean Klein. Und was sagt Bello? Nix. Macht der nämlich schon seit eh und je, „die eigene Funktion kennenzulernen und den Tatsachen des Lebens ins Auge zu sehen“ und zwar ohne das zu machen und dieses Nicht-Machen dann Sadhana zu nennen. Achtsamkeitstraining braucht er auch nicht, aber er bewacht zuverlässig das Haus, während Herrchen zu seinem Aufmerksamkeitstraining gefahren ist.

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Hui-k’o Ta-shih: MYOB


hHui-k’o, der zweite Patriarch des Ch’an, gab Schale und Robe, die Insignien der Übertragung des Dharma, an seinen Nachfolger Chien-chih Seng-ts’an
weiter, der damit der dritte Patriarch des Ch’an wurde.

Hui-k’o, der seinerseits seine Autorisation von Bodhidharma erhalten hatte, stromerte überall herum, feierte Zechgelage wie ein Wilder und nahm auch gern die Angebote der Damen der umliegenden Bordelle in Anspruch. Die Leute fragten ihn, wie er so etwas machen könne, immerhin sei er doch ein Patriarch der Ch’an-Schule.

Alles, was er antwortete, war: „MYOB!“ (MIND YOUR OWN BUSINESS!), was auf gut Deutsch bedeutet: Kümmere dich um deinen eigenen Scheißdreck!
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Wie jeder unschwer erkennen kann, handelt es sich bei dem vorliegenden Text um nicht zu belegende Erzählungen. Heinz Butz würde jetzt wieder sagen: „Ja, gell, des sind so Gschichten.“ und seines Weges gehen. Aber das sind halt alles nur so Geschichten oder Legenden. Gibt’s ja zur Genüge auch von Buddha. Bekannt ist auch die Geschichte von Bodhidharma, der jahrelang eine Felswand anglotzte und auf denjenigen wartete, dem er sein Dharma-Erbe hätte anvertrauen können. Als der dann schließlich kam, würdigte er ihn erst einmal keines Blickes. Erst als sich dieser seinen linken Arm abhieb und damit zeigte, wie ernst es ihm war, nahm Bodhidharma ihn als seinen Dharmaerben an. Auf dem Bild ganz oben sieht man, dass Hui-k’o der linke Arm fehlt, was man ja wirklich als Beweis für die Richtigkeit der Geschichte akzeptieren kann. Damit dürfte auch Hui-k’os strenger Hinweis „MYOB!“ bewiesen sein, auch wenn einige ihre Schwierigkeit damit haben werden, dass Hui-K’o damals schon des Englischen mächtig war.

Was bedeutet denn „MYOB!“ in diesem Kontext? Die Leute fragten Hui-k’o, wie er so etwas machen könne, wie er so ein Säufer und Hurenbock sein könne, wo er doch ein Patriarch der Ch’an-Schule sei. Anscheinend hatten die Leute eine Vorstellung davon, wie ein Ch’an-Meister zu sein habe. Vielleicht so wie unser Dalai Lama. Bei dem könnte sich niemand vorstellen, dass er sich so ungehörig benehmen könnte, wie dieser Hui-k’o. Unser Dalai Lama ist wahrhaft ein Vorbild für alle Buddhisten und darüber hinaus für die ganze Welt. Hui-k’o sollte man dagegen am besten aus der Liste der chinesischen Ch’an-Patriarchen streichen. (Dann müsste man allerdings den Rest der Ch’an-Patriarchen gleich mit streichen.) Er ist ein einziger Schandfleck für die ganze Geschichte des Ch’an/Zen. Und so kann es einen auch nicht wundern, dass Hui-k’o sogar noch im Alter von 106 Jahren wegen Ketzerei ermordet wurde. Das kommt dabei raus, wenn die Leute sich nicht um ihren eigenen Mist kümmern und glauben, sie wüssten, was richtig und was falsch wäre. Dass diese Tradition bis heute fröhliche Urständ feiert, durften wir ja kürzlich wieder in dem von mir so getauften Erich-Mielke-Blog erleben. Dabei ist die Quelle des Anstoßes das Unschuldigste, was es gibt: Buddha hält sein Blümchen hoch und Ramana schweigt. Das hat den beiden vermutlich ihren Kopf gerettet. Wahrlich, ich sage euch: Wir leben in einem einzigen Irrenhaus.
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Osho: Der schöne Schein


oWer zu seinem Ursprung zurückkehrt,
findet den Sinn.
Wer jedoch nur dem schönen Schein nachjagt,
verfehlt den Ursprung.

Chien-chih Seng-ts’an

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Wer immer nur dem schönen Schein nachjagt, verfehlt die Quelle, denn die Außenwelt ist nur Schein. Der eine ist auf Reichtum aus, der andere auf Sex, wieder ein anderer auf Ansehen und Macht – und alle jagen sie dem schönen Schein nach. Und immerzu verfehlt ihr euch selbst, und immerzu lebt ihr im Traum. Wer seinen Ursprung verfehlt, der verfehlt alles. Er mag noch so viel in der Außenwelt erreichen, aber am Ende steht er mit leeren Händen da.

Denn das Eine, der Ursprung allen Seins, ist ihm entgangen. Er mag als steinreicher Mann sterben, aber innerlich stirbt er arm, bettelarm. Er mag der große Präsident eines Landes sein oder ein Kanzler, aber tief drinnen weiß er, dass er machtlos ist. Sein Tod ist der Beweis, dass er nur scheinbar Macht hatte; angesichts des Todes ist er machtlos, hilflos. Wahre Macht geht über den Tod hinaus – alles andere ist Impotenz. Sie mag ihn eine Zeit lang täuschen, doch der Tod beweist ihm, was sie wert ist. Vergesst nie, dass der Tod kommt, und der Tod kommt, und der Tod gibt den Ausschlag: Was der Tod entwertet, bleibt entwertet, und was der Tod bestätigt, bleibt bestätigt. Und das, was den Tod übertrumpfen kann, was sich als stärker als der Tod erweist, ist die Wirklichkeit. Das Wirkliche kann nicht sterben; das Unwirkliche stirbt tausend Tode.

aus: Osho, „Weder leicht noch schwer“

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„Der schöne Schein“ – also der muss keineswegs immer schön sein. Schein ist Schein, wie auch immer er erlebt wird. Die Außenwelt ist in ihrer Gesamtheit Schein, nur Schein. Das ist für die meisten Menschen völlig unannehmbar. Da hat einer nur noch ein paar Euro auf dem Konto oder nicht einmal mehr das und dann sagt ihm jemand: „Hey, sorge dich nicht! Das ist alles nur Schein!“ Und wenn dann der arme Hund protestiert und verzweifelt darauf hinweist, dass er demnächst auf der Straße sitzt, kommt jemand wie Osho mit seinem gesicherten Auskommen und 93 Rolly Royces daher und sagt: „Was der Tod entwertet, bleibt entwertet, und was der Tod bestätigt, bleibt bestätigt. Und das, was den Tod übertrumpfen kann, was sich als stärker als der Tod erweist, ist die Wirklichkeit. Das Wirkliche kann nicht sterben; das Unwirkliche stirbt tausend Tode.“ Also, dein Kontostand oder deine Schulden sterben tausend Tode, das Wirkliche, also ganz bestimmt nicht dein Kontostand oder deine Schulden, kann nicht sterben. Also im äußersten Fall wird nur dieser Körper Hungers sterben, aber das Wirkliche wird nicht sterben. Also wenn das nicht tröstlich ist, dann weiß ich auch nicht weiter.

Die Sache hat natürlich einen Haken. Das ist reine Theorie, reiner Mindfuck. Das Wirkliche west auch in jedem Tier herum und doch sorgt es dafür, dass es genug zu fressen hat und möglichst nicht selbst gefressen wird. Das haben die Tiere den Menschen einfach voraus, dass sie keine blöden Ideen im Kopf haben. Das Wirkliche wirkt durch sie, ohne dass die Tiere darüber reflektieren. Anders der Mensch. Er stellt Fragen und dann entwickelt er eine Theorie. Und dann kommt er zu dem Schluss: „Was der Tod entwertet, bleibt entwertet, und was der Tod bestätigt, bleibt bestätigt. Und das, was den Tod übertrumpfen kann, was sich als stärker als der Tod erweist, ist die Wirklichkeit. Das Wirkliche kann nicht sterben; das Unwirkliche stirbt tausend Tode.“ Das dürfte zwar richtig sei, solange es aber nur eine Theorie bleibt, kann nur Blödsinn daraus entstehen. Vielleicht wird der Mensch dann Zen-Schüler in Japan und läuft nur noch mit der Bettelschale herum. Ich habe gehört, dass sich die Zeiten geändert haben und bettelnde Mönche dort neuerdings verprügelt werden. Was macht der arme Kerl jetzt? Ist ja alles nur schäbiger Schein! Bleibt ihm nur der Hungertod. Die Raben, die von keinerlei Skrupeln geplagt werden, werden sich alsbald über dieses Festmahl hermachen und die Würmer auch. Macht ja nix. Das Wirkliche kann nicht sterben.

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Ein Zeichen wahrer Meisterschaft von Osho waren seine 93 Rolls Royces (oben ist nur  ein kleiner Teil der Rolls Royces-Flotte zu sehen), für die er ja weltweit Prügel bezogen hat. Dass das Wirkliche den schönen Schein mit Inbrunst genießen kann, sieht wie ein Widerspruch aus, ist aber keiner. Wer das nicht begreift, führt wahrscheinlich ein ziemlich erbärmliches Leben, aber auch dagegen ist absolut nichts einzuwenden.

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Balsekar: Glück liegt in der Annahme des Polaritätsprinzips

 

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Der menschliche Verstand-Intellekt ist es, der den natürlichen Zusammenhang der Gegensätze als Tatsache des Lebens ablehnt. Leben und Tod werden zu Leben vs. Tod; gut und böse werden zu gut vs. böse. Und so wird das Leben zu einem andauernden Prozess der Wahl. Der Mensch ist von frühester Kindheit darauf ausgerichtet worden, zu wählen und das eine dem anderen vorzuziehen. Aber es ist eine Tatsache, dass das Böse nicht getilgt und Krankheit nicht samt und sonders eliminiert werden kann. Wenn eine Krankheit besiegt ist, tritt sehr schnell eine andere an ihren Platz. Das Glück liegt in der Annahme des Polaritätsprinzips, darin, zu akzeptieren, dass die zusammengehörenden Gegensätze die Grundlage des Universums und der im Universum stattfindenden Bewegung bildet.

aus: Ramesh Balsekar, „Zen und Tao im Licht von Advaita“

p„Gut und böse werden zu gut vs. böse und so wird das Leben zu einem andauernden Prozess der Wahl“, sagt Ramesh. Und wie das so meine nervige Art ist, stelle ich auch diese Aussage in Frage. Was Ramesh da sagt, klingt für mich nach einem Zusammenhang: Weil der menschliche Verstand-Intellekt den natürlichen Zusammenhang der Gegensätze als Tatsache des Lebens ablehnt, wird das Leben zu einem andauernden Prozess der Wahl.

Gestern hatte ich das Video mit dem Eichhörnchen reingestellt. Das Eichhörnchen bemerkte die Gefahr und hatte (theoretisch) die Wahl, sitzen zu bleiben und sich fressen zu lassen oder alles zu tun, um seine Haut zu retten. Das Eichhörnchen wählte die zweite Version. Offensichtlich empfand es die erste Version als die schlechtere und die zweite als die bessere. Lehnte es nun den natürlichen Zusammenhang der Gegensätze als Tatsache des Lebens ab? Das ist natürlich Käse. Mal abgesehen vom Fehlen des menschlichen Verstand-Intellekts – hätte sich das Eichhörnchen auch nur den Bruchteil einer Sekunde solch philosophischen Betrachtungen hingegeben, hätte es damit den sicheren Tod gewählt. Ich vermute, auch ein Mensch in einer vergleichbaren Situation hätte, falls er nicht völlig bescheuert gewesen wäre, ähnlich spontan wie das Eichhörnchen reagiert.

„Und so wird das Leben zu einem andauernden Prozess der Wahl.“ Ich lasse mal den Anfang des Satzes weg, dann wird für mich ein Schuh draus: Das Leben ist ein andauernder Prozess der Wahl und zwar für den Menschen wie für das Eichhörnchen in gleicher Weise. Der Unterschied zwischen Mensch und Eichhörnchen liegt für mich darin, dass sich das Eichhörnchen nicht einbildet eine Wahl getroffen zu haben, während der Mensch genau unter dieser Einbildung leidet.

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Daniel Herbst: Das Leben kann sich nicht verstehen


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Ich lebe meinen Traum? Nein, der Traum lebt sich. Da steckt niemand dahinter. Wenn der Traum endet, ende „ich“. Der Traum und „ich“ sind ein und dasselbe. Wie kann ich da auf die Idee kommen, hinter meinem Lebenstraum zu stecken und ihn selbst zu träumen.

Dieser Traum hier, der sich als mein Leben zeigt, diese Selbsterfahrung, diese Selbst-Entdeckung führt zu nichts. Das Leben zeigt sich niemandem außer sich selbst. Wer könnte sonst noch da sein? Die Idee, dass sich das Leben selbst verstehen müsste, taucht im Leben auf. Es zeigt sich, dass sich das Leben gar nicht verstehen kann, weil es mit sich selbst identisch ist. Und das kann es nur sein, wenn es aufhört, sich immer wieder gedanklich zu erfassen.

Hier endet der Traum, der Träumende und jede Vorstellung davon, worum es (in) diesem Traum geht. Hier gibt es keine Probleme und keine Lösungen mehr. Hier ist niemand, der anders wäre. Hier wird der Traum zur Wirklichkeit eines Träumenden, der ewig unentdeckt bleibt. Hier sucht sich niemand mehr. Hier ist alles ein einziges Passieren. Hier passiert mir der Traum, hier passiere ich mir. „Werdet Vorübergehende“, hat Jesus das genannt.

aus: Daniel Herbst, „Lebenslänglich lebenslang“

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gerettet!

Wenn ich so an „meine“ Träume denke, haben die natürlich alle früher oder später geendet. „Mich“ gibt’s jedoch immer noch. „Mich“ gibt es deshalb noch, weil nach jedem Traum, der endete, sofort der nächste Traum erschien –  Nonstopkino gewissermaßen. Von den erlauchten Erleuchteten ist zu vernehmen, dass sie nicht mehr träumen. Das ist natürlich eine spannende Aussage, die gebührend hinterfragt gehört.

Man könnte hier zwei verschiedene Arten von Phänomenen hinterfragen. Einmal gäbe es da die sog. Welt der Neurotiker zu bieten. Die besteht aus all den Annahmen und Projektionen, die der Neurotiker scheinbar über die reale Welt ausbreitet. Der Neurotiker kann also auf die reale Welt nur durch seine persönlich sehr gefärbte Brille sehen und damit diese Welt nur sehr verzerrt und entstellt wahrnehmen. Und dann gibt es zum anderen die sog. reale Welt, die gar nicht real sein soll, sondern genauso ein Phänomen ist wie irgendwelche psychotischen Wahnvorstellungen. Wird gesagt. Was halt alles so gesagt wird.

Der Daniel sagt zum Beispiel: „Es zeigt sich, dass sich das Leben gar nicht verstehen kann, weil es mit sich selbst identisch ist. Und das kann es nur sein, wenn es aufhört, sich immer wieder gedanklich zu erfassen.“ Das Eichhörnchen in dem folgenden Video muss gar nicht damit aufhören, sich gedanklich zu erfassen, es hat nie damit angefangen. Willigis Jäger hat gesagt:

Gott möchte nicht
verehrt werden.
Er möchte
gelebt werden.

Aha, aha, aha – was ist denn der Unterschied zwischen „verehren“ und leben“? Was der Unterschied zwischen „gedanklich erfassen“ und „leben“, was der Unterschied zwischen „träumen“ und „leben“?

 

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Jed McKenna: Frag dich selbst. Wer bin ich?


r„Warum“, frage ich Bob, dessen Buch Ramana gewidmet ist, „sind all die Tausenden von Ramanas hingebungsvollen Schülern und Verehrern nicht erwacht? Das klingt doch nach einer ziemlich fairen Frage, oder?“ – „Ich halte es nicht für fair, davon auszugehen …“, setzt er an. – „Kein Grund zur Verteidigung“, sage ich, „ich bin einer Meinung mit Ramana. Ich sage, Selbsterforschung ist der Knüller. Da ziehe ich total am selben Strang.“ – „Aber du sagst auch … was sagst du?“ – „Dass Ramanas Unfähigkeit, erwachte Wesen hervorzubringen, nahezu absolut ist.“ – „Oh gut, das ist schwer zu …“ – „Wo doch seine Erfolgsrate augenscheinlich hundert Prozent betragen sollte. Oder nicht?“ – „Ich weiß nicht, ich nehme an …“ – „Was haben wir also übersehen? Warum geht die Rechnung nicht auf? Was ist es, das wir an der Sache nicht verstehen?“

Ich schiele hinüber zu Bob, währen er an dem Problem herumkaut. Er ist sichtlich aufgewühlt, man darf zu Recht annehmen, dass er soeben einen gewissen Grad an Spiritueller Dissonanz erfährt. Er ist sicher, dass Ramana ein großartiger Mann war, ein großartiger Lehrer, ein Heiliger, ein Weiser, was auch immer er unter all dem versteht. Das ist der innere Glaube. Doch selbst nachdem er über fünfzehn gelöschte Absätze hinweg versucht hat, an Ramanas Erfolgsquote herumzudeuteln, muss er schließlich einräumen, dass sie gelinde gesagt miserabel ist. Das ist die äußere Realität. Schließlich bleibt ihm keine Wahl als das Offensichtliche zu erkennen.

„Sie machen es einfach nicht?“ sagt er und lässt es wie eine Frage klingen. „Wer macht  was nicht?“ – „Ramanas Anhänger, sie machen die Selbsterfahrungsübung einfach nicht.“ – „Ja“, pflichte ich ihm bei. „Wenn wir die Situation korrekt beim Namen nennen – Selbsterforschung führt zum Erwachen, und Ramanas Anhänger erwachen nicht -, dann ist das die einzige Schlussfolgerung, die uns bleibt.“

aus: Jed McKenna, „Spirituelle Dissonanz“

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Selbsterforschung führt zum Erwachen, Ramanas Anhänger erwachen nicht, die einzige Schlussfolgerung, die uns bleibt, ist, dass Ramanas Anhänger, die Selbsterfahrungsübung einfach nicht machen. Man müsste ergänzen: Oder sie machen die Selbsterfahrungsübung nicht richtig oder die Behauptung, die Selbsterfahrungsübung führe zum Erwachen, ist falsch. Kann man die Selbsterfahrungsübung überhaupt als Übung bezeichnen? Etwas Machbares soll zum Erwachen führen? Noch dazu zwangsläufig? Da bleibt ja immer noch der Macher. Selbst wenn der Macher immer wieder auch den Macher untersucht, und sich auf diese Weise der Abstand zur angestrebten Null verringern sollte, mag dieser Abstand zwar kleiner werden, verschwinden wird er deshalb nicht. Die Hälfte von der Hälfte von der Hälfte … wird eben niemals Null sein. Der Macher ist durch Machen nicht tot zu kriegen.

Vielleicht sollte ja noch eine Frage gestellt werden. Huang-po sagt: „Solange euer Geist der geringsten Denkbewegung unterworfen ist, werdet ihr dem Irrtum unterliegen, „unwissend“ und „erleuchtet“  als gesonderte Zustände zu betrachten.“ Die Frage „Wer bin ich?“ ist zuallererst einmal eine Denkbewegung. Und sie wird gestellt aus der Vorstellung heraus, dass ich unerleucht bin und durch eine Übung Erleuchtung erreichen kann. Mit jeder Durchführung der Übung bestätige ich mir, dass ich (noch) nicht erleuchtet bin. Also fahre ich nach dem Prinzip „mehr von demselben“ fort, mich regelmäßig  zu befragen. Und wenn ich nicht gestorben bin, dann frage ich mich weiter. Und wenn ich gestorben bin, dann auch.

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Bankei: Ist das nicht eine unschätzbar wertvolle Lehre?


bEine Gruppe von Reisenden, eine Bergkette durchwandernd, wird durstig, und einer von ihnen macht sich allein auf den weiten Weg ins Tal, um Wasser zu holen.  Es ist nicht leicht, aber endlich findet er Wasser und nimmt welches mit, um es seinen Kameraden zu trinken zu geben. Jene, die nun trinken, ohne sich irgendeiner Mühe unterzogen zu haben, stillen die ihren Durst nicht ebenso wie der eine, der das Wasser holte? Wer sich aber nun weigert zu trinken, weil er meint, es sei nicht recht – dessen Durst kann nicht gestillt werden.

Mein eigenes Ringen war ein Irrtum aufgrund des Umstandes, dass ich keinen Meister traf, der einen klaren Blick besaß. Dennoch gelang es mir irgendwann, den Buddha-Geist aus eigener Kraft zu entdecken. Seither spreche ich den Menschen von ihrem eigenen Buddha-Geist, damit sie ihn erkennen, ohne durch solche Mühsal gehen zu müssen – so wie jene Leute Wasser trinken und ihren Durst stillen, ohne es selbst suchen zu müssen. Du siehst also: Ein jeder hat Zugang zum eingeborenen Buddha-Geist und kann inneren Frieden finden, ohne sich unangebrachten Kasteiungen zu unterziehen. Ist das nicht eine unschätzbar wertvolle Lehre?

aus: Bankei Eitaku, „Die Zen-Lehre vom Ungeborenen Geist“

„Wer sich aber nun weigert zu trinken, weil er meint, es sei nicht recht – dessen Durst kann nicht gestillt werden.“ Bankei hätte hinzufügen sollen, dass sich fast alle Reisenden geweigert hatten, zu trinken, weil sie meinten, es sei nicht recht. Das ist bis auf den heutigen Tag so geblieben. Und weil die Trinkverweigerer so stolz auf ihre heroische Tat waren und sind, haben sie sich dieses Erkennungsmerkmal zugelegt: Das Rakusu, von Fredo auch fröhlicherweise „Lätzchen“ genannt und die Rakusuträger „Lätzchenträger“.

rManche dieser Trinkverweigerer fliegen um die halbe Welt, um in irgendeinem Kloster ihre Verweigerungshaltung zu vertiefen, nicht ohne alle Welt vorher von ihrem verdienstvollen Tun in Kenntnis zu setzen und es gibt sogar solche, die schicken solchen Töffeln wie mir, die meinen, sie könnten einfach ungestraft Wasser saufen, anonym ein Buch, dass sie über ihr Fehlverhalten aufklären und ihnen den rechten Weg weisen soll. Also solltet ihr jemals einem Lätzchenträger begegnen, geht ihm lieber aus dem Weg, um ihn nicht ernsthaft zu erzürnen und ihn damit nur zu größerem missionarischem Eifer zu ermuntern.

Bankei lag noch ganz auf der Linie von Ikkyû Sôjun (also dem echten), Linji Yixuan und den alten Ch’an-Patriarchen. Aber was Buddha nicht gelang, ist auch ihm nicht gelungen. Seine „unschätzbar wertvolle Lehre“ wird von der geistigen Beschränktheit der sog. Schüler einfach schon im Vorfeld abgeblockt. Das mag man nun bedauern oder die freundliche Vermutung zelebrieren, dass anderenfalls das fröhlich kosmische Spiel der Göttin Maya nicht mehr stattfinden könnte, und das wäre doch wirklich jammerschade. Kein Drama mehr, nix Aufregendes, … das wäre ja irgendwie wie kein Krimi mehr in der Glotze.

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Fall kein Krimi in der Glotze kommt, empfehle ich als Bettlektüre den Beitrag von Ronny.

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