Huizhong lachte laut und ging fort


Der alte Meister Huizhong hatte einen Gehilfen, der ihm über viele Jahre Essen und Tee bereitete. Dreißig Jahre gingen ins Land, ohne dass der Gehilfe erwachte. Eines Tages rief Meister Huizhong ihn mit dem Namen „Linienhalter des Buddha“. Der Gehilfe reagierte nicht, und als der Meister fortfuhr zu rufen, fragte er schließlich. wen er denn riefe. „Ich rufe dich“, antwortete  Huizhong. „Aber ich bin doch dein Gehilfe und nicht der Linienhalter“, entgegnete dieser verwundert. Da lachte der Meister laut und ging fort.

aus: Hans-Günter Wagner, „Das Kostbarste im Leben“

Ich hab das Buch aufgeschlagen und die erstbeste kurze Geschichte genommen, die ich sah. Au Backe, dachte ich, dazu soll mir jetzt was einfallen? Wieso nennt Meister Huizhong, der 100 Jahre alt geworden sein soll, seinen Gehilfen „Linienhalter des Buddha“? Ist das so gemeint wie in den Märchen, in denen der Meister seinem Lehrling oder Gesellen zum Dank für seine treue Dienste beim Abschied etwas schenkt? Einen Klumpen Gold oder ein „Tischlein-deck-dich“ oder etwas in der Art? Und in diesem Fall nach immerhin dreißig Jahren wäre der Titel „Linienhalter des Buddha“ das Einzige, was der Meister zu verschenken hätte und der Gehilfe könnte nun mächtig stolz sein und hätte bald selbst einen Gehilfen, der ihm Essen und Tee bereiten würde. – Nee, gefällt mir nicht. Langweilig.

Also, wieso lacht sich der Alte da schlapp bei der ehrlichen, wenn auch etwas treudeutschdoofen Antwort des Gehilfen „Aber ich bin doch dein Gehilfe und nicht der Linienhalter“? Ich mein, das ist doch ausgesprochen gemein von dem alten Sack, sich auf Kosten seines alten Dieners lustig zu machen. Der kam immerhin vor dreißig Jahren zu ihm, um erleuchtet zu werden. In all den Jahren erfüllte er gewissenhaft alle seine Aufgaben, musste jedoch zu seinem Leidwesen immer wieder feststellen, dass sich die Erleuchtung bei ihm immer noch nicht eingestellt hatte. Und nun muss er auch noch ertragen, dass ihn sein alter Meister verspottet, indem er ihn mit dem Namen „Linienhalter des Buddha“ ruft. Und dann lacht er ihn auch noch aus und lässt ihn ohne weitere Erklärung einfach stehen. Was für ein Elend!

Aber vielleicht hat ihn Nanyang Huizhong, der ein Schüler des sechsten Patriarchen Huineng war, gar nicht verspotten wollen, sondern ihn mit seiner verrückten Anrede, seinem Gelächter und seinem Weggang endlich einfach den nötigen Tritt geben wollen, zu erkennen, dass er noch nie nicht „der Eine Geist“ war. Mein Gott, wir sind alle „Linienhalter des Buddha“. Hättste nich gedacht, gell!

 

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Ein Freibrief für die geheime türkische Polizei

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Momentan muss um jeden Menschen gefürchtet werden, der türkische Wurzeln hat, nicht wie ein Schaf hinter dem Demagogen Erdogan herläuft und von seinem Recht auf Freizügigkeit Gebrauch macht. Dass es gefährlich ist, vor allem für Türken aus Deutschland, eine Reise in die Türkei zu machen, hat sich bereits herumgesprochen. Dass nun auch in anderen europäischen Ländern die geheime Polizei des türkischen Diktators die Jagd auf alle eröffnet hat, die des Türkischen und des Verstandes mächtig sind, zeigt, mit wieviel Impertinenz der Diktator vorgeht und wie naiv und politisch unzurechnungsfähig zuweilen europäische Behörden agieren. Längst ist bekannt: die türkische Polizei ist überall und ihr Ziel ist es, Menschen einzuschüchtern und diejenigen zu jagen, die sich nicht einschüchtern lassen. So wie sie momentan agiert, scheint sie einen Freibrief zu besitzen.

Auch im jetzigen Fall, der Festnahme des Deutschen Schriftstellers in Spanien, fällt der deutschen Bundesregierung die eigene Appeasement-Politik vor die Füße. Die…

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Osho: Leider muss ich mich mit Worten ausdrücken


Erwarte nichts – weder im Guten noch im Bösen. Lass alle Hoffnung fahren. Bleib hier – im Moment, mit dem Moment, beim Moment, für den Moment. Es gibt keinen anderen Moment als diesen. Und was geschehen soll, wird aus diesem Moment heraus geschehen, wozu sich also Gedanken machen? Wenn dieser Augenblick schön ist, wie kann der nächste dann hässlich sein? Wo soll er herkommen? Was jetzt ist, wird wachsen, wird schöner werden – wie kann es anders sein? Unnötig, sich den Kopf zu zerbrechen.

Und wenn dir das gelingt, ganz bei deiner angeborenen Vollendung zu bleiben … aber leider muss ich mich mit Worten ausdrücken, und so lauft ihr Gefahr, mich falsch zu verstehen. Wenn ich euch also sage, bei eurer inneren Vollendung zu bleiben, dann werdet ihr vielleicht denken, dass ihr euch durchaus nicht immer vollendet vorkommt … gut, dann bleibt bei eurer Unvollkommenheit. Auch Unvollkommenheit ist vollkommen! Nichts ist daran verkehrt, bleibt dabei. Lass dich nicht von diesem Moment abbringen; hier und jetzt ist das ganze Dasein. Was immer erreicht werden muss, muss hier und jetzt erreicht werden. Sei, was immer gerade der Fall sein mag – wenn du dir unvollkommen vorkommst, völlig in Ordnung, dann sei unvollkommen! Da bist du eben, das ist dein So-Sein. Du fühlst dich sexuell erregt -–wunderbar, dann fühl dich so. So bist du, so hat dich Gott gewollt. Traurig? Wunderbar, sei traurig; aber lass dich nicht vom jetzigen Augenblick abbringen. Bleib im Augenblick, und nach und nach wirst du spüren, wie sich die Unvollkommenheit in Vollkommenheit auflöst.

aus: Osho, „Tantra – Die höchste Einsicht“

„Wenn dieser Augenblick schön ist, wie kann der nächste dann hässlich sein? Wo soll er herkommen? Was jetzt ist, wird wachsen, wird schöner werden – wie kann es anders sein?“ sagt er, der Osho. Also wer das jetzt wörtlich nimmt und glaubt, ist durchaus nicht vor unangenehmen Überraschungen sicher. Du fährst auf deinem Fahrrad bei herrlichem Sonnenschein dahin und nichts zu suchen, das ist dein Sinn. Im Schatten siehst du kein Blümlein stehen, sondern eine Katze, die von einem Hund gejagt wird und genau auf dich zurast. Du versuchst auszuweichen und zu bremsen, fliegst dabei über den Lenker und knallst mehr als unsanft an einen Baum. Nu marschier mal zu Osho und beschwer dich: „Du hast doch gesagt: Was jetzt ist, wird wachsen, wird schöner werden – wie kann es anders sein? Nix ist schöner geworden, ich lieg im Dreck und alles tut mir weh und mein Fahrrad ist auch total ramponiert!“

Und der fiese Möpp, was würde der sagen? „Sei, was immer gerade der Fall sein mag – wenn du dir unvollkommen vorkommst, völlig in Ordnung, dann sei unvollkommen! Da bist du eben, das ist dein So-Sein.“ Nun, der Fall war gerade ziemlich schmerzhaft und du fühlst dich alles andere als vollkommen, und Osho sagt ganz begeistert: „Du fühlst dich gerade richtig scheiße? Wunderbar, dann fühl dich so! So bist du, so hat dich Gott gewollt.“ Na Klasse, sehr tröstlich.

Aus dem Gesamtzusammenhang wir deutlich, hoffentlich, dass Osho hier nicht irgendwelche leeren Versprechungen auf bessere Zeiten macht, sondern dass es ihm um etwas ganz anderes geht. Er schreibt: „Erwarte nichts – weder im Guten noch im Bösen. Lass alle Hoffnung fahren. Bleib hier – im Moment, mit dem Moment, beim Moment, für den Moment. Es gibt keinen anderen Moment als diesen. – Lass dich nicht vom jetzigen Augenblick abbringen. Bleib im Augenblick, und nach und nach wirst du spüren, wie sich die Unvollkommenheit in Vollkommenheit auflöst.“ Es sind nicht die Umstände, um die es hier geht, sondern deine Haltung zu den Umständen. Wie heißt’s in Reiters Morgenlied von Wilhelm Hauff: „Kaum gedacht / War der Lust ein End gemacht / Gestern noch auf stolzen Rossen / Heute durch die Brust geschossen / Morgen in das kühle Grab.“ So ungefähr magst du dich fühlen, wenn du da wimmernd im Dreck liegst und Hund und Katz sich nicht einmal um dich kümmern. Mehr ist nicht als dieser Augenblick. Aber ob du jetzt in tiefem Selbstmitleid versinkst oder schallend über die Situation lachst, das sind immerhin schon zwei Optionen.

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Alan Watts: Wir gehen der Geburt eines Sterns entgegen


Und mit der Zeit wird alles intensiver, die Probleme werden problematischer, man stellt fest, dass man mit etwas ringt, dessen man nicht Herr werden kann. Man muss es zwar unter Kontrolle bringen, aber man ist dazu absolut nicht in der Lage. Wie alle gegenwärtigen Weltprobleme ist einem die ganze Geschichte entglitten. Wir spüren, dass wir auf unser Verhängnis zugehen, denn einmal mehr gehen wir der Geburt eines Sterns entgegen, was die schöpferischste Sache ist, die es überhaupt gibt.

aus: Alan Watts,“Meditation – Philosophische Phantasien“

„ES IST UNGEHEUER WICHTIG, MINDESTENS EINMAL PRO TAG VER-RÜCKT ZU WERDEN …“, schrieb Alan Watts vorweg. Von dem Krimiautor Gilbert Keith Chesterton stammt die Frage: „Warum können Engel fliegen?“, die er dann vorsichtshalber gleich selbst mit den Worten beantwortet: „Weil sie sich leicht nehmen.“ Es ist dasselbe, was Osho mit der Aufforderung meint: „Sei dir selbst ein Witz, der dich erheitert!“ Ach Gott, könnte das Leben schön sein, wenn sich jeder nicht so grauenvoll wichtig nehmen würde. „Ernsthaftigkeit ist die heilige Seuche“, sagt Osho. Aber sie ist nicht nur heilig, diese Seuche ist allgegenwärtig. Auch und gerade im politischen und spirituellen Bereich. – So, lange Rede, kurzer Sinn: Alan Watts spinnt in dem kleinen Text munter vor sich hin. Vielleicht hat er sich auch vorher einen Joint reingepfiffen, was weiß ich? Also, es ist nichts zum Ernstnehmen.
Das Buch wurde 1974 herausgegeben. Schon damals also spürte Alan Watts, dass wir auf unser Verhängnis zugehen. Die Geburt eines neuen Sterns phantasierte er, was ja nichts anderes bedeutet als den Untergang unseres bestehenden Planeten. Kurz vorher erwähnt Alan in seinem Buch Leute, die unbedingt alt werden wollen. Siebzig, achtzig oder neunzig Jahre genügen ihnen nicht. Sie wollen letztlich unsterblich werden, lassen sich oder wenigstens ihre Samen oder Eizellen einfrieren, um in fortgeschritteneren Zeiten wieder zu neuem Leben erweckt zu werden, in denen man dann hoffentlich dem Geheimnis ewigen Lebens auf die Spur gekommen ist. Andere Leute haben offensichtlich den Eindruck, dass dieser Planet unkaputtbar sei. So wenig der eigene Tod ein Thema für sie ist, ist es der Tod dieses Planeten. Sie aasen mit ihm herum, dass es eine Sau graust. Eigenartiger Weise scheinen dieselben Leute ihre Mitmenschen gerne mit unzähligen Gesetzen beglücken zu wollen, die angeblich alle sehr hehre Ziele verfolgen.

Leben ist natürlich schon längst ewig und bedeutet Geburt, Dasein, Tod, Geburt, Dasein, Tod, … Brahma, Vishnu, Shiva, die sich bis in alle Ewigkeit im Kreise drehen. Wenn dieser unser Planet also seinem Untergang entgegensehen sollte, dann wäre dies nichts anderes als im völligen Einklang mit der kosmischen Gesetzmäßigkeit vom Werden und Vergehen von allem, was existiert bzw. – etwas freundlicher ausgedrückt – vom ewigen Wandel alles Seienden. Darüber kann man jetzt stundenlang herumphilosophieren, aber wer will sich schon persönlich dem Kreislauf von Werden und Vergehen anvertrauen? Wir wollen leben. Und diese verdammte Welt soll nicht sterben. Aber sie stirbt schon längst. Alan Watts: „Man muss es zwar unter Kontrolle bringen, aber man ist dazu absolut nicht in der Lage. Wie alle gegenwärtigen Weltprobleme ist einem die ganze Geschichte entglitten.“ Mit Forderungen, dass „die da oben“ sich gefälligst mal ändern sollen, werden wir bestimmt nichts erreichen. Also nehmen wir mal an, Alan hat Recht – oder weißt du vielleicht, wie du die Welt retten willst? Vielleicht ist ja sein Rat wenigstens gut dafür, sich nicht vor der Zeit in völliger Verzweiflung zu entleiben: „Es ist ungeheuer wichtig, mindestens einmal pro Tag verrückt zu werden.“ Das ist jedenfalls immer noch besser, als Heidi Klum in der Glotze zu besichtigen. Nein? Ihr wollt lieber die Klum? Na bitte, könnt ihr auch haben. Soll doch die Welt untergehen, Hauptsache wir haben unsere Heidi:

 

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Karl Renz: Gut, dass wir mal darüber gesprochen haben


Wenn du sagst, dass da niemand ist, ist da immer noch einer. Um „da ist keiner“ zu sagen, muss einer da sein. Wenn du sagst, dass es kein Innen und kein Außen gibt, dann gibt es immer noch ein Innen und ein Außen, weil es jemanden geben muss, der sagt, dass es kein Innen und kein Außen gibt. Er ruft allein dadurch ein Innen und Außen hervor, dass er darüber spricht. Es gibt kein Entkommen.

Das ist immer noch Teil dieses Verstehens. Es ist immer noch Unwissenheit. Alles, was du definieren kannst, ist Unwissenheit. Alle Definitionen entspringen einem Definierenden und dieser Definierende ist sowieso ein Lügner. Deshalb ist alles, was der Definierende zu sagen hat, Lüge. Der erste Definierer „Ich“ ist bereits schon Lüge, schließlich ist er eine Imagination. Er ist nicht, was du bist, da du dem Lügner vorausgehst. Aus dieser Lüge geht nur Lüge hervor.

aus: Karl Renz, “ Eight Days in Tiruvannamalai“

Jiddu Krishnamurti war offensichtlich entschieden seriöser als Karl Renz, jedenfalls drückte er sich etwas gewählter aus. Aber gemeint ist in beiden Fällen dasselbe. Wenn das Wort nicht das Ding ist, dann ist jedes Wort, das so tut, als sei es das Ding, eine Lüge. Wer den Buddha wörtlich nimmt, macht aus ihm einen Lügner. Der arme Buddha kann da nicht das Geringste dafür. Wenn Rilke sagt, dass er sich so vor des Menschen Wort fürchtet, dann meint er vielleicht auch, dass er fürchtet, dass die Menschen das, was sie sagen, wörtlich meinen.

Ist da nun einer oder ist da niemand? Der Karl denkt nicht daran, diese Frage zu beantworten. Ach kann man sich herrlich über diese Frage die Schädel einschlagen! Wenn du sagst, dass da niemand ist, rufst du allein dadurch einen Jemand hervor, dass du darüber sprichst. „Es gib kein Entkommen“, sagt der Karl. Was macht nun so’n armer Guru, der gefragt wird, ob es jemanden gibt oder nicht? Was immer er sagt, wird zwangsläufig eine Lüge sein. Aber der Mind will verstehen, also fragt er unentwegt weiter. Und wenn er glaubt es verstanden zu haben, will er sein Wissen weitergeben und wird so zum Philosophen.

Karl: „Das ist immer noch Teil dieses Verstehens. Es ist immer noch Unwissenheit. Alles, was du definieren kannst, ist Unwissenheit.“ Au weia, die armen Philosophen, die alles so schön definieren können. Und dann erst die Theologen! Und die Gurus, die sich von den Fragen ihrer Schüler gedrängt fühlen, das Unerklärliche zu erklären. Gibt es denn überhaupt eine Möglichkeit, das Unsagbare zu vermitteln? Buddha hatte mit seinem Blümchen Glück. Kashyapa lächelte. Die ollen Ch’an-Meister verprügelten ihre Schüler im richtigen Moment. Mein Heinz Butz fragte im richtigen Moment: „Spüren Sie’s?“ Dabei gab’s da natürlich so wenig zu spüren, wie das Klatschen der einen Hand zu hören ist. Pilatus: „Was ist Wahrheit?“ Jesus aber schwieg. Was für eine wundervolle Antwort.

 

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Jiddu Krishnamurti: Totale und radikale Revolution


Die Welt betrachten, die Menschheit, das „Mich“ und die Notwendigkeit einer totalen und radikalen Revolution, wie wird es möglich dies zu erreichen? Es kann nur dann erreicht werden, wenn der Beobachter nicht mehr länger versucht sich zu ändern, weil er selbst ein Teil von dem ist, was er verändern möchte. Demzufolge wird jedwedes Handeln des Beobachters komplett außer Kraft gesetzt, und in dieser totalen Untätigkeit liegt bereits eine andere Handlungsweise.

All dies ist nicht mysteriös oder mystisch. Es ist eine einfache Tatsache. Ich beginne nicht mit dem extremen Ende des Problems, dass das Beenden des Beobachters ist, sondern ich beginne mit den einfachen Dingen. Kann ich mir eine Blume am Wegesrand oder in meinem Zimmer betrachten, ohne all die herumschwirrenden Gedanken, die sagen: „Es ist eine Rose, ich mag den Geruch, den Duft“ und so weiter und so fort? Kann ich lediglich beobachten, ohne den Beobachter? Wenn Sie dies noch nie getan haben, machen Sie es, auf der niedrigsten und einfachsten Stufe. Es ist nicht wirklich die niedrigste Stufe; wenn Sie wissen, wie das gemacht wird, haben Sie alles getan.

aus: Jiddu Krishnamurti, „The Collected Works vol XVI, p 205“

Schlüsselloch, Auge, Lidschlag – und der Rest sind Hinzufügungen. Ja selbst die Worte „Schlüsselloch, Auge, Lidschlag“ sind Hinzufügungen, noch dazu, weil hier nur animierte Bilder zu sehen sind und weit und breit kein “ Schlüsselloch, Auge, Lidschlag“. „Kann ich mir eine Blume am Wegesrand oder in meinem Zimmer betrachten, ohne all die herumschwirrenden Gedanken?“ fragt Krishnamurti. Um kommunizieren zu können, musste er zwangsläufig Worte verwenden, so wie ich die Worte „Schlüsselloch, Auge, Lidschlag“ verwendet habe. Aber „Das Wort ist nicht das Ding“, wie Krishnamurti nicht müde wurde zu erwähnen. Taucht die Frage auf: Was ist das Ding? Was ist das Ding, ohne für seine Beschreibung schon wieder Worte zu gebrauchen. Das Ding ist ja auch nicht seine Beschreibung.
„Kann ich lediglich beobachten, ohne den Beobachter? Wenn Sie dies noch nie getan haben, machen Sie es, auf der niedrigsten und einfachsten Stufe. Es ist nicht wirklich die niedrigste Stufe; wenn Sie wissen, wie das gemacht wird, haben Sie alles getan.“ Das ist jetzt ein bisschen schwierig. Offensichtlich meint Krishnamurti mit dem Beobachter zum einen jemanden, der glaubt der Beobachter zu sein, und zum anderen, den, der jede Wahrnehmung in irgendeiner Weise einordnet und benennt. Wenn dies nicht stattfindet, findet auch kein Beobachter statt. Andere haben sich hier mit dem Begriff des Zeugen beholfen, aber ich finde, das hilft auch nicht wirklich weiter. Wir können also nur versuchen, es zu beschreiben: Da, wo Wahrnehmender, Wahrgenommenes und Wahrnehmen nicht mehr getrennt sind, existiert kein Beobachter mehr.

Ist das jetzt schon wieder so’ne gottverdammte Zwickmühle, aus der es kein Entrinnen gibt? Wer zuerst am Zug ist, hat gewonnen? Wer schneller zieht, überlebt? Krishnamurti sagt: „Es kann nur dann erreicht werden, wenn der Beobachter nicht mehr länger versucht sich zu ändern, weil er selbst ein Teil von dem ist, was er verändern möchte. Demzufolge wird jedwedes Handeln des Beobachters komplett außer Kraft gesetzt, und in dieser totalen Untätigkeit liegt bereits eine andere Handlungsweise.“ Das finde ich ein bisschen kompliziert ausgedrückt. Der Beobachter muss erst verschwunden sein, um nicht mehr versuchen zu können, sich zu ändern. Solange er existiert bzw. glaubt, zu existieren, wird er keine Ruhe geben können. Da gefällt mir diese Aussage wesentlich einfacher und klarer: „Kann ich lediglich beobachten, ohne den Beobachter? Wenn Sie dies noch nie getan haben, machen Sie es, auf der niedrigsten und einfachsten Stufe. Es ist nicht wirklich die niedrigste Stufe; wenn Sie wissen, wie das gemacht wird, haben Sie alles getan.“ Dafür müsste allerdings erst mal auch der Macher verschwunden sein.

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Monoimus: Suche nach IHM aus dir selbst heraus


Unterlasse es, nach Gott, der Schöpfung und Dingen wie diesen zu suchen. Suche nach IHM aus dir selbst heraus und lerne, wer es ist, der sich aller Dinge in dir bemächtigt und sagt: „Mein Gott, mein Verstand, mein Verstehen, meine Seele, mein Körper.“ Und lerne, woher Sorgen und Liebe und Freude und Hass und ungewollte Wachheit und ungewollte Benommenheit und ungewollter Ärger und ungewollte Zuneigung stammen; und wenn du diese gewissenhaft untersuchst, wirst du IHN selbst entdecken, die Einheit und Vielfalt in dir selbst, entsprechend diesem Anspruch, und dass ER den Ausweg findet, aus dir selbst.

Monoimus, lebte ca. 150 – 210 n. Chr., also ca. 420 Jahre vor Mohammed, beide waren sie Araber, der eine Gnostiker, der andere der Verkünder von Allahs Offenbarungen. Wer ist Allah? Ein Jemand, denn nur einen Jemand kann man beleidigen. Wer ist Monoimus? Auf jeden Fall, um bei seinen überlieferten Worten zu bleiben, nicht jemand, der sagen würde: „Mein Gott, mein Verstand, mein Verstehen, meine Seele, mein Körper“, sondern das, was übrig bleibt, wenn all diese Dinge weggefallen sind. Wenn jedes „Mein“ wegfällt, fällt damit auch sofort Gott weg. Da existieren dann weder die Person „Ich“ noch die Person „Gott“. Gott ist nicht tot, wie Nietzsche sagte, er hat noch nie existiert außer als Vorstellung im menschlichen Mind. Und wenn Gott noch nie existiert hat und damit natürlich auch Allah oder wie Gott auch sonst benannt wird, dann ist auch Mohammed nicht sein Prophet, ja nicht einmal der Prophet seiner eigenen Vorstellungen, die nichts anderes sind als ein Ausdruck des Namenlosen. Wenn Adolf Hitler von der Vorsehung schwadronierte, die ihn leitete, dann lag er damit goldrichtig. Er hätte allerdings hinzufügen müssen, dass dies nicht nur für seine auf diese Weise ausgezeichnete angebliche Person galt, sondern für alles und alle.
Monoimus fordert seine Leser auf, zu erforschen, woher Sorgen und Liebe und Freude und Hass und ungewollte Wachheit und ungewollte Benommenheit und ungewollter Ärger und ungewollte Zuneigung stammen. Das Wort „ungewollt“ ist in diesem Zusammenhang ein hervorragender Schlüssel. Ungewollt will ja in diesem Kontext eigentlich sagen: Nicht Meins. Monoimus deutet damit an, dass es nicht die geringste Rolle für das Auftauchen von irgendwelchen Erscheinungen spielt, ob sie gewollt oder nicht gewollt sind. Sie sind weder meine noch nicht meine. Ihr Auftauchen hat überhaupt nichts mit diesen ganzen Träumereien zu tun. Wer sollte schon so etwas glauben: „Die ganze Welt“ findet ohne „mich“ statt? Oder wie es gestern Steven Harrison gesagt hat: „Unsere objektive Bedeutung als subjektiv zu erkennen und – schlimmer noch – überrascht zu erkennen, dass so etwas wie ein Subjekt gar nicht existiert, das sind die Gefahren, die es mit sich bringt, wenn man nicht länger funktioniert, wie man es gewohnt war.“

Zwischen Monoimus und Mohammed liegen Welten und doch sind beide Manifestionen derselben Quelle. Ich vermute mal, dass Monoimus dies ohne weiteres bestätigt hätte, während Mohammed diesen gottlosen Burschen hätte hinrichten lassen, der so etwas behauptet. Dass beide wirklich Manifestationen derselben Quelle sein sollen, ist für den Mind nun mal völlig unannehmbar.

An solche himmlischen Hierarchien lässt sich halt leichter glauben. Da weiß man wenigstens, was man hat, vor allem aber, dass man sich hat. Tod also allen, die mein Existenzrecht bestreiten!

 

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