Chiyo-ni: das Lächeln der Erde


Frühlingsregen
das Lächeln der Erde sich
im Feld ausbreitet

Chiyo-ni

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Jeff Foster: Trennung ist nichts anderes als Gewalt.



Sich in der Welt umzuschauen, herumzuspazieren und mit sichtbaren Dingen und scheinbar anderen zu interagieren, bedeutet sozusagen, vollkommen in Liebe zu sein. Vollkommen mit allem in Liebe zu fallen, beendet alle Gewalt, innere wie äußere, weil Gewalt nichts anderes ist als Trennung und Trennung ist nichts anderes als Gewalt. Wenn alles (das) Selbst ist, wenn es keine anderen gibt, wenn die selbst-andere Spaltung geheilt ist, wenn da vollkommene Selbstlosigkeit ist (was vollkommene Selbstbezogenheit bedeutet, egal, wie paradox das für den Verstand klingen mag), ist da eine Liebe und Gelassenheit, die alles und jedes durchdringt. Sie durchtränkt alle Interaktionen zwischen allen scheinbar anderen; es ist eine Liebe, die immer da war, eine Liebe, die wir vielleicht in unserem Streben nach etwas mehr vergessen haben.

aus: Jeff Foster, ” Das Wunder des Seins”

“Gewalt ist nichts anderes als Trennung und Trennung nichts anderes als Gewalt.” Warum haben sich Mystiker seit jeher in der Anarchie zu Hause gefühlt? Anarchie bedeutet: Keine Herrschaft des Menschen über den Menschen. Anarchie bedeutet: Keine Gewalt. Und Mystik bedeutet: Keine Trennung. Es kommt alles aus derselben Quelle.

Immer wieder einmal tauchte bei Anarchisten die Frage auf, ob man die Idee der Anarchie nicht auch politisch verwirklichen könne. Aber sie standen alle sehr schnell vor der Unmöglichkeit, mit denselben Mitteln für ihre Idee zu werben wie andere politische Kräfte. Und wenn sie doch die Mittel der anderen benützt haben, waren sie im selben Moment keine Anarchisten mehr. Ich denke gerade an den Faschismus und seine Möglichkeiten, hierarchische Systeme, Gewalt, Propaganda und dergleichen einzusetzen. All dies wäre für einen wirklichen Anarchisten undenkbar. Kann er überhaupt irgendetwas tun, außer sein Lied zu singen? Im Grunde ist er völlig hilflos. Er steht da wie der einsame Rufer in der Wüste und nur der Wind lauscht seinem Lied. Und doch, so Jeff Foster, ist da eine Liebe und Gelassenheit, die alles und jedes durchdringt.

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Jesus: dann werdet ihr in das Reich eingehen



Dieses Freisein von den Paaren der Gegensätze ist das Königreich des Himmels, von dem in der Bibel gesprochen wird, obwohl die meisten Auslegungen dies scheinbar vergessen haben. Der Himmel ist nicht der Inbegriff aller Tugenden und eine Belohnung unter Ausschluss alles Negativen, sondern der Zustand einer Transzendenz beider, sowohl des Positiven, als auch des Negativen.

Im Thomas-Evangelium heißt es:

Sie fragten ihn:
Werden wir, wenn wir werden wie die Kinder,
in das Himmelreich eingehen?
Jesus antwortete:
Wenn ihr aus zweien eins macht,
und wenn ihr das Innere zum Äußeren macht,
und das Äußere zum Inneren,
das Oben zum Unten,
und das Männliche und das Weibliche
zu einem Einzigen,
werdet ihr in das Königreich eingehen.

aus: Ramesh S. Balsekar, “Die eine Wahrheit”

Jesus sagt: “Nein! Einfach nur Kinder zu sein, hilft nicht.”

Jesus sagte zu ihnen:
Wenn ihr aus zwei eins macht,
und wenn ihr das Innere wie das Äußere macht
und das Äußere wie das Innere,
und das Obere wie das Untere
und wenn ihr
das Männliche und das Weibliche
zu einem Einzigen macht,
so dass das Männliche nicht mehr männlich
und das Weibliche nicht mehr weiblich ist,
dann werdet ihr in das Reich eingehen.

Das also heißt es, wieder Kinder zu sein. …

Wie können zwei verschwinden? Was muss man tun? Nichts kann durch den Verstand geschehen, denn wenn der Verstand da ist, bleiben zwei. … Schau nicht durch den Verstand, und die Welt des Vielen verschwindet. Schau durch den Verstand, und sie ist da.

Schau nicht durch den Verstand, lass ihn weg – und schau! Kinder schauen ohne Verstand auf die Welt, weil der Verstand Zeit braucht, sich zu entwickeln. … Wenn das Kind geboren ist, blickt es am ersten Tag auf die Welt; die Welt ist eins, es kann keine Unterscheidungen machen. Wie sollte es? Es kann nicht sagen: “Dies ist grün und das ist rot.” Es kennt nicht Rot, es kennt nicht Grün, es schaut einfach – die Welt ist eins. Sie ist so sehr eins, dass es nicht zwischen seinem eigenen Körper und dem Körper seiner Mutter unterscheiden kann.

aus: Bhagwan Shree Rajneesh, “Die verbotene Wahrheit”

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Jeff Foster: ein sehr gewöhnliches Leben


In den folgenden Wochen und Monaten gab es andere Zeiten als diese, wenn Jeff dahinschmolz und mit ihm die Trennung und Isolation; da gab es Zeiten, in denen Tränen über die Ungeheuerlichkeit dessen flossen, was wir Leben nennen, über die Tatsache, dass es überhaupt “Dinge” gibt. Da waren Momente, wo es eine so wilde Liebe gab, dass es das Herz fast sprengte und es gab Zeiten, wo einfach nichts war: Keine Existenz, keine Welt, überhaupt keine Manifestation.

Diesen Zeiten wurde Bedeutung gegeben. Sie wurden “spirituelle Erfahrungen” oder “Erwachen” genannt und da war eine große Erregung.

Heute ist das ganze Drama verklungen. Da wird nur noch ein gewöhnliches Leben gelebt. Ob “Jeff” da ist oder nicht, hat keine Wichtigkeit. Ich kann nicht einmal sagen “Ich bin nicht hier” oder “Jeff gibt es nicht”, weil das einfach nur ein weiterer Gedanke, eine andere Identität wäre. Aber das ist das Feuer, das alle Identität verbrennt und dich als totales Mysterium für dich selbst zurücklässt.

Ja, das Ganze ist in ein sehr gewöhnliches Leben zusammengebrochen. Aber durch all das hindurch gibt es ein Gefühl von Gleichmut, ein “Okaysein” mit allem, was erscheint, eine tiefe unerschütterliche Sicherheit, dass alles genau so passiert, wie es soll. Das schließt den Schmerz genauso mit ein wie das Vergnügen, die Traurigkeit genauso wie die Freude.

aus: Jeff Foster, “Das Wunder des Seins”

“Aber durch all das hindurch gibt es ein Gefühl von Gleichmut, ein ‘Okaysein’ mit allem, was erscheint, eine tiefe unerschütterliche Sicherheit, dass alles genau so passiert, wie es soll. Das schließt den Schmerz genauso mit ein wie das Vergnügen, die Traurigkeit genauso wie die Freude.”

Ich hab mir diese Stelle heraus  gepickt, weil da oft diese Vorstellung herumgeistert, dass dieses häufig beschriebene Gefühl von Gleichmut, von “Okaysein” mit allem, was er scheint, von dieser tiefen unerschütterlichen Sicherheit, dass alles genau so passiert, wie es soll, sich nur auf “das Geschehen da draußen” bezöge. Da sitzt dann jemand wie ein Himalaya inmitten dieser lächerlich winzigen Kalamitäten der Menschen, völlig unberührt von ihren abstrusen Lebensdramen und blickt mit  einem unergründlich weisen Lächeln schweigend auf alles Vergängliche herab, bis er schließlich emporgehoben wird und für immer entschwindet in für uns Sterbliche unsichtbare himmlische Gefilde. Und wir, die Zurückgebliebenen, können dann nichts tun, als wieder neue Altäre bauen und neue Tempel und neue Religionen erfinden und hoffen und  harren.

Den Zahn zieht hier Jeff Foster mit dem keinen Hinweis, dass das “Okaysein” mit allem was erscheint, eben auch den Schmerz mit einbezieht wie das Vergnügen, die Traurigkeit genauso wie die Freude. Schmerz, Vergnügen, Traurigkeit und Freude sind Erscheinungen, die Hinz und Kunz auch jederzeit in ihrem alltäglichen Leben wahrnehmen können. Also absolut nichts Besonderes, weshalb Jeff Foster ja auch von einem ganz gewöhnlichen Leben spricht. Ja und – wieso schreibt dieser Typ dann überhaupt ein Buch, wenn sich im Grunde gar nichts geändert hat? Na ja, das hat sich ja schon geändert, dass da jetzt dieses Okaysein ist, dieses grundlegende JA zu allem, was erscheint. Ein JA, das nichts ausschließt, auch und vor allem nicht das NEIN. Und so könnte es von mir aus sein, dass sich Jeff Foster beim Besuch eines Fußballspiels über eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters tierisch aufregt (NEIN) und diese Aufregung total genießt (JA). Aber macht das nicht der Typ neben ihm auf der Tribüne auch? Hmm …

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Brad Warner: “Meister!”


In China gab es einen alten Zen-Meister,
der jeden Morgen aufstand und rief:

“Meister!”

Und sich selbst antwortete:

“Ja, Meister?”


Dann sagte er:

“Lass dich nicht täuschen , Meister!”

Und antwortete:

“Nein Meister, das werde ich nicht!”

aus: Brad Warner, “Hardcore Zen”

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Huang-po: Keine ist der ursprüngliche Dharma.



Als sich der Tathagata in dieser Welt manifestierte, wollte er ein einziges Fahrzeug der Wahrheit predigen. Aber die Menschen hätten ihm nicht geglaubt, hätten ihn verhöhnt und wären in das Meer der Leiden (Samsara) versunken. Andererseits wäre Schweigen Selbstsucht gewesen und er hätte nicht die Erkenntnis des geheimnisvollen Weges zum Segen der Lebewesen verbreiten können. So griff er zum Notbehelf – der Lehre von den drei Fahrzeugen. Da diese Fahrzeuge relativ größer und kleiner sind, mussten unvermeidlich oberflächlichere und tiefere Lehren entstehen. Keine davon aber ist der ursprüngliche Dharma. Darum heißt es, dass es nur den Weg des Einen Fahrzeuges gibt. Gäbe es mehr, wäre dies nicht die Wirklichkeit. Außerdem gibt es absolut keine Möglichkeit, den Dharma des Einen Geistes zu beschreiben. Darum rief der Tathagata den Kashyapa zu sich und ließ ihn niedersitzen auf dem Sitz, von dem das Gesetz verkündet wird. Hier vertraute er ihm unter vier Augen den wortlosen Dharma des Einen Geistes an. Dieser unverzweigte Dharma sollte gesondert geübt werden; dann sollten die, die wortlose Erleuchtung erlangten, den Zustand der Buddhaschaft erreichen.

aus: Huang-po, “Der Geist des Zen”

Eine schöne Geschichte, die Huang-po da erzählt. Buddha entdeckt den ursprünglichen Dharma und will seine Entdeckung nicht für sich behalten. Dieser Dharma wird auch  der wortlose Dharma des Einen Geistes genannt. Wie will Buddha den wortlosen Dharma  weitergeben? Man hätte ihn vermutlich nur verhöhnt, wenn er es in der “angemessenen Weise” getan hätte. Aber er wollte auch nicht aufgeben und einfach den Mund halten. Also “erfand” er die verschiedenen Fahrzeuge: Hinayana, Mahayana und Vajrayana. Die konnte man gut als Lehre weitergeben. Sie waren (und sind) allerdings nicht der geheimnisvolle, ursprüngliche Dharma. Diesen vertraute Buddha unter vier Augen dem Kashyapa an. Über diesen Augenblick der direkten Übertragung gibt es unterschiedliche Berichte. In einem Punkt stimmen diese Berichte jedoch überein: Die Übertragung geschah jenseits aller Worte. Wie wäre es auch anders möglich gewesen, nachdem der ursprüngliche Dharma nicht beschrieben werden kann? Die Vertreter der unterschiedlichen Fahrzeuge oder Wege können noch so viel streiten über die Richtigkeit ihres Weges, es spielt keine Rolle ob sie aus der Ecke der Hindus oder der Buddhisten oder der Synkretisten kommen und da wieder aus den unterschiedlichsten Richtungen, sie liegen alle daneben. Es gibt nur den wortlosen Dharma des Einen Geistes, auch wenn schon diese Benennung nichts aber auch gar nichts über den wortlosen Dharma des Einen Geistes aussagt. Dieser Dharma hat nicht einmal etwas mit Hinduismus oder Buddhismus zu tun. Er lässt sich auch im Islam entdecken, im Christentum, bei den Juden, den indigenen Völkern – es gibt keinen Ort, wo er nicht zu finden wäre. Sogar in diesem Blog, obwohl hier nur Blabla steht.

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Osho: So entsteht alle Weltabkehr.



Tantra sagt: Wenn du Ja sagst, dann sag einfach nur Ja. Setze es nicht gegen irgendein Nein. Aber genau das haben alle Religionen getan: Sie sagen Nein zur Welt und Ja zu Gott. Und sie sagen ihr Nein mit Nachdruck, damit ihr Ja umso mehr strahlt. Viele sog. Heilige  haben gebetet: “Herr, dich preisen wir, aber nicht deine Welt!” Ein merkwürdiges Lob. Ist das wahre Hingabe? Ihr wählt aus, ihr schneidet das Dasein entzwei. Ihr stellt euch höher als Gott. Ihr sagt: “Hiermit bin ich einverstanden, damit aber nicht.” So entsteht alle Weltabkehr. Wer der Welt den Rücken kehrt, ist nicht religiös. Aus der Welt des Tantra ist einer, der sich von der Welt abkehrt, ein Egoist.

aus: Osho, “Tantra, die höchste Einsicht”

Ei der Daus! Gerade bin ich in die NEIN-Partei gegangen und nun lese ich das! Ich soll einfach nur Ja sagen und es nicht gegen irgendein Nein setzen? Ich soll zu allem gottergeben Ja und Amen sagen? Und wenn ich das nicht tu, bin ich ein Egoist?

Na dann bin ich eben ein Egoist! Was hat man mich nicht schon alles genannt! Da ist “Egoist” ja wirklich noch harmlos. Oder hat Osho das vielleicht gar nicht so gemeint? So wäre das jedenfalls einfach nur Käse.

Ich bin sicher, dass er es nicht so gemeint hat. Es kann nicht darum gehen, nicht mehr Nein zu etwas sagen zu dürfen (als ob mir Osho oder sonst wer etwas verbieten könnten!). Das wäre einfach Schwachsinn! Wenn irgendein Führer mir befiehlt, in den Krieg zu ziehen, dann nehme ich mir das Recht heraus, dazu Nein zu sagen. Und wenn das jemand nicht für religiös hält, dann ist mir das aber schon so was von wurscht! Osho war kein Idiot. Das kann er nicht so gemeint haben. Gemeint hat er meiner festen Überzeugung nach das Nein zur Welt als Ganzes: Gott ist gut und die Welt ist des Teufels. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die meisten Religionen. Weltabkehr als höchste Tugend. Für Osho ist Weltabkehr immer auch die Abkehr von Gott. Denn Gott und Welt sind nicht zwei. Wie kann ich zum Feuer Ja und zur seiner Hitze und seinem Leuchten Nein sagen?

Und mein Nein z.B. zu kaltem Kaffee? Muss ich etwa Ja zu kaltem Kaffee sagen, um nicht als Egoist beschimpft zu werden? Blödsinn. Mein Nein und mein Ja zu diesem und jenem Ding in der Welt sind einfach nur Teil dieser Welt. Würde ich dieses Nein ablehnen, würde ich schon wieder die Welt ablehnen, denn die Welt besteht aus Ja und Nein. Welt bedeutet: Dualität. Dvaita. Würde ich Advaita bejahen und Dvaita verneinen, hätte ich genau damit unbewusst Dvaita bejaht.

Ich finde das ziemlich lustig, was der Verstand so mit diesem Ja und Nein für Spielchen veranstaltet. Das Nein zum Ja und das Ja zum Nein … was für ein munteres Tänzchen!

Unsere selbsternannten Führer zerstören beispielsweise die großen Regenwälder unseres Planeten. Sie sagen Nein zum Leben und hinterlassen überall nur Elend und Tod. Ist ein Nein zu diesem Nein nicht in Wahrheit einfach nur ein Ja?

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