Dschuang-Tsu: Du bist nicht ich.


Eines Tages gingen Dschuang-Tsu und ein Freund

am Ufer des Flusses spazieren.

„Wie wohl sich doch die Fische im Wasser fühlen!“
rief Dschuang-Tsu aus.

„Du bist kein Fisch“, sagte sein Freund,
„wie willst du wissen, ob sich die Fische
wohlfühlen oder nicht?“

„Du bist nicht ich“, sagte Dschuang-Tsu,
„wie willst du wissen, dass ich nicht weiß,
dass sich die Fische im Wasser wohlfühlen?“

Taoistisches Mondo

Mondo ist ein kurzer Dialog zwischen Lehrer und Schüler oder spontaner Austausch zwischen zwei Meistern, in dem die eigentliche Erkenntniserfahrung ausgedrückt werden soll. (aus dem Zen)

Das erinnert mich irgendwie an das sog. Gestaltgebet:

Ich tu, was ich tu; und du tust, was du tust.
Ich bin nicht auf dieser Welt, um nach deinen Erwartungen zu leben,
Und du bist nicht auf dieser Welt, um nach den meinen zu leben.
Du bist du, und ich bin ich.
Und wenn wir uns zufällig finden – wunderbar.
Wenn nicht, kann man auch nichts machen.

Fritz Perls

Für Beziehungen, in denen ständig das Ich dem Wir (dem erweiterten Ich) geopfert wird, ein bedenkenswerter Text. Man spricht hier auch gerne von der Kolonialisierung des anderen. Dafür kann das Gestaltgebet möglicherweise wirklich die “liebe”-verklebten Äuglein öffnen.

Gerade denke ich an das wundervolle SF-Büchlein “Der Planet des Ungehorsams” von Eric Frank Russell, das uns Eno kürzlich freundlicherweise nahe gebracht hat. Auch da geht es um dieselbe Thematik.

Dschuang-Tsu hinterfragt mit seinen Sätzen die Logik seines Gesprächspartners. Als er einmal die Fischlein im Wasser herumflitzen sieht, ruft er begeistert aus: “Wie wohl sich doch die Fische im Wasser fühlen!” Sein Freund ist ein kluger Kopf. Er sagt: “Du bist kein Fisch, wie willst du wissen, ob sich die Fische wohlfühlen oder nicht?” Tja, das ist nun die Frage: Hat Dschuang-Tsu Tomaten auf den Augen und bildet sich alles nur ein oder kriegt er wirklich mit, wie wohl sich die Fische fühlen?

Aber wir sind doch angeblich alle eins?  Denkste!

Dschuang-Tsu hat jedenfalls kein Problem mit der Provokation seines Freundes. Er antwortet ihm, indem er dessen Logik gegen ihn selbst richtet: “Du bist nicht ich, wie willst du wissen, dass ich nicht weiß, dass sich die Fische im Wasser wohlfühlen?” Tja, wie will er das wissen? Er kann es nicht wissen. Und so ist es mit all den Projektionen und den Diagnosen der Ärzte und Psychologen und Politiker und auch der Naturwissenschaftler und, hmm ja, sogar den meinigen. Wir haben alle keine Ahnung. Halt, bis auf eine Ausnahme: Ernie hat natürlich eine Ahnung. Sogar mehr als diese. Ernie weiß. ( Das schreib ich jetzt bloß, damit Ernie sich wieder mal blicken lässt und mir zeigt, wo Barthel den Most holt!)

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6 Antworten zu Dschuang-Tsu: Du bist nicht ich.

  1. Swami Prem Punito schreibt:

    Guten Morgen Nitya ,
    Hier mal ein kleiner Fische- Wohlseinbeitrag . Viel Spaß beim lesen . :-)
    http://www.zierfischparadies.lima-city.de/fisch_des_monats_schokoladengurami.html
    L.G. Punito

  2. Selma schreibt:

    “Wie wohl sich doch die Fische im Wasser fühlen?”

    Gestern sah ich eine Dokumentation. Es ging um die optimale Schweinehaltung. Wenn Schweine einen richtigen Ringelschwanz haben, dann fühlen sie sich wohl, so in etwa hieß es.

    Woher will jemand wissen, dass Schweine sich wohl fühlen, nur weil ihr Schwanz sich ordentlich ringelt? Karl Renz ist ja auf einem Bauernhof groß geworden, ob ich den mal frage?

    Hab’ ich jetzt wieder alles vorgesagt und hast du unterm Popo den virtuellen Kaugummi gefunden? M(e)ister Nitya ;) und ist das auch son Mondo, das mit dem “woher willst du wissen, dass es nicht auch virtuelle Kaugummis gibt auf denen du kleben bleibst? ;)

    Tja auch Schokoladenfische sind eben nur Fische. Und Weißwurst ist kein Ringelschwanz, doch man kann sie auszutzeln und dazu Weißwurstsenf essen und Weißbier süffeln.

    Selma hat wie immer ihren Senf dazu geben müssen und geht freiwillig sofort sich in die Ecke stellen und beredt schweigen üben :)

    S.

  3. Selma schreibt:

    “Die Vögel hatten gerade Junge, und man konnte sie von einem hoch gelegenen Aussichtspunkt aus recht gut bei der Brutpflege beobachten. Nico strahlte, als Uwe ihn fragte, ob er Lust hätte, hinzuwandern und den Vögeln zuzusehen.”

    http://www.bastei.de/beitrag/standardbeitrag_1742997.html

    Schokoladenguramis sind sehr ruhige und schreckhafte Fische, jedoch kann es untereinander öfters zu Machtkämpfen kommen.

    http://www.zierfischparadies.lima-city.de/fisch_des_monats_schokoladengurami.html

    Wie wohl sich doch die Fische im Wasser fühlen!“

    Die Gemeinsamkeit ist auf jeden Fall gegeben, da es um Beobachtung von Tieren geht? Und woher will ich wissen, ob nicht doch eine verzweifelte Frau, schreckhafte Schokoladenfische und Fische, die sich im Wasser wohlfühlen, etwas gemeinsam haben?
    ;)

    ..

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