In den folgenden Wochen und Monaten gab es andere Zeiten als diese, wenn Jeff dahinschmolz und mit ihm die Trennung und Isolation; da gab es Zeiten, in denen Tränen über die Ungeheuerlichkeit dessen flossen, was wir Leben nennen, über die Tatsache, dass es überhaupt “Dinge” gibt. Da waren Momente, wo es eine so wilde Liebe gab, dass es das Herz fast sprengte und es gab Zeiten, wo einfach nichts war: Keine Existenz, keine Welt, überhaupt keine Manifestation.
Diesen Zeiten wurde Bedeutung gegeben. Sie wurden “spirituelle Erfahrungen” oder “Erwachen” genannt und da war eine große Erregung.
Heute ist das ganze Drama verklungen. Da wird nur noch ein gewöhnliches Leben gelebt. Ob “Jeff” da ist oder nicht, hat keine Wichtigkeit. Ich kann nicht einmal sagen “Ich bin nicht hier” oder “Jeff gibt es nicht”, weil das einfach nur ein weiterer Gedanke, eine andere Identität wäre. Aber das ist das Feuer, das alle Identität verbrennt und dich als totales Mysterium für dich selbst zurücklässt.
Ja, das Ganze ist in ein sehr gewöhnliches Leben zusammengebrochen. Aber durch all das hindurch gibt es ein Gefühl von Gleichmut, ein “Okaysein” mit allem, was erscheint, eine tiefe unerschütterliche Sicherheit, dass alles genau so passiert, wie es soll. Das schließt den Schmerz genauso mit ein wie das Vergnügen, die Traurigkeit genauso wie die Freude.
aus: Jeff Foster, “Das Wunder des Seins”
“Aber durch all das hindurch gibt es ein Gefühl von Gleichmut, ein ‘Okaysein’ mit allem, was erscheint, eine tiefe unerschütterliche Sicherheit, dass alles genau so passiert, wie es soll. Das schließt den Schmerz genauso mit ein wie das Vergnügen, die Traurigkeit genauso wie die Freude.”
Ich hab mir diese Stelle heraus gepickt, weil da oft diese Vorstellung herumgeistert, dass dieses häufig beschriebene Gefühl von Gleichmut, von “Okaysein” mit allem, was er scheint, von dieser tiefen unerschütterlichen Sicherheit, dass alles genau so passiert, wie es soll, sich nur auf “das Geschehen da draußen” bezöge. Da sitzt dann jemand wie ein Himalaya inmitten dieser lächerlich winzigen Kalamitäten der Menschen, völlig unberührt von ihren abstrusen Lebensdramen und blickt mit einem unergründlich weisen Lächeln schweigend auf alles Vergängliche herab, bis er schließlich emporgehoben wird und für immer entschwindet in für uns Sterbliche unsichtbare himmlische Gefilde. Und wir, die Zurückgebliebenen, können dann nichts tun, als wieder neue Altäre bauen und neue Tempel und neue Religionen erfinden und hoffen und harren.
Den Zahn zieht hier Jeff Foster mit dem keinen Hinweis, dass das “Okaysein” mit allem was erscheint, eben auch den Schmerz mit einbezieht wie das Vergnügen, die Traurigkeit genauso wie die Freude. Schmerz, Vergnügen, Traurigkeit und Freude sind Erscheinungen, die Hinz und Kunz auch jederzeit in ihrem alltäglichen Leben wahrnehmen können. Also absolut nichts Besonderes, weshalb Jeff Foster ja auch von einem ganz gewöhnlichen Leben spricht. Ja und – wieso schreibt dieser Typ dann überhaupt ein Buch, wenn sich im Grunde gar nichts geändert hat? Na ja, das hat sich ja schon geändert, dass da jetzt dieses Okaysein ist, dieses grundlegende JA zu allem, was erscheint. Ein JA, das nichts ausschließt, auch und vor allem nicht das NEIN. Und so könnte es von mir aus sein, dass sich Jeff Foster beim Besuch eines Fußballspiels über eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters tierisch aufregt (NEIN) und diese Aufregung total genießt (JA). Aber macht das nicht der Typ neben ihm auf der Tribüne auch? Hmm … 